LEVANA will die Beingesundheit digital neu denken und Menschen rund um den Kompressionsstrumpf sowie bei Beschwerden im Alltag unterstützen
Können Sie LEVANA kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrer persönlichen Erfahrung die Idee für die Plattform entstanden ist?
LEVANA ist der digitale Begleiter für gesunde Beine und für Menschen, die bereits unter schweren, müden oder geschwollenen Beinen sowie chronischen Beschwerden leiden.
Die Idee ist sehr persönlich entstanden.Ich habe mein ganzes Leben Erfahrungen rund um das Thema Beingesundheit sammeln dürfen, als Betroffener, als Patient und damit auch als jemand, der die verschiedenen Stationen unseres Gesundheitssystems aus eigener Perspektive kennt. Dabei habe ich erfahren, wie wichtig eine gute medizinische Versorgung ist. Gleichzeitig habe ich erlebt, wie viele Fragen im Alltag danach offenbleiben.
Heute möchte ich diese Erfahrungen zurückgeben und daraus etwas schaffen, das vielen Betroffenen hilft. Gleichzeitig bringe ich meine berufliche Erfahrung aus Management, Technologie und Digitalisierung ein. Mein Ziel ist es, nicht nur einen einzelnen Prozess zu verbessern, sondern das gesamte Thema Beingesundheit digital neu zu denken.
LEVANA soll Betroffene im Alltag begleiten und gleichzeitig Ärzte, Therapeuten, Sanitätshäuser, Hersteller und weitere Partner digital miteinander verbinden. Meine Vision ist eine Plattform, auf der erstmals alle relevanten Stakeholder rund um die Beingesundheit zusammenkommen.
Wer steht hinter LEVANA und der Health First GmbH, und welche Kompetenzen bringen Sie in den Aufbau des Unternehmens ein?
Hinter LEVANA steht die Health First GmbH mit einem interdisziplinären Team aus Technologie, Medizin, Therapie, Produktentwicklung und Unternehmertum.
Ich selbst bringe viele Jahre Management und Digitalisierungserfahrung mit und beschäftige mich gleichzeitig seit sehr langer Zeit aus persönlicher Perspektive mit dem Thema Beingesundheit. Diese Kombination ist für mich entscheidend. Wir betrachten LEVANA nicht ausschließlich als Gesundheitsprodukt und auch nicht ausschließlich als Technologieplattform.
Technologisch werden wir insbesondere durch unsere Kompetenz in den Bereichen Software und künstliche Intelligenz geprägt. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit Ärzten, Therapeuten und medizinischen Experten zusammen. Gerade im Gesundheitsmarkt kann Innovation nur funktionieren, wenn medizinisches Wissen, Technologie und die tatsächlichen Bedürfnisse der Betroffenen zusammengeführt werden.
Schwere, müde oder geschwollene Beine betreffen viele Personen. Welche Versorgungslücke möchten Sie mit LEVANA konkret schließen?
Das zentrale Problem ist aus unserer Sicht die fehlende kontinuierliche Begleitung.
Betroffene haben einen Arzttermin, erhalten eine Diagnose, bekommen möglicherweise einen Kompressionsstrumpf oder eine Therapie und danach beginnt der Alltag. Genau dort entstehen die meisten Fragen: Was kann ich selbst tun? Wie viel Bewegung ist sinnvoll? Wie ziehe ich meinen Kompressionsstrumpf richtig an? Welche Rolle spielen Gewicht, Ernährung oder Regeneration? Wann sollte ich wieder zum Arzt?
Heute sind viele dieser Informationen auf unterschiedliche Ärzte, Therapeuten, Sanitätshäuser, Webseiten und Anwendungen verteilt.
LEVANA möchte diese Lücke zwischen den einzelnen Versorgungspunkten schließen. Wir wollen Menschen nicht nur punktuell, sondern kontinuierlich begleiten und ihnen helfen, ihre Beingesundheit aktiv selbst zu managen.
Ihre Plattform verbindet Bewegung, Ernährung, Psyche, Regeneration, Hilfsmittel sowie Alltag und Umfeld. Warum ist dieser ganzheitliche Ansatz für die Beingesundheit wichtig?
Weil Beingesundheit nicht isoliert betrachtet werden kann.
Ein Kompressionsstrumpf kann beispielsweise ein sehr wichtiges Hilfsmittel sein. Seine Wirkung im Alltag wird aber durch viele weitere Faktoren beeinflusst. Bewegung aktiviert die Muskelpumpe, Gewicht und Ernährung können die Belastung der Beine beeinflussen, Regeneration spielt eine Rolle und chronische Erkrankungen haben häufig auch psychische Auswirkungen.
Genau deshalb betrachten wir sechs zentrale Bereiche: Bewegung, Ernährung, Psyche, Regeneration, Hilfsmittel sowie Alltag und Umfeld.
