Zuschauer.io setzt auf Livestreaming mit niedriger Latenz und möchte Creator dabei unterstützen, direkt mit ihrer Community zu interagieren und eigene Reichweiten aufzubauen.
Können Sie Zuschauer.io kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine eigene Livestreaming-Plattform entstanden ist?
Zuschauer.io ist eine deutschsprachige Livestreaming-Plattform für Creator und Zuschauer, die für iOS und Android verfügbar ist. Creator können direkt live gehen, mit ihrer Community interagieren, Co-Hosts einladen, ihre Streams moderieren und über virtuelle Geschenke unterstützt werden.
Die Idee entstand aus der Frage, warum Livestreaming auf vielen großen Plattformen nur ein Teil eines wesentlich größeren Social-Media-Ökosystems ist. Ich wollte eine Plattform entwickeln, bei der Live-Content und die direkte Interaktion zwischen Menschen tatsächlich im Mittelpunkt stehen.
Dabei war mir von Anfang an wichtig, nicht einfach eine bestehende Plattform nachzubauen. Zuschauer.io soll eigene Schwerpunkte setzen – unter anderem bei niedriger Latenz, Creator-Kontrolle, Support, Monetarisierung und einer möglichst unkomplizierten Nutzung.
Wer steht hinter Zuschauer.io, und welche Erfahrungen bringen Sie in den Aufbau der Plattform ein?
Hinter Zuschauer.io stehe ich als Gründer und arbeite sehr nah an nahezu allen Bereichen der Plattform – von Produktentwicklung und Technik über Community und Support bis hin zu Marketing und Weiterentwicklung.
Dadurch bekomme ich unmittelbar mit, welche Funktionen Nutzer tatsächlich verwenden, wo Probleme entstehen und was Creator beziehungsweise Zuschauer benötigen. Gerade bei einer jungen Plattform sehe ich diesen direkten Kontakt als großen Vorteil. Entscheidungen müssen nicht erst durch viele verschiedene Ebenen laufen, sondern Nutzerfeedback kann sehr direkt in die Weiterentwicklung einfließen.
Ein großer Teil der Erfahrung entsteht außerdem durch den laufenden Betrieb selbst. Eine Livestreaming-Plattform unter realen Bedingungen zu betreiben, zeigt sehr schnell, welche Ideen funktionieren und welche Dinge technisch oder aus Sicht der Community anders gelöst werden müssen.
Der Livestreaming-Markt wird von internationalen Plattformen wie TikTok LIVE und Twitch geprägt. Warum sehen Sie dennoch Raum für einen deutschen Anbieter?
Gerade weil der Markt von sehr großen internationalen Plattformen geprägt wird, sehe ich Raum für kleinere und fokussiertere Angebote.
Große Plattformen müssen gleichzeitig sehr unterschiedliche Märkte, Zielgruppen und Produktbereiche bedienen. Zuschauer.io kann sich dagegen zunächst gezielt auf den deutschsprachigen Markt, Livestreaming und Community konzentrieren.
Dabei geht es nicht darum, TikTok oder Twitch eins zu eins zu kopieren. Wir möchten bewusst eigene Schwerpunkte setzen. Dazu gehören beispielsweise deutschsprachiger Support, eine sehr geringe Streaming-Latenz, mehr Kontrolle für Creator über ihre Streams, ein transparentes Auszahlungsmodell und eine werbefreie App, bei der Funktionen nicht erst kostenpflichtig freigeschaltet werden müssen.
Als kleinere Plattform können wir außerdem schneller reagieren. Wenn wir feststellen, dass eine Funktion nicht funktioniert oder Nutzer einen konkreten Wunsch haben, können wir wesentlich direkter darauf eingehen.
Mobile Livestreams, Live-Chat und Co-Hosts stehen im Mittelpunkt Ihrer App. Welche Bedürfnisse von Creatorn möchten Sie damit besonders erfüllen?
Livestreaming soll möglichst unkompliziert und unmittelbar sein. Creator sollen nicht erst ein großes technisches Setup benötigen, sondern schnell live gehen und direkt mit ihrer Community interagieren können.
