Inhaltsverzeichnis
- Gehirninspiriertes Computing, automatisierte Auftragsbearbeitung und KI für die Notfallmedizin: Diese Start-ups zeigen in Berlin, wohin sich Europas KI-Wirtschaft entwickelt
- Workist: KI-Agent übernimmt die lästige Büroarbeit
- Xephor Solutions: KI, die wie ein Gehirn denkt
- NOVARION: Die erste souveräne KI-Kollegin Europas
- NoxAvis Tech Solutions: KI für den Noteinsatz
- WhoTeach: Weiterbildung, die sich aus dem eigenen Unternehmenswissen speist
- Europas KI-Sektor setzt auf technologische Spezialisierung
Gehirninspiriertes Computing, automatisierte Auftragsbearbeitung und KI für die Notfallmedizin: Diese Start-ups zeigen in Berlin, wohin sich Europas KI-Wirtschaft entwickelt
Künstliche Intelligenz war laut Crunchbase-Daten 2025 der am stärksten finanzierte Start-up-Sektor Europas. 58 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital flossen in europäische Gründerteams in diesen Sektor. Erstmals lag KI damit an der Spitze der europäischen Start-up-Investitionen.
Diesem Trend will die GITEX AI EUROPE 2026 weiteren Schub geben. Die zweitägige Veranstaltung findet vom 30. Juni bis 1. Juli statt. Mehr als 950 Aussteller und Start-ups aus über 80 Ländern, darunter 33 europäische Nationen, treffen auf dem Gelände der Messe Berlin auf Investor:innen und andere Kapitalgeber. Die Start-up-Szene präsentiert sich über North Star Europe, die Start-up- und Investorenplattform der Messe. Laut Veranstalter werden mehr als 600 Investor:innen in Berlin erwartet, die gemeinsam ein Anlagevermögen von rund einer Billion US-Dollar verwalten.
Mit dabei sind auch Unternehmen aus Deutschland, Österreich und Italien, die mit ihren Technologien etablierte Ansätze herausfordern und neue Impulse für die europäische KI-Landschaft setzen wollen.

Workist: KI-Agent übernimmt die lästige Büroarbeit
„Wir beenden die Ära der gedankenlosen manuellen Dateneingabe, indem wir Unternehmen einen autonomen digitalen Kollegen geben, der Zeit für Kundenkontakt und Wachstum schafft“, sagt Marina Brittner, Principal International GTM Lead beim Berliner Start-up Workist. Das Unternehmen hat mit WorKI einen Agenten entwickelt, der B2B-Vertriebsteams mühsame Backoffice-Arbeit abnehmen will: Sein Einsatzbereich ist das E-Mail-Postfach des Unternehmens. Dort liest er eingehende Aufträge, Rechnungen und Anfragen, prüft und validiert sie und verarbeitet sie direkt im ERP-System.
Die Zahlen, die Workist nennt, sind beachtlich: bis zu 90 Prozent weniger manuelle Bearbeitungszeit, 80 Prozent weniger Dokumentationsfehler. Insgesamt soll der Agent bereits ein jährliches Handelsvolumen von 15 Billionen US-Dollar für mehr als 100.000 Unternehmen in 60 Ländern abgewickelt haben.
Hinweise auf den Erfolg ihrer Entwicklung liefern auch mehrere internationale Auszeichnungen: Vergangenes Jahr gewann Workist den südkoreanischen NextRise Innovator Prize und schaffte es auch unter die drei Finalisten des German American Chamber of Commerce Newcomer of the Year Award.
Xephor Solutions: KI, die wie ein Gehirn denkt

Die meisten großen KI-Modelle beruhen auf demselben Prinzip: enorme Mengen an Rechenleistung und Daten, verteilt auf tausende Grafikkarten. Das österreichische Start-up Xephor Solutions geht einen anderen Weg. Sein System XEPHOR orientiert sich am Aufbau des menschlichen Gehirns, genauer an der Arbeitsteilung zwischen Cortex und Thalamus. Das sind die Hirnregionen, die für komplexes Denken zuständig sind und Informationen filtern.
Das Versprechen: Komplexe Probleme lösen, ohne dafür riesige Datenmengen und Rechenzentren zu brauchen. Wie das in der Praxis aussehen kann, demonstriert Xephor Solutions auf der Messe an einem Beispiel aus dem Krankenhausalltag: Das System wandelt ärztliche Notizen automatisch und in Echtzeit in die Abrechnungscodes um, die Kliniken für die Dokumentation gegenüber Krankenkassen brauchen – eine Aufgabe, die bislang viel Zeit und manuelle Arbeit kostet.
Nach Ansicht von CEO Isabell Kunst könnte Europas Stärke künftig weniger in der schieren Größe von KI-Modellen liegen als in deren Effizienz. „Europa hat die einzigartige Chance, die nächste KI-Welle anzuführen“, sagt sie. Voraussetzung sei jedoch, dass sich Forschung und Industrie nicht allein daran orientieren, KI-Systeme durch immer mehr Daten und Rechenleistung weiter zu skalieren.
Mit XEPHOR verfolgt das Unternehmen einen alternativen Ansatz: Die Architektur soll komplexe Aufgaben mit deutlich geringerem Ressourcenbedarf bewältigen und gleichzeitig nachvollziehbarer arbeiten. Für Kunst sind solche Ansätze ein möglicher Baustein für KI-Systeme, die nicht nur leistungsstark, sondern auch transparent, nachhaltig und technologisch unabhängig sind.

