Fabletics entwickelt sich von einer digitalen Marke zum internationalen Omni-Channel-Anbieter und baut seine Kollektionen für Sport und Alltag kontinuierlich aus.
Können Sie Fabletics kurz vorstellen und erzählen, welche Idee ursprünglich hinter der Marke stand?
Fabletics wurde 2013 aus drei klaren Überzeugungen heraus gegründet: Erstklassige Leggings sollten niemals mehr als 100 Dollar kosten müssen. Performance-Kleidung darf dabei nie langweilig aussehen – unser Designprinzip „Fashion meets Performance“ stand von Anfang an im Mittelpunkt. Und jeder Mensch hat es verdient, beim Sport gut auszusehen – deshalb bieten wir unsere Styles von XXS bis 6X und in kurzer, normaler sowie langer Länge an.
Fabletics wurde 2013 gegründet und ist heute international etabliert. Welche Entscheidungen waren für diese Entwicklung besonders wichtig?
Die größte Herausforderung war es, Fokus zu bewahren – sich nicht in endlosen Nebenschauplätzen zu verlieren. Statt möglichst schnell in möglichst viele Länder zu expandieren, haben wir uns bewusst auf die größten eCommerce- und Sportmärkte der Welt konzentriert und dort zunächst das Athleisure-Geschäft perfektioniert, bevor wir den nächsten Schritt der Skalierung gegangen sind.
Welche Vision verfolgt Fabletics heute, und wie hat sie sich seit den Anfangsjahren verändert?
Wir haben in den vergangenen Jahren massiv in Omni-Channel-Erlebnisse investiert. Aus der reinen D2C-Marke ist so ein ganzes Ökosystem geworden: eigene Online-Shops, mittlerweile über 120 Brand-Stores weltweit, Modepartner wie Zalando, About You, Otto oder Next sowie Wholesale-Partner wie Peek & Cloppenburg und SportScheck. Früher war der Online-Kauf die einzige Möglichkeit, uns zu shoppen – heute erreicht man Fabletics fast überall. Parallel dazu treiben wir unsere Internationalisierung konsequent weiter voran, zuletzt haben wir den Markteintritt in Indien angekündigt.
Funktionalität und Mode sollen bei Ihren Produkten zusammenkommen. Was erwarten Kundinnen und Kunden heute von moderner Activewear?
Daran hat sich seit unserer Gründung erstaunlich wenig geändert: Moderne Materialien, eine optimale Passform und clevere Features müssen beim Sport einfach funktionieren – gleichzeitig erwarten unsere Kund:innen modische Schnitte, Farben und Prints. „Fashion meets Performance“ ist heute genauso relevant wie am ersten Tag. Und wenn man dafür kein Vermögen ausgeben muss, umso besser.
Das VIP-Mitgliedschaftsmodell ist ein zentraler Bestandteil von Fabletics. Warum haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?
Die VIP-Mitgliedschaft schafft eine hohe Loyalität und starke Wiederkaufraten – und gibt uns gleichzeitig ein extrem präzises Verständnis der Kundennachfrage. Wir wissen bereits heute sehr genau, wie viele Leggings in Größe S wir im nächsten Monat verkaufen werden, und produzieren entsprechend passgenau. Das ist wirtschaftlich vorteilhaft, verhindert Überproduktion – und macht uns dadurch nachhaltiger als viele andere Modeunternehmen.
Wie gelingt es Ihnen, über eine Mitgliedschaft hinaus eine langfristige Beziehung zu Ihren Kundinnen und Kunden aufzubauen?
Ganz zentral sind dabei Sonderpreise und ein früherer Zugang zu neuen Kollektionen. Unsere VIP-Mitglieder sparen bis zu 50 Prozent und erhalten direkten Zugriff auf neue Celebrity-Kollektionen, etwa die von Khloé Kardashian. Viele Mitglieder schauen deshalb ganz automatisch zuerst bei Fabletics vorbei, wenn es um neue Sportmode geht.
Der Activewear-Markt ist stark umkämpft. Was unterscheidet Fabletics heute von anderen internationalen Sport- und Modemarken?
Unsere Kund:innen berichten uns immer wieder, dass ihre Lieblingsleggings von Fabletics auch nach Jahren und unzähligen Wäschen noch sitzen wie am ersten Tag – Qualität und Langlebigkeit machen bei uns einen echten Unterschied. Hinzu kommt ein inklusiver Lifestyle-Ansatz anstelle einer elitären Sportpositionierung: Wir bedienen ganz bewusst unterschiedliche Körper, Leistungsniveaus und Lebensstile – von Activewear über Loungewear und Shapewear bis hin zu Activewear-Scrubs, für Frauen und Männer gleichermaßen. Dadurch entsteht ein deutlich breiteres Markenuniversum, als es viele unserer Wettbewerber bieten können.
Fabletics ist als digital ausgerichtete Marke gestartet und betreibt mittlerweile auch zahlreiche stationäre Stores. Welche Rolle spielt der Einzelhandel in Ihrer Strategie?
Wir möchten unsere Kund:innen dort erreichen, wo sie am liebsten einkaufen. Im stationären Handel gewinnen wir Menschen, die das haptische Erlebnis schätzen und ihre Ware am liebsten direkt mitnehmen. Gleichzeitig lassen sich dort Marken und Qualitäten leichter miteinander vergleichen – ein Vergleich, dem wir uns sehr selbstbewusst stellen. Und neue Kollektionen einfach auszuprobieren, fällt im Store oft leichter als online.
Welche Veränderungen im Sport-, Mode- und Lifestyle-Bereich beeinflussen derzeit die Entwicklung Ihrer Kollektionen besonders?
Auf der Modeseite prägen aktuelle Trends, neue Farben und Materialien unsere Kollektionen maßgeblich. Gleichzeitig entstehen laufend neue Sporttrends – Fitness Racing, der anhaltende Laufboom, Padel, Pickleball und zuletzt auch wieder Tennis. Dazu kommt der ungebrochene Trend zu sportlicher Mode im Alltag und im Berufsleben, wofür wir inzwischen eigene Kollektionen anbieten – gerade auch für Männer.
Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg von einer jungen Marke zu einem international aufgestellten Unternehmen?
Zum einen der bereits erwähnte Fokus – sich nicht in zu vielen Projekten gleichzeitig zu verlieren. Zum anderen die wachsende Komplexität globaler Lieferketten, verbunden mit der Notwendigkeit, uns angesichts immer häufigerer Krisen robuster und redundanter aufzustellen.
In welche Richtung möchten Sie Fabletics in den kommenden Jahren weiterentwickeln?
Wir entwickeln uns konsequent von einer klassischen D2C-Marke zu einer globalen Omni-Channel-Marke weiter und haben uns ein klares Ziel gesetzt: In den nächsten fünf Jahren wollen wir die Umsatzmarke von 2 Milliarden US-Dollar erreichen.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die heute eine Consumer-Marke aufbauen und international skalieren möchten?
Erstens: Gerade am Anfang einen klaren Fokus auf das Kernsortiment und die Kernmärkte bewahren, dort maximal skalieren – und erst danach die Komplexität durch weitere Expansion erhöhen. Zweitens: Sich gezielt Expertise ins Haus holen – durch exzellente Mitarbeiter:innen, Supporter und Ambassadors, notfalls auch über Beteiligungen. Und drittens: Netzwerk und Erfahrung lassen sich weder durch künstliche Intelligenz noch durch reinen Antrieb ersetzen.
Bildcredits Fabletics
Wir bedanken uns bei Daniel Klarkowski für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: Fabletics

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