Montag, Juni 29, 2026
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Was macht SpotmyEnergy anders als klassische Energieversorger?

SpotmyEnergy bringt die Energiewende mit Smart Meter in private Haushalte und entwickelt intelligente Energielösungen, die Stromverbrauch automatisieren und Verbraucher aktiv in den Strommarkt der Zukunft einbinden

Herr Schwill, mit Next Kraftwerke haben Sie eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas aufgebaut und später an Shell verkauft. Was hat Sie motiviert, mit SpotmyEnergy erneut ein Unternehmen im Energiesektor zu gründen?

Ich kann sagen, ich bin ein Gründer aus Leidenschaft. Mir macht es wirklich Spaß ein Unternehmen aufzubauen, mit dem ich von der Idee zum praktischen Erfolg komme. Zusammen mit einem hochmotivierten Team einen Beitrag für die Energiewende zu leisten, ist für mich ein echtes Privileg.

Viele Unternehmer würden sich nach einem Exit dieser Größenordnung zurückziehen. Warum haben Sie sich stattdessen für einen Neuanfang entschieden?

In der Zeit zwischen Next Kraftwerke und SpotmyEnergy habe ich gemerkt, wie sehr ich operative Arbeit brauche. Ich habe über die letzten Jahre einige Angel-Investments gemacht, aber das war für mich immer ein spannender Zusatz, nie ein Ersatz für Hands-on Arbeit. Seit der Gründung von SpotmyEnergy ist mein Alltag wieder viel operativer. Mir gibt es einfach immer Energie, mit dem Team zusammen im Büro zu sein und Ideen in die Tat umzusetzen.

Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit bei Next Kraftwerke prägen heute die Entwicklung von SpotmyEnergy?

Da gibt es eine ganze Menge. Was mir direkt einfällt: die Nähe zum Kunden. Auch die Geschäftsführung muss den Kunden wirklich verstehen. Was sind die Bedürfnisse und wie können wir uns als Unternehmen so positionieren, dass eine langfristige Beziehung aufgebaut werden kann? So ist auch unser Geschäftsmodell bei SpotmyEnergy aufgebaut.

SpotmyEnergy möchte die Energiewende in die eigenen vier Wände bringen. Was bedeutet das konkret für Verbraucherinnen und Verbraucher?

Die Energiewelt von morgen ist digitaler und flexibler. Konkret heißt das: In Zukunft werden wir zum Beispiel mit günstigeren Strompreisen belohnt, wenn wir Energie flexibler verbrauchen. Ob das E-Auto am Abend oder nachts geladen wird, macht für die meisten keinen Unterschied. Für den Strompreis aber sehr wohl, weil zum Beispiel nachts oft viel günstiger Strom aus Wind produziert wird, der aber weniger Abnehmer findet.

Unsere Systeme sorgen dafür, dass Haushalte von dieser neuen Energiewelt profitieren, ohne dass sie dafür mehr Aufwand haben – zum Beispiel, indem das Auto automatisch dann geladen wird, wenn der Strom besonders grün und günstig ist. SpotmyEnergy bietet Haushalten alles aus einer Hand an, was sie für diese Energiewende im eigenen Zuhause brauchen. Das reicht von der Installation eines intelligenten Stromzählers (Smart Meter) über ein Energiemanagementsystem bis hin zu einem dynamischen Stromtarif. Wir kooperieren mit über 300 Handwerksbetrieben, um Anlagen wie Heimspeicher oder Photovoltaik schon bei der Installation bereit für die neue Energiewelt zu machen.

Mit welcher Vision sind Sie bei SpotmyEnergy angetreten, und wie möchten Sie diese in den kommenden Jahren verwirklichen?

Meine Vision bei der Gründung war es, SpotmyEnergy zum Stromversorger der nächsten Generation zu machen. Und das ist sie auch heute, knapp zwei Jahre nach Gründung noch. Unser System optimiert den Stromverbrauch unserer Kunden automatisch. Die Stromversorgung wird dadurch super günstig und grün. Wir integrieren unsere Kunden in den Strommarkt. Sie wirken dann zusammen wie eine riesige virtuelle Batterie, indem alle Haushalte zusammen gesteuert werden können, um Schwankungen am Strommarkt auszugleichen. Die Haushalte müssen dafür nichts tun, außer die technischen Voraussetzungen – Smart Meter und Energiemanagementsystem – im Haus einzubauen.

Hat der erfolgreiche Exit von Next Kraftwerke, Herr Schwill, die Gespräche mit Investoren erleichtert oder die Erwartungen an Ihr neues Unternehmen sogar erhöht?

