Mittwoch, Juli 1, 2026
StartInterviewsSONALAB: Verändert KI die Zukunft der Synchronisation dauerhaft?

SONALAB: Verändert KI die Zukunft der Synchronisation dauerhaft?

SONALAB entwickelt KI-gestützte Lösungen für die Synchronisation und unterstützt Studios dabei, Medieninhalte schneller, effizienter und nahtlos in bestehende Produktionsabläufe zu lokalisieren

Welche Idee steckt hinter SONALAB und wie ist das Unternehmen entstanden?

SONALAB bringt KI-gestütztes Dubbing dorthin, wo professionelle Synchronarbeit tatsächlich passiert: in die Timeline des Studios. Unser erstes Produkt ist ein Plug-in für gängige Schnittprogramme wie Pro Tools, Nuendo und Reaper, das Synchronfassungen erzeugt und dabei Stimme und Spiel der Originalsprecherinnen und -sprecher erhält. Entstanden ist das Unternehmen aus einer Forschungspartnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. Alexander Wolf kommt aus der Ton- und Sounddesign-Welt, unter anderem von Bavaria Film und ZDF. Sören Hübner bringt die Software- und Machine-Learning-Seite mit. Wir haben im Studioalltag gesehen, woran es hakt, und festgestellt: Es gibt starke KI-Stimmen, aber kaum eine, die wirklich in die Abläufe einer professionellen Produktion passt. Genau dort setzen wir an.

Wie würden Sie SONALAB jemandem erklären, der bisher wenig Berührungspunkte mit KI-gestützter Sprachproduktion hat?

Fast jeder kennt das Gefühl, eine Lieblingsserie in der eigenen Sprache zu sehen, ohne darüber nachzudenken, wie viel Arbeit hinter dieser Stimme steckt. Genau diese Arbeit ist heute teuer und langwierig, besonders wenn ein Titel gleichzeitig in vielen Sprachen erscheinen soll. SONALAB hilft Studios dabei, diese Fassungen schneller zu erstellen, direkt in der Software, mit der sie ohnehin arbeiten. Das Team nimmt die Originalspur, lässt sie übersetzen und erzeugt daraus eine neue Sprachfassung, die Charakter und Emotion der Originalstimme bewahrt. Wichtig ist: Der Mensch behält in jedem Schritt die Kontrolle und kann eingreifen. Wir liefern das Werkzeug, die Entscheidungen bleiben im Studio.

Welche Vision verfolgen Sie mit SONALAB für die Zukunft der Synchronisation und Lokalisierung von Medieninhalten?

Wir arbeiten auf eine Welt hin, in der jede Geschichte jedes Publikum erreicht, in jeder Sprache, ohne dass dabei die Stimme, das Spiel oder die Rechte der Menschen verloren gehen, die sie zum Leben erwecken. Sprache soll keine Barriere mehr sein, weder für große Produktionen noch für kleinere. Dazu gehört für uns, Sprachen wirtschaftlich zugänglich zu machen, die heute oft übergangen werden, etwa kleinere europäische Sprachen. Genauso wichtig ist ein fairer Umgang mit den Stimmen selbst. Wir nehmen der Synchronarbeit ihre Engpässe und lassen das Handwerk dort, wo es hingehört: bei den Profis.

An welche Zielgruppen richten sich Ihre Lösungen besonders und welche Herausforderungen möchten Sie für diese Kunden lösen?

Im Kern richten wir uns an mittelständische Post-Production- und Synchronstudios sowie an Sender-Redaktionen in Europa. Diese Häuser stehen unter wachsendem Druck, Inhalte gleichzeitig in vielen Sprachen und in immer kürzeren Zeitfenstern zu veröffentlichen. Synchronisation ist dabei meist der letzte Schritt im Prozess und gerät am stärksten unter Zeit- und Kostendruck. Wir wollen ihnen diesen Engpass nehmen, ohne dass sie ihre Arbeitsweise umstellen oder die Kontrolle abgeben müssen. Wichtig ist uns die Haltung dahinter: Wir kommen zu der Branche, nicht gegen sie. SONALAB ist ein Werkzeug, das die Arbeit der Studios beschleunigt und absichert.

Mit SONALAB lassen sich Sprach- und Synchronisationsprozesse automatisieren. Wo sehen Sie die größten Vorteile für Medienunternehmen?

Der größte Vorteil ist, dass Teams Engpässe loswerden, ohne Qualität oder Kontrolle aufzugeben. Aufwändige Schritte werden schneller und deutlich günstiger, aber die Entscheidungen bleiben im Studio, und Stimme, Spiel und Timing der Originale bleiben erhalten. Ein zweiter Vorteil ist die Integration: Unsere Lösung läuft direkt in der Timeline der Schnittsoftware, sodass niemand zwischen Werkzeugen wechseln muss. Ein dritter Punkt ist Verfügbarkeit. Revisions- und Feedbackschleifen lassen sich ohne den üblichen Terminstress erledigen. Unter dem Strich entlastet das die Teams, statt sie zu ersetzen.

Was unterscheidet SONALAB von anderen Anbietern im Bereich KI-gestützte Sprach- und Voice-over-Lösungen?

