Dienstag, Juli 14, 2026
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InCycling im Interview: Wie KI überschüssige Chemikalien vor der Vernichtung rettet

Jedes Jahr werden in der Pharma- und Chemieindustrie tonneneise hochwertige, voll nutzbare Rohstoffe vernichtet, nur weil sie intern als Überschuss deklariert werden – ein systemisches Problem, für das das Startup InCycling nun eine KI-gestützte Lösung entwickelt hat

Können Sie InCycling kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

InCycling ist eine KI-gestützte Plattform für überschüssige Chemikalien und pharmazeutische Rohstoffe. Kurz gesagt: Wir helfen Unternehmen dabei, Materialien, die noch voll nutzbar sind, nicht zu entsorgen, sondern wieder wirtschaftlich sinnvoll in den Markt zu bringen: Überschüsse werden klassifiziert, validiert und handelbar gemacht.

Die Idee ist sehr konkret aus unserer eigenen Erfahrung in der Pharma- und Chemieindustrie entstanden. Wir haben beide über viele Jahre gesehen, dass in großen Unternehmen hochwertige Materialien eingekauft, gelagert und Überschüsse am Ende oft vernichtet werden, obwohl sie meist einwandfrei sind und noch nutzbar wären.

Uns ist klar geworden: Das ist kein Einzelfall und auch kein „Fehler“ einzelner Personen. Es ist ein systemisches Problem, das durch Marktvarianz, langfristiges Forecasting, Tendergeschäfte, lange und internationale Lieferketten und variierende Projektverläufe stetig auftritt – und für das es eine marktweite Lösung braucht.

Unternehmen handeln unter enormem regulatorischem und wirtschaftlichem Druck, sodass es oft schwer ist, intern Zeit und Ressourcen zu binden, die sich mit überschüssigen Rohstoffen und Zwischenprodukten beschäftigen, um alternative Nutzungswege zu identifizieren. Wenn ein Unternehmen feststellt, dass Rohstoffe nicht mehr eingesetzt werden können, gehen diese in den Abschreibungsprozess und werden ab einem bestimmten Punkt als Abfall deklariert. Sobald Material als Abfall deklariert ist, ist es rechtlich und praktisch sehr schwer, es wieder in einen Nutzungskreislauf zurückzubringen. InCycling setzt deshalb vorher an, bevor aus vollwertigem Material Abfall wird. Denn der Punkt, an dem ein Rohstoff zu Abfall deklariert wird, hat oft nichts mit dem eigentlichen Zustand und der Qualität des Rohstoffs selbst zu tun, sondern ist oft eine situative Entscheidung.

Wie kamen Sie auf den Ansatz, überschüssige Chemikalien mithilfe von KI zu klassifizieren, zu validieren und wieder wirtschaftlich nutzbar zu machen?

Der Ausgangspunkt war die Frage: Warum passiert das heute nicht längst systematisch? Überschusshandel gibt es grundsätzlich schon seit Jahrzehnten. Es gibt Broker, Trader, Distributoren und lokal agierende Marktplätze. Aber vieles davon ist sehr fragmentiert, manuell und abhängig von einzelnen, persönlichen Kontakten. Gleichzeitig liegen relevante Informationen wie Spezifikationen, Analysezertifikate, Lagerhistorie und regulatorische Unterlagen in großen Unternehmen oft zentral in ERP-Systemen und teilweise dezentral auf diversen Datenbanken und Sharepoints. Genau diese Kombination macht das derzeitige Vorgehen, Überschüsse handelbar zu machen, schwer skalierbar.

Unser Ansatz ist deshalb, direkt an die Stammdatensysteme großer Unternehmen anzudocken, zum Beispiel an SAP S/4HANA über Standard-APIs. Die Plattform analysiert, welche Materialien vorhanden sind, wann sie ablaufen, ob sie beim Besitzer noch gebraucht werden und welche Dokumente für eine mögliche Verwendung bei einem anderen Hersteller notwendig sind. KI hilft dabei, Bestände und Dokumente auszulesen, chemische Eigenschaften und eine potenzielle alternative Nutzung zu evaluieren, Compliance-Informationen aufzubereiten und daraus Informationspakete für einen regulatorisch sicheren Weiterverkauf zu erzeugen.

