LimeByte verbindet KI mit Sicherheit und entwickelt digitale Lösungen für mittelständische Unternehmen, bei denen Datenschutz von Anfang an mitgedacht wird
Kannst du LimeByte kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter der Gründung des Unternehmens steht?
LimeByte ist eine Digitalagentur aus dem Kölner Mediapark. Wir entwickeln Websites, Webanwendungen und KI-Lösungen für den Mittelstand – mit einem Schwerpunkt, der in unserer Branche oft zu kurz kommt: IT-Sicherheit und Datenschutz. Die Idee hinter der Gründung war einfach: Viele kleine und mittlere Unternehmen bekommen entweder eine schöne Website ohne solides technisches Fundament oder ein sicheres System, das niemand gern bedient. Wir wollten beides zusammenbringen. Neben der Projektarbeit entwickeln wir eigene Produkte, etwa Zack-Angebot, eine Web-App, mit der Handwerksbetriebe Angebote per Sprachaufnahme erstellen statt sie abends am Schreibtisch zu tippen.
Wer steht hinter LimeByte, und welche Erfahrungen und Kompetenzen bringt ihr in das Unternehmen ein?
Ich habe LimeByte gegründet und führe das Unternehmen als Geschäftsführer, zusammen mit einem kleinen, eingespielten Kernteam. Ich komme aus dem Plattform- und Softwaregeschäft: Bei eZ Systems (heute Ibexa) war ich im Bereich Recommendation und Personalization Engine tätig, und beim CMS-Anbieter ContentPepper war ich sieben Jahre als Manager Support & Service und zugleich als Datenschutzbeauftragter verantwortlich. Daraus bringe ich zwei Dinge mit: ein gutes Gespür dafür, wo Software im Alltag der Nutzer hakt, und ein klares Verständnis dafür, was Datenschutz und Sicherheit in der Praxis bedeuten. Für die rechtliche Seite arbeiten wir eng mit der Datenschutzkanzlei SMR-Legal zusammen.
Ihr verbindet Strategie, Design, Softwareentwicklung und Cybersecurity. Warum war euch dieser ganzheitliche Ansatz von Anfang an wichtig?
Weil sich diese Themen in der Praxis nicht sauber trennen lassen. Eine Website ist heute Vertriebskanal, Datenquelle und Angriffsfläche zugleich. Wenn Design, Entwicklung und Sicherheit von drei verschiedenen Dienstleistern kommen, fällt genau an den Schnittstellen etwas herunter – meistens die Sicherheit. Unsere eigene Website zeigt, wie wir das meinen: keine Cookies, kein Cookie-Banner, keine Anfragen an fremde Server, eine aktive Content-Security-Policy. Das ist kein Zusatzmodul, sondern Teil der Architektur. Und für Mittelständler ist ein Ansprechpartner für alles schlicht einfacher.
Welche Unternehmen gehören zu eurer wichtigsten Zielgruppe, und mit welchen digitalen Herausforderungen kommen diese typischerweise zu euch?
Unser Schwerpunkt ist der Mittelstand in der DACH-Region: Handwerksbetriebe, Kanzleien und Steuerberater, Medienhäuser und Dienstleister. Die Herausforderungen ähneln sich erstaunlich oft: eine in die Jahre gekommene Website, die bei Google kaum gefunden wird, Unsicherheit beim Datenschutz, manuelle Abläufe, die viel Zeit fressen, und zunehmend die Frage, wie man KI sinnvoll und rechtssicher einsetzt. Nicht selten kommen Unternehmen auch erst nach einem konkreten Sicherheitsvorfall zu uns, etwa wenn eine WordPress-Seite kompromittiert wurde. Dann geht es zuerst ums Aufräumen und danach darum, dass so etwas nicht wieder passiert.
Der Markt für Digitalagenturen und Product Studios ist stark umkämpft. Was macht LimeByte gegenüber anderen Anbietern besonders?
Drei Dinge. Erstens ist Sicherheit bei uns Grundausstattung und kein Aufpreis – wir bieten zum Beispiel einen kostenfreien Sicherheits-Check für bestehende Websites an. Zweitens bauen wir selbst Produkte und kennen damit beide Seiten: die des Dienstleisters und die des Softwareherstellers. Zack-Angebot haben wir von der Idee bis zum Livegang selbst entwickelt. Drittens arbeiten wir klein und direkt. Kunden sprechen mit den Menschen, die ihr Projekt tatsächlich umsetzen, und nicht mit einer Kette von Projektmanagern.
Von der ersten Strategie bis zur technischen Umsetzung begleitet ihr unterschiedliche Phasen eines digitalen Projekts. Wo entstehen in der Praxis die größten Herausforderungen?
Meist ganz am Anfang und ganz am Ende. Am Anfang, weil die Anforderungen oft unklar sind: Viele Kunden wissen, dass sich etwas ändern muss, aber noch nicht genau was. Deshalb zeigen wir früh etwas Greifbares – lieber einen klickbaren Entwurf als ein vierzigseitiges Konzept. Am Ende, weil der Livegang nicht das Ende ist: Updates, Sicherheitspatches, Monitoring und Hosting entscheiden darüber, ob ein Projekt auch in zwei Jahren noch sicher läuft. Genau diese Betriebsphase wird bei der Budgetplanung am häufigsten vergessen.
