NEOH entwickelt zuckerreduzierte Süßigkeiten und setzt mit Innovation auf vollen Geschmack ohne Kompromisse
Wie entstand die Idee zu NEOH und welche Entwicklungsschritte waren seit dem Start besonders prägend?
Ich liebe Naschen – und ich glaube, damit bin ich nicht allein. Gleichzeitig war mir immer bewusst, dass herkömmliche Süßigkeiten gesundheitlich Schrott sind. Genau daraus entstand vor über 15 Jahren die Idee zu NEOH: Genuss und Gesundheit miteinander zu verbinden, ohne Kompromisse beim Geschmack einzugehen.
Der Weg dorthin verlief alles andere als geradlinig. Es gab tausende Schritte nach vorne, aber auch viele Rückschläge. Pionierarbeit bedeutet, ständig Neues auszuprobieren, ohne zu wissen, ob es funktionieren wird. Gerade in einem Markt, in dem vieles seit Jahrzehnten unverändert ist, braucht echte Innovation Ausdauer, Mut und Geduld.
Auch wenn wir als Team bereits enorm viel Zeit, Energie und Know-how investiert haben, sehe ich diese Transformation noch immer erst am Anfang. Genau das macht die Reise so spannend.
Mit welchem Anspruch ist NEOH angetreten, den Markt für Süßigkeiten und Snacks zu verändern?
Die Industrie ist seit Jahrzehnten ohne echte Veränderung und Innovation. Nach Tabak wird Zucker in hohen Mengen einfach der nächste große Gegner der Menschheit. Das schreit nach einer Transformation. Klar ist auch: Das ist eine Milliardenindustrie – d. h. es wird dauern, hier Veränderungen herbeizuführen und es wird einem alles abverlangen.
Wie schafft es NEOH, Geschmack und zuckerreduzierte Rezepturen miteinander zu verbinden?
Am Ende waren es tausende Versuche in einer speziellen sensorischen Matrix, gepaart mit neuartigen Testmethoden rund um die gesundheitlichen Auswirkungen. Diese Tests wurden sorgfältig in eine gut geschützte Datenbank eingetragen und täglich weiter ausgeführt. Diese Daten bilden die Basis der Formel. Am Ende sind es mehr als 20 verschiedene pflanzliche Ballaststoffe aus unterschiedlichsten Quellen und Herstellungsverfahren, die genau in dieser Zusammensetzung geschmacklich 100 % funktionieren und die Basis der Innovation bilden.
Welche Zielgruppen stehen für euch aktuell besonders im Fokus?
65 % der Österreicher und Deutschen sagen, sie würden sofort auf Zucker verzichten – aber sie sind nicht bereit, geschmacklich einen Kompromiss zu akzeptieren. Das ist das Ziel: diese Menschen so schnell wie möglich über NEOH und unsere ZERO+-Technologie zu informieren und sie als potenzielle Kunden zu erreichen. Unsere ersten Fans stammen aus der Fitnessszene, gefolgt von jungen Familien, die für uns eine sehr wichtige Zielgruppe darstellen.

(c) Dominic Berchtold
Wie reagieren Konsumenten auf Produkte von NEOH im Vergleich zu klassischen Süßigkeiten?
Bei Verkostungen gewinnen wir sehr schnell neue Fans. Der Geschmack überzeugt! Wenn wir noch dazu die Aufklärungsarbeit direkt leisten können, gibt es kaum Leute, die nicht begeisterte NEOH-Kunden werden. Diese „Aufklärung“ zu skalieren ist nun die große Herausforderung.
Welche Herausforderungen bringt die Entwicklung innovativer Snackprodukte mit sich?
Innovation hat immer ihren Preis – in der Lebensmittelindustrie zeigt sich das besonders stark entlang der gesamten Supply Chain. Bei uns kommt nichts von der Stange. Viele Rohstoffe müssen wir selbst entwickeln, produzieren oder speziell produzieren lassen, weil bestehende Lösungen unsere Anforderungen schlicht nicht erfüllen.
