Kyrok legt sich ohne Systemmigration über bestehende ERP-Systeme und überwindet so gewachsene Daten-Silos
Das Berliner Industrie-KI-Startup Kyrok hat eine Pre-Seed-Finanzierung in Höhe von 3,1 Millionen Euro abgeschlossen. Das Unternehmen entwickelt ein KI-Betriebssystem für das Supply-Chain-Management im europäischen Pharma- und Chemie-Mittelstand. Angeführt wurde die Finanzierungsrunde vom europäischen Venture-Capital-Investor Speedinvest.
Zu den weiteren Investoren zählen Arve Capital, das Family Office des Marktführers für aktive Pharmaverpackungen Sanner sowie renommierte Persönlichkeiten aus Industrie und Technologie. Mit dabei sind unter anderem Dr. Marcell Vollmer, ehemaliger Chief Procurement Officer von SAP, Dr. André Heeg, Managing Director & Partner Pharma & Healthcare bei BCG, Dr. Stephan Rohr, CEO von TWAICE, die Langdock-Gründer Jonas Beisswenger, Tobias Kemkes und Lennard Schmidt sowie Rodrigo Martinez über HelloWorld.
Kyrok wurde 2025 von Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund gegründet. Das Unternehmen entwickelt das erste KI-Betriebssystem für Supply-Chain-Teams in der Pharma- und Chemieindustrie und möchte damit eine der größten Digitalisierungsherausforderungen des industriellen Mittelstands lösen.
Industrieunternehmen arbeiten häufig noch mit gewachsenen Systemlandschaften
Während in Europa über digitale Souveränität, KI-Standorte und resiliente Lieferketten diskutiert wird, basieren viele Prozesse in Pharma- und Chemieunternehmen weiterhin auf ERP-Systemen aus den 1990er Jahren, Excel-Tabellen und manuell gepflegtem Erfahrungswissen.
Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, demografischer Wandel und internationale Konkurrenz den Druck auf die Unternehmen. Besonders mittelständische Betriebe stehen vor der Herausforderung, wertvolles Prozesswissen zu sichern und ihre Produktivität zu steigern.
KI-Agenten unterstützen Mitarbeitende im Tagesgeschäft
Kyroks Betriebssystem wird als zusätzliche Anwendungsebene über bestehende ERP-Systeme gelegt. Unternehmen müssen ihre vorhandenen Systeme nicht austauschen oder aufwendig migrieren. Stattdessen verbindet die Lösung unterschiedliche Datenquellen und unterstützt dabei, gewachsene Daten-Silos aufzubrechen.
Supply-Chain-Teams arbeiten in einer modernen Benutzeroberfläche, in der spezialisierte KI-Agenten Routineaufgaben übernehmen und Mitarbeitende durch Prozesse führen. Die finale Entscheidung verbleibt dabei stets beim Menschen.
Mit jeder Interaktion lernt das System die individuellen Arbeitsweisen der Nutzer besser kennen. Auf diese Weise wird wertvolles Erfahrungswissen schrittweise digitalisiert und langfristig im Unternehmen verfügbar gemacht.
Schritt für Schritt soll das Betriebssystem sämtliche zentralen Bereiche des Supply-Chain-Managements abdecken. Den Anfang machen Kundenservice, Auftragserfassung und weitere branchenspezifische Workflows. Produktionsplanung, Materialplanung und Einkauf sollen folgen. Die Daten werden DSGVO-konform auf europäischer Infrastruktur in Frankfurt am Main verarbeitet.
„Wir sind in Produktionswerken, in denen Auftragslisten morgens ausgedruckt, in den nächsten Raum getragen und dort wieder eingetippt werden. Die Menschen dort leisten Erstaunliches und halten verschiedene Systeme manuell zusammen. Sie verdienen Werkzeuge aus diesem Jahrhundert“, sagt Daniel Hofinger, CEO und Mitgründer von Kyrok. „Mit unserer Lösung möchten wir gezielt einen Beitrag für einen wettbewerbsfähigen Mittelstand leisten.“
Pilotkunden berichten von hohem Zeitgewinn und geringerer Fehlerquote
Mehrere mittelständische Pharma- und Chemieunternehmen nutzen die Lösung bereits in der Pilotphase. Nach Angaben des Unternehmens werden mehr als 80 Prozent komplexer Aufträge fehlerfrei erfasst. Bei Routineaufgaben ergeben sich deutliche Zeitgewinne sowie eine spürbar reduzierte Fehlerquote.
Christoph Staub, CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Konapharma, sieht insbesondere den Human-in-the-Loop-Ansatz als Vorteil: „Für uns bedeutet Kyrok eine massive Arbeitserleichterung. Wir gewinnen Zeit für die Themen, die für unsere Kunden wirklich zählen. Überzeugt hat mich, dass das System Vorschläge macht, die letzte Entscheidung aber beim Mitarbeiter bleibt, der die Verantwortung trägt.“
Mehr als 200 Gespräche mit der Branche vor dem Produktstart
Noch bevor die erste Zeile Code geschrieben wurde, führten Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund nach eigenen Angaben mehr als 200 Interviews mit Entscheidern aus Pharma- und Chemieunternehmen. Ergänzt wurden diese Erkenntnisse durch Werksbesuche und Workshops in mittelständischen Betrieben.
„Kyrok liefert eine beeindruckende Branchentiefe. Ich habe in 14 Jahren bei SAP gesehen, wie selten Software-Teams diese wirklich erreichen. Was Daniel und sein Team in den ersten Monaten geliefert haben, zeigt ein enormes Potenzial für unseren Industriestandort in Europa“, sagt Dr. Marcell Vollmer.
Auch Frank Fürst, General Manager bei AnalytiChem, sieht großes Potenzial in dem Ansatz: „Während klassische ERP-Systeme vor allem Daten verwalten, ermöglicht Kyrok die intelligente Verknüpfung von Daten, Prozessen und Wissen. Dadurch wird wertvolles Erfahrungswissen aus den Köpfen der Mitarbeitenden in skalierbare und KI-gestützte Abläufe überführt.“
Frisches Kapital soll Wachstum und Produktentwicklung beschleunigen
Mit der Finanzierung will Kyrok die Entwicklung weiterer Module vorantreiben und das Berliner Team gezielt erweitern. Gleichzeitig soll das Betriebssystem um zusätzliche Funktionen für das Supply-Chain-Management ergänzt werden.
„Daniel und Lukas haben bereits bewiesen, dass sie Industrieunternehmen mit Technologie wettbewerbsfähiger machen. Mit Kyrok modernisieren sie eine ganze Branche, ohne sie für die Modernisierung stillzulegen. Das ist exakt der Hebel, den Europa braucht: für die Wettbewerbsfähigkeit seines Mittelstands und die Resilienz seiner Lieferketten in Pharma und Chemie“, sagt Florian Obst, Partner bei Speedinvest.
Bild Kyrok Gründer Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund Bildcredits/ Fotograf Guido Schwarz
Quelle Breforth Communications
























