Donnerstag, Juli 16, 2026
StartInterviewsKI-Plattform mint: Das neue Betriebssystem für die Filmproduktion

KI-Plattform mint: Das neue Betriebssystem für die Filmproduktion

Vom Briefing zum fertigen Video in wenigen Stunden: Mit der neuen Plattform mint lanciert das Münchner KI-Unternehmen creamAI ein digitales All-in-One-Filmstudio, das komplexe KI-Modelle in einem einzigen professionellen Workflow bündelt und Nutzer selbst Regie führen lässt.

Welche Idee steckt hinter mint.creamai.de und wie ist das Unternehmen entstanden?

Die kurze Version lautet: Briefing rein, Film raus. Die längere hat viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun.

Ich komme aus der Film- und Motion-Design-Welt und arbeite seit über 15 Jahren an der Schnittstelle von Kreation und Marke und nun auch KI, unter anderem für Kunden wie SIXT, BMW, Samsung, IKEA oder Roland Berger, und habe in Keynotes und Workshops tausende Kreative zu KI ausgebildet. In dieser Zeit habe ich immer wieder dasselbe Muster gesehen: Der Bedarf an Bewegtbild explodiert, aber klassische Produktionen sind oft zu langsam, zu teuer und zu schwer skalierbar. Gleichzeitig sind mit KI enorm starke Modelle für Text, Bild, Voice und Video entstanden. Nur bleiben es meist einzelne Werkzeuge, die noch keinen professionellen Produktionsprozess ergeben.

Genau hier setzt mint an. Wir bauen mit mint ein Movie Production Betriebssystem für Unternehmen und Kreative. In mint läuft der gesamte Filmproduktionsprozess in einer Plattform ab: von der ersten Idee über Briefing, Skript, Charakterentwicklung, Storyboard, Bildgenerierung und VoiceOver bis hin zu Videogenerierung, Timeline, Schnitt und Video Export oder für die Weiterverarbeitung in Premiere Pro oder Final Cut.

Ein zentraler Begriff für uns ist die Netto-Produktionszeit – also die Zeit, in der ein Mensch wirklich aktiv an einem Film arbeitet. mint lässt sich vollständig manuell steuern, einzelne Schritte oder größere Teile der Produktion können aber an den Production Agent übergeben werden. Im Idealfall heißt das: Ein gutes Briefing rein, mint erstellt eine erste belastbare Filmversion, und der Mensch konzentriert sich danach auf Regie, Feedback und Feinschliff. Ein Erklärfilm, der früher 2–4 Wochen gedauert hat, entsteht so in wenigen Stunden Netto-Produktionszeit.

Unser Ziel ist deshalb nicht einfach, Filme schneller zu produzieren. Wir wollen Unternehmen ermöglichen, hochwertige Filme planbarer, günstiger und mit deutlich weniger Reibungsverlusten zu erstellen.

Wie würden Sie mint jemandem erklären, der sich bisher noch nicht intensiv mit KI beschäftigt hat?

Am einfachsten so: mint.creamai.de ist ein digitales Produktionsstudio für Filme. Eine klassische Filmproduktion besteht aus vielen Gewerken und Abstimmungsschleifen – von der Idee über Skript und Storyboard bis zu Schnitt und Export. Selbst kurze Erklärfilme dauern dadurch oft mehrere Wochen.

mint bringt diese Arbeitsschritte in eine gemeinsame Produktionsumgebung. Der Nutzer gibt eine Idee, ein Briefing oder ein Skript ein. Daraus kann mint eine Produktionsgrundlage entwickeln, Szenen planen, Bilder und Referenzen erzeugen, ein VoiceOver vorbereiten, Video-Takes erstellen und alles in einer Timeline zusammenführen.

Der entscheidende Punkt: mint ist kein reiner Videogenerator. Videogenerierung ist nur ein Teil des Systems. Der eigentliche Wert liegt darin, dass der gesamte Produktionskontext zusammenbleibt. Der Mensch entscheidet weiterhin über Tonalität, Stil, Freigaben und Details – die KI übernimmt vor allem die aufwendigen Zwischenschritte und macht den Prozess dadurch schneller und kontrollierbarer.

Welche Vision verfolgen Sie mit mint und welche Rolle soll das Unternehmen künftig im KI-Markt einnehmen?