Wichtig ist: KI ist hier nicht einfach ein Schlagwort. Der Hebel liegt darin, aus unstrukturierten und strukturierten Unternehmensdaten überhaupt erst eine handelbare, validierte Materialinformation zu machen und einen validen Kundenpool zu identifizieren, der entsprechende Rohstoffe auch wirklich einsetzen kann. Wenn man das manuell macht, bleibt es bei Einzelfällen. Wenn man es systematisch digitalisiert, kann ein viel größerer Teil der Überschüsse sichtbar und nutzbar werden, sodass der gesamte Markt daran partizipieren kann.

Welche Vision verfolgen Sie mit InCycling, und wie möchten Sie die Kreislaufwirtschaft in der Industrie voranbringen?

Unsere Vision ist, dass alle überschüssigen Chemikalien und pharmazeutischen Rohstoffe einer Verwendung zugeführt werden und nicht mehr reflexhaft als Abfall betrachtet und ungenutzt vernichtet werden. Denn weniger chemischer Abfall bedeutet auch weniger Verschmutzung der Welt und langfristig eine bessere Gesundheit für uns alle.

Viele dieser Materialien sind hochwertige Rohstoffe und Abfall ist in dem Moment eine Entscheidung des Besitzers, nicht der eigentliche Zustand einer Substanz. In sehr vielen Fällen sind es korrekt gelagerte, komplett ungenutzte Produkte, die lediglich einen neuen Besitzer suchen. Wir wollen dafür einen neuen Standard schaffen: Mehr Materialien identifizieren, dann prüfen, ob ein Rohstoff noch sinnvoll genutzt werden kann, und dann versuchen, diese zu verkaufen, bevor eine Entsorgung überhaupt in Erwägung gezogen wird.

Für uns ist Kreislaufwirtschaft hier nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern ganz klar auch ein wirtschaftliches Thema. Unternehmen vermeiden Abschreibungen und Entsorgungskosten, Käufer:innen erhalten hochwertige Ware zu attraktiven Konditionen und gleichzeitig werden unnötige CO₂-Emissionen und Umweltbelastungen reduziert. Wenn diese drei Perspektiven zusammenkommen, kann Kreislaufwirtschaft in der Industrie wirklich skalieren.

An welche Unternehmen richtet sich InCycling hauptsächlich, und welche Herausforderungen lösen Sie für diese Kunden?

InCycling richtet sich vor allem an große pharmazeutische und chemische Unternehmen, die regelmäßig mit überschüssigen Materialien umgehen müssen. Besonders relevant sind Unternehmen mit diversifizierten Produktportfolios, komplexen Lagerbeständen, strengen Qualitätsanforderungen und hohen regulatorischen Anforderungen.

Die Herausforderung: Der Weiterverkauf oder die Weitergabe von Materialüberschüssen passt oft nicht in bestehende Prozesse und das eigene Netzwerk. Einkaufswaren müssen plötzlich zu Verkaufswaren umdeklariert werden, Dokumente müssen zusammengesucht, Qualitäts- und Compliance-Fragen geklärt und potenzielle Abnehmer gefunden werden. Oft erfolgt dies dann auf lokaler Ebene und besonders für große Unternehmen würde es bedeuten, eigene Teams an den Standorten aufzubauen, wenn das Thema als „Reststoff“ oder „Abfall“ als Ganzes wahrgenommen und bearbeitet werden soll.

InCycling nimmt genau diese Komplexität auf. Die Plattform macht überschüssige Materialien sichtbar, prüfbar und handelbar. Sie automatisiert Teile der Dokumentenextraktion, unterstützt Compliance-Checks, schafft Transparenz über ESG- und CO₂-Effekte und ermöglicht im Idealfall eine Freigabe mit wenigen Klicks. Gleichzeitig ist es uns wichtig, nicht in Konkurrenz zu bestehenden Tradern oder Distributoren zu agieren, sondern sie als Netzwerk- und Handelspartner für eine gemeinsame und effiziente Skalierung des Marktes zu gewinnen und einzubinden.

Viele überschüssige Chemikalien werden heute entsorgt, obwohl sie noch nutzbar wären. Warum ist dieses Problem bislang so schwer zu lösen gewesen?

