SO DONE schützt mit KI vor Online-Hass und unterstützt Betroffene dabei, digitale Angriffe schneller zu erkennen und wirksam dagegen vorzugehen
Wie entstand die Idee zu SO DONE, und welche Erfahrungen haben die Gründung des Unternehmens geprägt?
Als ehrenamtliche Politikerin hat unsere Geschäftsführerin selbst wiederholt Hasskommentare im Netz erhalten – und sich dabei überfordert gefühlt, obwohl die Rechtslage eindeutig ist: Was im analogen Raum strafbar ist, ist es auch im Netz. Für einzelne Betroffene ist es trotzdem kaum zu stemmen, ihre Profile von Hass zu befreien und ihre Rechte durchzusetzen. Niemand kann tausende Kommentare, Nachrichten und Posts händisch durchforsten, um Hass auszublenden, löschen zu lassen oder mit anwaltlicher Hilfe dagegen vorzugehen. Für ein systematisches Problem wie Online-Hass gab es bislang schlicht keine systematische Lösung. Genau diese Lücke schließt SO DONE, gemeinsam mit unserer Partnerkanzlei SO DONE legal.
Wie würden Sie SO DONE jemandem erklären, der noch nie von Ihrem Angebot gehört hat?
Wir bieten einen digitalen Schutzschirm für Betroffene von Online-Hass. Wir unterstützen Betroffene mithilfe von Künstlicher Intelligenz dabei, die Kontrolle über ihre Kommentarspalten zu behalten und auf Wunsch auch über unsere Partnerkanzlei rechtliche Schritte einzuleiten.
Mit welcher Vision sind Sie angetreten, und was möchten Sie im Umgang mit digitaler Gewalt langfristig verändern?
Digitale Gewalt kommt selten allein – wir sehen immer wieder, dass ein hasserfüllter Kommentar den nächsten legitimiert. Deshalb ist es uns wichtig, ein Gegenzeichen gegen diese Entwicklung des Diskurses zu setzen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.
Warum fällt es Betroffenen von Hasskriminalität im Netz häufig schwer, ihre Rechte durchzusetzen?
Erstmal: Viele fühlen sich mit dem Problem schlicht überfordert – gerade, wenn es um Hass geht, der nicht unter eigenen Postings auftritt, sodass Betroffene ihn gar nicht selbst entfernen können. Die Meldewege auf den Plattformen sind oft intransparent, und der Weg über ein Strafverfahren ist zwar in vielen Fällen möglich, aber langwierig. Deshalb kooperieren wir mit unserer Partnerkanzlei SO DONE legal, die auf Rechtsverletzungen im Internet spezialisiert ist und zum Beispiel Löschungs- und Unterlassungsansprüche durchsetzen kann. Denn wenn strafbarer Hass verbreitet wird, wollen Betroffene vor allem eines: dass er verschwindet. Hier schaffen wir schnelle Abhilfe.
An welche Zielgruppen richtet sich SO DONE besonders, und welche Herausforderungen begegnen diesen Menschen oder Organisationen?
Viele unserer Kund:innen sind systematisch von Online-Hass betroffen – etwa von queerfeindlichen, homophoben, rassistischen oder antisemitisch motivierten Angriffen. Dort ist Online-Hass besonders gefährlich: Er droht, bestimmte Perspektiven ganz aus dem Diskurs zu verdrängen. Aber es gibt viele Dimensionen von Online-Hass und jede abschätzige Bemerkung im Netz hat das Potential, einzuschüchtern und zu belasten. Unser Anspruch ist, dass unser Angebot so skalierbar ist, dass sich damit jede Person wirksam gegen Online-Hass schützen kann.
SO DONE verbindet Künstliche Intelligenz mit juristischer Expertise. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz in der Praxis?
Unsere Kund:innen können einwilligen, dass wir mit Unterstützung von KI auf ihren Accounts potenziell strafrechtlich relevante Inhalte herausfiltern. Diese werden dann auf Wunsch der Betroffenen an unsere Partnerkanzlei SO DONE legal zur Prüfung weitergeleitet. So können unsere Kund:innen in der Flut an Kommentaren auf ihren Accounts dafür sorgen, dass gewisse Standards der Diskussion eingehalten werden, um sich selbst und ihre Communities zu schützen. Zudem stellt die juristische Prüfung sicher, dass trennscharf zwischen strafbaren Inhalten und zulässiger Meinungsäußerung unterschieden wird. So verbinden wir Skalierbarkeit mit rechtlicher Präzision, und gleichzeitig haben unsere Kund:innen stets die volle Kontrolle, welche Linie sie im Umgang mit Hasskommentaren wählen.
Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell bei Online-Hass, Bedrohungen und digitalen Straftaten?
Wir beobachten, dass das Einleiten rechtlicher Schritte grundsätzlich abschreckend auf Täter wirkt und weniger klar strafbar beleidigt oder bedroht wird. Gleichzeitig sehen wir auch immer wieder Wiederholungstäter, die sich in bestimmten Netzwerken organisieren und in Foren oder Threads austauschen, weil sie sich der Strafverfolgung entziehen wollen.
Mit welchen Herausforderungen ist SO DONE bei der Bekämpfung von Hasskriminalität im digitalen Raum konfrontiert?
Das Vorgehen gegen Online-Hass ist eigentlich immer ein Spiel auf Zeit: Je schneller ein Inhalt entfernt wird, desto weniger Menschen nehmen ihn wahr. Wie schnell das gelingt, hängt entscheidend von der Kooperationsbereitschaft der Plattformbetreiber ab.
Was unterscheidet SO DONE von anderen Anbietern im Bereich digitaler Rechtsdurchsetzung und Online-Schutz?
Wir haben uns insbesondere auf die trennscharfe Unterscheidung zwischen strafbaren Inhalten und zulässigen Meinungsäußerungen spezialisiert. Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind richtigerweise weit gefasst – und sehen explizit vor, dass auch unliebsame Kritik oder scharfer Widerspruch geäußert werden soll und darf. Unser Vorgehen vermeidet die Übermoderation zulässiger Inhalte und hilft unserer Partnerkanzlei SO DONE legal, sich auf die Fälle zu fokussieren, in denen auch tatsächlich von einer digitalen Straftat auszugehen ist.
Wie wichtig ist Präventionsarbeit, um digitale Gewalt langfristig einzudämmen?
Sehr wichtig – und noch viel zu wenig verankert. Oft wird Online-Hass nicht ernst genommen, weil man ihm keine „echten“ Konsequenzen zutraut. Tatsächlich sind die Folgen für Betroffene sehr real, psychisch wie beruflich.
Welche Ziele und Entwicklungen stehen bei SO DONE in den kommenden Jahren im Fokus?
Wir wollen unser Schutzangebot so skalieren, dass wir damit noch mehr Menschen und Organisationen systematisch schützen können. Wir wollen es jeder Person ermöglichen, die volle Kontrolle über ihre Kommentarspalten zu behalten – auch wenn dort Hunderte oder Tausende Kommentare eingehen. Außerdem will unsere Partnerkanzlei SO DONE legal ihr Schutzangebot auf weitere Rechtsverletzungen im Internet ausweiten, um Betroffene von Online-Hass noch umfassender zu unterstützen. Neben Beleidigungen und Verleumdungen im Netz geht es dabei zum Beispiel um das rechtliche Vorgehen gegen Fake-Profile, Deepfakes, Datenschutz- oder Urheberrechtsverletzungen, gelöschte Nutzer:innenprofile, unzulässige Bewertungen, Doxxing oder andere Persönlichkeitsrechtsverletzungen.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die mit Technologie gesellschaftliche Herausforderungen lösen möchten?
Neue innovative Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen brauchen immer Mut. Nur weil es ein Produkt noch nicht gibt, muss das nicht heißen, dass es keinen Bedarf gibt oder nicht umsetzbar ist. Das findet man nur im engen Austausch mit den Kunden und in der Praxis heraus.
Außerdem: KI kann schon unglaublich viel und ermöglicht es, viel zu automatisieren, aber am Ende gibt es Entscheidungen, die besser von Menschen getroffen werden sollten.
Und zuletzt: starke Nerven mitbringen – die braucht man immer.
Bildcredits privat
Wir bedanken uns bei Franziska Brandmann für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















