Immer neue Tools, Datenquellen und KI-Modelle: Viele Unternehmen investieren massiv in Technologie, verlieren im Systemdschungel jedoch die Handlungsfähigkeit – ein Problem, das Gründer und Quereinsteiger Yavuz Yildiz mit seinem Startup Xient durch radikale Klarheit und interdisziplinäre Teams lösen will.
Herr Yildiz, können Sie Xient kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung Ihres Unternehmens entstanden ist?
Ich denke, viele Unternehmen erleben gerade etwas, das zunächst gar nicht nach einem Technologieproblem aussieht. Über Jahre kommen neue Systeme hinzu. Neue Datenquellen. Neue Anforderungen. KI steigert diese Dynamik und Komplexität zusätzlich: Hier noch ein Tool, dort noch ein Update, noch eine Plattform. Alles für sich genommen sinnvoll. Irgendwann merkt man aber, dass nicht die Technologie das Problem geworden ist, sondern die Orientierung. Die Systeme werden mehr, die Klarheit immer weniger. Entscheidungen dauern länger, Abstimmungen werden schwieriger und im schlimmsten Fall geht die Handlungsfähigkeit verloren. Weniger, weil es an Daten oder Technologie fehlt, sondern weil niemand mehr das große Ganze überblickt.
Ich benutze dafür gerne das Bild einer Uhr: Wir bauen immer neue Funktionen ein, immer präzisere Zahnräder, immer intelligentere Mechanismen. Am Ende haben wir eine beeindruckende Uhr, aber wir verlieren die Fähigkeit, sie zu lesen. Genau dort arbeiten wir mit Xient. Wir helfen Unternehmen dabei, komplexe Daten-, System- und Transformationslandschaften so zu ordnen, dass aus Komplexität wieder Klarheit entsteht. Denn erst wenn Menschen verstehen, was sie vor sich haben, können sie gute Entscheidungen treffen und neue Technologien sinnvoll nutzen.
Die Idee zur Gründung ist aus meiner eigenen Laufbahn entstanden. Ich habe viele Jahre in internationalen Transformationsprojekten gearbeitet und dabei immer wieder erlebt, dass die eigentliche Herausforderung tatsächlich selten die Technologie allein ist. Meist fehlt jemand, der zwischen Fachbereichen, IT und Management übersetzen kann.
Deshalb wollte ich keine klassische IT- oder SAP-Beratung aufbauen. Mich hat immer interessiert, warum Projekte ins Stocken geraten und wie man Menschen wieder Orientierung gibt. Technologie ist dabei ein wichtiger Teil der Lösung, aber eben nicht die Lösung allein. Heute arbeiten wir mit einem interdisziplinären Team an Daten-, KI- und Transformationsprojekten für Mittelstand, DAX-Konzerne und europäische Forschungsprojekte. Uns verbindet dabei eine Überzeugung: Zukunft entsteht nicht dadurch, dass Unternehmen immer neue Technologien einkaufen. Sie entsteht, wenn Menschen verstehen, wie sie diese sinnvoll nutzen können.
Sie sind Autodidakt und Quereinsteiger. Wie hat Ihr eigener Werdegang Ihre Sicht auf Talente, Karrierewege und Unternehmensaufbau geprägt?
Mein Berufsleben begann sogesehen mit einem Abschied. In meinen ersten Tagen als Berufsanfänger besuchten wir bei einer Werksführung das ThyssenKrupp-Werk in Dortmund – in den letzten Tagen, in denen dort noch Hochöfen standen. Der Mann, der uns durch das Werk führte, hatte sein ganzes Berufsleben dort verbracht. Schon sein Vater und sein Großvater hatten dort gearbeitet. Früher, erzählte er, habe es geheißen: „Dein Opa hat hier gearbeitet, dein Vater arbeitet hier, du wirst hier arbeiten und deine Kinder vermutlich auch.“ So kam es nicht. Man sah ihm an, was diese Erkenntnis mit ihm machte.
Für fast jeden in meinem Umfeld war das kein Strukturwandel auf dem Papier, sondern der Boden, der unter den Füßen nachgab. Ich zog daraus einen einfachen Schluss: Wer nicht nach unten will, muss nach oben. Für mich hieß das damals: der neuesten Technologie hinterherzulaufen, zu lernen, mich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten, egal wo auf der Welt. Den Satz „wer stehen bleibt, geht unter“ hatte ich mir zu eigen gemacht, fast um jeden Preis, nicht nur in der IT.