Die Erwartungen der Investoren an ein Unternehmen sind immer hoch – auch wenn ich schon einen erfolgreichen Exit hinter mir habe. Die Erwartung habe ich im Übrigen auch an mich selbst: SpotmyEnergy soll die nächste Erfolgsgeschichte in der dezentralen Energiewende werden. Aber natürlich hilft es, Finanzierungsrunden und Investorengespräche schon hinter sich zu haben, um durch diese Erfahrungen konkrete Tipps im Umgang mit Investoren zu sammeln und sie dann anwenden zu können.

SpotmyEnergy setzt auf die Zusammenarbeit mit Installateuren und Handwerksbetrieben. Warum ist dieser Ansatz für die Energiewende besonders wichtig?

Mehr als vier von fünf PV-Anlagen, Heimspeicher oder Wallboxen werden in Deutschland nicht von den großen Playern, sondern von kleinen bis mittelgroßen Handwerksbetrieben mit enormem Fachwissen installiert. Entsprechend liegt hier der größte Hebel, die Energiewende so schnell wie möglich in die Privathaushalte zu bringen. Von dieser Kooperation profitieren alle: Durch die Zusammenarbeit mit uns können auch kleinere Betriebe Komplettlösungen inklusive Stromvertrag, Smart Meter und Energiemanagementsystem anbieten – und die Haushalte bekommen einen Dienstleister vor Ort, der persönlich berät und bei der Umsetzung auf individuelle Bedürfnisse eingeht.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen aktuell beim Ausbau intelligenter Energielösungen in deutschen Haushalten?

Wenn ich hier eine Sache herausstellen möchte, ist das eindeutig der Smart-Meter-Rollout. Ende 2025 hatte gerade mal jeder 20. Haushalt in Deutschland einen intelligenten Zähler, der den Stromverbrauch mindestens viertelstündlich festhalten und automatisch übermitteln kann. Damit sind wir in Westeuropa einsames Schlusslicht. Smart Meter sind die Voraussetzung für dynamische Stromtarife, automatisches Laden von E-Autos in günstigen Zeitfenstern, eine bessere Vermarktung von Solarstrom nach Ende der EEG-Einspeisevergütung und noch vieles mehr. Auch deshalb haben wir uns entschieden, selbst zum wettbewerblichen Messstellenbetreiber zu werden. Das heißt im Klartext: Wir können bei unseren Kunden selbst einen neuen Stromzähler installieren.

Sie vertreten die Ansicht, dass private Haushalte auch ohne Subventionen von der Energiewende profitieren können. Warum wird dieses Potenzial Ihrer Meinung nach noch zu wenig diskutiert?

Was mir in Diskussionen immer wieder auffällt: Wir hängen gedanklich oft noch in der alten Stromwelt fest. Also in einer Welt, in der Haushalte einen Vertrag abschließen und einen festen Preis pro Kilowattstunde zahlen – völlig egal, wo oder wie der Strom produziert wird, den sie gerade nutzen. Als der Solarausbau in den 2000er Jahren begann, wurden Förderungen wie die Einspeisevergütung noch im Rahmen dieser alten Energiewelt gestaltet.

In Zukunft müssen wir Energie genau anders herum denken: Haushalte nutzen ihren überschüssigen Solarstrom, um die eigenen – übrigens immer günstiger werdenden – Batterien zu laden. Oder sie laden ihr E-Auto vollautomatisch dann, wenn die PV-Anlage gerade richtig viel Strom produziert. Die größten Ersparnisse bringt es also nicht, den Strom einzuspeisen, sondern flexibel viel mehr davon selbst zu verbrauchen. Dass das inzwischen nicht nur möglich ist, sondern auch mit minimalem Aufwand automatisiert werden kann, ist den meisten nicht bewusst. Deshalb diskutieren wir immer noch über Strom, als wären wir in den 1990er Jahren.

Was unterscheidet SpotmyEnergy von anderen Anbietern im Bereich Smart Metering und Energiemanagement?

Wir haben, wie schon erwähnt, eine enge Zusammenarbeit mit regionalen Installateuren. Kunden werden für ihre Anlagen bei bekannten und vertrauten Betrieben in ihrer Region gut beraten. So kann ihnen der Installateur nicht nur Zugang zur PV-Anlage verschaffen, sondern auch zu allem, was zum Strom sparen gehört, wie zum Beispiel Smart Meter, Energiemanagementsystem und dynamischer Tarif. Und das Ganze ohne einen Mehraufwand für die Kunden. Wir bieten unseren Partnerbetrieben herstelleroffene Hard- und Software, um möglichst vielen Kunden eine individuell passende Energielösung zu bieten und dabei immer die innovativsten Angebote bereitzustellen. Das trägt auch dazu bei, dass kleinere Betriebe zukunftssicher aufgestellt sind.

