Donnerstag, November 5, 2026
StartInterviewsVom 3D-Druck zur Auszeichnung: eBay-Preisträger Wonderprint wächst als Familienunternehmen

Vom 3D-Druck zur Auszeichnung: eBay-Preisträger Wonderprint wächst als Familienunternehmen

Wonderprint entwickelt individuelle Produkte für Gaming- und LEGO-Sammler und verkauft diese vor allem über eBay. Das Familienunternehmen wurde 2026 als Gründer des Jahres ausgezeichnet.

Andi und Sophia, könnt ihr euch und Wonderprint kurz vorstellen und erzählen, wie aus euren ersten Produktideen ein gemeinsames Familienunternehmen entstanden ist?

Andi und Sophia: „Wir sind Andi und Sophia, ein Ehepaar, bald zweifache Eltern und gemeinsam die Menschen hinter Wonderprint.

Angefangen hat alles mit einer Produktidee von Andi, die er in seiner Facebook-Gruppe angeboten hat. Die Artikel ließ er zunächst von einem Bekannten mit einem 3D-Drucker herstellen. Als diese Zusammenarbeit endete, kauften wir unseren ersten eigenen Drucker und begannen, Wonderprint aufzubauen.

Heute haben wir 16 3D-Drucker und mit Julian sogar einen Mitarbeiter. Von Anfang an wollten wir mehr als einen Shop für 3D-gedruckte Produkte schaffen. Deshalb haben wir viel Zeit in unsere Marke, den Namen Wonderprint und unser Maskottchen Wondi investiert.

Dass aus dieser kleinen Idee einmal ein Familienunternehmen mit fast 10.000 verkauften Artikeln und einem eBay Award werden würde, hätten wir nie gedacht.“

Eure Produkte richten sich vor allem an Sammler aus der Gaming- und LEGO-Welt. Welche besonderen Bedürfnisse habt ihr in diesen Communitys erkannt und wie kamt ihr auf die Idee, dafür eigene Lösungen zu entwickeln?

Andi und Sophia: „Die Leidenschaft für Gaming und das Sammeln begleitet uns schon lange. Besonders Andi ist begeisterter Gamer und Sammler. Wir wissen deshalb, wie viel einem die eigene Sammlung bedeuten kann. Wer viel Geld in ein LEGO-Set oder eine besondere Konsole investiert, möchte diese Dinge auch entsprechend präsentieren.

Genau dafür entwickeln wir unsere Produkte. Dabei ist uns wichtig, dass sie einen echten Nutzen haben und wir selbst dahinter stehen können. Ein großer Vorteil ist unsere Flexibilität: Individuelle Farben, Beschriftungen oder Anpassungen können wir häufig direkt umsetzen.“

Eine unerwartete Kündigung war für Andi ein entscheidender Wendepunkt. Wie habt ihr diese Situation erlebt und was hat euch dazu bewogen, trotz der Unsicherheit vollständig auf Wonderprint und die Selbstständigkeit zu setzen?

Andi und Sophia: „Die Kündigung war für uns eines der schlimmsten Erlebnisse überhaupt. Mit einer Familie, finanziellen Verpflichtungen und Zukunftsplänen hat man erst einmal Angst und fragt sich, wie es weitergehen soll.

Wonderprint gab es damals bereits, aber es ist ein großer Unterschied, ob man nebenbei ein kleines Unternehmen betreibt oder plötzlich davon leben möchte.

Wir haben lange über die Risiken gesprochen und uns schließlich entschieden, es gemeinsam zu versuchen. Nicht, weil wir sicher waren, dass alles funktionieren würde, sondern weil wir an unsere Idee geglaubt haben.

Die Kündigung möchten wir im Nachhinein nicht schönreden, aber wir sind stolz darauf, dass wir aus dieser schwierigen Situation etwas Eigenes aufgebaut haben.“

Ihr entwickelt individuell gefertigte Produkte, die teilweise von Hand nachbearbeitet werden. Wie entsteht bei euch ein neues Produkt von der ersten Idee bis zum fertigen Artikel und welche Bedeutung hat die handwerkliche Arbeit für eure Qualität?