Viele Jahre später habe ich gemerkt, dass dieser Satz nur die halbe Wahrheit ist. Die nächste Bergspitze sieht genauso aus. Derselbe Aufstieg, dieselbe Mühe, derselbe kurze Moment oben. Ich war so mit dem Hinterherlaufen beschäftigt, dass ich aufgehört hatte zu fragen, wohin eigentlich. Es zählt nicht nur das Tempo, sondern die Richtung.
Das prägt heute auch meine Antwort auf KI. Die Technologie entwickelt sich in einem unglaublichen Tempo. Noch ein Modell, noch ein Tool, noch ein Update. Ich verstehe jeden, der das Gefühl hat, ständig hinterherlaufen zu müssen. Mir geht es manchmal genauso. Aber gegen zu viel Tempo hilft nicht mehr Tempo. Es hilft Klarheit.
Das Pikante daran ist, dass ich genau diese Klarheit ausgerechnet wieder im Ruhrgebiet gefunden habe – dort, wo ich einmal losgelaufen bin. Ich bin um die halbe Welt gerannt und am Ende dort angekommen, wo alles begann. Nur sehe ich heute anders auf die Dinge. Vielleicht schaue ich deshalb auch anders auf Menschen. Ein Lebenslauf erzählt, wo jemand war. Er sagt aber nur selten etwas darüber, wie jemand denkt, wie neugierig er ist oder ob er bereit ist, sich immer wieder neu einzuarbeiten.
Welche Vision verfolgen Sie mit Xient, und welche Rolle möchten Sie bei der digitalen Transformation von Unternehmen einnehmen?
Ich glaube, Unternehmen verwechseln in unserer heutigen Zeit oft Geschwindigkeit mit Fortschritt. Sie investieren in KI, automatisieren Prozesse und führen immer neue Technologien ein. Das ist grundsätzlich richtig. Doch KI macht die Welt nicht einfacher. Sie macht sie zunächst komplexer. Noch ein Modell, noch ein Tool, noch eine Entscheidung. Gegen diese Komplexität hilft aus meiner Sicht nicht noch mehr Geschwindigkeit. Es hilft Klarheit.
Deshalb verstehen wir unsere Rolle auch etwas anders als viele klassische Technologieberatungen. Wir wollen Unternehmen nicht möglichst schnell durch die nächste Transformation treiben. Wir wollen ihnen helfen, Orientierung zu gewinnen. Denn erst wenn Daten, Systeme und Menschen zusammenfinden, entstehen gute Entscheidungen. Und aus guten Entscheidungen entsteht Zukunftsfähigkeit. Meine Vision für Xient ist deshalb eigentlich eine sehr einfache: Ich möchte, dass Unternehmen nicht jeder neuen Bergspitze hinterherlaufen müssen. Ich möchte, dass sie wissen, warum sie losgehen und wohin.
Viele Technologieunternehmen legen bei Bewerbungen großen Wert auf Abschlüsse und lückenlose Lebensläufe. Warum halten Sie diesen Ansatz für überholt?
Ich kann gut verstehen, warum Unternehmen so auswählen. Ein Abschluss, ein geradliniger Lebenslauf oder die Stationen bei bekannten Unternehmen vermitteln zunächst einmal Sicherheit. Gerade wenn Fachkräfte knapp sind, greift man gern auf das zurück, was sich leicht vergleichen und einordnen lässt.
Ich frage mich aber, ob das heute noch ausreicht. Die Welt verändert sich schneller als jeder Studienplan. KI ist dafür das beste Beispiel. Was heute aktuell ist, kann in einem Jahr schon wieder überholt sein. Das bedeutet, dass wir alle ständig lernen müssen, unabhängig davon, welchen Abschluss wir haben. Deshalb interessiert mich bei Bewerbungen irgendwann eine andere Frage: Wie geht jemand mit etwas um, das er noch nicht kennt? Hat er oder sie den Ehrgeiz, sich ein komplexes Thema zu erschließen? Werden die richtigen Fragen gestellt? Bleibt er oder sie dran, wenn es schwierig wird?