Weil es kein rein logistisches Problem ist. Es ist eine Mischung aus Regulierung, internen Prozessen, Datenqualität, Verantwortung und Kultur. In der Pharmaindustrie sind Spezifikationen sehr anspruchsvoll und extrem eng. Wenn ein Material für den einen Prozess nicht mehr passt oder dort nicht mehr gebraucht wird, heißt das nicht automatisch, dass es objektiv wertlos ist. Für eine andere Industrie, eine andere Anwendung oder einen anderen Markt mit anderen Spezifikationen kann es weiterhin sehr gut und oft sogar als Premium-Produkt nutzbar sein.

Trotzdem ist der Schritt aus dem Konzern heraus schwierig. Lieferanten- und Qualitätsprozesse sind streng reguliert. Unternehmen müssen wissen, wo Material herkommt, wie es gelagert wurde, welche Spezifikationen gelten und wer am Ende damit arbeitet. Hinzu kommt: Sobald Material rechtlich als Abfall eingestuft wird – und das können wenige Mausklicks oder eine Unterschrift sein –, greift ein ganz anderer Rahmen. Dann wird es deutlich schwerer, es wieder als Produkt in Verkehr zu bringen, egal, wie gut die Materialien noch sind.

Außerdem spricht niemand wirklich gern über Überschüsse. In vielen Unternehmen klingt das schnell nach ungenauer Planung, gescheiterten Launches oder Projektverzögerungen. Dabei entstehen Überschüsse oft aus ganz normalen industriellen Realitäten, die überall einer identischen Systematik folgen: Mindestabnahmemengen sind hoch, hohe Sicherheitsbestände durch überregionale Krisen, geänderte Projektziele durch neue Erkenntnisse, neue regulatorische Vorgaben, strategische Entscheidungen oder schwankende Nachfrage. Wir haben es selbst erlebt und wissen, dass dies auch bei bester Planung geschieht. Wir wollen zeigen: Überschüsse sind ein systemisches Thema und es lohnt sich mehr, sie nutzbar zu machen, als sie still zu entsorgen.

Was macht InCycling aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Lösungen im Bereich Kreislaufwirtschaft und Ressourcenmanagement?

Das Besondere ist die Kombination aus Industrieerfahrung, direkter Systemintegration und KI-gestützter Skalierung. Es gibt bestehende Händler, Plattformen und Reststoffmärkte. Viele davon sehen aber nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was tatsächlich in Unternehmen liegt und nutzbar gemacht werden kann. InCycling setzt früher und tiefer an: direkt in den Systemen der abgebenden Unternehmen, also dort, wo die Bestände, Dokumente und Entscheidungsgrundlagen entstehen.

Wir verstehen uns als komplementäre Softwarelösung für den laufenden Markt, die die Vermittlung von Rohstoffen maximal effizient gestaltet und eine bessere Infrastruktur mit hohem Vertrauen schafft. Wir wollen Material sichtbar machen, bevor es überhaupt in einem traditionellen Reststoffmarkt auftaucht. Dafür braucht es eine ERP-Integration, Dokumentationsverständnis, Compliance-Prozesse, chemisches Know-how und ein Netzwerk, das die letzte Meile des Weiterverkaufs übernehmen kann. Genau diese Verbindung unterscheidet uns.

Dazu kommen wir selbst aus der Pharma- und Chemieindustrie, kennen die Prozesse, die internen Hürden und die Sprache der Beteiligten. Zusammen bringen wir Gründer mehr als 40 Jahre Branchenerfahrung und ein großes Netzwerk in der pharmazeutisch-chemischen Industrie mit. Das ist wichtig, weil Vertrauen in diesem Markt nicht allein durch Technologie entsteht.

Wie gelingt es Ihnen, wirtschaftliche Vorteile und ökologische Ziele in einem Geschäftsmodell miteinander zu verbinden?

Das funktioniert, weil beide Ziele hier in dieselbe Richtung zeigen. Wenn ein Unternehmen vollwertige Materialien entsorgt, verliert es wirtschaftlichen Wert, zahlt häufig zusätzlich für Lagerung, Transport und Entsorgung und verursacht gleichzeitig unnötige Emissionen oder Umweltbelastung. Wenn dasselbe Material stattdessen weiterverwendet wird, entsteht Wert auf mehreren Ebenen.

