Dienstag, April 14, 2026
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Wer erledigt morgen die Aufgaben, die heute noch Stunden kosten?

HVNH AI entwickelt individuelle KI Lösungen für Unternehmen und optimiert Prozesse im Alltag

Wie ist HVNH AI ursprünglich entstanden und welche Erfahrungen haben zur Gründung des Unternehmens geführt?

Ich habe mit 18 angefangen, mich intensiv mit Softwareentwicklung und künstlicher Intelligenz zu beschäftigen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass viele Unternehmen — gerade im Mittelstand — täglich Stunden mit Routineaufgaben verbringen, die sich eigentlich automatisieren lassen. Angebote schreiben, Kundenanfragen beantworten, Daten auswerten. Ich habe angefangen, für einzelne Unternehmen individuelle Lösungen zu bauen, und daraus ist HVNH AI entstanden. Der Name steht übrigens für meine Initialen — Hoffmann, Vorname Niclas, Nachname Hoffmann — und AI, weil künstliche Intelligenz der Kern von allem ist, was wir tun.

Was hat euch dazu bewegt, euch gezielt auf KI-gestützte Automatisierungslösungen für Unternehmen zu konzentrieren?

Ich habe gesehen, wie viel Zeit in Unternehmen für Dinge draufgeht, die eigentlich kein Mensch machen müsste. Ein Mitarbeiter sitzt 45 Minuten an einem Angebot, das eine KI in 5 Minuten erstellen kann. Ein anderer beantwortet zum zehnten Mal die gleiche Kundenanfrage. Das sind keine komplizierten Probleme — aber sie kosten jeden Tag Stunden. Und genau da setzen wir an. Wir bauen keine allgemeinen KI-Tools, sondern individuelle Systeme, die genau einen Prozess in genau einem Unternehmen automatisieren. Maßgeschneidert, nicht von der Stange.

Welche Vision verfolgt HVNH AI und wie soll diese in den kommenden Jahren konkret umgesetzt werden?

Meine Vision ist simpel: Jeder Mittelständler in Deutschland soll sich KI leisten können. Nicht erst ab 100.000 Euro Projektbudget, sondern ab 3.000 Euro. Wir wollen der Ansprechpartner sein, wenn ein Geschäftsführer sagt: Ich habe einen Prozess, der nervt — kann man das automatisieren? Die Antwort ist fast immer ja. In den nächsten Jahren wollen wir unser Workshop-Angebot ausbauen, damit Unternehmen erst mal verstehen, wo KI bei ihnen Sinn macht. Und dann setzen wir es um. Außerdem arbeite ich an einem eigenen SaaS-Produkt im Bereich KI-Sichtbarkeit — GEO Tracking AI — das Unternehmen hilft, in KI-Suchmaschinen wie ChatGPT und Perplexity sichtbar zu werden.

Wie schafft ihr es, individuelle KI-Lösungen so zu entwickeln, dass sie sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen?

Das Wichtigste ist, dass wir nicht mit der Technologie anfangen, sondern mit dem Prozess. Ich setze mich mit dem Unternehmen zusammen und schaue mir genau an, wie der Ablauf heute funktioniert. Wo kommen die Daten her? Wer macht was? Wo geht Zeit verloren? Erst wenn ich das verstanden habe, baue ich die Lösung. Unsere KI-Agenten werden so gebaut, dass sie in die bestehende Infrastruktur passen — nicht umgekehrt. Der Mitarbeiter soll möglichst wenig umlernen müssen. Das System muss sich an das Unternehmen anpassen, nicht das Unternehmen an das System.

Mit welchen konkreten Herausforderungen wenden sich Unternehmen aktuell an euch, wenn es um den Einsatz von KI geht?

Die häufigste Aussage ist: Wir wissen, dass wir etwas mit KI machen sollten, aber wir wissen nicht was und wo wir anfangen sollen. Viele haben ChatGPT mal ausprobiert, fanden es interessant, aber der Schritt von einem allgemeinen Chat-Tool zu einem echten Geschäftsprozess fehlt. Konkret kommen Unternehmen mit Themen wie: Unsere Angebotserstellung dauert zu lange. Unser Support erstickt in wiederkehrenden Anfragen. Wir haben erfahrene Mitarbeiter die bald in Rente gehen und deren Wissen nirgendwo dokumentiert ist. Oder: Unser Marketing-Team verbringt Stunden mit Content-Erstellung, die eine KI in Minuten erledigen könnte.

Wer zählt heute zu eurer Zielgruppe und welche Bedürfnisse stehen bei diesen Kundinnen und Kunden besonders im Fokus?

Unsere Zielgruppe sind mittelständische Unternehmen mit 10 bis 250 Mitarbeitern. Geschäftsführer und Inhaber, die merken, dass ihre Teams zu viel Zeit mit Routineaufgaben verbringen und zu wenig mit dem, was das Unternehmen wirklich voranbringt. Die Branchen sind bewusst breit — wir arbeiten mit Industrieunternehmen, Handelsunternehmen, Agenturen und Dienstleistern. Der gemeinsame Nenner ist immer: Es gibt einen Routineprozess, der zu viel Zeit kostet. Und der lässt sich mit einer individuellen KI-Lösung automatisieren.

