Dienstag, September 15, 2026
StartInterviewsGegen den Portale-Dschungel: AuftragsBrücke bündelt den Vergabemarkt

Gegen den Portale-Dschungel: AuftragsBrücke bündelt den Vergabemarkt

AuftragsBrücke entwickelt eine Plattform, die Unternehmen den Zugang zu Ausschreibungen, Aufträgen und passenden Geschäftspartnern erleichtert.

Können Sie AuftragsBrücke kurz vorstellen und erzählen, welches Problem Sie mit der Plattform lösen möchten?

Die AuftragsBrücke ist eine unabhängige Vermittlungsplattform für Aufträge, Ausschreibungen und qualifizierte Geschäftspartner in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg. Sie adressiert ein strukturelles Problem: Geschäftschancen sind über zahlreiche öffentliche Vergabedienste, private Auftragsbörsen, Projektplattformen und spezialisierte Netzwerke verteilt. Für Unternehmen bedeutet das hohen Rechercheaufwand und zugleich das Risiko, passende Verfahren oder Partner zu übersehen. Wir bündeln, prüfen und strukturieren diese Informationen und bringen Auftraggeber, direkte Bieter sowie Nach- und Subunternehmer gezielter zusammen.

Wer steht hinter AuftragsBrücke, und welche Erfahrungen haben zur Gründung des Unternehmens geführt?

Hinter der AuftragsBrücke steht der selbstständige Unternehmer Jens Murlowski. Ausgangspunkt war die praktische Beobachtung, dass besonders kleine und mittlere Unternehmen wertvolle Arbeitszeit in eine stark fragmentierte Suche investieren müssen. Gleichzeitig finden Auftraggeber nicht immer die geeigneten Fachbetriebe oder Kapazitäten. Aus dieser Lücke entstand die Idee einer persönlich begleiteten, länderübergreifenden Verbindung zwischen Bedarf, Kompetenz und realer Ausführungskapazität.

Unternehmen können heute bereits über zahlreiche Portale nach Ausschreibungen und Projekten suchen. Warum braucht es trotzdem eine Plattform wie AuftragsBrücke?

Gerade die Vielzahl der Portale schafft das Problem. Jedes System besitzt eigene Suchlogiken, Kategorien, Fristen und regionale Schwerpunkte. Unternehmen müssen viele Oberflächen parallel beobachten und die Ergebnisse selbst bewerten. Die AuftragsBrücke setzt deshalb nicht auf ein weiteres isoliertes Verzeichnis, sondern auf die Zusammenführung unterschiedlicher Marktsegmente, die fachliche Präzisierung und die Zuordnung zu konkreten Suchprofilen. Der wirtschaftliche Nutzen liegt weniger im bloßen Zugang zu Informationen als in der eingesparten Recherchezeit und einer höheren Relevanz der geprüften Chancen.

Sie bringen Auftraggeber mit Fachbetrieben, Subunternehmern und Dienstleistern zusammen. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Partner wirklich zueinander passen?

Entscheidend sind Leistungsprofil, Region, Kapazität, zeitliche Verfügbarkeit, Auftragsgröße, Rolle im Projekt und die konkreten Eignungsanforderungen. Hinzu kommen Plausibilitäts- und Qualitätsmerkmale, etwa nachvollziehbare Unternehmensangaben und die Fähigkeit, die verlangte Leistung tatsächlich zu erbringen. Eine Verbindung soll nicht nur formal möglich, sondern fachlich und wirtschaftlich sinnvoll sein. Die endgültige Auswahl und vertragliche Prüfung verbleiben selbstverständlich bei den beteiligten Unternehmen.

Statt möglichst viele Ausschreibungen auszuspielen, möchten Sie relevante Geschäftschancen gezielt filtern. Wie wichtig ist Qualität gegenüber Quantität für Ihr Modell?

Qualität ist der Kern des Modells. Eine hohe Trefferzahl besitzt keinen wirtschaftlichen Wert, wenn Unternehmen den überwiegenden Teil manuell aussortieren müssen. Deshalb werden Daten technisch dedupliziert, Fristen geprüft und ausgewählte Möglichkeiten vor dem Versand zusätzlich persönlich präzisiert. Quantität ist nur als breite Marktabdeckung sinnvoll; beim einzelnen Mitglied zählt die Passgenauigkeit.

Aktuell greifen Sie auf 250 verifizierte Quellen aus fünf Ländern zurück. Welche Herausforderung liegt darin, diese Informationen zuverlässig zusammenzuführen?

Die genannte Zahl von 250 Quellen ist inzwischen überholt. Mit Datenstand vom 14. September 2026 erfasst die AuftragsBrücke 549 geprüfte Plattform-, Auftraggeber-, Markt- und Netzwerkzugänge; 422 davon sind konkrete Vergabe-, Auftrags- und Projektquellen. Die Herausforderung liegt nicht allein in der Menge, sondern in unterschiedlichen Datenformaten, wechselnden Kategorien, mehrfach veröffentlichten Verfahren, Friständerungen und sehr verschiedener Datenqualität. Der aktuelle Bestand umfasst 5.068 deduplizierte Verfahren, davon 2.441 offen und unmittelbar prüfbar. Solche Zahlen bleiben dynamische Stichtagswerte und werden transparent mit dem jeweiligen Datenstand ausgewiesen.