Gerade diese direkte Interaktion ist für uns besonders wichtig. Zuschauer.io arbeitet deshalb mit sehr niedrigen Latenzzeiten. Unter geeigneten technischen Bedingungen liegen diese bei unter 100 Millisekunden. Dadurch können Gespräche zwischen Creator, Zuschauern und Co-Hosts nahezu in Echtzeit stattfinden.
Ein weiteres besonderes Feature sind unsere Verified-Only Streams. Vor dem Start kann ein Creator selbst entscheiden, ob grundsätzlich jeder Nutzer am Stream teilnehmen darf oder ausschließlich verifizierte Accounts. Damit geben wir Creatorn zusätzliche Kontrolle darüber, wie offen oder geschützt sie ihren Stream gestalten möchten.
Dazu kommen Live-Chat, Co-Hosts und Moderationsfunktionen. Unser Ziel ist, dass Creator nicht nur senden, sondern tatsächlich mit den Menschen im Stream interagieren und eine Community aufbauen können.
Eine neue Plattform braucht gleichzeitig attraktive Creator und aktive Zuschauer. Wie wollen Sie dieses klassische Marktplatzproblem lösen?
Das ist eine der größten Herausforderungen jeder neuen Social- oder Community-Plattform. Creator bleiben nur dauerhaft, wenn Zuschauer vorhanden sind, und Zuschauer kommen nur zurück, wenn sie interessante Creator und Streams finden.
Deshalb versuchen wir nicht, ausschließlich eine Seite aufzubauen. Wir sprechen gezielt Creator an und arbeiten gleichzeitig daran, bestehende Nutzer stärker zu aktivieren und Interaktion innerhalb der Plattform zu fördern.
Gerade am Anfang ist dabei nicht nur die Anzahl der Registrierungen entscheidend. Viel wichtiger ist, ob Nutzer tatsächlich wiederkommen, Streams starten, Streams anschauen und miteinander interagieren.
Ein Vorteil einer jungen Plattform besteht darin, dass auch kleinere Creator früh sichtbar werden können. Sie konkurrieren nicht automatisch mit Millionen bereits etablierter Accounts. Gleichzeitig müssen wir als Plattform dafür sorgen, dass Zuschauer möglichst regelmäßig etwas Interessantes entdecken können.
Dieses Gleichgewicht aufzubauen, ist keine Aufgabe, die man einmal löst. Es ist ein kontinuierlicher Prozess aus Creator-Gewinnung, Nutzeraktivierung, Produktentwicklung und Community-Aufbau.
Virtuelle Geschenke ermöglichen Creatorn, mit ihrer Community Einnahmen zu erzielen. Welche Rolle spielt Monetarisierung für Ihre Positionierung?
Monetarisierung ist ein wichtiger Bestandteil von Zuschauer.io, weil Creator Zeit und Energie in ihre Inhalte und den Aufbau ihrer Community investieren.
Bei Auszahlungen setzen wir auf ein transparentes Modell: 80 Prozent des für die Auszahlung relevanten Betrags gehen an den Creator, 20 Prozent verbleiben bei Zuschauer.io.
Uns ist wichtig, dass Creator möglichst klar nachvollziehen können, welcher Anteil bei ihnen ankommt. Bei anderen Plattformmodellen können durch unterschiedliche Plattformanteile, Umwandlungen oder Gebühren komplexere Strukturen entstehen. Wir möchten unser Modell bewusst einfach und nachvollziehbar halten.
Gleichzeitig soll Monetarisierung nicht dazu führen, dass die normale Nutzung der Plattform ständig eingeschränkt wird. Zuschauer.io ist werbefrei und Funktionen werden nicht hinter kostenpflichtigen Feature-Paketen oder Bezahlschranken versteckt.
Virtuelle Geschenke sollen deshalb eine freiwillige Möglichkeit sein, Creator zu unterstützen – nicht eine Voraussetzung dafür, die Plattform vollständig nutzen zu können.
Community lebt von möglichst viel Interaktion, benötigt aber gleichzeitig klare Regeln und Moderation. Wie schaffen Sie die Balance zwischen Offenheit und Sicherheit?
