Montag, August 10, 2026
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Wie Longevity moderne Führung verändert

Die BG hat mir vor 30 Jahren Würde und Autonomie zurückgegeben, als ich u.a. nach einem Motorradunfall in der BG Klinik Hamburg Boberg lag. Ich verbinde nur gute Erfahrungen mit der BG und freue mich, dass sich heute der „Kreis schliesst“ und ich der BG und den vielen tollen Menschen die dort arbeiten, etwas zurück geben kann.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier von BG prevent haben wir mit Felix Bertram ein Interview geführt

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Jubiläumsevent von BG prevent über „Leadership & Longevity“ zu sprechen?

Die BG hat mir vor 30 Jahren Würde und Autonomie zurückgegeben, als ich u.a. nach einem Motorradunfall in der BG Klinik Hamburg Boberg lag. Ich verbinde nur gute Erfahrungen mit der BG und freue mich, dass sich heute der „Kreis schliesst“ und ich der BG und den vielen tollen Menschen die dort arbeiten, etwas zurück geben kann.

BG prevent beschäftigt sich intensiv mit Gesundheit, Prävention und nachhaltiger Leistungsfähigkeit. Warum passt das Thema Longevity aus Ihrer Sicht besonders gut zu dieser Veranstaltung?

Longevity ist ja nichts anderes als Prävention. Unser heutiges Gesundheitssystem setzt ja meistens erst dann an, wenn jemand eine Erkrankung hat. Viele Erkrankungen – vor allem die grossen Volkskrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Diabetes – kann man verhindern, wenn man früh seine Risiken kennt und mit der richtigen Prävention dagegen vorgeht.

In Ihrem Vortrag stellen Sie die Frage, ob dauerhafte Spitzenleistung überhaupt möglich ist. Was ist Ihre persönliche Antwort darauf?

Wir verbinden Spitzenleistung heute oft mit Mindset, Disziplin oder mentaler Stärke. Aber das ist alles irrelevant, wenn dein System kollabiert, also dein Körper und deine Gesundheit. Deshalb ist Spitzenleistung – egal ob im Sport oder in Unternehmen – immer mit einem gesunden und fitten Körper und Geist verbunden.

Viele Menschen verbinden Selbstoptimierung mit ständigem Leistungsdruck. Wo liegt für Sie der Unterschied zwischen gesunder Leistungsfähigkeit und ungesunder Überforderung?

Selbstoptimierung ist so ein Trendbegriff, den ich unbrauchbar finde. Für mich geht es darum die Baseline zu erhöhen, damit ich ausreichend Kapazitäten habe, meine Ziele zu verfolgen. Damit meine ich spezifisch Bewegung, Schlaf, Stressregulation und Ernährung. Und das alles kann und muss sogar Spass machen und es darf auf keinen Fall wie ein zweiter Job werden.

Sie sprechen häufig über Longevity als ganzheitliches Konzept. Welche Rolle spielen dabei mentale Gesundheit, Schlaf und Regeneration?

Longevity fängt damit an, dass wir heute im Hier und Jetzt ein gutes Leben führen, dass es auch wert ist lange gelebt zu werden. Für mich ist das Gesundheit, gute Beziehungen und Sinn.

Schlaf, Regeneration und mentale Gesundheit sind die Basis, um überhaupt etwas vom Genannten aufzubauen.

Welche typischen Fehler machen Führungskräfte und Unternehmer, wenn sie dauerhaft leistungsfähig bleiben wollen?

Sie denken nicht wie Sportler! Sportler reizen Ihre Muskeln und regenerieren dann. Erst dadurch sind im Sport Spitzenleistungen möglich. In der Regenerationsphase passiert eigentlich mehr als während des Trainings. Führungskräfte und High Performer sind auch Sportler. Nicht mit den Muskeln, aber mental und mit dem autonomen Nervensystem. Und beides braucht eben auch Regeneration.

Sie haben selbst erlebt, wie sich hoher beruflicher Druck auf die Gesundheit auswirken kann. Welche Erkenntnisse haben Ihr eigenes Leben am stärksten verändert?

Die Wichtigkeit von Schlaf und Regeneration. Wir machen in unserem Unternehmen bewusst kurze Pausen, essen gemeinsam zu Mittag, versuchen Überstunden zu vermeiden und fördern, dass unsere Mitarbeiter die Freizeit auch zur Regeneration nutzen. Ich selber mache das sehr konsequent, meine Regenerationspausen und Blocker im Kalender haben dieselbe Wichtigkeit wie die Businesstermine und Meetings.