Unsere Vision ist, dass hochwertige Filmproduktionen nicht mehr an große Budgets, lange Vorlaufzeiten und viel Spezialwissen gebunden sind. Unternehmen sollen Videocontent intern, planbar und skalierbar produzieren können, ohne die Kontrolle über Qualität, Marke und Botschaft zu verlieren.

Wir zielen dabei bewusst nicht auf einen Millionen-Nutzer-Markt für gelegentliche Experimente. mint ist für Unternehmen im DACH-Raum und in Europa gedacht, die regelmäßig Filme produzieren oder diesen Bereich künftig stärker intern aufbauen wollen: Marketingfilme, Produktvideos, Schulungsinhalte, Social Ads, Employer Branding, Erklärfilme und serielle Kurzformate.

Im KI-Markt möchten wir für eine neue Generation spezialisierter Produkte stehen. Die erste Welle war stark von einzelnen Tools und allgemeinen Chatbots geprägt. Die nächste Welle wird aus unserer Sicht von Lösungen bestimmt, die konkrete Geschäftsprozesse wirklich verstehen. Genau das ist unser Anspruch – und hier zahlt sich aus, dass wir Filmproduktion nicht als Außenstehende automatisieren, sondern das Handwerk seit Jahren aus der Praxis kennen. mint macht nicht nur ein Modell zugänglich, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess neu.

Viele Unternehmen stehen vor einer kaum überschaubaren Zahl an KI-Tools. Wie begegnet mint dieser Herausforderung?

Mit Fokus und Integration statt mit noch einem weiteren Tool. Viele Unternehmen haben inzwischen Zugriff auf zahlreiche KI-Werkzeuge – und genau dadurch entsteht ein neues Problem: Inhalte, Prompts, Dateien und Entscheidungen liegen über viele Systeme verstreut. Man spart an einer Stelle Zeit und verliert sie an anderer Stelle durch Abstimmung, Kontextverlust und Nacharbeit wieder.

mint ist bewusst nicht als weiteres allgemeines KI-Tool gedacht. Dafür gibt es mit creamAI bereits ein breiteres Multi-Gen-AI-Produkt. mint ist spitzer: Es konzentriert sich auf KI-gestützte Filmproduktion, also Prompt-to-Movie in einem professionellen Workflow.

Das bedeutet: Der Nutzer muss nicht für jeden Schritt ein neues Tool öffnen oder entscheiden, welches Modell gerade am besten passt. mint hält den Projektkontext zusammen und orchestriert Text-, Bild-, Voice- und Videomodelle im Hintergrund. So wird aus vielen einzelnen KI-Möglichkeiten ein klarer Produktionsprozess mit einem konkreten Ziel: ein fertiger, bearbeitbarer Film.

An welche Zielgruppen richtet sich mint besonders und welche Anforderungen stehen dort im Mittelpunkt?

mint richtet sich vor allem an Teams, die regelmäßig Videocontent brauchen – Marketing- und Brand-Teams, Kommunikationsabteilungen, Agenturen sowie HR- und Learning-Teams.

Die Anforderungen dort sind klar. Erstens Geschwindigkeit: Viele Teams müssen heute mehr Bewegtbild in kürzerer Zeit produzieren. Zweitens Wirtschaftlichkeit: Nicht jedes wiederkehrende Video kann eine große externe Produktion sein. Drittens Kontrolle: Stil, Marke, Produkte, Tonalität und Botschaften müssen konsistent bleiben.

Besonders stark ist mint deshalb bei wiederkehrenden Formaten wie Produktvideos, Kampagnenfilmen, Social Ads, Schulungsvideos, interner Kommunikation, Employer Branding oder Erklärfilmen. Unser Ziel ist, dass Unternehmen diese Formate als interne Produktionsfähigkeit aufbauen können, statt jedes Projekt komplett neu aufzusetzen.

Was unterscheidet mint von anderen Plattformen für KI-Anwendungen und Automatisierung?

Unser Prinzip bringt es auf den Punkt: Der Agent produziert den Film. Du führst Regie.

Viele KI- und Automatisierungsplattformen versuchen, möglichst viel gleichzeitig abzudecken. Das kann hilfreich sein, führt bei komplexeren Prozessen aber zu hoher Komplexität. Wir haben uns bewusst anders entschieden und konzentrieren uns auf einen einzigen, sehr relevanten Bereich: professionelle Filmproduktion.

