Donnerstag, Juni 25, 2026
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Was macht Weingut Story für kleine deutsche Weingüter so interessant?

Weingut Story macht kleine Weingüter sichtbar und verbindet die Geschichten der Winzer mit verständlichem Wissen rund um deutschen Wein

Wer steckt hinter Weingut Story, und wie entstand die Idee, Winzergeschichten mit dem Weinverkauf auf einer Plattform zu verbinden?

Hinter Weingut Story stehe ich allein: Benjamin, Solo-Gründer aus Langenhagen bei Hannover, also aus einer Region ganz ohne Weinbau. Genau das ist der Kern: Ich war selbst lange der typische Supermarktwein-Käufer, der gar nicht wusste, wie gut deutscher Wein sein kann. Bei der Recherche stieß ich auf unzählige kleine, familiengeführte Weingüter, deren Weine es nie in den Handel schaffen, weil die Mengen zu klein sind; kaufbar sind sie nur direkt beim Winzer. Ich habe Entrepreneurship and Innovation Management studiert und mich bewusst gegen den klassischen VC-Weg und für ein eigenfinanziertes, langsam gewachsenes Projekt entschieden.

Mir war schnell klar: Ich will nicht plump Wein anpreisen, sondern die Geschichte hinter jedem Weingut erzählen. Deshalb verbinde ich die Story mit dem Weg zum Wein: Jeder Winzer empfiehlt im Interview drei Weine, die ich direkt in seinen eigenen Onlineshop verlinke. Wichtig zur Einordnung: Wir verkaufen aktuell selbst keinen Wein (ist geplant, kommt aber später), ich liefere die Geschichte und die Brücke zum Erzeuger.

Was ist die Vision von Weingut Story, und wie soll sich diese in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Meine Vision ist, kleine deutsche Weingüter sichtbar zu machen, die sonst zwischen Supermarktregal und Importwein untergehen, und damit zur deutschen Weinkultur beizutragen. Die Branche steckt in einer echten Krise, der Markt schrumpft und Betriebe müssen schließen. Dem will ich mit Reichweite und guten Geschichten ein Stück weit gegensteuern. Der Weg dahin ist bewusst in Stufen gedacht. Heute liegt der Fokus voll auf Reichweite und einem Publikum, das diesen Winzern wirklich zuhört. Mittelfristig kann ich mir eine faire Listing-Gebühr für gelistete Winzer vorstellen, sobald die Plattform genug Zugkraft hat. Und langfristig, ganz ehrlich noch Zukunftsmusik, könnte daraus eine eigene Verkaufsplattform werden, die den kleinen Gütern gemeinsam ein Gegengewicht zu den großen Händlern gibt. Ich gehe das Schritt für Schritt an, weil ich erst Vertrauen und Substanz aufbauen will, bevor ich über Verkauf nachdenke.

Welche Menschen möchten Sie mit Weingut Story besonders erreichen, und welche Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt?

Meine Zielgruppe ist bewusst breit: vom kompletten Einsteiger über Liebhaber und Kenner bis zu den Winzerinnen und Winzern selbst. Am stärksten am Herzen liegen mir Menschen wie ich früher: Leute aus Regionen ohne Weinbau, die im Supermarkt zum italienischen oder französischen Wein greifen und gar nicht ahnen, welche Welt kleiner deutscher Güter es daneben gibt. Deren Bedürfnis ist meist gar nicht das große Fachwissen, sondern Orientierung und Vertrauen: Wo fange ich an, wem kann ich glauben, was lohnt sich wirklich. Deshalb gehen bei mir zwei Dinge Hand in Hand: verständliches Weinwissen über Ratgeber zu Rebsorten, Säure, Verkostung und Lagerung, und echte Geschichten, die dem Wein ein Gesicht geben und ihn nahbar machen, statt einzuschüchtern. So senke ich die Hemmschwelle für alle, die deutschen Wein bislang einfach nicht auf dem Schirm hatten.

Warum ist es für Weinliebhaber wichtig, nicht nur den Wein, sondern auch die Geschichte hinter dem Weingut kennenzulernen?

Weil ein Wein ohne seine Geschichte nur eine Flasche im Regal ist, austauschbar und allein über den Preis vergleichbar. Bei den kleinen Gütern, über die ich schreibe, steckt oft die Arbeit mehrerer Generationen in einer einzigen Lage, und die bewusste Entscheidung, klein und in Handarbeit zu bleiben, schmeckt man im Glas. Wer das weiß, trinkt anders: aufmerksamer, wertschätzender, mit Bezug zu den Menschen dahinter. Gerade weil diese Weine nicht im Supermarkt stehen, ist die Geschichte oft der einzige Weg, überhaupt von ihnen zu erfahren und sie erklärt, warum so ein Wein existiert und etwas mehr kostet. Für Einsteiger senkt ein Name und ein Gesicht die Hürde enorm, sich auf einen unbekannten Wein einzulassen. Und für die Winzer ist genau diese Geschichte oft das Einzige, womit sie gegen die anonyme Masse im Handel überhaupt bestehen können. Deshalb stelle ich die Story bewusst nach vorne, statt einfach Wein anzupreisen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Weingüter aus, die auf Weingut Story vorgestellt werden?