Eine offene Community funktioniert langfristig nur, wenn es gleichzeitig klare Regeln und Möglichkeiten gibt, auf problematisches Verhalten zu reagieren.
Deshalb setzen wir auf Community-Richtlinien und Moderationsfunktionen innerhalb von Streams. Creator können Unterstützung bei der Moderation erhalten und bei problematischem Verhalten entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Mit Verified-Only Streams geben wir ihnen zusätzlich schon vor dem Start eines Streams mehr Kontrolle. Ein Creator kann selbst entscheiden, ob der Stream für alle Nutzer offen sein soll oder ausschließlich verifizierte Accounts teilnehmen dürfen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist Support. Zuschauer.io bietet deutschsprachigen Support rund um die Uhr über mehrere Wege, unter anderem über Instagram, Discord und E-Mail. Gerade bei einer Community-Plattform halte ich es für wichtig, dass Nutzer bei Problemen nicht erst lange nach einem Ansprechpartner suchen müssen.
Unser Ziel ist nicht, jede Interaktion unnötig einzuschränken. Menschen sollen sich frei austauschen können. Gleichzeitig müssen klare Grenzen gelten, wenn es beispielsweise um Beleidigungen, Belästigungen oder anderes problematisches Verhalten geht.
Creator haben bereits auf etablierten Plattformen Reichweiten und Communities aufgebaut. Mit welchen Argumenten möchten Sie sie für Zuschauer.io gewinnen?
Wir erwarten nicht, dass Creator ihre bestehenden Plattformen von heute auf morgen verlassen. Zuschauer.io soll vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit sein, früh auf einer wachsenden Plattform vertreten zu sein und sich dort eine weitere Community aufzubauen.
Gerade für kleinere oder neue Creator kann das interessant sein, weil sie nicht ausschließlich gegen Millionen bereits etablierter Accounts um Aufmerksamkeit konkurrieren.
Dazu kommen konkrete Vorteile: sehr geringe Streaming-Latenzen, Co-Hosts, Moderationsfunktionen, Verified-Only Streams, deutschsprachiger 24/7-Support und ein transparentes Auszahlungsmodell, bei dem 80 Prozent des relevanten Auszahlungsbetrags an den Creator gehen.
Außerdem enthält die App keine Werbung und Funktionen müssen nicht kostenpflichtig freigeschaltet werden.
Ein weiterer Vorteil ist die Nähe zwischen Plattform und Community. Wir können als kleinere Plattform deutlich direkter mit Creatorn sprechen, Feedback aufnehmen und neue Ideen schneller testen.
Unser Argument soll deshalb nicht sein: „Verlasst alle anderen Plattformen.“ Sondern: „Probiert etwas Neues zusätzlich aus und gestaltet eine junge Plattform früh mit.“
Eine eigene Livestreaming-Plattform technisch aufzubauen und zuverlässig zu betreiben, ist anspruchsvoll. Welche Herausforderungen beschäftigen Sie dabei besonders?
Livestreaming stellt technisch wesentlich höhere Anforderungen als viele klassische Social-Media-Funktionen.
Video und Audio müssen stabil und mit möglichst geringer Verzögerung übertragen werden. Gleichzeitig müssen unterschiedliche Smartphones, Betriebssystemversionen und Netzwerkbedingungen berücksichtigt werden.
Parallel dazu laufen Live-Chat, Co-Hosts, Moderation, Nutzerverwaltung, virtuelle Geschenke und weitere Echtzeitfunktionen.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, sehr geringe Latenz und gleichzeitig eine stabile Übertragung zu gewährleisten. Eine Verzögerung von unter 100 Millisekunden ist technisch attraktiv, weil Interaktionen dadurch nahezu unmittelbar wirken – gleichzeitig muss die Plattform auch unter unterschiedlichen realen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
Hinzu kommt die permanente Weiterentwicklung. Viele Probleme erkennt man erst dann, wenn echte Nutzer eine Funktion unter ganz unterschiedlichen Bedingungen verwenden.
Deshalb gehören Monitoring, Tests, Fehleranalyse und kontinuierliche Optimierungen genauso zum Aufbau der Plattform wie neue Funktionen.