Der Unterschied liegt darin, dass mint den Produktionszusammenhang versteht. Ein Bild ist in mint nicht einfach ein generiertes Bild – es gehört zu einer Szene, einem Stil, zu Referenzen, zu einem späteren Video-Take und am Ende zu einer Timeline. Ein VoiceOver ist nicht nur eine Audiodatei, sondern beeinflusst Timing, Szenenlänge und Schnitt.

Diese Verbindung der Schritte ist der eigentliche Wert. mint automatisiert nicht blind alles, sondern organisiert einen komplexen Produktionsprozess so, dass Mensch und Agent sinnvoll zusammenarbeiten. Der Agent übernimmt Aufgaben, der Mensch behält Regie, Kontrolle und Freigabe.

Datenschutz und Datensicherheit sind bei KI ein großes Thema. Wie positioniert sich mint in diesem Bereich?

Datenschutz und Datensicherheit sind für uns zentral, weil mint mit Briefings, Skripten, Markenmaterialien, Referenzen und teilweise sensiblen Unternehmensinhalten arbeitet. Wir haben schon mit creamAI konsequent auf eine europäische Ausrichtung gesetzt und führen das mit mint weiter.

Unsere Infrastruktur ist auf deutsche und europäische Anforderungen ausgerichtet. Unsere Server stehen in Deutschland, und für textbasierte KI-Prozesse setzen wir auf Sprachmodelle mit europäischen Serverstandorten, etwa über große Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Amazon. Dazu kommen vertragliche und technische Schutzmaßnahmen wie Auftragsverarbeitungsverträge, Zero-Data-Retention-Optionen und eine klare serverseitige Verwaltung von Zugangsdaten.

Wichtig ist mir dabei die ehrliche Einordnung: Der sensible Kern – Briefings, Skripte, Markenmaterial – bleibt in der europäischen Umgebung. Bei der reinen Videogenerierung gibt es im europäischen Markt aktuell noch keine Konkurrenz zu den stärksten internationalen Modellen. Wer heute hochwertige KI-Videos produzieren will, kommt an bestimmten amerikanischen oder asiatischen Modellen wie Seedance und Kling leider kaum vorbei.

Und schließlich unsere eigene Produktentwicklung: Unser Produkt- und Entwicklungsteam sitzt in München. Bei der Kernentwicklung arbeiten wir nicht mit Near- oder Offshoring-Strukturen. Das gibt uns mehr Kontrolle über Code, Architektur und Sicherheitsprozesse.

mint ist Teil des Hub Potsdam. Welche Impulse erhalten Sie dort für die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Der MediaTech Hub Potsdam bietet genau das Netzwerk, das wir als junges Unternehmen in dieser Phase brauchen. Relevante Kontakte, ehrliches Feedback, Zugang zu Unternehmen und einen starken Austausch mit Menschen, die Medien, Technologie und Unternehmertum verstehen.

In den letzten Wochen und Monaten sind über den Hub viele spannende Gespräche entstanden. Manche Kontakte haben uns durch Feedback weitergebracht, andere haben konkrete Projektideen oder Pilotmöglichkeiten eröffnet. Gerade bei einem Produkt wie mint ist es wichtig, die Idee immer wieder mit dem Markt zu spiegeln und nicht nur im eigenen Team weiterzuentwickeln.

Für uns hilft der Hub, schneller zu lernen, klarer zu kommunizieren und die richtigen nächsten Schritte zu priorisieren.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell beim Wachstum von mint?

Wir befinden uns im Übergang von einer geschlossenen Beta hin zu einer offeneren Beta-Phase mit ersten Pilotkunden. Wir führen aktuell rund fünf Gespräche pro Woche. Nachfrage und Feedback sind sehr positiv – gleichzeitig müssen Produktentwicklung, Sales, Onboarding und Kundenfeedback sauber zusammenlaufen.

Eine der größten Herausforderungen ist Fokus. Wenn man mit vielen potenziellen Kunden spricht, entstehen schnell viele gute Ideen und Wünsche. Als Gründer muss man genau zuhören, aber gleichzeitig entscheiden, welche Themen wirklich zum Kernprodukt gehören und welche später kommen.

