Dienstag, August 25, 2026
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Wirtschaftliche Unabhängigkeit als gelebter Feminismus

Wie das Onlinebusiness die traditionellen Spielregeln für Frauen bricht

„Als Mutter sind Frauen nicht leistungsfähig…“ war der Satz, den mir ein Geschäftsführer 2016 als Unternehmensberaterin und Mutter von 3 kleinen Kindern vor die Nase geworfen hat. Ich muss leider gestehen, dass ich weder empört aufgestanden und gegangen bin noch den Satz argumentativ auseinander gepflückt habe.

Ich war perfekt konditioniert und mein Fokus lag darauf den Auftrag zu bekommen, immerhin hatte ich ja 3 Kids. Leider muss ich auch zugeben, dass ich jahrelang versucht habe mich innerhalb dieses, von und für Männer etablierten Systems, zu integrieren und zu beweisen.

Höher, schneller, weiter und dann noch ein bisschen mehr. Um mir eben nicht vorwerfen lassen zu müssen, dass ich als kleine blonde Frau und Mutter, ja ich bediene fast alle Klischees, nicht „leistungsfähig“ bin.

Es wäre gelogen, würde ich behaupten, dass ich vorher noch nie angeeckt bin…. Das hat mich überhaupt erst in die Selbständigkeit getrieben. Aber auch da musste ich mich gegenüber Männern für meine Kompetenz und Mutterrolle rechtfertigen.

Aber es war genau dieser Termin 2016, der den Knoten bei mir platzen ließ. Was ist denn Leistungsfähigkeit bitte und wer bestimmt, wie viel die gelieferte Leistung wert ist?

Wirtschaftliche Freiheit ist eine feministische Frage

Finanzielle Unabhängigkeit ist für Frauen wichtiger denn je, aber es geht um mehr als Geld. Denn Geld erweitert den Raum, in dem Selbstbestimmung überhaupt möglich ist.

Für mich beginnt gelebter Feminismus deshalb nicht bei der Frage, ob Frauen alles genauso machen können wie Männer. Er beginnt eher bei der Frage, ob Frauen tatsächlich die wirtschaftliche Freiheit besitzen, ihr Leben selbst zu gestalten.

Frauen verdienten in Deutschland 2025 im Schnitt pro Stunde 16% weniger als Männer. Selbst wenn wir all die Totschlagargumente mit Teilzeit, Qualifizierung und Co bereinigen, reden wir immer noch über einen Gender Pay Gap von 6%.

Und wenn wir einen Schritt weiter schauen auf die Rente, dann ist die Lücke die kumulierte Abhängigkeit eines ganzen Lebens… Elternzeit mit 32, Teilzeit mit 25 und keine Führungsposition mit 40, heißt nichts anderes als ein niedriges Gehalt über Jahrzehnte.

Selbst wenn es im Augenblick nicht dramatisch aussieht. Mit 70 steht die Summe deiner Entscheidungen auf dem Kontoauszug.

Aber das Problem ist, es sind eben nicht nur ausschließlich „deine“ Entscheidungen, denn sie entstehen ja nicht im luftleeren Raum. Wer reduziert seine Arbeitszeit, wenn die Kinder betreut werden müssen? Wer übernimmt die unbezahlte Care- Arbeit, einfach weil es immer schon so war? Oder wer verzichtet eher auf die nächste Karrierestufe?

Individuelle Entscheidungen entstehen innerhalb gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Genau deshalb ist wirtschaftliche Unabhängigkeit auch eine feministische Frage.

Weniger Gatekeeper, mehr Selbstbestimmung

Das digitale Unternehmertum ist eines der niedrigschwelligsten wirtschaftlichen Hebelinstrumente, das Frauen heute zur Verfügung steht. Der Grund ist simpel, es gibt weniger (männliche) Gatekeeper.

In jedem klassischen Unternehmen entscheidet jemand über die Beförderung, das Gehalt und die Arbeitsaufgaben. Im klassischen Startup bist du abhängig vom vorhandenen Kapital oder von Investoren, genauso wie im lokalen Business.

Im OnlineBusiness kann frau mit einem überschaubaren Kapital Wissen in ein Angebot verwandeln, Kunden direkt erreichen und Preise selbst bestimmen.

Mit anderen Worten, ein Onlinebusiness reduziert die Zahl der Menschen, deren Zustimmung eine Frau benötigt, um Einkommen zu erzielen.

Homeoffice ist keine Revolution

Gerade für Mütter liegt die Revolution nicht im Homeoffice, sondern in der Entkopplung von Zeit und Einkommen.

Denn wenn ich meinen Arbeitsplatz lediglich vom Büro an den Küchentisch verlege, aber weiterhin jede einzelne Stunde gegen Geld tausche, hat sich wirtschaftlich wenig verändert.

Digitale Produkte, Gruppenprogramme, Memberships oder automatisierte Verkaufsprozesse ermöglichen dagegen Geschäftsmodelle, bei denen Wissen und Expertise mehrfach verkauft werden können. Deine verfügbare Arbeitszeit setzt damit nicht mehr automatisch die Grenze für dein Einkommen.

OnlineBusiness kann feministisch sein, aber Selbständigkeit macht eine Frau nicht automatisch emanzipiert. Ganz im Gegenteil, wer 60 Stunden arbeitet, zu wenig verlangt und keinerlei finanzielle Rücklagen aufbaut, betreibt keine wirtschaftliche Befreiung, sondern Selbstausbeutung mit Gewerbeschein.

Frauen können sich aber gerade mit einem OnlineBusiness eigene wirtschaftliche Strukturen schaffen, statt ausschließlich darauf zu hoffen, innerhalb bestehender Strukturen besser bezahlt, befördert oder überhaupt ernst genommen zu werden.

Erfolg braucht neue Spielregeln

Und vielleicht müssen wir deshalb auch unsere Vorstellung von erfolgreichem Unternehmertum verändern. Erfolg muss nicht zwingend das millionenfinanzierte Startup, das große Team oder Wachstum um jeden Preis sein.

Ein profitables digitales Unternehmen, das einer Frau Vermögensaufbau, zeitliche Freiheit und echte Entscheidungsfähigkeit ermöglicht, kann mindestens genauso revolutionär sein.

Denn für mich bedeutet Feminismus nicht, dass jede Frau Unternehmerin werden muss.

Feminismus bedeutet, dass Frauen echte Wahlmöglichkeiten haben sollten und wirtschaftlich stark genug sind, diese auch nutzen zu können.

2016 wollte ich diesem Geschäftsführer noch beweisen, dass ich trotz drei kleiner Kinder leistungsfähig bin.

Heute würde ich mit dieser Situation anders umgehen, denn warum sollte ausgerechnet er darüber entscheiden dürfen, was ich kann und was meine Leistung wert ist?

Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist vielleicht nicht die am meisten wahrgenommene Form von Feminismus, aber sie ist eine extrem wirksame.

Bild Foto-Credits: Diana Eismann (https://www.instagram.com/blickfang_fotografie_Diana) (Unternehmen)

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

1 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_453_621

Julia Bock
Julia Bockhttps://businessqueen.com/
Julia Bock ist dreifache Mama, seit 2007 erfolgreiche Unternehmerin und Gründerin von BusinessQueen. Als Mentorin hilft sie selbstständigen Frauen und female Coaches dabei, hochprofitable Online-Unternehmen mit klarer Strategie, starkem Mindset und ohne familiären Dauerstress aufzubauen.

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