Öffentliche Ausschreibungen und private Projekte funktionieren nach unterschiedlichen Regeln. Wie gelingt es Ihnen, beide Bereiche auf einer Plattform abzubilden?

Wir trennen die Quelltypen und Bewertungslogiken, führen sie aber über ein gemeinsames Leistungs- und Suchprofil zusammen. Bei öffentlichen Verfahren stehen formale Fristen, Eignungskriterien, Leistungsbeschreibungen und Vergaberegeln im Vordergrund. Bei privaten Projekten gewinnen Verfügbarkeit, regionale Nähe, konkrete Kapazität und die direkte Geschäftsanbahnung stärker an Bedeutung. Für das Mitglied entsteht dennoch ein konsistenter Prozess: Bedarf beschreiben, Markt durchsuchen, Gelegenheit prüfen und passende Parteien verbinden.

AuftragsBrücke kombiniert eine monatliche Mitgliedschaft mit einer Provision bei erfolgreicher Vermittlung. Warum haben Sie sich für dieses Geschäftsmodell entschieden?

Die laufende Mitgliedschaft finanziert die kontinuierliche Marktbeobachtung, Datenpflege, Suchprofile, Prüf- und Serviceleistungen. Die Erfolgsprovision koppelt einen weiteren Teil der Vergütung an einen tatsächlich realisierten Auftrag. Dadurch werden laufende Infrastruktur und persönliche Begleitung abgebildet, während zugleich ein wirtschaftlicher Erfolgsbezug bestehen bleibt. Das Modell ist nach Tarif und Rolle gestaffelt; bei Nach- und Subunternehmern zählt ausschließlich der Wert des eigenen verbindlichen Ausführungsvertrags, nicht der gesamte Hauptauftrag.

Von Handwerk und Bau bis zu IT, Logistik und Beratung sprechen Sie sehr unterschiedliche Branchen an. Wie vermeiden Sie, dass die Plattform durch diese Breite an Spezialisierung verliert?

Die Spezialisierung entsteht nicht durch eine künstliche Begrenzung auf eine einzelne Branche, sondern durch strukturierte Profile. Leistungsart, Region, Projektrolle, Kapazität, Auftragswert und branchenspezifische Anforderungen werden getrennt erfasst. So kann die Plattform breit in der Marktabdeckung und zugleich präzise im Matching sein. Die Breite ist damit ein Vorteil, weil auch branchenübergreifende Bedarfe und Kooperationen sichtbar werden.

Die persönliche Prüfung ausgewählter Ausschreibungen ist aktuell Teil Ihres Angebots. Wie lässt sich dieser Qualitätsanspruch mit zunehmender Nutzerzahl skalieren?

Skalierung bedeutet für uns eine klare Arbeitsteilung zwischen Technik und Mensch. Automatisiert werden Erfassung, Normalisierung, Kategorisierung, Fristprüfung, Dublettenerkennung und die Vorselektion nach Suchprofilen. Die persönliche Prüfung konzentriert sich anschließend auf jene Chancen, die für ein Mitglied konkret relevant sind. Standardisierte Prüfkriterien und dokumentierte Entscheidungen sorgen dafür, dass wachsende Datenmengen nicht automatisch zu einem proportionalen manuellen Aufwand führen.

Welche Vision verfolgen Sie mit AuftragsBrücke, und wie soll sich die Plattform im DACH-Raum künftig weiterentwickeln?

Unsere Vision ist ein verlässlicher, grenzüberschreitender Zugang zu Geschäftschancen und Ausführungspartnern im gesamten DACH-Raum einschließlich Liechtenstein und Luxemburg. Unternehmen sollen weniger Zeit mit fragmentierter Suche verbringen und mehr Zeit in belastbare Angebote, Kooperationen und Projekte investieren können. Der nächste Entwicklungsschritt besteht in einer tieferen Anbindung hochwertiger Quellen, präziseren Suchprofilen, einer wachsenden Zahl qualifizierter Auftraggeber und Auftragnehmer sowie transparenten Qualitätsstandards für jede vermittelte Verbindung.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die einen B2B-Marktplatz mit zwei unterschiedlichen Kundengruppen aufbauen möchten?

Erstens: Beide Marktseiten müssen einen eigenständigen und messbaren Nutzen erhalten; ein Vorteil nur für eine Seite trägt keinen Marktplatz dauerhaft.

Zweitens: Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Kriterien, transparente Konditionen und realistische Aussagen – nicht durch möglichst große, unkommentierte Zahlen.

Drittens: Früh mit echten Anwendern arbeiten und Prozesse zunächst persönlich verstehen. Erst wenn klar ist, welche Entscheidungen Qualität erzeugen, sollte dieser Teil technisch skaliert werden.

Bildhinweis: KI-generiertes redaktionelles Symbolbild; keine Darstellung des tatsächlichen Gründers oder Teams. Bildrechte: AuftragsBrücke / erstellt mit OpenAI.

Wir bedanken uns bei Jens Murlowski für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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