Ich habe selbst keinen klassischen Karriereweg hinter mir. Vielleicht schaue ich deshalb anders auf Menschen. Ein Lebenslauf erzählt, wo jemand war. Er erzählt aber nur selten, wie jemand denkt. Gerade in Transformationsprojekten brauchen wir aber Teammitglieder, die sich immer wieder auf Neues einlassen können. Technologie entwickelt sich weiter. Methoden entwickeln sich weiter. Die Fähigkeit zu lernen bleibt. Und ich glaube, genau darin liegt heute das eigentliche Potenzial.
Sie sagen, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger häufig die besseren Technologieübersetzer sind. Welche Eigenschaften machen diese Menschen aus Ihrer Sicht besonders wertvoll?
Meiner Überzeugung nach, weil sie gelernt haben, zwischen verschiedenen Welten zu wechseln. Wer einen klassischen Karriereweg geht, bewegt sich oft viele Jahre in denselben Denkmustern. Das ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil, daraus entsteht fachliche Tiefe. Aber Menschen mit ungewöhnlichen Lebensläufen mussten sich häufiger auf Neues einstellen. Sie haben gelernt, sich einzuarbeiten, Fragen zu stellen und unterschiedliche Perspektiven miteinander zu verbinden. Genau das brauchen wir heute in Transformationsprojekten.
Die wenigsten Projekte scheitern daran, dass niemand SAP versteht oder niemand etwas über KI weiß. Sie scheitern oft daran, dass IT, Fachbereiche und Management aneinander vorbeireden. Jeder kennt die eigene Sprache, aber kaum jemand übersetzt sie. Wir müssen heute besser zuhören können denn je. Zusammenhänge erkennen. Und bereit sein, uns immer wieder auf neue Themen einzulassen. Natürlich gibt es diese Menschen auch mit einem klassischen Werdegang. Aber ich habe häufig erlebt, dass Quereinsteiger genau diese Fähigkeiten besonders stark ausgeprägt haben. Vielleicht, weil sie selbst immer wieder neue Sprachen lernen mussten, fachlich wie menschlich. Am Ende entscheidet nicht das beste Tool über den Erfolg, sondern ob Menschen es gemeinsam verstehen und sinnvoll nutzen.
Bei Xient achten Sie stärker auf Neugier, Lernfähigkeit und Problemlösungskompetenz als auf den klassischen Lebenslauf. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Ansatz gemacht?
In unseren Projekten gibt es selten Standardlösungen. Jede Kund bringt eine andere Organisation, andere Systeme und andere Herausforderungen mit. Man muss sich jedes Mal neu hineindenken, Fragen stellen, zuhören und ein Problem wirklich verstehen wollen. Deshalb schaue ich bei Bewerbungen heute auf etwas anderes. Fachliche Exzellenz ist wichtig, darüber gibt es für mich keine Diskussion. Aber ich frage mich genauso: Wie geht jemand mit einer Situation um, die er noch nicht kennt? Ist da Neugier? Hat jemand den Ehrgeiz, sich etwas zu erschließen? Bleibt er oder sie dran, wenn es kompliziert wird?
Daraus ist auch unsere Unternehmenskultur entstanden. Wir haben Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensläufen. Gerade diese Mischung macht uns stärker, weil jede etwas anderes mitbringt. Am Ende ist das vielleicht die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben: Technologie verändert sich ständig. Die Fähigkeit zu lernen bleibt. Und deshalb stellen wir lieber Menschen ein, die auch in fünf Jahren noch wachsen wollen, als Menschen, die heute schon jede Antwort kennen.
Xient begleitet Unternehmen bei Transformations-, Daten- und KI-Projekten. Wie wichtig sind dabei interdisziplinäre Teams mit unterschiedlichen Perspektiven?
Ich habe in den vergangenen Jahren viele Transformationsprojekte erlebt. Und ich würde sagen: Die wenigsten Unternehmen sind zuvor an der Technologie selbst gescheitert. Oft war das Wissen, Daten und die Systeme da. Das Problem war vielmehr, dass jeder nur seinen eigenen Ausschnitt gesehen hat. Die IT hat anders auf das Projekt geschaut als die Fachbereiche. Das Management hatte wieder eine andere Perspektive. Alle hatten ihren Teil der Wahrheit, aber niemand das ganze Bild.
