Donnerstag, April 23, 2026
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Odonata Drohnenplattform im Interview: Logistik neu gedacht

Die Odonata Drohnenplattform steht im Zentrum dieses Interviews über autonome Luftlogistik und neue Wege in der Versorgung kritischer Regionen

Wie ist ODONATA entstanden und wer sind die Köpfe hinter der Odonata Drohnenplattform?

ODONATA wurde 2021 gegründet und wurde schnell vom ESA Business Incubation Program unterstützt. Unser ursprünglicher Ansatz war ambitioniert: ein personentragendes eVTOL mit hybridem Wasserstoff-Antrieb, ein elektrisch vertikal startendes und landendes Fluggerät für den urbanen und regionalen Lufttransport. 2024 haben wir bewusst einen Pivot gemacht und aus dieser Systemarchitektur die unbemannte Multi-Mission-Plattform PANTALA abgeleitet.

Hinter ODONATA steht ein interdisziplinäres Gründerteam – in alphabetischer Reihenfolge:

Dr. Daniel Etter (CTO), Dennis Furchheim (CEO), Prof. Dr. Tobias Nickel (CMO), Kai Sondermann, Dominik Weigl (CFO)

Wir bringen Erfahrung aus Luft- und Raumfahrt, Elektronik und Antriebstechnik, Industrialisierung sowie aus Wirtschaft und Marketing mit – eine Kombination, die für ein Deep-Tech-Vorhaben wie unseres essenziell ist.

Welche konkreten Probleme in der Logistik lösen Sie?

Wir adressieren genau die Lücke zwischen Straße und Helikopter: zeitkritische Fracht an abgelegene Orte, Regionen mit schwacher Infrastruktur und Verbindungen, für die Lastwagen zu langsam und Helikopter zu teuer sind. Typische Anwendungsfelder sind militärische Transporte, die Versorgung und Wartung von Offshore-Windparks, kritische Infrastruktur in schwer zugänglichen Regionen sowie Middle-Mile-Logistik. PANTALA macht Logistik dort planbar, wo klassische Ketten an ihre Grenzen stoßen.

Was ist die Vision hinter der ODONATA im Bereich autonomer Lufttransporte?

Unsere Vision ist eine autonome, emissionsarme Luftlogistik, die schneller, direkter und unabhängiger ist als heutige Transportketten. Wir denken Logistik neu: Nicht Straße, Schiene oder Flughafen bestimmen die Route, sondern der Bedarf.

Wie funktioniert die ODONATA Drohnenplattform PANTALA und was unterscheidet sie von klassischen UAVs?

PANTALA ist ein hybrides VTOL-Flächenflugzeug ohne Pilot. Start und Landung erfolgen batterie-elektrisch wie ein Helikopter, der effiziente Reiseflug wie bei einem Flugzeug über einen Verbrennungsantrieb, der bereits hybrid ausgelegt ist. Das System hat eine Spannweite von knapp 8 Metern, ein maximales Abfluggewicht von 280 kg und transportiert bis zu 80 kg Nutzlast. Reichweite: mehr als 1.000 km, Flugzeit: über zehn Stunden.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen UAVs liegt in der Kombination aus Ausdauer, Nutzlast und Multi-Mission-Fähigkeit. Klassische Drohnen sind meist entweder klein und agil oder groß und starr auf eine Mission ausgelegt. PANTALA deckt beides ab und kann logistische, aufklärende und perspektivisch auch defensive Missionen auf einer Plattform abbilden.

Für welche Zielgruppen ist die Drohnenplattform relevant?

Besonders relevant sind wir überall dort, wo Zeit, Zugänglichkeit oder Kosten in der heutigen Versorgung ein Problem sind:

Öffentliche Sicherheit und Verteidigung – Aufklärung, Grenzschutz, Lagebild.
Industrielle Middle-Mile-Logistik – planbare Verbindungen zwischen Werken, Häfen und Hubs.
Medizinische und pharmazeutische Logistik – z. B. Blut, Proben, zeitkritische Medikamente.
Offshore-Anwendungen – Wartung und Versorgung von Windparks und Plattformen.
Kritische Infrastruktur – Inspektion und Versorgung entlang von Strom- und Pipelinenetzen, Bahn- und Straßeninfrastruktur.

Welche Anforderungen haben Kunden an die ODONATA Drohnenplattform?

