Creovias ist eine Beteiligungs- und Beratungsholding für die Lebensmittelbranche und spricht über Future Food Technology, die Zukunft der Lebensmittelbranche und nachhaltige Innovationen
Wie entstand die Idee zu Creovias und welche persönlichen Erfahrungen haben das Unternehmen geprägt?
2010 habe ich mein Bio-Unternehmen gegründet – aus einer Reise ins Mekong-Delta und der Überzeugung, dass hochwertige Bio-Spezialreisvarianten ihren Platz im deutschen Markt finden. 15 Jahre später hat sich das bewahrheitet. Nach dem Verkauf des Unternehmens Ende 2025 stand ich vor der Frage: Was treibt mich als nächstes an? Die Antwort war nicht schwer zu finden. Die Frage, wie die Lebensmittel von morgen entstehen – und wo gerade Milliarden in die falschen Richtungen investiert werden – lässt mich nicht los. Die Holding Creovias ist die Konsequenz daraus.
Wer steckt hinter Creovias und wie ergänzen sich die unterschiedlichen Kompetenzen im Team?
Im Kern bin ich das – mit über 15 Jahren operativer Erfahrung im Food-Bereich, Vertrieb, Markenaufbau und Geschäftsentwicklung. Im Bereich Future Food Technology arbeite ich eng mit Jenny Rädecke zusammen, einer ausgewiesenen Food-Expertin mit tiefem Wissen über neue Rohstoffe und Herstellungsverfahren. Wir ergänzen uns gut: unternehmerische Praxis auf der einen Seite, wissenschaftlich-technologische Einordnung auf der anderen.
Welche Vision verfolgt Creovias für die Zukunft der Lebensmittelbranche?
Ich glaube, dass wir in den nächsten zehn Jahren eine fundamentale Verschiebung erleben werden – wie Rohstoffe produziert, verarbeitet und konsumiert werden. Die Holding Creovias will dabei kein Zuschauer sein. Wir wollen die Unternehmen und Projekte begleiten, die diesen Wandel ernsthaft und nachhaltig gestalten – mit unternehmerischer Erfahrung, klarem Blick und ohne Hype.
Warum braucht es aus Ihrer Sicht neue Ansätze im Bereich Future Food und nachhaltige Ernährung?
Weil die alten Ansätze an ihre Grenzen stoßen. Globale Lieferketten sind fragiler als gedacht, der Klimawandel macht etablierte Rohstoffquellen unzuverlässiger, und das Vertrauen der Konsumenten in hochverarbeitete Lebensmittel schwindet. Gleichzeitig entstehen durch Biotechnologie und KI völlig neue Möglichkeiten. Das Problem ist nicht fehlendes Wissen – es ist fehlendes Urteilsvermögen darüber, was wirklich trägt und was nur gut klingt.
Welche Zielgruppen möchten Sie mit Creovias besonders erreichen?
Unternehmen und Gründerinnen und Gründer, die in der Lebensmittel- und Agrifood-Branche etwas bewegen wollen – und dabei nicht nur eine Beratung suchen, die Folien produziert, sondern jemanden, der mitdenkt und mitgestaltet. Dazu Investoren und Medien, die Orientierung in einem Markt brauchen, der gerade von Hype und echten Innovationen gleichermaßen geprägt wird.
Wie unterstützt Creovias Startups und Unternehmen konkret bei der Entwicklung neuer Food-Innovationen?
Konkret bedeutet bei mir: Ich setze mich an den Tisch, schaue mir das Geschäftsmodell an, frage unbequeme Fragen und helfe, die richtigen Prioritäten zu setzen. In der Beratung geht es meist um Vertrieb, Marktentwicklung und strategische Positionierung. Bei Beteiligungen bringe ich darüber hinaus Netzwerk, Branchenwissen und langfristige Perspektive ein. Keine großen Projektteams, keine anonymen Analysen – sondern direkte, operative Zusammenarbeit.
Was unterscheidet Creovias von klassischen Unternehmensberatungen im Food-Bereich?
Ich habe selbst gebaut, verkauft, Fehler gemacht und daraus gelernt. Das ist ein anderes Fundament als eine Karriere in der Beratung. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Einkäufer eines großen Händlers Nein sagt – und was man daraus macht. Diese Erfahrung ist nicht lehrbar, aber sie ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell beim Thema nachhaltige Ernährung und Innovation?
Die größte Herausforderung ist die Glaubwürdigkeitslücke. Nachhaltige Ernährung ist im Mainstream angekommen – aber damit auch Greenwashing, überhöhte Versprechen und enttäuschte Konsumenten. Wer heute in diesem Markt arbeitet, muss mehr liefern als ein gutes Gefühl. Substanz, Transparenz und echte Wirkung werden immer wichtiger.
Wie reagieren Unternehmen auf neue Lebensmittelkonzepte und alternative Ernährungsformen?
Gespalten. Die Aufgeschlossenen sehen Chancen und investieren. Die Zögerlichen warten auf Marktsignale, die andere bereits nutzen. Und manche verschließen sich dem Wandel, bis er sie einholt. Was mich interessiert, sind die ersten – jene, die bereit sind, echte Veränderungen anzugehen, bevor es alle anderen tun.
Welche Entwicklungen und Projekte stehen bei Creovias in den kommenden Monaten im Fokus?
Die Beteiligung an spannenden Unternehmen, aber auch der Aufbau von Future Food Technology als eigenständiges Beteiligungsunternehmen stehen ganz oben. Dazu der weitere Ausbau des Podcasts Food Fak(t) als Forum für relevante Stimmen aus der Branche. Und einige Beratungs- und Beteiligungsprojekte, über die ich zu gegebener Zeit berichten werde.
Wie sehen Sie die Zukunft von pflanzenbasierten und nachhaltigen Lebensmitteln in Europa?
Pflanzenbasiert hat eine Zukunft – aber nicht so, wie es vor ein paar Jahren verkauft wurde. Der erste Hype ist vorbei, und das ist gut so. Was jetzt kommt, muss wirklich schmecken, wirklich gesünder sein und wirklich zu fairen Preisen verfügbar sein. Die Technologien dafür – Präzisionsfermentation, Zellkultivierung, neue pflanzliche Rohstoffe – entwickeln sich schnell. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, wird in zehn Jahren relevante Marktanteile haben.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: Kenne deinen Kunden besser als er sich selbst kennt – und verkaufe ihm nicht, was du hast, sondern was er braucht. Zweitens: Baue langsamer, aber stabiler. Wachstum um jeden Preis klingt gut, bis es nicht mehr gut klingt. Drittens: Such dir Mitgründer, Berater und Investoren, mit denen du auch in schwierigen Momenten ehrlich reden kannst. Alles andere rächt sich früher oder später.
Bild: Bildrechte: Christine Fiedler
Wir bedanken uns bei Stefan Fak für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder
