Deshalb betrachte ich Transformation heute vor allem als Übersetzungsarbeit. Wir brauchen Menschen, die technische Zusammenhänge verstehen. Genauso brauchen wir Menschen, die Geschäftsprozesse kennen, Organisationen verstehen oder Forschungserfahrung mitbringen. Erst wenn diese Perspektiven zusammenkommen, entsteht ein Gesamtbild. Und erst dann können gute Entscheidungen entstehen.
Das gilt heute mehr denn je. KI macht viele Dinge einfacher, gleichzeitig erhöht sie die Komplexität. Neue Möglichkeiten bedeuten auch neue Fragen. Genau deshalb reicht es aus meiner Sicht nicht mehr, wenn jede Disziplin für sich arbeitet. Ich habe gelernt, dass die besten Lösungen meistens dort entstehen, wo unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen und Menschen bereit sind, einander zuzuhören.
Vielfalt wird häufig über Herkunft definiert. Warum beginnt Diversität aus Ihrer Sicht vor allem mit unterschiedlichen Denkweisen und Erfahrungen?
Herkunft ist ein Teil von Vielfalt, aber sie allein macht noch keine unterschiedlichen Perspektiven aus. Zwei Menschen können im selben Ort aufgewachsen sein und trotzdem völlig unterschiedlich denken. Genauso können Menschen aus verschiedenen Ländern sehr ähnliche Erfahrungen und Sichtweisen haben.
Für mich entsteht Vielfalt vor allem durch unterschiedliche Lebenswege. Es geht mir um die Vielfalt von Erfahrungen. Jemand, der sich vieles selbst erarbeitet hat, bringt oft einen anderen Blick mit als jemand, der einen klassischen Karriereweg gegangen ist. Beides ist wertvoll. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Erfahrungen zusammenkommen und sich ergänzen.
Bei Xient versuchen wir Teams zusammenzustellen, in denen verschiedene Denkweisen aufeinandertreffen. Menschen, die analytisch denken, Menschen mit Projekterfahrung, mit Forschungshintergrund oder mit einem untypischen Werdegang. Diese Vielfalt führt oft zu besseren Fragen und damit auch zu besseren Lösungen und die Reduktion von blinden Flecken. Für mich ist Diversität deshalb kein Selbstzweck. Sie ist eine Voraussetzung dafür, komplexe Herausforderungen aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Genau das brauchen Unternehmen heute mehr denn je.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen, wenn Sie Unternehmen davon überzeugen möchten, ihre Recruiting-Strategien und ihre Unternehmenskultur neu zu denken?
Ich glaube gar nicht, dass Unternehmen grundsätzlich falsch rekrutieren. Sie suchen nach Sicherheit. Ein geradliniger Lebenslauf, ein bekannter Arbeitgeber oder ein bestimmter Abschluss geben zunächst das Gefühl, eine gute Entscheidung zu treffen. Das kann ich nachvollziehen.
Die Frage ist nur, ob diese Kriterien noch ausreichen. Ich habe den Eindruck, dass sich unsere Arbeitswelt gerade schneller verändert als die Muster, nach denen wir Menschen auswählen. Unternehmen müssen anfangen, Potenzial genauso ernst zu nehmen wie Erfahrung. Die entscheidende Frage ist für mich nicht nur: Was kann jemand heute? Sondern auch: Wie entwickelt sich jemand weiter? Ähnlich ist es mit der Unternehmenskultur. Unterschiedliche Perspektiven einzustellen ist der einfache Teil. Schwieriger wird es, ihnen wirklich zuzuhören und Brücken zu bauen. Vielfalt entfaltet ihren Wert erst dann, wenn Menschen unterschiedliche Sichtweisen einbringen dürfen und daraus gemeinsam bessere Entscheidungen entstehen.
Employer Branding in der Tech-Branche dreht sich häufig um Technologien und Benefits. Was sollten Unternehmen stattdessen stärker in den Mittelpunkt stellen?