Viele bekannte KI-Stimmen-Werkzeuge leben im Browser. Wir leben im Studio, direkt in den Schnittprogrammen, die Profis täglich nutzen, und wir haben das Produkt entlang echter Synchronprozesse gemeinsam mit Studios entwickelt, nicht am Reißbrett. Diese Kombination aus Workflow-Nähe und Co-Entwicklung ist unser eigentlicher Unterschied. Dazu kommt unsere Herkunft als Fraunhofer-Spinoff, die für Substanz und ein solides technisches Fundament steht. Und schließlich der Vertrauensrahmen: EU-Entwicklung, Datenhoheit, Watermarking und Einwilligung. Das ist nicht unsere Schlagzeile, sondern die Voraussetzung dafür, dass auch sensible Produktionen KI überhaupt einsetzen dürfen.

Wie wichtig ist die Integration in bestehende Produktions- und Postproduktions-Workflows für den Erfolg Ihrer Plattform?

Sie ist für uns der entscheidende Punkt. Aus unseren Pilotprojekten haben wir gelernt, dass nicht die reine Stimmqualität über die Akzeptanz entscheidet, sondern wie gut sich eine Lösung in den Arbeitsalltag einfügt. Profis wechseln nicht gern ihre Werkzeuge, und das aus gutem Grund. Deshalb läuft SONALAB als Plug-in direkt in Programmen wie Pro Tools, Nuendo und Reaper. Das fertige Audio landet per Drag-and-drop wieder an der richtigen Stelle in der Timeline, ohne Umweg. Diese nahtlose Einbindung ist der eigentliche Hebel dafür, dass Studios neue Technik überhaupt im Alltag nutzen.

SONALAB ist Teil des Hub Potsdam. Welche Rolle spielt das Umfeld dort für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmens?

Der MediaTech Hub Potsdam ist Deutschlands einziger Digital Hub mit Fokus auf Medientechnologien und sitzt mitten im Ökosystem Babelsberg, direkt am Studio Babelsberg. Für uns ist das naheliegend, weil unsere Kunden und Partner genau hier zu Hause sind, von Produktionsfirmen bis zu Hochschulen. Über den Accelerator des Hubs profitieren wir von kurzen Wegen zwischen Idee und Anwendung. Wir können neue Funktionen im direkten Umfeld laufender Produktionen testen und bekommen ehrliches Feedback aus der Praxis. Dieses Zusammenspiel aus Technologie, Forschung und Medienproduktion an einem Ort passt sehr gut zu dem, was wir bauen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Verbindung von Künstlicher Intelligenz und professioneller Medienproduktion?

Die größte Herausforderung ist Vertrauen. Profis akzeptieren KI nur, wenn die Qualität verlässlich stimmt und der Mensch die Kontrolle behält. Dazu kommt ein sensibles Klima rund um Stimmen und Rechte. Wir bauen SONALAB für Studios, nicht gegen Sprecherinnen und Sprecher. Deshalb sind Einwilligung, Nachvollziehbarkeit und faire Einbindung bei uns von Anfang an eingebaut und nicht nachträglich drangeschraubt. Wir versprechen nicht, dass Maschinen besser klingen als Menschen. Wir zeigen lieber konkret, was funktioniert, und überlassen das Urteil den Studios.

Welche Impulse erhält SONALAB durch den Austausch mit anderen Startups und Technologieunternehmen im Hub Potsdam?

Der Austausch hält uns nah an realen Produktionsfragen. Andere Teams arbeiten an Virtual Production, Streaming oder neuen Distributionswegen, und im Gespräch sehen wir früh, wo sich Technologien sinnvoll verbinden lassen. Weil hier Gründende und Produktionsprofis direkt zusammenkommen, lernen wir viel über den tatsächlichen Studioalltag. Solche kurzen Wege ersparen uns Umwege und helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen. Gleichzeitig entstehen Kontakte zu möglichen Partnern und Pilotkunden. Dieser ständige Praxisbezug ist für uns wertvoller als jede Theorie.

An welchen neuen Funktionen oder Entwicklungen arbeitet SONALAB aktuell, um die Lokalisierung und Synchronisation weiter zu verbessern?

Wir entwickeln unser Plug-in gerade zu einer vollständigen Studio-Plattform weiter, die den gesamten Synchronprozess abbildet. Parallel arbeiten wir an Lippensynchronität und an einem Stimmarchiv, in dem Studios mit ausdrücklicher Einwilligung wiederkehrende Stimmen verwalten können. Dazu kommen Funktionen für gemeinsame Reviews und Kommentare im Team. Ein Schwerpunkt liegt auf ressourceneffizienten Modellen für kleinere Sprachen, die bisher wirtschaftlich kaum bedient werden. Außerdem bauen wir Vertrauen weiter aus, mit Watermarking schaffen wir einen nachvollziehbaren Rahmen. Den öffentlichen Launch des Plug-ins planen wir für September 2026 auf der Branchenmesse IBC in Amsterdam.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein Technologie-Startup aufbauen möchten?

Reden Sie früh und ehrlich mit echten Nutzern, statt zu lange im Stillen am perfekten Produkt zu feilen. Unsere wichtigsten Erkenntnisse kamen aus der Praxis, nicht aus Annahmen. Bauen Sie ein Team und ein Netzwerk, das Ihre eigenen Lücken füllt, denn die richtige Kombination aus Können und Beziehungen ist oft entscheidender als die Technologie allein. Und machen Sie den lauten Hype nicht einfach mit. Gerade bei KI lohnt es sich, nüchtern zu bleiben, Verantwortung und Vertrauen von Beginn an mitzudenken und lieber zu zeigen, was wirklich funktioniert, als die Zukunft zu beschwören.

Bildcredits Johannes Heinecke

Wir bedanken uns bei Alexander Wolf und Sören Hübner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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