OroraTech nutzt die Bits & Pretzels seit den Anfangsjahren, um ein starkes Netzwerk aufzubauen, Feedback zu erhalten und die Geschäftsidee weiterzuentwickeln
Können Sie OroraTech kurz vorstellen und erzählen, wie sich das Unternehmen seit den Anfangsjahren entwickelt hat?
Ich bin Thomas Grübler, Mitgründer und Chief Strategy Officer von OroraTech und CEO von OroraTech USA.
Kurz: Wir erkennen und beobachten Waldbrände mit Satelliten.
Lang: Wir betreiben eigene Thermalinfrarot-Satelliten, die Wärmesignaturen weltweit erfassen und direkt klassifizieren. Dazu kommt unsere Wildfire Solution, eine Anwendung für das Waldbrandmanagement. Sie fusioniert öffentliche Satellitendaten mit denen unserer eigenen Satelliten. Unsere Kunden sind sehr divers: von der kommerziellen Forstwirtschaft über kleine regionale Bezirke bis hin zu ganzen Bundesstaaten, Ländern und der Europäischen Kommission.
Seit Januar 2022 haben wir eigene Satelliten im Orbit, im Mai 2026 haben wir vier davon für Griechenland gestartet, das erste nationale Waldbrand-Satellitensystem der Welt. Heute sind wir rund 170 Leute in München, Athen, Vancouver und Denver.
2017 waren Sie mit OroraTech erstmals bei der Bits & Pretzels. In welcher Phase befand sich das Unternehmen damals und mit welchen Erwartungen gingen Sie auf das Gründerfestival?
Damals hatten wir nur eine Idee. Wir nannten sie „Satellite as a Service“: Jede Organisation und jedes Land sollte einfach ohne Erfahrung eigene Satelliten betreiben können.
Wir suchten Feedback und Investoren. Satelliten sind ja auch nicht günstig
Neun Jahre später kauft Griechenland genau das, wovon uns 2017 alle abgeraten haben: Satelliten-as-a-Service, aber inklusive den Sensoren und der Software als System.
Gespräche auf der Bits & Pretzels halfen Ihnen, Ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Welche Impulse waren für den späteren Fokus auf Waldbrand Intelligence besonders wichtig?
Damals waren wir wirklich zu früh. Die häufigste Frage war: Wie kommt der Satellit überhaupt ins All? Meine Antwort „per Rakete“ war irgendwie auch nicht zufriedenstellend.
Wir haben schnell gelernt, dass wir uns auf die Datenprodukte und die Anwendung konzentrieren müssen.
Wie haben Sie die Bits & Pretzels genutzt, um ehrliches Feedback zu bekommen und die eigenen Annahmen über das Geschäftsmodell zu überprüfen?
Bits & Pretzels hat eine Eigenheit, die es bei nicht vielen Konferenzen gibt: Man kommt sehr schnell ins Gespräch.
Und wenn man gerade mit niemandem spricht, stellt man sich einfach in die Schlange zum Kaffee, holt sich ein Essen und setzt sich an einen Biertisch dazu, oder geht zum Weißbierkarussell. Das Konzept funktioniert sehr gut und bringt die Leute zum Austausch.
Über das Netzwerk entstanden Kontakte zu Mitarbeitern, Kunden, Partnern und Investoren. Wie wird aus einer ersten Begegnung eine langfristig wertvolle Beziehung?
Vieles hängt natürlich am Follow-up. Ich schreibe mir gerne eine Notiz auf die Visitenkarte, dann weiß ich drei Tage später noch, bei wem ich mich mit welchem Thema melden wollte. Tauscht man nur LinkedIn-Profile aus, klappt das nicht so gut. Irgendeine Notiz sollte man sich nach spannenden Gesprächen immer machen.
2022 waren Sie mit OroraTech als Aussteller zurück und schlossen eine Series B über 25 Millionen Euro ab. Welche Rolle spielte das über Jahre aufgebaute Netzwerk auf diesem Weg?
Jede Investmentrunde basiert auf Netzwerk und Vertrauen. Selten investiert jemand nach dem ersten Call, man muss sich schon öfter gesehen haben. Da hilft es, bei Bits & Pretzels früh für Sichtbarkeit zu sorgen.
Viele Gründer besuchen die Bits & Pretzels mit dem Ziel, Investoren kennenzulernen. Warum sollte Networking Ihrer Erfahrung nach deutlich früher beginnen?
Weil man zu dem Zeitpunkt, an dem man Geld braucht, kein Netzwerk mehr aufbauen kann. Wer erst zur Runde auftaucht, verkauft, und das merkt jeder.
Der wichtigere Punkt: In der frühen Phase sind Investoren gar nicht die beste Zielgruppe. Andere Gründer und Leute aus der Industrie sagen einem viel ehrlicher, ob das Produkt überhaupt gebraucht wird. Diese Gespräche haben uns 2017 mehr gebracht als jedes Investorenmeeting.
Bei mehreren tausend Teilnehmern sind die möglichen Kontakte enorm. Wie bereiten Sie sich auf die Bits & Pretzels vor, um gezielt die richtigen Menschen zu treffen?
Es empfiehlt sich natürlich, vorab die wichtigsten Teilnehmer zu recherchieren, also zum Beispiel Investoren, die für die aktuelle oder nächste Runde interessant sein könnten. Über die Plattform kann man gut Meetings ausmachen.
Ich bin aber trotzdem ein Fan vom „geplanten Zufall“. Man muss sich bewusst auch Zeit ohne Meetings reservieren, um mal aus der eigenen Bubble auszubrechen und neue Menschen kennenzulernen. So kamen schon wertvolle Intros und Empfehlungen zu Leuten zustande, die (bewusst) nicht über die Konferenz-App erreichbar waren.
Welche Fehler sollten Gründer vermeiden, wenn sie Veranstaltungen wie die Bits & Pretzels für Kundenakquise, Recruiting oder Finanzierung nutzen möchten?
Nicht jedes Gespräch ist ein Sales-Gespräch. Das Numbers Game ist hier fehl am Platz, es geht vorrangig um Netzwerk. Wenn mir jemand etwas verkaufen will, suche ich meistens das Weite.
2026 kehren Sie als Table Captain zur Bits & Pretzels zurück. Was möchten Sie in dieser neuen Rolle an die nächste Generation von Gründern weitergeben?
Drei Dinge: Pivots sind normal, unsere ersten drei Jahre waren im Grunde zwei Pivots. Hört aufmerksam zu, die unangenehmste Frage am Tisch ist meistens die wertvollste. Und habt Spaß dabei, das hält länger als jede Runde.
Wenn Sie heute auf Ihren ersten Besuch mit OroraTech bei der Bits & Pretzels 2017 zurückblicken: Welche drei Ratschläge würden Sie Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Konzentriere dich früher darauf, was jemand mit deiner Technologie eigentlich anfangen soll. Kundennutzen zuerst, Technologie danach. Und plan von Anfang an mehr Zeit ein. Im Weltraum dauert alles länger. Den Rest würde ich genauso wieder machen, auch die Umwege. Darf man das so sagen?
Bildcredits OroraTech
Wir bedanken uns bei Thomas Grübler für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