Die meisten Menschen möchten Teil von etwas sein. Sie möchten verstehen, welchen Beitrag ihre Arbeit leistet, ob sie sich weiterentwickeln können und ob ihre Ideen ernst genommen werden. Das ist aus meiner Sicht viel entscheidender als die Frage, ob es den neuesten Laptop oder jeden Freitag Pizza gibt.
Gerade in der Technologiebranche verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens damit, komplexe Probleme zu lösen. Dafür braucht es ein Umfeld, in dem Menschen lernen dürfen, Verantwortung übernehmen und auch einmal Fehler machen können. Das lässt sich nicht mit Benefits ersetzen.
Bei Xient versuchen wir deshalb zu zeigen, wie wir zusammenarbeiten. Wir geben Menschen die Möglichkeit, sich in neue Themen einzuarbeiten, an Forschungsprojekten mitzuwirken oder Verantwortung in anspruchsvollen Kundenprojekten zu übernehmen. Das zieht genau die Menschen an, die wir suchen: neugierig, lernbereit und mit dem Anspruch, sich weiterzuentwickeln.
Employer Branding beginnt deshalb nicht mit der Frage, wie ein Unternehmen nach außen wirkt. Es beginnt mit der Frage, welche Kultur Menschen jeden Morgen erleben, wenn sie zur Arbeit kommen. Wenn diese Kultur stimmt, wird sie früher oder später auch nach außen sichtbar.
Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Xient aktuell im Fokus?
Wir stehen gerade an einem spannenden Punkt. Viele Unternehmen beschäftigen sich verständlicherweise mit den Problemen von heute. Gleichzeitig entstehen die Technologien, die ihre Arbeit in fünf oder zehn Jahren prägen werden, schon jetzt.
Deshalb war es für mich immer wichtig, dass Xient nicht nur im operativen Geschäft arbeitet. Wir wollen genauso verstehen, was als Nächstes kommt. Aus diesem Grund engagieren wir uns seit Jahren in europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten, unter anderem in Horizon-Europe- und Erasmus+-Programmen. Dort beschäftigen wir uns mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity, Datenräumen, Nachhaltigkeit oder intelligenter Infrastruktur. Dieses Wissen nehmen wir nicht als Selbstzweck mit. Wir bringen es zurück in die Unternehmen und verbinden es mit den Herausforderungen, die unsere Kund heute beschäftigen.
Gleichzeitig möchten wir weiter wachsen und die richtigen Menschen gewinnen. Menschen, die neugierig sind und Lust haben, Verantwortung zu übernehmen. Denn am Ende entsteht Zukunft nicht im Labor und auch nicht im Besprechungsraum. Sie entsteht dort, wo neue Ideen den Weg in die Praxis finden. Genau daran möchten wir weiterarbeiten.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen aufbauen und dabei bewusst auf vielfältige Lebensläufe und Perspektiven setzen möchten?
Ich tue mich immer etwas schwer mit Ratschlägen, weil jedes Unternehmen seinen eigenen Weg finden muss. Aber drei Dinge habe ich auf meinem eigenen Weg gelernt, die ich hier teilen möchte.
Erstens: Stellen Sie Menschen nicht für das ein, was sie gestern gemacht haben. Stellen Sie sie für das ein, was sie morgen lernen können. Gerade in der Technologie verändert sich die Welt so schnell, dass Lernfähigkeit aus meiner Sicht wichtiger wird als perfekte CVs.
Zweitens: Die spannendsten Diskussionen in unserem Unternehmen entstehen oft dann, wenn unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen. Das kostet manchmal Zeit. Aber genau dort entstehen meistens die besseren Lösungen. Wer nur Menschen einstellt, die genauso denken wie man selbst, bekommt selten neue Perspektiven.
Und drittens: Seien Sie bereit, Ihre eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Ich war lange überzeugt, dass der nächste Schritt automatisch der richtige ist. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die nächste Bergspitze genauso aussieht wie die vorherige. Seitdem frage ich mich nicht mehr zuerst, wie schnell wir wachsen können, sondern ob wir in die richtige Richtung gehen. Ich glaube, diese Frage sollten sich Unternehmen genauso stellen wie Gründer.
Bildrechte: Xient GmbH
Wir bedanken uns bei Yavuz Yildiz für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.














