Cloover integriert Finanzierung und Installateure in einer digitalen Plattform für die Energiewende und ermöglicht so Haushalten den Zugang zu erneuerbarer Energie ohne hohe Vorabkosten
Wie ist Cloover entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?
Wir wurden 2023 von zwei Schweizern (Jodok Betschart und Valentin Gönzcy) und einem Schweden (Peder Broms) gegründet. Zu Beginn befand sich das Headquarter in Stockholm, und Cloover arbeitete mit den ersten 100 Installateuren in Schweden und der Schweiz zusammen. Ende 2023 zog CEO Jodok Betschart nach Berlin, um den deutschen Markt aufzubauen. Innerhalb kurzer Zeit entstand der Großteil des Wachstums in Deutschland. Diese Entwicklung veranlasste Cloover, das Team in Berlin weiter auszubauen. Heute arbeiten dort über 50 Mitarbeitende im Berliner Office. Inzwischen befindet sich auch das Headquarter in Berlin, und wir verstehen uns als deutsches Unternehmen.
Welche konkrete Lücke im Markt für erneuerbare Energien wollte Cloover von Beginn an schließen?
Wir adressieren die fehlende Integration von Finanzierung, Software und Energiemanagement im Markt für dezentrale erneuerbare Energien. Insbesondere fehlen vielen kleinen und mittleren Installationsbetrieben Kapitallösungen und digitale Tools, um Projekte effizient zu verkaufen, zu managen und zu finanzieren. Wir wollen dies durch eine einheitliche Plattform beheben und so die Energiewende beschleunigen.
Cloover bezeichnet sich als Plattform für Energieunabhängigkeit. Wie definieren Sie diese Vision und wie setzen Sie sie operativ um?
Wir wollen möglichst vielen Menschen den Zugang zu erneuerbarer Energie ermöglichen und Haushalte energieunabhängig machen. Mit digital gesteuerten Installationen und ohne hohe Vorabinvestitionen, welche es normalen Haushalten schwer machen sich dafür zu entscheiden. Umgesetzt wird das durch ein KI-gestütztes Betriebssystem, das Finanzierung, Workflow-Tools, Beschaffung, Energiemanagement und Partnerschaften miteinander verknüpft.
An welche Zielgruppen richtet sich Ihr Angebot konkret. Und wie unterscheiden sich deren Bedürfnisse?
Unsere Zielgruppen sind insbesondere Haushalte, die sich erneuerbare Energielösungen zulegen wollen, aber hohe Vorabkosten vermeiden möchten. Hier ermöglichen wir die Finanzierung über monatliche Raten und Einsparungen ab Tag 1. Eine weitere Zielgruppe sind Installateure und Anbieter erneuerbarer Technologien (z. B. PV, Wärmepumpe, Batterien), denen wir digitale Tools, Workflow-Management und eingebettete Finanzierung anbieten, um Projekte besser zu verkaufen und auszuführen.
Die Bedürfnisse unterscheiden sich darin, dass Installateure Tools für betriebliche Effizienz und Zahlungsfluss-Management benötigen, während Endkunden vor allem Zugang zu erschwinglicher Finanzierung und eine einfache, reibungslose Installation suchen.
Wie gelingt es Ihnen, Finanzierung, Installation und Energiemanagement in einer digitalen Lösung zu bündeln?
Wir entwickeln ein KI Operating System mit eingebetteter Finanzierung. Diese Plattform vereint KI Workflow-Management für Installateure, Finanzierungslösungen direkt im Verkaufsprozess, Datenanalyse und die Optimierung von Installationen. Dafür nutzen wir KI und automatisierte Prozesse, welche die verschiedenen Elemente miteinander verknüpfen und so Geschäftsprozesse vereinfachen und beschleunigen.
Was unterscheidet Cloover von klassischen Banken, Energieversorgern oder reinen Solarinstallateuren?
Wir unterscheiden uns dadurch, dass wir nicht nur ein Finanzierer oder Installateurpartner sind, sondern eine integrierte Plattform für das gesamte Ökosystem anbieten: Finanzierung wird direkt im Prozess angeboten, statt über klassische Bankkredite; Installateure erhalten digitale Tools und Kapitalzugang, um Projekte schneller umzusetzen und mehr Kunden zu erreichen. Im Vergleich zu einem klassischen Bankkredit berücksichtigen wir nicht nur die bisherige Kredithistorie einer Person, sondern beziehen auch die zukünftigen Energieeinsparungen in unsere Bewertung ein. Dadurch können wir mehr Menschen den Zugang zu solchen Installationen ermöglichen.
