sanora möchte Frauengesundheit neu denken und Frauen während der Perimenopause mit Diagnostik, Wissen und Orientierung unterstützen.
Können Sie sanora kurz vorstellen und erzählen, wie aus einer persönlichen Frage die Idee zur Gründung entstanden ist?
sanora ist eine neue Marke für Frauengesundheit mit dem Ziel, Frauen in hormonellen Übergangsphasen früher Orientierung zu geben. Unser erstes Produkt ist sanora FEM, ein Selbsttest für zu Hause, der einen Hinweis auf erhöhtes FSH geben kann.
Die Idee entstand aus einer sehr persönlichen Frage: Was passiert gerade in meinem Körper? Ich habe selbst erlebt, wie irritierend es sein kann, Veränderungen zu spüren, ohne sie klar einordnen zu können. Gleichzeitig komme ich aus der Diagnostik und wusste, welche Möglichkeiten es grundsätzlich gibt. Diese Kombination aus persönlicher Erfahrung und beruflichem Hintergrund hat mir gezeigt, wie groß die Lücke zwischen „Ich merke, dass etwas anders ist“ und einer verständlichen ersten Orientierung noch immer ist. Genau dort setzt sanora an.
Wer steht hinter sanora, und welche Erfahrungen aus der Diagnostik haben die Entwicklung Ihres Unternehmens geprägt?
Hinter sanora stehe ich, Salissa-Sarah Nehrke, als Gründerin und CEO gemeinsam mit einem Team aus unterschiedlichen Fachbereichen. Ich habe Betriebliches Gesundheitsmanagement studiert und war mehrere Jahre in der Diagnostik tätig. Dadurch habe ich gelernt, wie wichtig Qualität, verlässliche Prozesse und eine verständliche Kommunikation medizinischer Produkte sind.
Bei sanora wollte ich dieses Wissen mit einer moderneren, nahbareren Form von Frauengesundheit verbinden. Ein medizinisches Produkt allein reicht aus meiner Sicht nicht. Frauen müssen auch verstehen, was ein Ergebnis bedeutet, was es nicht bedeutet und welche nächsten Schritte sinnvoll sein können. Diese Verbindung aus Diagnostik, Aufklärung und Orientierung prägt sanora.
Welche Vision verfolgen Sie mit sanora, und warum möchten Sie das Narrativ rund um Frauengesundheit und Perimenopause verändern?
Meine Vision ist, dass hormonelle Übergänge genauso selbstverständlich besprochen werden wie andere Lebensphasen. Perimenopause sollte kein Thema sein, über das Frauen erst sprechen, wenn sie bereits jahrelang Beschwerden hatten.
Ich möchte weg von einem Narrativ, in dem Frauen das Gefühl bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht. Körperliche Übergänge gehören zum Leben. Sie brauchen Wissen, Sprache und Orientierung statt Scham oder Tabuisierung. sanora soll dazu beitragen, dass Frauen Veränderungen früher erkennen, besser einordnen und informierter über ihre Gesundheit entscheiden können.
An welche Zielgruppe richtet sich sanora, und welche Orientierung möchten Sie Frauen in einer oft verunsichernden Lebensphase geben?
sanora richtet sich zunächst an Frauen in der Perimenopause und Menopause – insbesondere an diejenigen, die Veränderungen an sich bemerken, aber noch keine klare Einordnung dafür haben.
Viele Symptome sind unspezifisch: Schlaf verändert sich, der Zyklus wird anders, Stimmung, Konzentration oder Energie können schwanken. Unser Anspruch ist nicht, daraus vorschnell eine Diagnose abzuleiten. Wir möchten Frauen einen ersten strukturierten Zugang geben: wahrnehmen, dokumentieren, einordnen und bei Bedarf medizinische Unterstützung suchen. Klarheit beginnt für mich nicht mit einer perfekten Antwort, sondern damit, die richtigen Fragen stellen zu können.
Viele Frauen erhalten lange keine klare Einordnung ihrer Beschwerden. Warum wird das Thema Perimenopause aus Ihrer Sicht noch immer unterschätzt?
Weil die Perimenopause sehr individuell verläuft und viele Veränderungen zunächst auch zu Stress, Schlafmangel oder anderen Lebensumständen passen können. Gleichzeitig wurde über Wechseljahre lange deutlich weniger offen gesprochen als über Schwangerschaft, Verhütung oder Kinderwunsch.
Hinzu kommt, dass viele Frauen selbst nicht wissen, wie früh die hormonelle Übergangsphase beginnen kann. Wenn die Sprache und das Wissen fehlen, werden Veränderungen häufig einzeln betrachtet statt im Zusammenhang. Genau deshalb ist Aufklärung so wichtig: nicht um jedes Symptom automatisch den Hormonen zuzuschreiben, sondern damit Perimenopause als mögliche Erklärung überhaupt mitgedacht wird.
Was macht sanora aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Angeboten im Bereich Frauengesundheit?
sanora versteht sich nicht als einzelne Produktmarke, sondern als Orientierungssystem für Frauengesundheit. Wir verbinden medizinische Selbsttests mit verständlicher Aufklärung, einer modernen Markenwelt und echter Community-Nähe.
Mir ist besonders wichtig, dass wir weder Angst erzeugen noch vereinfachen. Ein Test ist kein Urteil und keine Diagnose. Er kann ein Baustein sein, um den eigenen Körper besser zu verstehen und ein fundierteres Gespräch mit Ärztinnen oder Ärzten zu führen. Gleichzeitig hören wir sehr genau zu, welche Fragen Frauen tatsächlich beschäftigen, und entwickeln Inhalte und zukünftige Lösungen aus diesem Bedarf heraus.
