amber entwickelt KI für Unternehmen, die Unternehmenswissen intelligent verknüpft, Informationen verfügbar macht und Mitarbeitende im Arbeitsalltag unterstützt.
Können Sie amber kurz vorstellen und erzählen, welche Idee hinter Ihrer Business-KI für Unternehmen steht?
amber ist eine KI-Plattform, die Unternehmenswissen zentral verfügbar und operativ nutzbar macht. Unsere Idee ist, KI nicht nur als Chatbot zu verstehen. Sie versteht den Kontext eines Unternehmens, führt relevante Informationen zusammen und übernimmt zunehmend auch Aufgaben und Prozesse eigenständig.
Wer steht hinter amber, und welche Erfahrungen haben die Gründer in den Aufbau des Unternehmens eingebracht?
amber wurde von Bastian Maiworm, Philipp Reißel und Igli Manaj gegründet. Im Gründerteam verbinden wir Erfahrungen aus einem familiengeführten Unternehmen mit Forschungsexpertise der RWTH Aachen. Dadurch haben wir von Beginn an sowohl die praktischen Anforderungen des Mittelstands als auch die technologische Perspektive berücksichtigt.
Welche Vision verfolgen Sie mit amber, und welche Rolle soll die Plattform künftig im Arbeitsalltag von Unternehmen spielen?
Unsere Vision ist eine Business-KI, die nicht darauf wartet, dass Mitarbeitende die richtige Frage stellen. amber soll verstehen, was im Unternehmen passiert, erkennen, welche Aufgaben anstehen, und Mitarbeitende proaktiv entlasten, indem es die relevanten Informationen zur richtigen Zeit vorschlägt.
Unternehmenswissen ist häufig über zahlreiche Systeme verteilt. Wie hilft amber dabei, dieses Wissen einfacher zugänglich zu machen?
Unser AI Data Layer verknüpft und strukturiert Informationen aus unterschiedlichen Unternehmenssystemen und setzt sie in ihren fachlichen Kontext. Mitarbeitende müssen dadurch nicht mehr verschiedene Ordner, E Mails oder Anwendungen durchsuchen, sondern können ihr Unternehmenswissen direkt über amber nutzen.
An welche Unternehmen richtet sich Ihre Lösung besonders, und welche Probleme begegnen Ihnen dort immer wieder?
Unser Fokus liegt besonders auf kleinen und mittelständischen Unternehmen, etwa aus Fertigung, Engineering, IT Beratung und Konsumgüterindustrie. Dort sehen wir immer wieder ähnliche Herausforderungen: Wissen ist über viele Systeme verteilt, Informationen sind schwer auffindbar und viel wertvolles Erfahrungswissen steckt in den Köpfen einzelner Mitarbeitender. Gerade wenn langjährige Kolleginnen und Kollegen in Rente gehen oder das Unternehmen verlassen, droht dieses Wissen verloren zu gehen. amber hilft dabei, es langfristig im Unternehmen verfügbar zu machen.
Was unterscheidet amber von etablierten Lösungen wie ChatGPT oder Microsoft Copilot im Unternehmenseinsatz?
Unser Ansatz ist bewusst unabhängig und ganzheitlich. Während Microsoft Copilot seine Stärke vor allem im Microsoft Ökosystem hat und ChatGPT auf die Modelle eines Anbieters setzt, kann amber verschiedene Sprachmodelle und Unternehmenssysteme integrieren. Unser Anspruch ist, dass amber in Microsoft 365 genauso gut funktioniert wie beispielsweise in Salesforce oder Atlassian. Gleichzeitig strukturiert und verknüpft unser proprietärer AI Data Layer das Unternehmenswissen und stellt der KI gezielt den relevanten Kontext zur Verfügung. Das sorgt für präzisere Antworten und kann den Tokenverbrauch pro Anfrage um bis zu 60 Prozent reduzieren. Als europäischer Anbieter legen wir zudem großen Wert auf Datenhoheit und darauf, Unternehmen nicht in die Abhängigkeit eines einzelnen Modells oder Ökosystems zu bringen.