Welche Herausforderungen erleben Sie aktuell im Spannungsfeld aus Regulierung, Finanzierung und Energiewende?
Im Spannungsfeld zwischen Regulierung, Finanzierung und Energiewende erleben wir vor allem eine hohe Dynamik. Regulatorische Rahmenbedingungen und Förderprogramme können sich je nach Markt und politischer Lage verändern – teilweise kurzfristig. Das schafft Unsicherheit für Installateure, Investoren und Endkunden und erfordert flexible Finanzierungsmodelle.
Gleichzeitig sehen wir jedoch eine sehr positive Entwicklung: Durch technologische Fortschritte und kontinuierliche Effizienzsteigerungen sind viele Installationen heute wirtschaftlich tragfähig – zunehmend auch ohne Subventionen. Sinkende Systemkosten, bessere Performance und steigende Energiepreise führen dazu, dass sich Investitionen in erneuerbare Energien immer häufiger rein marktwirtschaftlich rechnen. Das reduziert die Abhängigkeit von Förderprogrammen und macht die Energiewende langfristig stabiler und skalierbarer.
Wie unterstützen Sie Installationsbetriebe konkret dabei, effizienter zu arbeiten und mehr Projekte umzusetzen?
Cloover stellt Installateuren Software-Werkzeuge zur Verfügung, die integrierte Finanzierung, Workflow-Management, Dokumentenerstellung, Zahlungsabwicklung und Kundenakquise in einem System bündeln. Partner berichten von bis zu 30 % mehr abgeschlossenen Projekten, weil Prozesse digital optimiert werden und traditionelle Verkaufshürden in der Finanzierung entfallen.
Der Markt für erneuerbare Energien wächst stark. Wie behauptet sich Cloover in diesem dynamischen Wettbewerbsumfeld?
Der Markt wächst schnell – aber er wird auch zunehmend komplexer. Genau hier setzt Cloover an. Wir positionieren uns nicht als weiterer Finanzierer oder als reiner Softwareanbieter, sondern als integrierte Finanzierungslösung für Anbieter von erneuerbaren Energielösungen.
Im Wettbewerb differenzieren wir uns in drei wesentlichen Punkten:
Technologie-First-Ansatz
Unsere Plattform ist API-basiert und lässt sich flexibel in bestehende CRM-, Angebots- oder ERP-Systeme integrieren. Das macht uns skalierbar und attraktiv für wachstumsstarke Partner.
Datengetriebenes Risikomodell
Wir kombinieren Energie-, Asset- und Bonitätsdaten, um Risiken präzise zu bewerten und auch zukünftige Energieeinsparnisse miteinzuberechnen. Das ermöglicht wettbewerbsfähige Konditionen bei gleichzeitig stabiler Portfolioqualität und eine erweiterte Kundengruppe, welche bisher ausgeschlossen wurde.
Fokus auf den B2B2C-Vertrieb
Während viele Player direkt Endkund:innen ansprechen, arbeiten wir eng mit den Unternehmen zusammen, die die Energiewende operativ umsetzen. Wir stärken also unsere Partner, die Installteure und echten Helden der Energiewende, und wachsen mit ihnen.
Welche Rolle spielen KI und datenbasierte Prozesse in Ihrem Geschäftsmodell?
Künstliche Intelligenz und datenbasierte Prozesse sind kein Zusatzmodul bei Cloover – sie sind das Fundament unseres Geschäftsmodells.
Wir entwickeln ein KI-basiertes Betriebssystem für die Energiewende, das Finanzierung, Workflow-Automatisierung, Energiemanagement und Beschaffung intelligent miteinander verknüpft. Dadurch entstehen durchgängige, datengetriebene Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette – vom Angebot bis zur laufenden Performance des Assets.
Auf Finanzierungsebene nutzen wir KI Modelle, um Energie-, Nutzungs- und Bonitätsdaten zu kombinieren. Das ermöglicht präzisere Risikobewertungen, schnellere Entscheidungen und bessere Konditionen – sowohl für unsere Partner als auch für Endkund:innen.