NOVARION: Die erste souveräne KI-Kollegin Europas
Das österreichische Unternehmen NOVARION hat mit NOVARA eine KI-Plattform entwickelt, die es als Europas erste souveräne virtuelle KI-Kollegin bezeichnet. Die Begründung dafür liegt im Kern der europäischen KI-Debatte: Es geht längst nicht mehr nur darum, ob KI im Unternehmen funktioniert, sondern ob sie das nach europäischen Maßstäben tut – souverän, vertrauenswürdig und DSGVO-konform.
Genau das soll NOVARA von Beginn an sicherstellen. Die Plattform basiert auf der hauseigenen Software-Defined-Brain-Technologie. Auf der GITEX AI EUROPE stellt NOVARION zusätzlich einen KI-Agenten für E-Mail-Kampagnen vor, der laut Start-up Reichweite und Personalisierung in einer Größenordnung ermöglicht, die ein menschliches Team allein nicht leisten könnte.
„Wir zeigen, wie technologische Intelligenz und menschlicher Erfindungsreichtum in echter Symbiose zusammenwirken können“, erklärt Gründer und CEO George Gesek.
NoxAvis Tech Solutions: KI für den Noteinsatz

In der Notfallmedizin bleibt für Dokumentation oft keine Zeit. Details müssen Sanitäter und Ärzte später aus dem Gedächtnis rekonstruieren. NoxAvis Tech Solutions will das mit HeliDoc ändern: einer Software, die gesprochene Informationen während des Einsatzes direkt in strukturierte klinische Aufzeichnungen umwandelt, Daten aus medizinischen Geräten einbindet und Patientendaten schon vor der Ankunft an das aufnehmende Krankenhaus schickt. Das soll Klinikteams mehr Vorbereitungszeit für ihren Einsatz geben, den Informationsfluss zwischen Rettungsdienst und Krankenhaus verbessern und Sanitätern einen Teil der Dokumentationslast abnehmen. Laut NoxAvis ist es die erste Lösung dieser Art, die vollständig offline funktioniert.
Auf der Messe präsentiert NoxAvis das System live und spricht über die geplante Erweiterung in Richtung klinischer Traumaversorgung im Krankenhaus.
WhoTeach: Weiterbildung, die sich aus dem eigenen Unternehmenswissen speist
Während die anderen Start-ups eher Prozesse automatisieren, geht das italienische Unternehmen WhoTeach einen anderen Weg: Es nutzt generative KI, um aus dem internen Wissen eines Unternehmens – etwa Handbüchern, Dokumentationen oder Schulungsunterlagen – interaktive Lerninhalte zu erstellen. Ein Mitarbeiter lädt vorhandenes Material hoch, ein KI-gestützter Assistent macht daraus personalisierte Trainingsformate.

Das Ziel: Auch Unternehmen ohne großes Schulungsbudget sollen ihren Mitarbeiter:innen hochwertige Weiterbildungen bieten können. WhoTeach kann bereits mit Partnerschaften mit Microsoft, Cisco Webex und TIM aufwarten und zielt mit Corporate Training auf einen Markt, der laut eigenen Angaben weltweit 360 Milliarden US-Dollar wert ist.
Europas KI-Sektor setzt auf technologische Spezialisierung
Die vorgestellten Innovationen reichen von gehirninspirierten KI-Architekturen und souveränen digitalen Kolleg:innen bis hin zu spezialisierten Anwendungen für die Notfallmedizin und die betriebliche Weiterbildung.
Diese Vielfalt macht deutlich, dass Europas Rolle im KI-Wettbewerb künftig wohl weniger von immer größeren Standardmodellen geprägt sein wird. Stattdessen könnten neue technologische Ansätze für konkrete Herausforderungen in Medizin, Bildung und Wirtschaft zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil der europäischen KI-Branche werden.
Bildcredits Titelbild: GITEX AI EUROPE
Quelle PIABO PR GmbH


