Bestehende Zugriffsrechte sollen auch bei der Nutzung der KI berücksichtigt werden. Warum ist dieser Ansatz für Unternehmen entscheidend?
Jedes Unternehmen hat bereits bestehende Zugriffsrechte und Berechtigungsstrukturen. Diese übernimmt amber. So sieht jeder Mitarbeitende auch über die KI nur die Informationen, auf die er in den jeweiligen Unternehmenssystemen tatsächlich Zugriff hat. Das ist für uns eine wichtige Grundlage für den sicheren Einsatz von KI im Unternehmen.
Neben Suche und Chat setzen Sie auf KI-Agenten. Welche Aufgaben können diese bereits übernehmen und wo liegen derzeit noch Grenzen?
amber kann schon jetzt auf der Basis der KI-Suche interne Informationen problemlos finden und auswerten. Mit neuen Funktionen wie bspw. Aktionen können wir jedoch auch Informationen zurückschreiben oder bspw. Dokumente und Dashboards generieren. Zusätzlich ist es möglich, über beispielsweise einen zeitlichen Trigger jeden Freitag zu einer gewissen Uhrzeit ein Dashboard zu aktualisieren und anschließend eine E-Mail oder Nachricht zu versenden. Durch Integrationen in Workflowbuilder stehen zudem diverse weitere agentische Optionen zur Verfügung.
Datenschutz und Datensouveränität sind bei Unternehmens-KI zentrale Themen. Wie schaffen Sie Vertrauen bei Ihren Kunden?
Für uns gehört Datenhoheit zur technologischen Grundlage einer Business-KI. Entscheidend ist, dass Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten und KI in bestehende Strukturen integriert wird, statt diese zu umgehen. Darum hosten wir amber auf der T Cloud bei der Telekom – in Deutschland. Zusätzlich sind wir ISO 27001 zertifiziert. Gerade im Mittelstand ist dieses Vertrauen eine wesentliche Voraussetzung für eine breite Nutzung von KI.
Mit mehr als 400 Unternehmenskunden und über 100.000 aktiven Nutzern haben Sie bereits eine relevante Größenordnung erreicht. Was waren die wichtigsten Wachstumstreiber?
Ein wichtiger Faktor ist, dass wir ein sehr konkretes Problem lösen: Unternehmenswissen schneller zugänglich und nutzbar zu machen. Gleichzeitig sehen wir eine stark steigende Nachfrage nach KI-Lösungen, die sich sinnvoll in bestehende Unternehmenssysteme integrieren lassen und einen direkten Mehrwert im Arbeitsalltag schaffen.
Wie soll sich amber in den kommenden Jahren weiterentwickeln, und welche Bedeutung werden autonome KI-Agenten dabei bekommen?
Heutzutage agieren Business-KI-Lösungen stets reaktiv. Als Nutzer frage ich etwas und die KI erledigt die Aufgabe. Durch die Data Layer wissen wir jedoch, was in dem Unternehmen passiert. Dadurch können wir auf Mitarbeitende proaktiv mit relevanten Informationen, Aufträgen usw. zukommen, damit diese zur richtigen Zeit die richtigen Informationen haben. KI-Agenten sind dabei ganz wesentlich, da sie die Instanz sind, welche Informationen selbstständig verarbeiten können und sowohl das strategische Ziel als auch die zur Erfüllung notwendigen Informationen erfassen können.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im schnelllebigen KI-Markt aufbauen möchten?
Erstens sollte man von einem echten Kundenproblem ausgehen und nicht von der Technologie. Zweitens braucht es eine technologische Grundlage, die auch dann Bestand hat, wenn sich einzelne Modelle schnell verändern. Drittens sollte man nah an den Kunden entwickeln, schnell lernen und gleichzeitig eine klare, langfristige Vision verfolgen.
Bildcredits amber/Floris Groteclaes
Wir bedanken uns bei Bastian Maiworm für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

