Unser Grundgedanke lautet: Chronische Erkrankungen können wir nicht ausschließlich in einzelnen Arztterminen managen. Wir müssen Betroffene dabei unterstützen, täglich die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen.
Der digitale Leg Check soll eine erste Orientierung ermöglichen. Welche Rolle spielt er innerhalb des gesamten LEVANA Konzepts?
Der Leg Check ist ein zentraler Bestandteil unserer Produktvision und perspektivisch einer der wichtigsten Einstiegspunkte in die LEVANA Plattform.
Unser Ziel ist, dass Nutzer ihre Beschwerden strukturiert erfassen und auf dieser Basis eine erste gesundheitliche Orientierung erhalten können. Für eine solche medizinische Funktion ist jedoch eine entsprechende Zertifizierung als Medical Device erforderlich. An diesem regulatorischen Weg arbeiten wir aktuell.
Bis dahin achten wir sehr klar auf die Abgrenzung zwischen allgemeiner Gesundheitsinformation und medizinischer Bewertung. Der Leg Check ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Perspektivisch soll er der Beginn einer durchgängigen digitalen Customer Journey sein: von der ersten strukturierten Erfassung über die medizinische Orientierung und das Selbstmanagement bis hin zur passenden professionellen Versorgung.
Gerade darin sehen wir einen wesentlichen Hebel von LEVANA. Menschen früher abzuholen, ihnen Orientierung zu geben und sie anschließend gezielt durch die weiteren Schritte ihrer Versorgung zu begleiten.
Chronische Beschwerden begleiten Betroffene auch zwischen Arzt und Therapieterminen. Wie möchten Sie genau in dieser Zeit unterstützen?
Genau diese Zeit ist für uns entscheidend.
Ein Mensch mit chronischen Beschwerden lebt nicht nur während eines Arzttermins mit seiner Erkrankung, sondern 24 Stunden am Tag. Deshalb wollen wir LEVANA zum täglichen Begleiter machen.
Die Plattform soll praktische Unterstützung bieten: verständliches Wissen, konkrete Übungen, Unterstützung beim Selbstmanagement, Tagespläne, Dokumentation sowie Hilfestellungen rund um Kompression und den Umgang mit Beschwerden im Alltag.
Dabei verfolgen wir einen einfachen Gedanken: Medizinische Fachkräfte bleiben unverzichtbar. Aber zwischen den Behandlungsterminen können digitale Lösungen einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass Menschen ihre Therapie besser verstehen, konsequenter umsetzen und mehr Eigenverantwortung übernehmen können.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Kompressionsversorgung. Wo sehen Sie bei den heutigen Abläufen die größten Probleme?
Die Kompressionsversorgung ist medizinisch etabliert, der Prozess ist aus Kundensicht aber häufig noch sehr analog und fragmentiert.
Viele Betroffene wissen zunächst nicht, welcher Strumpf zu ihrer Situation passt, wie dieser korrekt getragen wird oder wie sie mit Schwierigkeiten beim Anziehen umgehen sollen. Hinzu kommen Rezept, Vermessung, Produktauswahl, Bestellung, Nachversorgung und gegebenenfalls die Kommunikation mit Arzt oder Sanitätshaus.
Unser Ziel ist deshalb nicht, den Kompressionsstrumpf neu zu erfinden. Wir wollen den Weg zum Kompressionsstrumpf und den täglichen Umgang damit deutlich einfacher machen.
Der Strumpf ist für uns ein Produkt. Die eigentliche Innovation liegt in der digitalen Customer Journey darum herum.
Digitale Vermessung, Strumpffinder und KI gestützte Gesundheitsorientierung sind perspektivisch geplant. Wie soll dadurch der Weg zur passenden Versorgung einfacher werden?
Heute bestehen zwischen dem ersten Symptom und einer passenden Versorgung häufig viele einzelne Schritte.
Unsere Vision ist eine möglichst durchgängige digitale Journey: Orientierung, gegebenenfalls ärztliche Abklärung, Auswahl der Versorgung, Vermessung, Bestellung, Dokumentation und anschließende Begleitung.
Digitale Vermessung kann Prozesse vereinfachen und standardisieren. Ein Strumpffinder kann helfen, die große Anzahl unterschiedlicher Produkte verständlicher zu strukturieren. KI kann perspektivisch dabei unterstützen, Informationen zu ordnen und Nutzer gezielter durch Prozesse zu führen.
Entscheidend ist dabei für uns: Technologie soll medizinische Kompetenz nicht ersetzen. Sie soll den Zugang vereinfachen, Prozesse effizienter machen und Fachkräfte dort unterstützen, wo digitale Lösungen einen echten Mehrwert bieten können.
LEVANA möchte mehr als eine klassische Gesundheits App sein. Was unterscheidet Ihren Ansatz von einzelnen Gesundheitskursen oder digitalen Anwendungen?
Wir denken nicht von einer einzelnen Funktion aus, sondern von der gesamten Versorgungskette.
