Das Startup Strawberry aus Stockholm entwickelt KI-Assistenten, die direkt im Browser arbeiten, Aufgaben automatisieren und Teams ohne Programmierkenntnisse im Arbeitsalltag unterstützen.
Charles, können Sie sich und Strawberry kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, KI-Assistenten zu entwickeln, die eigenständig Aufgaben im Browser übernehmen?
Ich bin Charles Maddock, CEO und Mitgründer von Strawberry in Stockholm. Wir haben Strawberry zusammen mit Sebastian Thunman (COO) und Arian Hanifi (CTO) gegründet und sind heute ein Team von zwölf Leuten. Die Idee kam aus einer einfachen Beobachtung: Die Technologie ist längst da, Agents können inzwischen wochenlang am Stück arbeiten. Trotzdem nutzen die meisten Teams KI kaum im Alltag. Die Arbeit passiert im Browser, mit allen Logins, Tabs und Abläufen. Also haben wir die KI genau dorthin gebracht.
Viele Unternehmen experimentieren bereits mit künstlicher Intelligenz, doch die praktische Integration in bestehende Arbeitsabläufe bleibt schwierig. Welche Probleme haben Sie erkannt und welche davon möchten Sie mit Strawberry lösen?
Das größte Problem ist nicht die Technik, sondern die Nutzung. Chatbots wie ChatGPT oder Claude bekommen einen Prompt und erledigen eine Aufgabe, aber man muss jedes Mal neu erklären, wie man arbeitet, und die Tools selbst anbinden. Coding-Agents sind mächtig, aber für Entwickler gebaut. Dazwischen stehen Vertrieb, Recruiting, Support und Marketing, also die Teams, die am meisten profitieren würden. Für sie bauen wir Strawberry.
Mit Strawberry können auch Mitarbeitende ohne Programmierkenntnisse eigene KI-Companions erstellen und anlernen. Wie funktioniert dieser Prozess konkret und welche Aufgaben können die Assistenten anschließend selbstständig übernehmen?
Man beschreibt in normalen Worten, was erledigt werden soll, so wie man es einer neuen Kollegin erklären würde. Der Companion arbeitet dann in den Tabs und Tools, die man ohnehin nutzt, merkt sich, wie das Team arbeitet, und wird mit jeder Zusammenarbeit besser. Typische Aufgaben sind ein sortiertes Postfach mit vorbereiteten Antworten, Recherche zu Hunderten von Accounts, automatisch gebuchte Vertriebstermine oder das wöchentliche Marketing-Reporting. Mit Routinen laufen solche Aufgaben nach Zeitplan oder sobald etwas passiert, etwa wenn eine neue E-Mail oder ein neuer Lead eingeht.
Ihre KI-Assistenten arbeiten direkt in den Browser-Tabs und Anwendungen, die Teams bereits nutzen. Welche technischen Herausforderungen bringt dieser Ansatz mit sich und was unterscheidet ihn von klassischen KI-Chatbots oder Automatisierungstools?
Ein klassischer Chatbot lebt in einem separaten Fenster und weiß nichts über deine Arbeit. Klassische Automatisierung braucht feste Regeln und Schnittstellen. Strawberry ist selbst ein Browser, deshalb ist der Kontext schon da: die Logins, die offenen Tabs, die Abläufe. Die Herausforderung ist, dass echte Websites unordentlich sind und sich ständig ändern. Genau darin liegt aber der Vorteil: Ein Companion kann mit fast jedem Tool arbeiten, das ein Mensch im Browser bedienen kann, ohne dass jemand eine Integration bauen muss.
Ein wichtiger Bestandteil Ihrer Plattform ist die Möglichkeit, selbst erstellte KI-Assistenten mit dem gesamten Team zu teilen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit und wie stellen Sie sicher, dass die Assistenten unterschiedliche Aufgaben und Zuständigkeiten zuverlässig berücksichtigen?
Mit 1.0 ist Strawberry ein vollständiger Multiplayer-Arbeitsbereich. Teams teilen Companions, Dateien und Skills, so wie man Wissen unter Kollegen teilt. Jeder Companion hat seinen eigenen Namen, seine Aufgaben und sein Wissen, und bei großen Aufträgen verteilt er die Arbeit auf mehrere Sub-Agents, die parallel arbeiten, und führt die Ergebnisse danach zusammen.