Unser neuestes Produkt, der Milky Choc, besteht beispielsweise zu rund 90 % aus Rohstoffen, die wir zuvor selbst entwickelt haben. Das bedeutet: Wir kontrollieren nicht nur das Endprodukt, sondern bereits die Rohstoffe und deren Herstellungsprozesse. Genau das macht solche Innovationen überhaupt erst möglich.
Auch in der Produktion beginnt mit jedem neuen Produkt wieder ein Lernprozess: neue Tests, neue Herausforderungen, neue Lösungen. Das ist oft aufwendig, aber gleichzeitig auch ein großer Vorteil. Denn jede gelöste Herausforderung zeigt, wie komplex diese Technologie tatsächlich ist. Und genau diese Komplexität verschafft uns am Ende einen Vorsprung, den man nicht einfach kopieren kann.
Wie wichtig sind Forschung und Produktentwicklung für die langfristige Strategie von NEOH?
Das ist die Basis der Idee. Auch wenn nun zunehmend Vertrieb und Marketing wichtiger werden – die Basis bildet das Ziel, das innovativste Schokoladenprodukt der Welt zu sein. Innovation macht das Marketing günstiger, den Vertrieb einfacher und somit die Skalierung effizienter. Deshalb war auch klar: Das Produkt muss 100 % sitzen – und da sind wir nun nach 15 Jahren tatsächlich angekommen. Jetzt geht es darum, den Innovationsvorsprung auszubauen und gleichzeitig zu skalieren. Am Ende bringt die Innovation nichts, wenn sie nicht erreichbar, skaliert oder generell nicht verfügbar ist.
NEOH hat in den vergangenen Jahren mehrere Finanzierungsrunden abgeschlossen. Wie wichtig war externes Kapital für euer Wachstum?
Wir bewegen uns in einem extrem kompetitiven Markt neben internationalen Konzernen, die um ein Vielfaches größer sind als wir. Gleichzeitig haben wir Forschung und Produktentwicklung völlig neu gedacht. Doch echte Innovation in dieser Tiefe ist ohne entsprechendes Budget nicht möglich.
Externes Kapital war deshalb ein entscheidender Faktor für unser Wachstum. Es ermöglicht uns, langfristig zu forschen, neue Technologien zu entwickeln und die gesamte Wertschöpfungskette selbst aufzubauen – von den Rohstoffen bis zum fertigen Produkt.
Genauso wichtig wie das Kapital selbst sind aber die richtigen strategischen Partner. Sie bringen Erfahrung und Netzwerke mit ein und öffnen Türen, die einem als junges Unternehmen sonst verschlossen bleiben würden. Diese Kombination aus Finanzierung, Know-how und Partnerschaften war und ist für unseren Weg essenziell.
Warum war es euch wichtig, Investoren an Bord zu holen, und worauf achtet ihr bei solchen Partnerschaften besonders?
Bei der Auswahl von Investoren war uns immer wichtig, dass die Partnerschaften auch menschlich und philosophisch zu uns passen. Es gibt gewisse Konstellationen, die wir bewusst ausgeschlossen haben – einfach weil Werte, Ethik oder die langfristige Vision nicht kompatibel gewesen wären.
Gleichzeitig muss man als wachsendes Unternehmen auch realistisch sein: Es gibt Phasen, in denen enormer Druck entsteht. Manche Herausforderungen sind selbst verschuldet, andere kommen von außen – wie Corona, massive Rohstoffpreissteigerungen oder zuletzt die Kakaopreiskrise. In solchen Situationen kämpft man teilweise schlicht ums Überleben und hat nicht unbegrenzt viele Optionen zur Auswahl.
Umso stolzer sind wir heute auf unser Investoren-Setup. Wir haben ein außergewöhnlich breites und starkes Netzwerk aufgebaut – mit Partnern aus unterschiedlichsten Branchen und Kompetenzfeldern. Von Supply Chain über Produktion bis hin zu Vertrieb und Handel bringen unsere Investoren wertvolles Know-how und echte operative Stärke mit.