Für abgebende Unternehmen bedeutet das: weniger Abschreibungen, geringere Entsorgungskosten und eine bessere Nutzung vorhandener Ressourcen. Für aufnehmende Unternehmen bedeutet es: Zugang zu hochwertigen Materialien zu besseren Konditionen. Und für die Umwelt bedeutet es: weniger zusätzliche Produktion, weniger Verbrennung, weniger Endlagerstätten, weniger CO₂. Uns ist wichtig, das nicht als moralischen Appell zu erzählen. Nachhaltigkeit wird dann stark, wenn sie operativ und finanziell sinnvoll ist. Die bessere ökologische Lösung wird durch InCycling zugleich die wirtschaftlich bessere Lösung sein.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei, industrielle Materialströme transparenter und effizienter zu gestalten?

KI spielt vor allem dort eine Rolle, wo heute zu viele Informationen verteilt, unstrukturiert oder schwer vergleichbar sind. In vielen Unternehmen liegen Daten zu Materialien nicht an einem einzigen Ort. Es braucht große Datenmengen wie Sicherheitsdatenblätter, Produktspezifikationen, Qualitätsdokumentation, Haltbarkeit, Testergebnisse, Lagerhistorie und diverse Zertifikate. Diese werden über KI zusammengefasst, ausgelesen und für darauffolgende KI-Module bei InCycling nutzbar gemacht. Darauf folgen drei KI-gestützte Schritte: die chemische Einordnung und Anwendungsprüfung (Chemical Informatics), eine regulatorische Bewertung möglicher Absatzländer und Sicherheitsauflagen sowie abschließend das Matchmaking zu passenden Geschäftspartnern.

Durch die kontrollierte, KI-basierte Automatisierung von Prozessschritten können wir es schaffen, den Handel mit Überschusswaren für alle Beteiligten profitabel zu gestalten. Selbst kleinere Mengen und Werte werden so handelbar, bei denen es sich heute aufgrund der umfangreichen manuellen Arbeit mit großem Zeitaufwand nicht lohnen würde.

Effizienz über KI entsteht hier am Ende dadurch, dass ein Markt überhaupt erst richtig verbunden wird und sehr viel mehr Rohstoffe wirtschaftlich sinnvoll und handelbar werden.

Was uns immer wieder begegnet, ist die Sorge, dass KI menschliche Arbeit ersetzt. Das ist nicht so: Wir schaffen mit Hilfe von KI neue Möglichkeiten und neue Prozesse in einem bestehenden Umfeld, die es vorher so entweder nicht gab oder deren Umsetzung im Aufwand kaum zu rechtfertigen oder gar nicht umsetzbar gewesen wäre. So entstehen durch Technologie neue Arbeitsfelder und ein klarer Mehrwert für alle.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Integration Ihrer Plattform in bestehende Unternehmensprozesse und ERP-Systeme?

Die technische Integration beziehungsweise das Andocken über eine API ist nur ein Teil der Herausforderung. Natürlich muss eine Plattform sauber mit bestehenden ERP-Systemen funktionieren, insbesondere mit cloudbasierten und standardisierten Systemen wie SAP S/4HANA.

Mindestens genauso wichtig sind aber die Prozesse und die handelnden Personen im Unternehmen. Wir analysieren die Zusammenhänge, um das Ganze gemeinsam effizienter zu gestalten, sodass Entscheidungen zeitnah und für alle Beteiligten transparent getroffen werden können. Aus unserer Sicht ist das genau der Grund, warum eine reine Marktplatzlösung nicht reicht. Man muss die Realität großer, regulierter Unternehmen verstehen und den Prozess so in bestehende Abläufe einbetten, dass Unternehmen ihn wirklich nutzen können und dass die Freigabe für alle Beteiligten sicher und nachvollziehbar ist.

Wie reagieren Industrieunternehmen auf die Idee, überschüssige Chemikalien nicht als Abfall, sondern als wertvolle Ressource zu betrachten?