Wenn KI-Systeme eigenständig im Browser handeln, können Fehler weitreichende Folgen haben. Welche Sicherheitsmechanismen haben Sie entwickelt und bei welchen Aktionen ist eine ausdrückliche Freigabe durch die Nutzer erforderlich?
Companions fragen nach, bevor sie eine E-Mail senden, etwas posten oder einen Datensatz ändern. Alles, was wirklich zählt, gibt der Mensch frei. Die Logins bleiben im eigenen Browser der Nutzer, die Daten liegen in der EU, und wir sind nach SOC 2 Typ I und II geprüft.
Strawberry soll sich an die individuellen Arbeitsweisen eines Teams anpassen. Wie lernen die KI-Assistenten aus Anweisungen und Rückmeldungen und wie verhindern Sie, dass fehlerhafte Abläufe dauerhaft übernommen werden?
Ein Companion merkt sich Anweisungen und Korrekturen und nutzt sie beim nächsten Mal, ähnlich wie eine neue Kollegin, die man einarbeitet. Weil wichtige Schritte freigegeben werden müssen, sieht das Team früh, wenn etwas nicht stimmt, und kann es direkt korrigieren. So lernt der Companion aus der Korrektur und nicht aus dem Fehler.
Mit der Veröffentlichung von Version 1.0 erreicht Strawberry einen wichtigen Meilenstein. Welche Erfahrungen aus der Entwicklungsphase haben das Produkt besonders geprägt und welche Rückmeldungen früher Nutzer haben Sie überrascht?
Uns hat überrascht, wie schnell Menschen ohne technischen Hintergrund anfangen, eigene Abläufe zu bauen, sobald die KI dort arbeitet, wo sie ohnehin arbeiten. Und dass die Nutzer KI als Teammitglied haben wollten, nicht nur als Werkzeug für sich allein. Daraus sind die Multiplayer-Funktionen in 1.0 entstanden.
Mit EQT Ventures und General Catalyst sowie Gründern von Lovable, Supabase und Hugging Face haben Sie namhafte Unterstützer gewonnen. Was hat diese Investoren von Strawberry überzeugt und welche Möglichkeiten eröffnet Ihnen die Finanzierung?
Ich glaube, sie teilen unsere Überzeugung, dass der Browser gerade zur Frontlinie für KI wird und dass die nächste große Welle nicht von Entwicklern kommt, sondern von allen anderen. Mit den 6 Millionen US-Dollar bauen wir das Produkt weiter aus und bringen Strawberry zu deutlich mehr Teams.
Für welche Unternehmen und Teams ist Strawberry besonders interessant, welches Geschäftsmodell verfolgen Sie und wie möchten Sie sich im wachsenden Markt für KI-Agenten positionieren?
Für nicht-technische Teams, also Vertrieb, Recruiting, Kundensupport und Marketing, von kleinen Unternehmen bis zu größeren Organisationen. Es gibt einen kostenlosen Plan, mit dem man Strawberry richtig ausprobieren kann, und bezahlte Pläne ab 20 US-Dollar im Monat. Wir sind modellagnostisch und bieten führende Modelle ebenso wie europäische Modelle wie Mistral an. Unser Platz ist zwischen persönlichen Chat-Assistenten und Coding-Agents: so mächtig wie die einen, so angenehm zu nutzen wie die anderen.
Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Strawberry und welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein KI-Unternehmen aufbauen und ihre Technologie international etablieren möchten?
Wir wollen, dass jedes Team KI-Kollegen hat, die mitarbeiten, nicht statt der Menschen, sondern mit ihnen. Meine drei Ratschläge: Erstens, baut für die Menschen, die die Technologie heute nicht nutzen, dort liegt die größte Chance. Zweitens, sprecht jeden Tag mit euren Nutzern, sie zeigen euch, was wirklich wichtig ist. Drittens, denkt von Anfang an international, gerade aus Europa heraus, und lasst euch nicht einreden, dass man dafür im Silicon Valley sitzen muss.
Bildcredits Strawberry
Wir bedanken uns bei Charles Maddock für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.