Genau dieses Netzwerk gibt uns Rückenwind in Wachstumsphasen und Stabilität in schwierigen Zeiten. Und das ist oft genauso wertvoll wie das Kapital selbst.
Was erwarten Investoren heute von einem Food-Tech-Unternehmen wie NEOH?
Investoren erwarten heute vor allem eines: Skalierung. Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob die Lösung funktioniert, sondern wie schnell und international sie wachsen kann.
Viele Investoren verstehen mittlerweile das enorme Potenzial hinter Food-Tech-Innovationen wie NEOH. Es geht nicht nur um ein einzelnes Produkt, sondern um die Möglichkeit, ein jahrzehntealtes Paradigma in der Lebensmittelindustrie nachhaltig zu verändern und eine Lösung zu erschaffen, die die Ernährungsgewohnheiten der Menschen verändern kann.
Über das Timing kann man diskutieren – darüber, wie schnell sich Märkte verändern oder Konsumenten umdenken. Aber am grundlegenden Resultat zweifeln die wenigsten: Der Bedarf an gesünderen Alternativen mit vollem Geschmack wird langfristig massiv wachsen.
Was macht NEOH aus eurer Sicht einzigartig im Bereich Functional Food und Snacks?
Der größte Unterschied ist ganz klar der Geschmack. Genau daran scheitern viele Produkte im Bereich Zuckerersatz oder Functional Food. Sensorisch können wir uns hier deutlich von klassischen Zuckerersatzstoffen abheben.
Das Besondere dabei: Wir erreichen das nicht durch künstliche Kompromisse, sondern vorwiegend mit pflanzlichen Ballaststoffen. Diese sind nicht nur deutlich besser als Zucker, sondern können sogar positive gesundheitliche Effekte haben.
Genau diese Kombination aus vollem Geschmack, innovativer Technologie und funktionalen Inhaltsstoffen macht NEOH aus unserer Sicht einzigartig.

(c) Dominic Berchtold
Welche nächsten Schritte plant NEOH in den kommenden Jahren?
In den kommenden Jahren wollen wir NEOH sowohl auf Produkt- als auch auf Marktebene konsequent weiterentwickeln – insbesondere in Österreich und Deutschland. Gleichzeitig liegt ein großer Fokus auf unserem B2B-Bereich: Wir möchten unsere Technologie und Rohstofflösungen in möglichst viele unterschiedliche Lebensmittelanwendungen bringen – weit über die Schokoladenindustrie hinaus.
Das Spannende dabei ist: Schokolade gilt als eine der schwierigsten Produktmatrizen überhaupt, wenn es um Zuckerreduktion geht. Genau dort haben wir unsere Technologie entwickelt und perfektioniert. Dadurch zeigt sich auch in anderen Anwendungen ein besonders starker Vorteil gegenüber bestehenden Lösungen.
Ob Joghurt, Saucen, Cerealien, Backwaren oder mittlerweile sogar Getränke – unsere Technologie ermöglicht auch dort eine deutliche Zuckerreduktion, ohne beim Geschmack Kompromisse einzugehen. Genau darin sehen wir enormes internationales Potenzial.
Welche drei Tipps würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern aus euren bisherigen Erfahrungen mitgeben?
Geh einen eigenen Weg. Es gibt keine Patentformel für Erfolg. Jedes Unternehmen hat seine eigene Story, seine eigenen Herausforderungen.
Try and Error: Am Ende geht es um viel probieren, Dinge neu denken, testen, fallen, aufstehen.
Durchhaltevermögen ist keine Tugend, sondern die Eintrittsbedingung. Alle Erfolgsstories sind einzigartig, aber eines vereint sie: unglaubliches Durchhalten und das Überstehen von dutzenden Krisen. Wer glaubt, es geht leicht, sollte sich eine andere Beschäftigung suchen.
Bildcredits NEOH
Wir bedanken uns bei Manuel Zeller für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
Premium Start-up: NEOH

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