Erstes Kriterium ist die Größe: Es geht um kleine, familiengeführte Betriebe, deren Mengen oftmals zu klein für Supermarkt oder Fachhandel sind, sodass man direkt beim Winzer kauft. Das ist sozusagen die Eintrittskarte. Zweitens muss eine erzählbare Geschichte da sein: eine Familie, eine Generationenfolge, eine bewusste Entscheidung für Qualität statt Masse, eine echte Haltung. Drittens zählt die Person dahinter: Im Gespräch merke ich schnell, ob da Leidenschaft und Ehrlichkeit sind oder nur Verkaufsabsicht. Wichtig ist mir auch, dass das Weingut einen eigenen Onlineshop hat, damit ich die drei empfohlenen Weine sauber dorthin verlinken kann. Genau das ist ein zentrales Prinzip: Jede Winzerin und jeder Winzer darf im Interview genau drei Weine empfehlen, die sie selbst für besonders gelungen halten. Ich suche die Güter eigenständig heraus und gehe per Kaltakquise auf sie zu, das ist kein Pay-to-Play.

Was unterscheidet Weingut Story von klassischen Online Weinshops und anderen Weinplattformen?

Der entscheidende Unterschied: Weingut Story ist kein Weinshop, sondern ein Blog und Online-Magazin. Über Weingut Story wird kein Wein verkauft; ich verlinke die drei empfohlenen Weine jedes Winzers direkt in dessen eigenen Onlineshop, sodass die Wertschöpfung beim Erzeuger bleibt. Klassische Plattformen leben vom möglichst großen Sortiment; ich mache bewusst das Gegenteil und setze auf radikale Kuratierung. Mein Prinzip der drei Weine bringt das auf den Punkt: bewusste persönliche Empfehlungen statt endloser Listen. Dazu kommt der redaktionelle Teil mit rund 49 Blogbeiträgen und Dutzenden geführten Interviews, der Wissen und Geschichte verbindet. Und ich komme mit einem ehrlichen Außenblick: Ich bin kein Branchen-Insider, sondern selbst der typische Leser, der deutschen Wein erst entdecken musste, und das macht den Ton nahbar statt belehrend. Kurz: Andere verkaufen Flaschen, ich erzähle, warum diese Flaschen es wert sind, und führe Menschen überhaupt erst zu Winzern, die sie sonst nie gefunden hätten.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Plattform, die gleichzeitig Marktplatz und Storytelling Medium ist?

Hier möchte ich ehrlich einordnen: Heute ist Weingut Story vor allem ein Storytelling-Medium, das die empfohlenen Weine kuratiert bündelt und in die Winzershops verlinkt; ein echter eigener Marktplatz ist Zukunftsvision, kein Ist-Zustand. Genau diese Erwartung sauber einzuordnen ist schon die erste Herausforderung. Inhaltlich ist der Spagat zwischen guter Geschichte und konkretem Weg zum Kauf anspruchsvoll: Die Empfehlung darf nie ins plumpe Werben kippen, sondern muss redaktionell ehrlich bleiben. Dazu kommt die rechtliche Seite: Eigenen Weinverkauf habe ich bewusst zurückgestellt, weil ich das sauber aufsetzen will, bevor ich es überhaupt angehe.

Als Solo-Gründer ohne Investor ist außerdem Zeit die knappste Ressource: Recherche, Interviews, Schreiben und Technik liegen alle bei mir, und ich muss streng priorisieren. Und natürlich braucht jede Plattform erst einmal Reichweite, bevor sie für Winzer und Leser wirklich Wert schafft. Diese Spannung zwischen Substanz und späterer Monetarisierung sauber zu lösen, ist die eigentliche Aufgabe, deshalb baue ich Schritt für Schritt und nicht alles auf einmal.

Wie reagieren die Winzer auf das Konzept von Weingut Story, und welches Feedback hat Sie bisher besonders überrascht?

Die Reaktionen sind überwiegend sehr warm: Viele Winzer freuen sich spürbar, dass sich jemand für ihre Geschichte interessiert und nicht nur nach Preis und Menge fragt. Gerade kleine Betriebe haben oft niemanden, der ihre Arbeit nach außen erzählt, und genau diese Bühne nehmen sie dankbar an. Ich habe inzwischen Dutzende Interviews geführt, fast alle telefonisch oder per Zoom und merke immer wieder, wie offen und persönlich die Gespräche werden, wenn man echtes Interesse mitbringt. Aus geplanten kurzen Telefonaten werden oft lange Gespräche über die ehrlichen Themen: den Druck der Branche, das Ringen um den Nachwuchs, die Leidenschaft trotz allem. Überrascht hat mich, wie oft mein Außenblick als Nicht-Weinmensch als Vorteil empfunden wird, weil ich die Fragen stelle, die normale Kunden wirklich beschäftigen. Auch dass das Prinzip der drei Weine als Wertschätzung statt als Einschränkung ankommt, hat mich gefreut.