Wie wichtig ist Selbstführung, bevor man andere Menschen erfolgreich führen kann?

Die Frage beantwortet sich ja im Grunde von selbst. Ich kann andere nur führen, wenn ich eine gewisse Selbstreflexionsgabe und Selbstführung habe.

Viele Unternehmen beschäftigen sich aktuell mit Stress, Erschöpfung und steigenden Krankheitsausfällen. Welche Verantwortung tragen Führungskräfte dabei?

Es fängt immer ganz oben an. Diejenigen die das Unternehmen besitzen oder leiten, müssen das von oben in aller Klarheit vorgeben. Es muss dann aber auch im gesamten Unternehmen gelebt werden. Das fängt ja schon bei den Werten an, die meistens nett auf der Webseite stehen und kaum gelebt werden. Werte werden nämlich dann wichtig, wenn es kritisch wird, kriselt und Konfliktsituationen auftreten. Wir müssen wieder Arbeitsstätten schaffen, die Lebenszeit wertvoll gestalten. Das ist heute durchaus herausfordernd, aber es gibt Wege.

Was können Unternehmen konkret tun, um langfristige Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeitenden zu fördern statt kurzfristige Höchstleistungen zu verlangen?

Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie Menschen binden, bevor sie Höchstleistung erwarten. In meinem Unternehmen ist es unser Ziel, dass jeder Mitarbeiter bzw. jede Mitarbeiterin einen platonischen Freund oder eine Freundin am Arbeitsplatz hat. Nichts bindet so sehr wie Menschen, die man gerne täglich sieht, mit denen man sich austauschen kann. Wir bei Skinmed haben ein Top Mitarbeiter Restaurant, was sogar mal 2 Michelin Sterne hatte. Das Essen ist gratis, aber nur wenn man es im Restaurant isst. So kommen mittags fast alle zusammen und das wollen wir ganz bewusst so.

Zusätzlich haben wir das eingeführt: Wenn fünf oder mehr Mitarbeiter sich in der Freizeit treffen, geht die Rechnung auf Skinmed. Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter eine echte Community sind. Unsere Fluktuation liegt bei 2,8 Prozent, was weit unter dem Durchschnitt ist.

Welche Rolle spielen Routinen und Gewohnheiten für nachhaltigen Erfolg?

Ganz wichtig. Wir Menschen lieben Routinen und Muster, unser Körper noch viel mehr. Regelmässige Schlafzeiten und Aufwachzeiten, auch beim Essen liebt der Körper Muster. Übrigens gibt es Tricks, gewisse Gewohnheiten zu etablieren. Zum Beispiel etwas an eine bestehende Gewohnheit koppeln. 15 Liegestützen nach dem Zähneputzen. Weil Zähneputzen machen wir täglich.

Oder eine lästige Gewohnheit an etwas Positives koppeln. Ich mag zum Beispiel Krafttraining nicht so gerne. Dann habe ich mir selbst die Regel auferlegt, dass ich meinen Lieblingspodcast nur noch beim Krafttraining hören darf. So freue ich mich jetzt aufs Krafttraining.

Wie verändert sich Leadership aus Ihrer Sicht durch hybride Arbeit, Digitalisierung und künstliche Intelligenz?

Durch Digitalisierung und KI wird Führung fast noch wichtiger. Zum Beispiel, dass eine Führungskraft die Denkleistung in Teams herausfordert und nicht alles via KI erledigen lässt.

Eine Führungskraft muss heute mehr denn je Sinn und Gemeinschaft vorleben. Menschen folgen Menschen, nicht KI.

Von hybridem Arbeiten bin ich persönlich kein Fan und habe es in meinem Unternehmen nie zugelassen. Für mich ist der Arbeitsort etwas, wo Kreativität entsteht, wo Bindungen entstehen, wo sich Menschen weiterentwickeln können. Ich finde es gut, dass das Homeoffice, zumindest weitestgehend, rückabgewickelt wird.

Sie sprechen oft darüber, dass Longevity mehr bedeutet als nur ein langes Leben. Was gehört für Sie zu einem wirklich erfüllten und erfolgreichen Leben dazu?

