Sparchef nutzt KI, um aktuelle Angebote großer Supermarktketten automatisch in passende Rezepte und Einkaufslisten zu verwandeln.
Können Sie Sparchef kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, Supermarktangebote mithilfe von KI in passende Rezepte zu verwandeln?
Sparchef beantwortet jede Woche eine einfache Frage: Was koche ich – mit dem, was gerade im Angebot ist? Die App liest die aktuellen Angebote von Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Kaufland, Penny und Netto und erstellt daraus per KI komplette Rezepte samt Einkaufsliste, zugeschnitten auf den eigenen Haushalt. Entstanden ist die Idee zuhause: Meine Lebensgefährtin und ich haben meist am Wochenende vorgekocht, mehrere Portionen für die ganze Woche – irgendwann wiederholte sich das ständig und wurde langweilig. Und Lust, jede Woche alle Prospekte nach Angeboten zu wälzen, hatten wir auch nicht. Daraus ist die Kernidee entstanden: Nicht die Angebote sind das Produkt, sondern die Antwort darauf, was man daraus kocht.
Sie haben Sparchef als Solo-Gründer entwickelt und betreiben die App vollständig allein. Was hat Sie dazu bewegt, dieses Projekt selbst umzusetzen?
Ich bin Informatiker und führe mit der Nerdpool GmbH meine eigene Softwarefirma – das Handwerk war also da, und diesmal ging es um ein Problem aus meinem eigenen Alltag. Dazu kam der Zeitpunkt: KI-Werkzeuge machen es heute realistisch, so ein Produkt komplett allein zu entwickeln und zu betreiben, von der App über das Backend bis zum laufenden Betrieb. Die erste Version stand nach drei Monaten – wenn man quasi rund um die Uhr daran arbeitet, geht das.
Das allererste Ergebnis der KI war übrigens Pizza mit Salat – Fertigpizza und Feldsalat waren gerade im Angebot, und die KI hat die beiden kurzerhand zu einem „Rezept“ kombiniert. Von da an ging die eigentliche Arbeit los – und die steckt bei Sparchef weniger im KI-Modell selbst als in der Aufbereitung der Angebotsdaten und im Prompting: einer KI wirklich das Kochen beizubringen. Was passt zusammen, welche Mengen sind realistisch, was ist ein vollwertiges Gericht und was nur zwei Angebote nebeneinander? Genau dieses Wissen steckt heute in Sparchef.
Prospekt-Apps zeigen vor allem aktuelle Angebote. Warum wollten Sie einen Schritt weitergehen und daraus direkt komplette Gerichte entwickeln?
Weil das Anzeigen von Angeboten das Problem nicht löst. Die eigentliche Arbeit beginnt danach: Prospekt durchsehen, überlegen, was zusammenpasst, Mengen planen, Einkaufsliste schreiben. Genau diese Denkarbeit nimmt Sparchef ab. Der Unterschied zeigt sich am Ergebnis: Statt einer Liste von Einzelpreisen bekommt man ein fertiges Gericht – diese Woche zum Beispiel eine Garnelen-Zucchini-Pfanne für 2,36 Euro pro Portion aus aktuellen Angeboten.
Portionszahl, Ernährungsweise, Allergien und persönliche Ziele fließen in die Vorschläge ein. Wie wichtig ist diese Personalisierung für das Konzept?
Sie ist der Kern. Ein Rezept, das Allergene enthält oder nicht zur Ernährungsweise passt, ist wertlos, egal wie günstig es ist. Deshalb fließt in jede Runde alles ein, was den Haushalt ausmacht: Portionszahl, Ernährungsweise, Allergien und Abneigungen, Lieblingsküchen, Kochlevel, bis hin zu Körperzielen wie Abnehmen oder Muskelaufbau, für die die App einen passenden Kalorien- und Proteinrahmen aus dem Profil berechnet. Sparen funktioniert nur, wenn das Essen am Ende wirklich gekocht und gegessen wird.
Sparchef berücksichtigt Angebote verschiedener großer Supermarktketten. Welche Herausforderung steckt darin, daraus jede Woche passende Rezepte und Einkaufslisten zu erstellen?
Die unsichtbare Arbeit steckt in den Daten. Angebote sind regional unterschiedlich – dieselbe Kette hat nicht überall denselben Prospekt, und die Angebote wechseln jede Woche. Dazu kommt die Übersetzung von Angeboten in Kochrealität: erkennen, welches Angebot welches Produkt ist, Packungsgrößen auf Rezeptmengen umrechnen und sicherstellen, dass ein Preis im Markt des Nutzers tatsächlich gilt. Erst wenn diese Basis stimmt, kann die KI daraus sinnvolle Gerichte bauen.
Lebensmittelpreise beschäftigen viele Haushalte. Welche Zielgruppen möchten Sie mit Sparchef besonders erreichen?