Unsere Kunden brauchen vor allem drei Dinge: Verlässlichkeit, Sicherheit und klare regulatorische Belastbarkeit. Das heißt konkret: wiederholbare Missionen, hohe Verfügbarkeit, nachvollziehbare Prozesse und Zulassungsfähigkeit im jeweiligen Einsatzraum. Wir arbeiten deshalb von Anfang an nach luftfahrtnahen Entwicklungsstandards, begleiten unsere Entwicklung mit SORA-konformen Risikoanalysen und binden Pilotkunden früh in Erprobung und Definition der Missionsprofile ein. So wird aus Technologie ein einsatzfähiges System.

Was macht die ODONATA Drohnenplattform technologisch einzigartig?

Wir haben eine ungewöhnliche Kombination aus Reichweite, Flugdauer und Nutzlast. Kaum jemand kann so lange in der Luft bleiben, so weit fliegen und so viel Gewicht mitnehmen.

Ein zum Patent angemeldetes Alleinstellungsmerkmal ist ein verschiebbarer Antriebsstrang: Wir können Teile des Powertrains entlang des Rumpfs verschieben und damit den Schwerpunkt aktiv an unterschiedliche Beladungszustände und Flugphasen anpassen. Das optimiert Aerodynamik, Effizienz und Stabilität – gerade bei variablen Nutzlasten ein echter Hebel.

Mit welchen regulatorischen und technologischen Herausforderungen arbeitet ODONATA?

Regulatorisch bewegen wir uns im Umfeld der EU-Drohnenverordnung und der Specific Category mit SORA-Verfahren. Das ist anspruchsvoll, aber planbar – wir haben früh gelernt, Regulatorik nicht als Hindernis, sondern als Teil des Produkts zu denken.

Technologisch sind die größten Herausforderungen die Industrialisierung und die Zertifizierung des Gesamtsystems. Unterschätzen sollte man auch das Kapitalmarktumfeld nicht: Als große Player im eVTOL-Markt strauchelten, hat das den gesamten Sektor verunsichert – auch wenn unser technologischer und marktlicher Fokus ein ganz anderer ist.

Wie geht das Team mit den Anforderungen in sicherheitskritischen Bereichen um?

Wir arbeiten mit einer Ingenieurskultur, die sich an Luftfahrtstandards orientiert: strukturierte Anforderungen, Redundanzkonzepte, frühzeitige Tests und enger Austausch mit Behörden und Erprobungsträgern. Den ersten Schwebeflug haben wir bewusst auf dem Bundeswehr-Flugplatz in Roth durchgeführt, in einem kontrollierten Umfeld mit klaren Sicherheitsrahmen. Sicherheit ist bei uns kein nachgelagertes Thema, sondern Teil jeder Designentscheidung.

Welche nächsten Entwicklungsschritte planen Sie für die Drohnenplattform?

Nach dem erfolgreichen ersten Hover-Test folgt eine erweiterte Flugtestkampagne, in der wir das Flugfenster schrittweise öffnen – vom Schweben bis zum vollständigen Übergang in den Flächenflug. Parallel bereiten wir erste Pilotprojekte mit Kunden vor, die wir ab 2027 in realen Einsatzszenarien fliegen wollen.

Welche langfristige Rolle soll die Drohnenplattform im Markt spielen?

Wir wollen ODONATA als europäischen Anbieter für autonome Multi-Mission-Plattformen etablieren – mit einer klaren Positionierung im Bereich zeitkritischer, sicherheitsrelevanter Logistik und Aufklärung. Langfristig sehen wir uns als Brücke zwischen heutigen UAS und einer zukünftigen, wasserstoffbasierten Luftmobilität. Unser Anspruch ist nicht, noch eine Drohne zu bauen, sondern eine Plattform, auf der sich neue Anwendungsfelder wirtschaftlich und regulatorisch sauber realisieren lassen.

Welche drei Ratschläge gibt ODONATA anderen Gründerinnen und Gründern?

Verliebt euch nicht in eure erste Lösung, sondern in das Problem, das ihr lösen wollt. Ein ehrlicher Pivot ist keine Niederlage, sondern oft die bessere Variante der ursprünglichen Idee.

Verwechselt Durchhaltevermögen nicht mit Starrsinn. In Deep Tech braucht es beides: Ausdauer und die Fähigkeit, Annahmen zu revidieren, wenn sich Markt oder Kapitalumfeld ändern.

Gute Technologie allein reicht nicht. Timing, Kapitaldisziplin und Fokus entscheiden mit darüber, ob aus einer Vision ein Produkt wird. Holt euch früh Menschen ins Team, die diese Dimensionen genauso ernst nehmen wie die Technik.

Photocredit: ODONATA

Wir bedanken uns bei bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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