Wir müssen uns vielleicht fragen, wie unser Leben aussehen soll, damit es auch Spass macht, es lange zu leben. Und dazu gehört eben nicht nur Gesundheit, sondern auch gute Beziehungen und ein Sinn im Leben. Menschen mit guten Beziehungen haben ein 50 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Und Sinn im Leben hängt für viele Menschen eben auch mit dem Beruf zusammen. Wir verbringen ein Drittel unseres Lebens bei der Arbeit. Also lasst uns Sinn in dem finden, was wir da täglich tun.

Welche Bedeutung haben Beziehungen, Unternehmenskultur und zwischenmenschliche Kommunikation für langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit?

Menschen mit guten Beziehungen haben ein 50 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Das lässt sich messen. Gute Beziehungen wirken regulierend, senken Stress und Cortisol, halten Herzfrequenz und Blutdruck niedrig. Und noch etwas: Die schönsten Erlebnisse in unserem Leben teilen wir meistens mit Menschen. Diese Erinnerungen bleiben und sind das, woran wir am Lebensende zurückdenken.

Deshalb sind menschliche Beziehungen und eine Unternehmenskultur, die das fördert, ganz entscheidend für langfristige Leistungsfähigkeit.

Viele Führungskräfte funktionieren jahrelang im „Business Hamsterrad“. Warum erkennen viele Menschen gesundheitliche Warnsignale erst sehr spät?

Weil wir es einerseits nicht merken. Schlafmangel, Stress und ein ungesunder Lebensstil führen meistens nicht zu einem „Knall“, sondern sind ein schleichender Prozess. Wenn wir jeden Tag ein Prozent weniger werden, merken wir das nicht. Stress dämpft zudem den präfrontalen Kortex. Wir denken schlechter, entscheiden schlechter, führen schlechter.

Der zweite Grund ist noch immer einer Tendenz geschuldet, Stress und Schlafmangel zu heroisieren.

„Schlafen kannst Du, wenn Du tot bist“ habe ich mir als Arzt im Krankenhaus vor einigen Jahren noch anhören müssen.

Wie wichtig ist es, Leistungsfähigkeit neu zu definieren – weg von permanenter Verfügbarkeit hin zu nachhaltiger Energie?

Leistung hat ja nicht immer etwas mit permanentem Arbeiten und permanenter Verfügbarkeit zu tun. Im Gegenteil: Ich schaffe heute in vier Stunden mehr als früher in acht Stunden.

Performance definiere ich heute durch Regulation, Kapazität und Identität.

Regulation ist guter Schlaf und Stressregulation. Kapazität baue ich auf, um Reserven zu haben, durch Bewegung, die das Herz Kreislauf System trainiert, Muskeltraining, das wichtig für unseren Zuckerstoffwechsel, aber auch für Beweglichkeit und Agilität ist, sowie eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die für eine gesunde Metabolik sorgt und chronische Erkrankungen verhindert.

Identität ist die Frage nach Sinn und wie ich mich definiere. Die wenigsten beschäftigen sich damit und rennen dann im Autopilotenmodus durchs Leben.

Welche Faktoren entscheiden Ihrer Meinung nach darüber, ob Teams dauerhaft erfolgreich und gesund zusammenarbeiten?

Gemeinschaft und Autonomie. Man muss Gestaltungsspielraum haben.

Framework – Training – Trust ist mein Motto. Wir als Unternehmen setzen den Rahmen, trainieren unsere Leute und bilden sie aus und vertrauen ihnen dann. Darüber hinaus sorgen wir für eine gute Gemeinschaft, in der Bindungen entstehen und ein Gefühl von Sinn.

Was möchten Sie den Gästen des BG prevent Events nach Ihrem Vortrag vor allem mit auf den Weg geben?

Macht den Arbeitsort wieder zu einem Ort mit Sinn, Gemeinschaft und Entwicklung. Das kann der Arbeitgeber nicht alleine, ihr müsst das mitgestalten.

Wenn Sie einen Wunsch für die zukünftige Arbeitswelt frei hätten: Wie müsste modernes Leadership im Jahr 2035 aussehen?

Menschen einen Raum schaffen, in dem sie sich entwickeln können. Und in dem gemeinsam etwas entwickelt wird. Flache Hierarchien, keine Egos, gemeinsam entwickeln, gemeinsam wachsen, gemeinsam gestalten.

Bildcredits Felix Bertram

Wir bedanken uns bei Felix Bertram für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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