KI verändert derzeit die Entwicklung digitaler Produkte erheblich. Welche Rolle spielt sie bereits bei euren Lösungen und in euren eigenen Arbeitsprozessen?
Eine große, aber eine nüchterne. In unseren eigenen Prozessen nutzen wir KI täglich: in der Softwareentwicklung, beim Testen, bei der Dokumentation und in der Recherche. Dadurch kann ein kleines Team Projekte umsetzen, für die man früher deutlich mehr Leute gebraucht hätte. In Kundenlösungen setzen wir KI dort ein, wo sie messbar Zeit spart. Für das Hotellerie-Fachmedium HospitalityInside haben wir zum Beispiel Teile der Artikelproduktion automatisiert, und bei Zack-Angebot erkennt eine KI aus einer Sprachaufnahme die einzelnen Angebotspositionen. Wichtig ist uns dabei immer: Der Mensch prüft und entscheidet, und die Daten bleiben möglichst in der EU.
Seit Kurzem gibt es dafür ein zweites Beispiel: Sentinel. Angreifer nutzen heute KI, um Lücken automatisiert und rund um die Uhr zu finden. Sentinel antwortet mit denselben Mitteln: Eine KI liest die Lage der Server, plant die Wartung und schreibt den Bericht, geprüfter Code führt die Updates aus. Vor jedem Update wird gesichert, und bei Fehlern rollt das System von selbst zurück.
Cybersecurity und Datenschutz werden für digitale Produkte immer wichtiger. Wie schafft ihr es, diese Themen bereits bei der Entwicklung mitzudenken?
Indem wir sie als Anforderung behandeln und nicht als Prüfung am Schluss. Jedes Projekt startet bei uns mit definierten Sicherheitsanforderungen: Welche Daten fließen wohin, wer hat Zugriff, was passiert im Fall eines Angriffs? Daraus leiten sich Architektur und Hosting ab. Wir orientieren uns an Zero-Trust-Prinzipien und an der ISO/IEC-27000-Normenfamilie, setzen auf Hosting und Dienste in der EU und überwachen die Systeme, die wir betreiben, laufend – teilweise KI-gestützt. Mit der Datenschutzkanzlei SMR-Legal an unserer Seite passen Technik und Recht von Anfang an zusammen.
Wie schnell es heute gehen muss, hat die PHP-Lücke php2shell im Oktober gezeigt: Erste Angriffe gab es schon vor dem Patch, Massenscans folgten wenige Stunden danach, einige Seiten gingen vom Netz. Die Server, die wir mit Sentinel betreuen, haben ihr Update einfach bekommen. Für Sentinel suchen wir gerade Pilotkunden, die den Dienst sechs Monate kostenfrei nutzen.
Individuelle Kundenprojekte lassen sich nur begrenzt standardisieren. Wie wollt ihr LimeByte weiter wachsen lassen, ohne Qualität und persönliche Betreuung zu verlieren?
Auf zwei Wegen. Erstens standardisieren wir alles, was sich standardisieren lässt: Hosting, Sicherheits-Setup, Datenschutz-Bausteine und Deployment laufen nach festen Abläufen, egal wie individuell das Projekt drumherum ist. Zweitens bauen wir eigene Produkte wie Zack-Angebot, bei denen ein weiterer Kunde nicht automatisch mehr Personal bedeutet. Die individuelle Projektarbeit halten wir bewusst in einem Rahmen, in dem jeder Kunde weiterhin direkt mit uns spricht. KI hilft uns dabei, als kleines Team deutlich mehr zu schaffen, ohne dass die persönliche Betreuung leidet.
Welche Vision verfolgt ihr mit LimeByte, und in welche Richtung soll sich das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln?
Wir wollen für den Mittelstand der Partner sein, mit dem Digitalisierung sicher und verständlich wird. In den kommenden Jahren soll LimeByte auf zwei Beinen stehen: einer Agentur, die Websites und Webanwendungen mit echtem Sicherheitsanspruch baut, und einem wachsenden Portfolio eigener Software für Branchen, die bei der Digitalisierung oft vergessen werden, etwa das Handwerk oder Steuerkanzleien. Mit Zack-Angebot haben wir den ersten Schritt gemacht. Jetzt geht es darum, von echten Nutzern zu lernen und das Produkt gemeinsam mit ihnen weiterzuentwickeln.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im stark umkämpften Digitalmarkt aufbauen möchten?
Erstens: Zeigen statt erzählen. Ein klickbarer Entwurf überzeugt mehr als jede Präsentation – bei Kunden genauso wie bei Partnern.
Zweitens: Ehrlich bleiben. Wer frisch am Markt ist, sollte das auch sagen. Vertrauen entsteht nicht durch aufgeblasene Referenzen, sondern durch Transparenz und gelieferte Ergebnisse.
Drittens: Eine klare Haltung haben. Im Digitalmarkt gibt es Tausende Anbieter, die angeblich alles können. Wer für etwas Bestimmtes steht – bei uns ist das Sicherheit –, wird leichter gefunden und weiterempfohlen.
Bildrechte: LimeByte GmbH / by Roman Hof
Wir bedanken uns bei Martin Stroschein für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.