Die Reaktionen hängen stark davon ab, mit wem man spricht. Auf der Arbeitsebene ist die Resonanz oft sehr positiv. Menschen in Lager, Operations oder Supply Chain sehen jeden Tag, welche Materialien liegen bleiben und was am Ende entsorgt wird. Viele empfinden das selbst als frustrierend, weil sie wissen, wie viel eigene Ressourcen in diese Materialien geflossen sind und dass die Ware eigentlich noch immer den ursprünglichen Wert hat. Wenn es dann einen Weg gibt, diese Materialien sinnvoll weiterzuverwenden, entsteht schnell Motivation.

Auf Managementebene ist der wirtschaftliche Hebel wichtig. Werksleiter:innen, Betriebsleiter:innen oder Finance-Verantwortliche sehen, dass weniger Abschreibungen und weniger Entsorgungskosten ein sehr konkreter Vorteil sind. Das ESG-Thema kommt seit Jahren in Leistungsbewertungen hinzu und motiviert zusätzlich, um eigene Ziele zu erreichen. Reine Nachhaltigkeitsabteilungen sind sehr hilfreich in der Kommunikation und dem kulturellen Wandel einer Firma, haben aber eher selten eine direkte operative Entscheidungsbefugnis, um solche Prozesse allein umzusetzen.

Gleichzeitig ist das Thema sensibel. Kein Unternehmen möchte öffentlich so wirken, als habe es schlecht geplant oder große Werte vernichtet. Deshalb ist die Kommunikation entscheidend. Wir sprechen nicht über Schuld, sondern über eine bessere Lösung für ein bekanntes industrieweites Problem. Überschüsse entstehen in komplexen Lieferketten. Die Frage ist, ob man sie versteckt und verbrennt oder ob man sie professionell wieder nutzbar macht.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei InCycling aktuell im Fokus?

Aktuell geht es darum, die Plattform im Markt weiter zu validieren, mehr Materialvolumen sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit mit abgebenden Unternehmen sowie Distributionspartnern auszubauen. Erste Schritte des Firmenaufbaus von InCycling und der Erarbeitung der richtigen Konzepte dazu sind unter anderem dank des Accelerator-Programms von AI NATION deutlich schneller gegangen, als wir uns das erträumt hätten. Außerdem gibt es bereits vertragliche Anbindungen mit ersten Großunternehmen.

Nachdem wir das erste Jahr komplett eigenfinanziert, also „bootstrapped“, waren, konnten wir uns das Vertrauen von fünf erfahrenen Angel-Investoren sichern, die die erste Finanzierungsrunde mit uns abgeschlossen haben. Parallel bereiten wir gerade eine größere Finanzierungsrunde vor, um im kommenden Jahr die Skalierung voranzutreiben. Dafür möchten wir schon dieses Jahr klar zeigen, warum InCycling ein skalierbarer, investierbarer Case ist, der zwar in der Nische startet, aber ein riesiges Potenzial adressiert: großer weltweiter Markt, tiefe Industrieintegration, echter Daten- und Prozesszugang, KI als operativer Hebel und ein Team mit starkem Founder-Market-Fit kommen hier zusammen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit Technologie nachhaltige Lösungen für industrielle Herausforderungen entwickeln möchten?

Erstens: Fangt nicht bei der Technologie an, sondern beim echten industriellen Problem und schaut dann, ob und wie Technologie bei der Lösung helfen kann.

Zweitens: Baut Lösungen, die in bestehende Systeme und Prozessstrukturen passen. Industrieunternehmen verändern ihre Prozesse nicht, nur weil ein neues Tool gut klingt.

Drittens: Erzählt Nachhaltigkeit nicht gegen die Industrie, sondern mit ihr. Viele Probleme entstehen nicht, weil Menschen achtlos handeln, sondern weil Systeme sich über Jahrzehnte so entwickelt haben, dass wenig „natürlicher“ Raum für Nachhaltigkeit da ist. Wenn eine Lösung aber wirtschaftlich sinnvoll ist, operative Arbeit erleichtert und gleichzeitig Umweltwirkung erzielt, wird sie viel eher angenommen.

Bild: Sascha Karhöfer und Dr. Karym El Sayed Bildcredits InCycling

Wir bedanken uns bei Sascha Karhöfer und Dr. Karym El Sayed für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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