Ein Kurs kann Bewegung vermitteln. Eine App kann Gesundheitsdaten dokumentieren. Ein Shop kann Hilfsmittel verkaufen. Ein Sanitätshaus kann einen Kompressionsstrumpf anpassen. Jede dieser Leistungen hat ihren Wert. Bislang stehen sie aber häufig nebeneinander.
LEVANA möchte diese Bereiche miteinander verbinden.
Unser langfristiges Ziel ist ein digitales Ökosystem für Beingesundheit, von Prävention und erster Orientierung über Selbstmanagement bis zur medizinischen Versorgung und zu passenden Hilfsmitteln.
Der entscheidende Unterschied ist deshalb die Plattformidee. Wir wollen nicht noch eine weitere isolierte Anwendung schaffen, sondern die verschiedenen Bausteine einer bisher fragmentierten Versorgung miteinander verbinden.
Gesundheitsdaten und KI erfordern besonderes Vertrauen. Welche Herausforderungen sehen Sie beim Aufbau einer digitalen Plattform in diesem sensiblen Bereich?
Vertrauen ist im Gesundheitsmarkt eine Grundvoraussetzung.
Dazu gehören Datenschutz und Datensicherheit genauso wie medizinische Qualität, Transparenz und regulatorische Anforderungen. Gerade beim Einsatz von künstlicher Intelligenz müssen Nutzer verstehen können, welche Aufgabe eine Technologie übernimmt und wo ihre Grenzen liegen.
Für uns gilt deshalb ein klarer Grundsatz: Wir wollen KI dort einsetzen, wo sie einen konkreten Nutzen schafft und nicht, weil KI gerade ein Trendthema ist.
Gleichzeitig muss sehr sauber zwischen allgemeiner Gesundheitsorientierung, Prävention und medizinischen Anwendungen unterschieden werden. Sobald Technologie medizinische Entscheidungen beeinflusst, entstehen entsprechende regulatorische Anforderungen.
Wir bauen LEVANA deshalb schrittweise auf und betrachten Datenschutz, medizinische Qualität und regulatorische Anforderungen als Bestandteil des Produkts und nicht als nachträgliche Aufgabe.
Ihre Vision ist eine zentrale digitale Anlaufstelle für Beingesundheit. Welche Entwicklungsschritte sind notwendig, um dieses Ziel zu erreichen?
Wir gehen bewusst Schritt für Schritt vor.
Zunächst geht es darum, eine starke Nutzerbasis aufzubauen und zu zeigen, dass wir Betroffenen im Alltag einen konkreten Mehrwert bieten können. Parallel bauen wir das Thema Kompressionsversorgung aus und verbinden digitale Begleitung zunehmend mit realen Produkten und Dienstleistungen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die regulatorische Entwicklung. Perspektivisch wollen wir einzelne medizinische Funktionen entsprechend den Anforderungen der Medical Device Regulation entwickeln und zertifizieren.
Hinzu kommen Partnerschaften mit Ärzten, Therapeuten, Sanitätshäusern, Herstellern und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens.
Unsere langfristige Vision ist klar: Wenn jemand eine Frage zu seinen Beinen hat, Beschwerden feststellt, Unterstützung im Alltag benötigt oder eine Versorgung sucht, soll LEVANA die zentrale digitale Anlaufstelle sein.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus eigener Betroffenheit eine Lösung für den Gesundheitsmarkt entwickeln möchten?
Erstens: Die eigene Geschichte als Ausgangspunkt nutzen, aber nicht mit dem Markt verwechseln.
Persönliche Betroffenheit schafft ein sehr tiefes Verständnis für ein Problem. Trotzdem muss man früh mit vielen anderen Betroffenen und medizinischen Experten sprechen und überprüfen, ob das eigene Problem tatsächlich ein relevantes Marktproblem ist.
Zweitens: Im Gesundheitsmarkt früh mit den richtigen Experten arbeiten.
Medizin, Datenschutz, regulatorische Anforderungen und Erstattung sind komplex. Man kann als Gründer nicht alles selbst wissen. Ein gutes Netzwerk aus Medizinern, Therapeuten, Technologieexperten und regulatorischen Spezialisten spart später enorm viel Zeit.
Drittens: Nicht versuchen, sofort die gesamte Vision umzusetzen.
Unsere Vision für LEVANA ist groß. Trotzdem müssen wir beweisen, dass jeder einzelne Schritt funktioniert. Deshalb würde ich immer empfehlen: klein starten, mit echten Nutzern testen, aus dem Feedback lernen und anschließend konsequent skalieren.
Gerade als selbst Betroffener hat man häufig den Wunsch, möglichst schnell sehr viel zu verändern. Unternehmertum bedeutet aber auch, diese persönliche Motivation in ein tragfähiges und skalierbares Geschäftsmodell zu übersetzen.
Fotocredits: Health First/LEVANA
Wir bedanken uns bei Stefan Rascher für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