Andi und Sophia: „Meistens beginnt es mit dem Gedanken: ‚Dafür müsste es doch eine vernünftige Lösung geben.‘

Wir entwickeln erste Entwürfe, testen verschiedene Möglichkeiten und verbessern die Produkte, bis wir zufrieden sind. Auch nach der Veröffentlichung passen wir sie regelmäßig an, oft aufgrund von Kundenfeedback.

Bei der Herstellung werden einzelne Teile bei Bedarf noch von Hand geschliffen, entgratet oder nachbearbeitet. Durch neue Technologien konnten wir inzwischen viele Arbeitsschritte vereinfachen und unsere Produktion effizienter gestalten.“

Wonderprint ist ohne großes Startkapital entstanden. Welche Investitionen waren am Anfang unverzichtbar, wie habt ihr eure ersten Verkäufe finanziert und welche Entscheidungen haben euch geholfen, wirtschaftlich zu wachsen?

Andi und Sophia: „Am Anfang haben wir lange überlegt, ob wir uns überhaupt einen teuren 3D-Drucker leisten können. Heute besitzen wir 16 Geräte, teilweise mit Anschaffungspreisen von bis zu 2.800 Euro.

Wir sind Schritt für Schritt gewachsen und haben unsere Einnahmen größtenteils reinvestiert. Da wir viele Produkte erst nach der Bestellung herstellen, mussten wir auch kein großes Lager finanzieren.

Besonders wichtig war für uns, unsere Zahlen im Blick zu behalten. Umsatz ist schließlich nicht gleich Gewinn. Natürlich haben wir auch Fehlentscheidungen getroffen, aber daraus gelernt. Wir wollten nie möglichst schnell groß werden, sondern wirtschaftlich gesund wachsen.“

Mit mehr als 9.700 verkauften Artikeln habt ihr innerhalb kurzer Zeit eine beachtliche Nachfrage erreicht. Welche Produkte sind besonders gefragt und was habt ihr durch das Kaufverhalten und die Rückmeldungen eurer Kunden über euren Markt gelernt?

Andi und Sophia: „Unsere Kunden sind leidenschaftliche Sammler, ob von LEGO-Modellen, Retro-Konsolen oder Sammelkarten. Sie möchten ihre Stücke nicht einfach verstauen, sondern schön präsentieren.

Ein gutes Beispiel ist unser Sortiment für Pokémon-Karten. Andi sammelt selbst eigentlich keine Pokémon-Karten. Dass wir dafür inzwischen Zubehör anbieten, liegt an den Ideen und Anfragen unserer Kunden.

Wir haben gelernt, dass man als Unternehmer nicht immer selbst am besten weiß, was gebraucht wird. Oft entstehen die besten Produkte im direkten Austausch.

Aktuell stehen wir bei 9.938 verkauften Artikeln. Besonders freut uns aber, dass unsere Kunden mit eigenen Ideen auf uns zukommen und Wonderprint dadurch mitgestalten.“

eBay ist euer zentraler Vertriebskanal. Warum habt ihr euch für diese Plattform entschieden und welche Möglichkeiten bietet sie einem jungen Unternehmen, das zunächst ohne große Marketingbudgets auskommen muss?

Andi und Sophia: „Für uns war eBay von Anfang an die richtige Plattform. Gerade als kleines Unternehmen ohne großes Werbebudget ist es ein Vorteil, dass die Kunden dort bereits gezielt nach Produkten suchen.

Dazu kommen hilfreiche Werkzeuge und Werbemöglichkeiten, bei denen Kosten teilweise erst entstehen, wenn tatsächlich ein Verkauf zustande kommt.

Natürlich muss man selbst viel Arbeit investieren. Aber eBay bietet unserer Meinung nach gute Voraussetzungen, um mit überschaubaren Mitteln anzufangen und Schritt für Schritt zu wachsen.

Wenn wir heute noch einmal bei null anfangen müssten, würden wir uns wieder für eBay entscheiden.“

Rund 3.000 Bewertungen und 100 Prozent positives Feedback sprechen für eine hohe Kundenzufriedenheit. Wie gelingt es euch, bei individuellen Produkten gleichbleibende Qualität zu gewährleisten und gleichzeitig steigende Bestellmengen zu bewältigen?