Für die nächsten Monate ist mir deshalb besonders wichtig, viele Kunden persönlich zu onboarden. Ich will genau verstehen, wo die tatsächlichen Pain Points liegen, welche Workflows im Alltag entstehen und an welchen Stellen mint den größten Hebel hat. Dieses direkte Feedback ersetzt keine Produktstrategie, aber es macht sie deutlich besser.

Welche Bedeutung hat der Austausch mit anderen Startups und Technologieunternehmen im Hub Potsdam für Ihr Unternehmen?

Der Austausch ist sehr wichtig, weil viele Gründer vor ähnlichen Fragen stehen – auch wenn die Produkte unterschiedlich sind. Go-to-Market, Finanzierung, Teamaufbau, Produktfokus, Vertrieb, Pilotkunden, Partnerschaften: Bei all dem helfen konkrete Erfahrungen anderer Unternehmen enorm.

Besonders wertvoll ist die Praxisnähe. Man hört nicht nur theoretische Ratschläge, sondern echte Erfahrungen: Was hat funktioniert, was hat Zeit gekostet, welche Fehler würde jemand nicht noch einmal machen. Solche Gespräche beschleunigen den eigenen Lernprozess spürbar.

Auch die Coaches und das Umfeld des Hubs geben uns einen positiven Push. Sie helfen, Annahmen zu hinterfragen, die eigene Positionierung zu schärfen und schneller in Richtung Markt zu denken.

Welche Entwicklungen und Funktionen stehen bei mint in den kommenden Monaten auf der Roadmap?

Ein wichtiger Bereich ist Dubbing. Wir möchten es ermöglichen, produzierte Filme deutlich einfacher in andere Sprachen zu übertragen – idealerweise mit konsistenter Stimme und minimalem manuellem Aufwand. Für Unternehmen, die Inhalte international ausspielen, ist das ein großer Hebel.

Außerdem optimieren wir die Produktionsworkflows weiter. Schon heute entstehen kurze Erklärfilme mit sehr geringer Netto-Produktionszeit – also der Zeit, die ein Kollege wirklich aktiv an der Produktion mitwirkt. Spannend wird es vor allem bei Formaten, die in größerer Stückzahl entstehen – etwa Microdramas, Schulungsinhalte, Produktvideos oder Social-Formate. Hier geht es nicht um einen einzelnen Film, sondern um skalierbare Produktionslogik.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau der bereits vorhandenen umfassenden agentischen Fähigkeiten. Nutzer können unserem Agenten erklären, was sie erreichen möchten. mint leitet daraus die passenden Produktionsschritte ab und zeigt trotzdem transparent, was passiert.

Zusätzlich arbeiten wir an speziellen Workflows für HR, Learning und interne Wissensvermittlung. Ein Beispiel: einfache Screencasts oder Rohaufnahmen von Mitarbeitenden, die automatisch strukturiert, gestalterisch verbessert und in hochwertige Trainings- oder Erklärvideos überführt werden. Viele Unternehmen haben intern enorm viel Wissen, aber zu wenig Zeit, daraus gute Inhalte zu machen. Genau hier kann mint einen großen Unterschied machen.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute ein Startup im KI-Bereich aufbauen möchten?

Baut nicht nur eine dünne Funktion um ein Large Language Model herum. Die Entwicklungsgeschwindigkeit im KI-Bereich ist enorm. Was heute wie ein Produkt wirkt, kann morgen eine Standardfunktion in einem größeren Modell sein. Prüft deshalb kritisch, ob ihr wirklich ein relevantes Problem löst oder nur eine kurzfristige technische Lücke nutzt.

Sucht euch einen Use Case mit echter Tiefe. Je stärker ein Produkt in reale Prozesse, Workflows, Daten, Nutzergewohnheiten und Fachlogik eingebettet ist, desto schwieriger ist es zu kopieren.

Bleibt extrem nah am Kunden. Gerade im KI-Bereich ändern sich Technologie, Erwartungen und Möglichkeiten sehr schnell. Man muss schnell bauen – aber noch schneller lernen. Kundenfeedback ist Gold wert, solange man nicht blind jedem Wunsch hinterherläuft. Idealerweise erkennt man Muster, nutzt diese für eine konsequente Weiterentwicklung des Produkts und verliert dabei die eigene Vision nicht aus den Augen.

Bild: AI generated by creamlabs AI GmbH

Wir bedanken uns bei Jacques Alomo für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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