Welche Rolle werden private Haushalte künftig spielen, wenn sie zunehmend selbst Strom erzeugen, speichern und flexibel nutzen?

Die rund 42 Millionen Privathaushalte in Deutschland verbrauchen etwas mehr als ein Viertel des produzierten Stroms. Bisher tun sie das sehr viel berechenbarer, als das den meisten wahrscheinlich bewusst ist: Morgens und abends wird besonders viel verbraucht und spät nachts ist der Verbrauch besonders niedrig. Gleichzeitig wird aber mittags besonders viel Solarstrom produziert, und der Wind bläst nachts, wenn die meisten Lichter aus sind. Diese Phasen hoher Produktion und niedrigen Verbrauchs können Privathaushalte in Zukunft nutzen, um ihren Strompreis signifikant zu senken. Ein E-Auto kann zum Beispiel nachts genau dann geladen werden, wenn der Strompreis durch geringe Nachfrage niedrig ist.

Morgens ist es dann geladen, wenn man zur Arbeit fährt. In der Energiewelt der Zukunft bekommen solche Großverbraucher ihren Strom also dann, wenn er besonders günstig ist – vollautomatisch durch ein Energiemanagementsystem. Was das ganze besonders elegant macht: Dadurch, dass sie flexibel auf ein Über- oder Unterangebot reagieren, entlasten Privathaushalte das gesamte Stromnetz, indem sie helfen, teure Lastspitzen zu vermeiden und dadurch den Netzausbau zu begrenzen. Das kommt langfristig allen zugute, auch Haushalten ohne PV-Anlage oder E-Auto.

Wenn Sie heute auf den deutschen Energiemarkt blicken, Herr Schwill: Welche politische oder regulatorische Veränderung würde die Energiewende am stärksten beschleunigen?

Ich hatte ja gerade schon den Smart-Meter-Rollout als große Bremse für die Energiewende erwähnt. Wenn wir den Rollout flächendeckend umsetzen würden, wäre das für mich einer der größten Hebel, um vollständig von erneuerbaren Energien zu profitieren – und das ist nun mal die günstigste Energiequelle, die uns zur Verfügung steht. Die Bundesregierung hat zwar gesetzliche Ziele für den Einbau bei Haushalten mit Großverbrauchern wie Wallboxen oder Wärmepumpen festgelegt. Trotzdem hatte Ende 2025 gerade mal gut einer von 20 Haushalten in Deutschland einen Smart Meter. Für uns war das das Signal, nicht auf die Netzbetreiber zu warten, damit unsere Kunden an Smart Meter kommen. Als wettbewerblicher Messstellenbetreiber bieten wir eine schnelle Alternative für Haushalte, die zu intelligenten, flexiblen Energiekunden werden wollen. Ich bin fest davon überzeugt: Wenn wir die richtigen Anreize mit klaren gesetzlichen Vorgaben kombinieren, sind die privaten Haushalte nicht mehr aus der Energiewende wegzudenken.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die in einem regulierten Markt ein Unternehmen aufbauen möchten?

Erstens: Wisst stets über die Regulatorik in eurem Markt Bescheid. Regulierungsveränderungen können für ein Unternehmen wie eine technische Innovation wirken. Der Markt wird dann geöffnet und beantwortet die berühmte Investorenfrage „Why now?”. Das zeigt mir immer, dass ein Verständnis über die Regulatorik bis in die Geschäftsführung da sein muss. Zweitens: Seid euch bewusst, dass Regulierung immer etwas Zeit braucht und Entscheidungen sowie die damit einhergehenden Veränderungen meistens länger als erwartet dauern. Kalkuliert das – so gut es geht – in eure Geschäftspläne mit ein. Und drittes: Meistens entwickelt sich die Regulierung in die Richtung einer volkswirtschaftlich sinnvollen Lösung. Ich würde also immer versuchen ein Geschäftsmodell aufzubauen, welches volkswirtschaftlich insgesamt sinnvoll ist und welches nicht nur auf eine aktuelle, vielleicht unsinnige, Gesetzeslücke hin optimiert.

Bildcredits SpotmyEnergy

Wir bedanken uns bei Jochen Schwill für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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