Andi und Sophia: „Neben zusätzlichen 3D-Druckern und neuen Technologien hilft uns vor allem unsere selbst entwickelte Software. Andi beschäftigt sich schon seit seinem elften Lebensjahr mit Datenbanken und Programmierung. Heute können wir unsere internen Abläufe genau auf unsere Bedürfnisse zuschneiden.

Eine unserer besten Entscheidungen war außerdem, Julian einzustellen. Er unterstützt uns unter anderem bei der Qualitätskontrolle und beim Verpacken.

Da viele Produkte erst nach der Bestellung gefertigt werden, legen wir großen Wert auf eine transparente Kommunikation. Unsere Kunden sollen jederzeit wissen, woran sie sind.

Dass wir inzwischen rund 4.300 Bewertungen gesammelt haben, freut uns deshalb besonders.“

Als Familienunternehmen arbeitet ihr nicht nur geschäftlich, sondern auch privat eng zusammen. Wie habt ihr die Aufgaben zwischen euch aufgeteilt, welche Stärken bringt jeder von euch ein und wie geht ihr mit unterschiedlichen Vorstellungen oder schwierigen Entscheidungen um?

Andi und Sophia: „Ein Unternehmen als Ehepaar zu führen, ist nicht immer einfach. Wir mussten erst lernen, das Private und das Geschäftliche stärker voneinander zu trennen.

Inzwischen haben wir eine klare Aufgabenverteilung: Sophia verantwortet die Fertigung und organisiert die Bestellungen. Andi kümmert sich um Finanzen, Marketing, Strategie und unsere Software. Julian unterstützt uns bei der Qualitätskontrolle und beim Versand.

Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Gerade mit einem Kind und dem zweiten auf dem Weg ist das manchmal eine Herausforderung.

Aber Wonderprint funktioniert, weil jeder seine Stärken einbringt und wir als Team zusammenarbeiten.“

Bei den eBay Awards 2026 wurdet ihr als Gründer des Jahres ausgezeichnet. Was bedeutet euch diese Anerkennung persönlich und unternehmerisch und welche nächsten Schritte plant ihr für Wonderprint?

Andi und Sophia: „Damit hätten wir niemals gerechnet. Wir haben Wonderprint 2024 ohne großes Kapital oder Investoren gegründet. Und plötzlich stehen wir in Berlin auf der Bühne und werden als Gründer des Jahres ausgezeichnet.

Besonders emotional war für uns die Laudatio von Dr. Kai Hudetz. In diesem Moment haben wir erst richtig realisiert, was wir aufgebaut haben.

Die Auszeichnung bedeutet uns unglaublich viel. Sie ist eine Anerkennung für unsere Arbeit und für alle, die uns auf diesem Weg unterstützt haben, besonders unsere Kunden.

Für die Zukunft möchten wir neue Produkte entwickeln, unser Sortiment erweitern und weitere Vertriebskanäle ausbauen. Dabei soll Wonderprint weiterhin ein Familienunternehmen bleiben, hinter dem Menschen mit Leidenschaft stehen.“

Wenn ihr auf euren Weg von der unerwarteten Kündigung bis zur Auszeichnung als Gründer des Jahres zurückblickt, welche Erfahrungen haben euch am stärksten geprägt und welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit wenig Startkapital ein eigenes Unternehmen aufbauen möchten?

Andi und Sophia: „Erstens: Fangt einfach an. Ihr braucht nicht sofort die perfekte Ausstattung oder ein riesiges Budget. Viel wichtiger ist, Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen.

Zweitens: Seid anders und hört euren Kunden zu. Überlegt euch, warum Menschen bei euch kaufen sollten, und nehmt ihre Wünsche ernst. Nicht jede eigene Produktidee wird automatisch erfolgreich.

Drittens: Gebt nicht bei der ersten Schwierigkeit auf. Rückschläge gehören dazu. Entscheidend ist, aus Fehlern zu lernen und weiterzumachen.

Und was uns persönlich besonders wichtig ist: Vergesst bei all dem eure Familie und euch selbst nicht. Denn was bringt einem der Erfolg, wenn man dabei die Menschen aus den Augen verliert, für die man das alles macht?“

Bildcredits/Fotograf: Patricia Kalisch, www.patriciakalisch.de

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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