Welche Rolle spielen Authentizität und persönliche Geschichten für den Erfolg Ihres Geschäftsmodells?

Sie sind das Fundament, denn ohne Authentizität funktioniert nichts von dem, was ich tue. Mein Modell baut nicht auf dem billigsten Preis oder dem größten Sortiment, sondern auf Vertrauen, und Vertrauen entsteht nur über echte Geschichten. Gerade wenn ein Wein teurer ist als die Flasche aus dem Regal, kaufen Menschen nicht das Etikett, sondern die Geschichte und den Menschen dahinter. Deshalb erfinde ich nichts dazu und gebe Zitate so wieder, wie sie gefallen sind; weil die Interviews vertraulich entstehen, gehe ich sorgfältig damit um, was ich veröffentliche. Dass die Leser im Schnitt rund fünf bis sechs Minuten mit einem Artikel verbringen, zeigt mir, dass diese Ehrlichkeit trägt, und das gelingt nur, weil die Geschichten echt und nicht geschönt sind.

Auch mein eigener Hintergrund gehört dazu: dass ich aus einer Region ohne Weinbau komme und ehrlich aus der Perspektive der Zielgruppe schreibe, statt den großen Sommelier zu spielen. Authentizität ist hier kein Marketing-Wort, sondern schlicht die Geschäftsgrundlage.

An welchen neuen Ideen oder Entwicklungen arbeiten Sie aktuell, um Weingut Story weiter auszubauen?

Mein Schwerpunkt liegt aktuell klar auf Reichweite und Tiefe der Inhalte, denn das ist die Basis für alles Weitere. Konkret heißt das: mehr Winzer-Interviews führen und das Fundament aus rund 49 Blogbeiträgen zu Weinwissen ausbauen, weil gerade die Wissensartikel viele neue Leser bringen und die Interviews als Folgeseiten davon profitieren. Inhaltlich verzahne ich Ratgeber und Empfehlungen stärker, sodass jemand, der etwas über eine Rebsorte liest, direkt zum passenden Weingut findet. Parallel baue ich meinen YouTube-Kanal weiter aus, damit die Winzer auch im Bewegtbild ein Gesicht bekommen. Außerdem vernetze ich mich gerade gezielt mit den Veranstaltern von Weinmessen wie dem WEINsommer in Hannover, um dort direkt mit Winzerinnen und Winzern ins Gespräch zu kommen, neue Weingüter für Interviews zu gewinnen und in der Szene noch besser Fuß zu fassen.

Mittelfristig bereite ich das Listing-Modell für gelistete Winzer vor, das der nächste logische Schritt nach der Reichweite ist. Die eigene Verkaufsplattform bleibt am Horizont, treibe ich aber bewusst noch nicht aktiv voran, weil erst die Basis wirklich tragen muss.

Wenn Sie auf die bisherige Reise von Weingut Story blicken: Welche wichtige Erkenntnis würden Sie heute nicht mehr missen wollen?

Die wichtigste Erkenntnis ist, wie viel ein langsamer, eigenfinanzierter Weg wert ist und dass Geduld und Substanz Tempo und Lautstärke schlagen. Ich habe Entrepreneurship and Innovation Management studiert und mich danach bewusst gegen den klassischen VC-Weg entschieden: kein Investor, kein Druck, schnell zu skalieren. Das Projekt ist rein organisch von quasi null in rund einem Jahr auf mehrere hundert Leserinnen und Leser pro Woche gewachsen, und genau weil das ohne Investorendruck passiert ist, konnte ich der Qualität und der Mission treu bleiben. Besonders gefreut hat mich, dass die Leute lange auf den Artikeln bleiben, im Schnitt rund fünf bis sechs Minuten, weil das zeigt, dass Substanz tatsächlich gelesen wird. Hätte ich von Anfang an auf schnelles Wachstum optimiert, hätte ich vermutlich genau das verloren, was das Projekt ausmacht: die ehrliche, ruhige Erzählweise. Diese Haltung, auf den langen Weg zu setzen, würde ich heute nicht mehr missen wollen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Löse ein Problem, das du selbst kennst. Ich war meine eigene Zielgruppe, und dieser ehrliche Innenblick hat mir mehr geholfen als jede Marktanalyse, denn du spürst einfach, was die Leute wirklich brauchen, und bleibst bei jeder Entscheidung ehrlich.

Zweitens: Triff die Finanzierungsfrage bewusst und nicht aus Reflex. Der laute VC-Pfad ist nicht der einzige Weg; ein langsam gewachsenes, eigenfinanziertes Projekt gibt dir die Freiheit, deiner Mission treu zu bleiben. Was für dich richtig ist, hängt von deinem Vorhaben ab, aber entscheide es aktiv.

Drittens: Bau zuerst Substanz und Vertrauen, dann das Geschäftsmodell, und denke in Stufen. Reichweite, Vertrauen und ein tragfähiges Modell entstehen nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Das fühlt sich langsamer an, trägt aber länger und gewinnt am Ende die Menschen, die zählen.

Bildrechte: privat / Fotograf: Benjamin Bode

Wir bedanken uns bei Benjamin Bode für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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