Alle, die regelmäßig kochen und aufs Geld schauen: Familien, die eine Woche vorausplanen, Studierende, Berufstätige mit wenig Zeit für Prospekte. Was mich überrascht hat: Preisbewusstsein zieht sich durch alle Gruppen – günstig kochen ist kein Nischenthema, sondern Alltag.
Günstig einkaufen und sich gleichzeitig passend zu den eigenen Ernährungszielen ernähren. Wie bringen Sie diese beiden Ansprüche in der App zusammen?
Indem die KI nicht das billigste Gericht sucht, sondern das beste Gericht innerhalb der Regeln des Nutzers – und zwar aus dem, was gerade günstig ist. Bei Körperzielen wird das konkret: Die App berechnet aus dem Profil einen Kalorien- und Proteinrahmen, und die Rezepte entstehen innerhalb dieses Rahmens. Günstig und passend sind bei uns keine Gegensätze, sondern zwei Filter auf denselben Angeboten.
Die App ist bereits auf Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch verfügbar. Welche Überlegungen stehen hinter diesem mehrsprachigen Ansatz?
Kochen und Sparen sind keine Frage der Herkunft. In Deutschland leben Millionen Menschen, die zuhause Türkisch oder Arabisch sprechen und viel frisch kochen – genau die Zielgruppe, die von Angebots-Rezepten am meisten hat. Deshalb ist die App durchgehend lokalisiert, inklusive Rechts-nach-links-Layout für Arabisch, und auch die Rezepte selbst werden übersetzt.
Knapp 900 Nutzer haben sich bereits registriert. Welche Erkenntnisse aus deren Nutzung und Rückmeldungen beeinflussen Ihre Weiterentwicklung?
Die wichtigste Erkenntnis: Die Woche der Nutzer beginnt mit den neuen Angeboten – also habe ich den Rhythmus der App komplett darauf ausgerichtet. Rückmeldungen fließen sehr direkt ein, das ist der Vorteil, wenn Entwicklung und Support dieselbe Person sind: Eine Play-Store-Rückmeldung zu einem Anzeigefehler auf Falt-Smartphones war wenige Stunden später behoben, und Hinweise von Nutzern zu Märkten ohne Angebote haben zu einer eigenen Warnung in der App geführt. Vier von fünf Registrierten erstellen direkt nach der Anmeldung ihre erste Rezeptrunde – daran messe ich, ob der Einstieg funktioniert.
Als Solo-Gründer verantworten Sie Entwicklung und Betrieb gleichzeitig. Wo liegen für Sie aktuell die größten Herausforderungen beim Wachstum von Sparchef?
Die Aufteilung der eigenen Zeit. Als Entwickler baue ich gern am Produkt – aber Nutzer kommen nicht vom Bauen, sondern von Sichtbarkeit. Marketing, Presse und Community-Arbeit brauchen inzwischen einen festen Teil meiner Woche. Die zweite Herausforderung ist Vertrauen: Als unbekannte App muss man beweisen, dass die Ersparnis echt ist – Berichterstattung wie zuletzt im darmstädter Echo hilft dabei enorm.
Welche Vision verfolgen Sie mit Sparchef, und welche nächsten Entwicklungsschritte möchten Sie mit der App erreichen?
Sparchef soll die selbstverständliche Antwort auf die Frage werden, was man diese Woche kocht – so selbstverständlich, wie man heute eine Karten-App öffnet, statt einen Stadtplan zu kaufen. Konkret habe ich zwei Dinge in der Pipeline: saisonales Kochen, damit die Rezepte neben den Angeboten auch der Jahreszeit folgen, und die Einbeziehung der eigenen Vorräte – was ohnehin im Schrank steht, fließt dann direkt in die Rezepterstellung ein. Das spart doppelt: beim Einkauf und bei dem, was sonst weggeworfen wird. Parallel baue ich die Angebotsabdeckung weiter aus, damit wirklich jeder Markt in Deutschland gut versorgt ist.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Solo-Gründern geben, die eine digitale Produktidee mit begrenzten Ressourcen umsetzen möchten?
Erstens: Rechne von Anfang an, ob sich jede einzelne Einheit trägt – gerade bei KI-Produkten entscheidet die Kostenstruktur pro Nutzer darüber, ob das Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Zweitens: Baue das kleinste Produkt, das das echte Problem löst, und gib es so früh wie möglich echten Menschen – deren Rückmeldungen sind mehr wert als jeder weitere Sprint im stillen Kämmerlein. Drittens: Nutze KI-Werkzeuge konsequent. Als Einzelperson kannst du heute liefern, wofür früher ein Team nötig war – die knappe Ressource ist nicht mehr der Code, sondern dein Fokus.
Bildcredits: privat
Wir bedanken uns bei Christian Busch für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