Mit dem sanora FEM Menopause Test bieten Sie einen CE-zertifizierten Selbsttest für zuhause an. Welche Rolle spielt dieser als erster Schritt zu mehr Klarheit?
sanora FEM ist als erster Orientierungsschritt gedacht. Der Test kann einen Hinweis darauf geben, ob der FSH-Wert im Urin erhöht ist. Gerade weil FSH im Verlauf schwanken kann und die Perimenopause nicht durch einen einzelnen Wert diagnostiziert wird, ist mir die Einordnung besonders wichtig.
Der Selbsttest soll Frauen nicht ersetzen, was eine ärztliche Beratung leisten kann. Er kann aber helfen, eine Veränderung sichtbar zu machen, Fragen zu konkretisieren und das eigene Körpergefühl ernster zu nehmen. Für uns ist das Produkt deshalb immer Teil eines größeren Informations- und Orientierungskonzepts.
Sie betonen, dass sanora weit mehr als ein Test sein soll. Welche Bedeutung haben Community, Aufklärung und offener Austausch für Ihr Konzept?

Sie sind zentral. Frauengesundheit verändert sich nicht allein durch ein Produkt, sondern dadurch, dass Frauen Wissen bekommen, Erfahrungen teilen und merken, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind.
Deshalb arbeiten wir mit Ärztinnen, Expertinnen, Medien, Gründerinnen und Frauen aus unserer Community zusammen. Wir möchten medizinische Informationen verständlich übersetzen und gleichzeitig Raum für echte Erfahrungen schaffen. Für mich entsteht Veränderung dann, wenn aus einem Tabuthema ein normales Gesprächsthema wird. Genau diese Offenheit soll sanora fördern.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei, ein Thema sichtbar zu machen, über das lange nur wenig gesprochen wurde?
Eine der größten Herausforderungen ist die Balance. Einerseits wollen wir deutlich machen, wie relevant Perimenopause ist. Andererseits dürfen wir nicht jede Stimmungsschwankung oder jedes Schlafproblem automatisch hormonalisieren.
Hinzu kommt, dass Gesundheitskommunikation besonders präzise sein muss. Wir müssen medizinisch und regulatorisch sauber arbeiten und gleichzeitig eine Sprache finden, die Frauen erreicht und nicht abschreckt. Außerdem begegnet man bei Tabuthemen immer noch Scham, Unsicherheit und manchmal auch Widerstand. Gleichzeitig erlebe ich gerade, wie groß die Bereitschaft ist, endlich offener darüber zu sprechen. Das macht mir sehr viel Mut.
Weitere Lösungen für die Frauengesundheit befinden sich bereits in der Entwicklung. Welche Richtung möchten Sie mit sanora künftig einschlagen?
Wir denken sanora deutlich größer als ein einzelnes Produkt. Der Schwerpunkt bleibt auf Lösungen, die Frauen (bald auch Männer 😉) in hormonellen und körperlichen Übergangsphasen mehr Orientierung geben.
Dazu gehören weitere diagnostische Ansätze, ergänzende evidenzbasierte Lösungen und vor allem verständliche Information. Wir prüfen sehr bewusst, welche Produkte wirklich einen Mehrwert schaffen und welche Themen unsere Community beschäftigen. Mir ist wichtig, nicht möglichst schnell ein großes Sortiment aufzubauen, sondern Schritt für Schritt ein glaubwürdiges System rund um Frauengesundheit zu entwickeln.
Wo soll sanora in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie im Bereich Frauengesundheit langfristig einnehmen?
Ich möchte, dass sanora zu einer der vertrauenswürdigen ersten Anlaufstellen für Frauen wird, die merken: In meinem Körper verändert sich etwas und ich möchte verstehen, was.
Langfristig sehe ich sanora als Plattform, die Diagnostik, Wissen, Community und ausgewählte Lösungen miteinander verbindet. Wir möchten Frauengesundheit nicht nur begleiten, sondern auch dazu beitragen, dass sie gesellschaftlich mehr Raum bekommt. Wenn Frauen in einigen Jahren früher über Perimenopause sprechen, ihre Symptome besser einordnen können und sich weniger allein fühlen, wäre das für mich ein großer Erfolg auch hinsichtlich der Arbeitswelt, in denen Frauen bisher oft und zu lange vom Arbeitsmarkt verschwunden sind, durch falsche Diagnosen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ein Unternehmen mit gesellschaftlicher Wirkung aufbauen möchten?
Erstens: Verlieben Sie sich in das Problem oder in den Bedarf, nicht in die erste Lösung. Die persönliche Erfahrung kann der Ausgangspunkt sein, aber man muss immer wieder prüfen, ob andere Menschen tatsächlich dasselbe Bedürfnis haben.
Zweitens: Sprechen Sie früh mit Menschen. Mit der Zielgruppe, Fachleuten, möglichen Partnern und auch Kritikern. Viele meiner wichtigsten Schritte sind aus Gesprächen und Verbindungen entstanden.
Drittens: Warten Sie nicht auf den perfekten Moment. Gründen bedeutet, Entscheidungen mit unvollständigen Informationen zu treffen. Man darf mutig losgehen, aber bei Qualität, Vertrauen und Verantwortung sollte man keine Abkürzungen nehmen.
Fotografin: Bella Lieberberg Bildcredits: Salissa-Sarah Nehrke/sanora
Wir bedanken uns bei Salissa-Sarah Nehrke für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: sanora

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