Was muss Zuschauer.io langfristig anders oder besser machen, damit Nutzer nicht nur neugierig werden, sondern dauerhaft auf der Plattform bleiben?
Eine Installation oder Registrierung allein ist noch kein Erfolg. Entscheidend ist, ob ein Nutzer am nächsten Tag und auch Wochen später noch einen Grund hat, zurückzukommen.
Dafür müssen mehrere Dinge zusammenspielen: interessante Creator, aktive Communities, gute Discovery, zuverlässige Technik, geringe Latenz, einfache Bedienung, Moderation und erreichbarer Support.
Genauso wichtig finde ich, unnötige Hürden zu vermeiden. Deshalb verzichten wir beispielsweise auf Werbung innerhalb der App und darauf, normale Funktionen hinter kostenpflichtigen Freischaltungen zu verstecken.
Langfristig müssen Nutzer außerdem merken, dass ihr Feedback ernst genommen wird. Wenn eine Community immer wieder dieselben Probleme oder Wünsche äußert, muss eine junge Plattform bereit sein, darauf zu reagieren.
Ich glaube deshalb nicht, dass Nutzerbindung durch eine einzige große Funktion entsteht. Sie entsteht durch viele kleine Dinge, die zusammen dafür sorgen, dass sich Nutzer gerne auf einer Plattform aufhalten und das Gefühl haben, Teil ihrer Entwicklung zu sein.
Welche Vision verfolgen Sie mit Zuschauer.io, und welche nächsten Entwicklungen sind für die Plattform geplant?
Unsere Vision ist, Zuschauer.io langfristig als eigenständige Livestreaming-Community aufzubauen, die zunächst im deutschsprachigen Markt wächst und sowohl neuen als auch etablierten Creatorn Möglichkeiten bietet.
Dabei wollen wir nicht einfach möglichst viele Funktionen hinzufügen, sondern Livestreaming flexibler, direkter und einfacher machen.
Neben dem mobilen Streaming entwickeln wir die Möglichkeiten für Creator kontinuierlich weiter. Dazu gehört beispielsweise, Livestreaming auch über den PC und professionelle Streaming-Software wie OBS zugänglicher zu machen.
Gleichzeitig wollen wir bestehende Bereiche weiter verbessern – unter anderem Discovery, Community-Funktionen, Moderation, technische Stabilität und die Interaktion zwischen Creator und Zuschauer.
Langfristig soll Zuschauer.io eine Plattform sein, auf der sich Menschen nicht nur zufällig für einige Minuten in einem Livestream begegnen, sondern echte Communities entstehen können.
Unser Fokus liegt dabei zunächst klar auf dem deutschsprachigen Markt. Wenn dort eine stabile Community und ein starkes Produkt entstehen, kann man langfristig auch über weitere Märkte nachdenken.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform in einem von internationalen Konzernen dominierten Markt aufbauen möchten?
Erstens: Nicht versuchen, einen großen Wettbewerber einfach zu kopieren. Wenn ein Unternehmen wesentlich größer ist, gewinnt man nicht dadurch, dass man dasselbe Produkt mit weniger Ressourcen baut. Man braucht eigene Gründe, warum Nutzer das Produkt ausprobieren und langfristig verwenden sollten.
Zweitens: So früh wie möglich mit echten Nutzern arbeiten. Auf dem Papier wirken viele Ideen logisch. Erst wenn Menschen das Produkt tatsächlich verwenden, zeigt sich, welche Funktionen wichtig sind, wo Nutzer abspringen und welche Probleme man vorher überhaupt nicht gesehen hat.
Drittens: Durchhalten und kontinuierlich verbessern. Gerade Plattformen und Communities wachsen selten über Nacht. Technik, Nutzergewinnung und Community-Aufbau benötigen Zeit. Viele Fortschritte entstehen nicht durch einen einzelnen großen Durchbruch, sondern durch sehr viele kleine Verbesserungen.
Bildcredits privat
Wir bedanken uns bei Zuschauer.io für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

