Gleichzeitig analysieren wir Installations-, Projekt- und Performance-Daten, um Prozesse zu optimieren: Installateure erhalten datenbasierte Empfehlungen zur Auslegung, Preisgestaltung und Abwicklung. Endkund:innen profitieren von transparenteren Wirtschaftlichkeitsberechnungen und fundierten Investitionsentscheidungen.
Unser Anspruch ist es, Kapital, Technologie und operative Prozesse über Daten intelligent zu verbinden – und so Skalierung, Effizienz und Profitabilität in der Energiewende messbar zu steigern.
Wie soll sich Cloover in den kommenden Jahren weiterentwickeln. Gibt es neue Produkte oder Märkte im Fokus?
In den kommenden Jahren verfolgen wir eine klare europäische Wachstumsstrategie und bauen gleichzeitig unsere Produktplattform zu einem KI-gestützten Betriebssystem für dezentrale Energie weiter aus.
Geografisch skalieren wir unser Modell Schritt für Schritt in Europa. Seit Februar sind wir offiziell in Österreich aktiv und eröffnen aktuell unser Büro in Wien. Weitere Märkte mit stark wachsendem PV- und Speichersegment stehen bereits auf unserer Roadmap.
Produktseitig erweitern wir unsere Plattform konsequent entlang der Wertschöpfungskette unserer Partner. Ein zentraler Meilenstein für 2026 ist die Einführung von Cloover Pay – einer Materialfinanzierungslösung speziell für Installationsbetriebe. Damit ermöglichen wir es Betrieben, Komponenten und Projekte vorzufinanzieren, ihre Liquidität zu stärken und mehr Anlagen parallel umzusetzen. Das erhöht Geschwindigkeit, Umsatzpotenzial und Skalierbarkeit im operativen Geschäft.
Parallel bauen wir unsere KI-Funktionalitäten weiter aus:
KI-gestützte Risikomodelle, die Asset-, Energie- und Bonitätsdaten in Echtzeit analysieren und Finanzierung noch schneller und präziser machen.
Predictive Cashflow- und Portfolio-Analysen, um Ausfallrisiken frühzeitig zu erkennen und Kapital effizienter zu steuern.
AI-gestützte Installations- und Pricing-Optimierung, die Installateuren datenbasierte Empfehlungen zur Projektkalkulation, Systemauslegung und Margensteuerung gibt.
Perspektivisch ein intelligentes Energy-Performance-Monitoring, das Finanzierungs- und Betriebsdaten verbindet und neue datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglicht.
Unser Ziel ist klar: Cloover soll nicht nur Finanzierung ermöglichen, sondern als datengetriebene Plattform Kapital, operative Prozesse und Energie-Assets intelligent vernetzen – und damit die Skalierung der Energiewende in Europa strukturell beschleunigen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die im Bereich ClimateTech oder Energie starten möchten?
Energie ist kein „Impact-Sektor“ – sie ist das Rückgrat der neuen Weltwirtschaft.
AI macht Strom zur strategischsten Ressource unserer Zeit. Ohne günstige, skalierbare Energie gibt es keine Rechenzentren, keine Industrie 4.0, keine Elektromobilität, keine digitale Souveränität. Wenn ihr in ClimateTech gründet, baut an der Infrastruktur des nächsten Wirtschaftszeitalters. Denkt in Gigawatt, nicht in Pilotprojekten.
Baut für Dekaden, nicht für Wahlperioden.
Politische Programme ändern sich. Förderungen laufen aus. Regierungen wechseln. Wer sein Geschäftsmodell auf Subventionen oder kurzfristige Stimmungen aufbaut, wird irgendwann hart landen. Die Energiewende ist unausweichlich – aber sie ist ein 20–30-Jahres-Spiel. Denkt langfristig, strukturell und kapitalmarktfähig.
ClimateTech ist ein Execution-Game.
Viele unterschätzen, wie operativ hart dieser Markt ist. Hardware, Finanzierung, Regulierung, Lieferketten, Installation, Service – alles greift ineinander. Wer hier gewinnt, versteht Kapital genauso gut wie Code. Geschwindigkeit entsteht nicht durch Vision allein, sondern durch die Fähigkeit, Kapital, Technologie und Partner intelligent zu orchestrieren.
Bildcredits: @Cloover
Wir bedanken uns bei Jodok Betschart für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