Was unterscheidet HVNH AI aus eurer Sicht von anderen Anbietern im Bereich KI und Automatisierung?

Drei Dinge. Erstens: Wir bauen individuelle Systeme, keine Standardsoftware. Jeder KI-Agent wird für genau ein Unternehmen und genau eine Aufgabe gebaut. Der kennt nur die Produkte, Preise und Abläufe dieses einen Unternehmens. Zweitens: Der Einstieg liegt bei ca. 3.000 Euro. Das ist für den Mittelstand machbar — kein sechsstelliges Beratungsprojekt. Und drittens: Ich bin Entwickler und Berater in einer Person. Kein Vertriebler, der etwas verspricht, was ein Entwicklerteam dann irgendwann umsetzt. Bei mir ist der Weg vom Erstgespräch zur fertigen Lösung kurz und direkt.

Welche Hürden begegnen euch bei der Einführung von KI in Unternehmen und wie geht ihr damit um?

Die größte Hürde ist nicht die Technologie, sondern die Unsicherheit. Viele Geschäftsführer haben Angst, etwas Falsches zu machen — falsche Daten, DSGVO-Probleme, Mitarbeiter die sich bedroht fühlen. Deshalb bieten wir Workshops an, in denen wir erst mal gemeinsam analysieren, wo KI sinnvoll ist und wo nicht. Das nimmt die Angst. Und wir fangen immer klein an — ein Prozess, ein Agent, ein Ergebnis. Wenn der Geschäftsführer sieht, dass seine Angebotserstellung plötzlich in 5 statt 45 Minuten läuft, ist die Skepsis weg. Dann kommt meistens die Frage: Was können wir als nächstes automatisieren?

Welche Rolle spielen Daten, Systeme und interne Strukturen, wenn es darum geht, erfolgreiche KI-Projekte umzusetzen?

Daten sind das Fundament. Ohne saubere Daten kann keine KI gut arbeiten. Aber das heißt nicht, dass ein Unternehmen erst jahrelang seine Daten aufräumen muss, bevor es anfangen kann. Wir schauen uns an, welche Daten schon da sind — Produktkataloge, Preislisten, E-Mail-Verläufe, Dokumentationen — und arbeiten damit. Oft reicht das für einen ersten KI-Agenten völlig aus. Wichtiger als perfekte Daten ist die Bereitschaft, einen Prozess klar zu definieren: Was geht rein, was soll rauskommen? Wenn das klar ist, können wir fast immer eine Lösung bauen.

Woran arbeitet HVNH AI derzeit konkret und welche Entwicklungen stehen als nächstes an?

Aktuell setze ich mehrere KI-Projekte für Mittelständler um — von der automatisierten Angebotserstellung bis zum internen Wissenssystem. Parallel baue ich unser Workshop-Angebot aus. Wir bieten vier verschiedene Formate an: KI-Grundlagen und Recht, KI-Sicherheit und Compliance, KI-Potenzialanalyse und einen Komplett-Workshop. Die IHK Siegen hat mich als festen KI-Speaker für eine quartalsweise Vortragsreihe eingeladen — das zeigt, wie groß der Bedarf im Mittelstand ist. Zusätzlich entwickle ich GEO Tracking AI, ein SaaS-Tool das Unternehmen hilft, ihre Sichtbarkeit in KI-Suchmaschinen zu messen und zu optimieren.

Wie schätzt ihr die zukünftige Bedeutung von KI-Automatisierung für Unternehmen ein?

KI-Automatisierung wird in den nächsten fünf Jahren so selbstverständlich wie eine Firmenwebsite. Unternehmen, die jetzt anfangen, haben einen Vorsprung. Unternehmen, die warten, werden es deutlich schwerer haben — auch weil bis 2030 die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen und damit Fachkräfte und Wissen verloren gehen. KI kann dieses Wissen bewahren und gleichzeitig die Lücke füllen, die der Fachkräftemangel reißt. Wer heute einen KI-Agenten für seine Angebotserstellung einsetzt, hat morgen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem, der noch alles manuell macht.

Welche drei Ratschläge würdet ihr Gründerinnen und Gründern geben, die heute im KI-Bereich starten möchten?

Erstens: Löst ein echtes Problem. Geht raus, sprecht mit Unternehmen und findet heraus, wo wirklich Zeit verloren geht. Zweitens: Fangt klein an und liefert schnell. Ein zufriedener Kunde, der euch weiterempfiehlt, ist mehr wert als jede Marketingkampagne. Drittens: Unterschätzt den Vertrieb nicht. Das beste Produkt bringt nichts, wenn keiner davon weiß. Seid sichtbar — ob auf Bühnen, in sozialen Medien oder im direkten Gespräch.

Bildcredits @ privat

Wir bedanken uns bei Niclas Hoffmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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