Energie Süddeutschland verbindet Photovoltaik und Wärmepumpe zu ganzheitlichen Energielösungen für Eigenheime und setzt dabei auf moderne Technik und kurze Wege.
Können Sie Energie Süddeutschland kurz vorstellen und erzählen, wie aus Ihrem eigenen Hausbau schließlich die Geschäftsidee entstanden ist?
Energie Süddeutschland ist tatsächlich aus einer ganz persönlichen Erfahrung entstanden. 2021 wollte ich für mein eigenes Haus eine Photovoltaikanlage installieren lassen – genau zu einer Zeit, in der die Strompreise massiv gestiegen sind. Ich habe ungefähr sechs Monate auf ein Angebot gewartet. Anschließend wurde mir gesagt, dass die Anlage frühestens weitere zwölf Monate später installiert werden könne.
Damit waren wir bei einer realistischen Wartezeit von rund 18 Monaten. Für ein Thema, das zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich und gesellschaftlich enorm relevant war, war das für mich kaum nachvollziehbar.
Ich komme ursprünglich selbst aus dem Handwerk und beschäftige mich schon seit meinem 20. Lebensjahr intensiv mit Immobilien. Bei meiner ersten Neubauwohnung habe ich beispielsweise einen großen Teil des Innenausbaus selbst gemacht. Das technische und handwerkliche Thema lag mir deshalb ohnehin.
Ich habe mich daraufhin sehr intensiv in die Photovoltaik eingearbeitet. Das war keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern das Ergebnis einer längeren Recherche und Vorbereitung. Irgendwann war für mich klar: Der Bedarf ist enorm, aber die Umsetzung muss schneller, einfacher und kundenorientierter funktionieren. Daraus entstand Solar Süddeutschland und letztlich das heutige Unternehmen Energie Süddeutschland.
Vom Industriemechaniker über die Allianz bis zum Gründer im Energiesektor. Welche Erfahrungen aus diesen unterschiedlichen Stationen helfen Ihnen heute besonders?
Die unterschiedlichen Stationen helfen mir heute gerade deshalb, weil sie sehr verschieden waren. Bei Schaeffler habe ich gelernt, strukturiert zu arbeiten und Dinge aus technischer Sicht pragmatisch zu lösen. Bei der Allianz kam dazu, komplexe Themen verständlich zu vermitteln und nah am Kunden zu arbeiten. Heute verbinde ich beides als Unternehmer: technisches Verständnis, Beratung auf Augenhöhe und den Aufbau von Strukturen, die Wachstum möglich machen.
Acht Monate Wartezeit auf die Umsetzung Ihrer eigenen Energietechnik waren der entscheidende Impuls. Wann wurde Ihnen klar, dass dahinter eine echte Marktlücke steckt?
Eigentlich in dem Moment, in dem ich verstanden habe, dass meine Erfahrung kein Einzelfall war. Gleichzeitig waren steigende Strompreise und der Wunsch nach mehr Energieunabhängigkeit überall präsent. Es gab also eine enorme Nachfrage, aber nicht genügend Kapazitäten und teilweise sehr langwierige Prozesse.
Je intensiver ich mich mit dem Markt beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Hier gibt es nicht nur kurzfristig einen Engpass, sondern einen langfristigen Bedarf. Das war letztlich der ausschlaggebende Punkt für die Gründung.
Sie haben sich zum Energieeffizienzberater weitergebildet und 2023 zunächst im Solargeschäft gegründet. Wie herausfordernd war der komplette Branchenwechsel?
Ich würde es weniger als kompletten Neuanfang betrachten, weil mich Handwerk, Technik und Immobilien schon sehr lange begleiten. Trotzdem musste ich mir natürlich sehr viel neues Wissen aneignen.
Gerade Energietechnik ist ein Bereich, in dem Technik, Gesetzgebung, Netzbetreiber, Förderungen und Wirtschaftlichkeit zusammenkommen. Deshalb habe ich mich intensiv weitergebildet und sehr viel Zeit in das Verständnis der einzelnen Prozesse investiert.
Entscheidend war für mich, nicht nur verkaufen zu können, sondern die Technik und die Zusammenhänge tatsächlich zu verstehen.
Aus dem ursprünglichen Solargeschäft ist ein Anbieter für die gesamte Energieversorgung von Eigenheimen geworden. Was hat diese Entwicklung angetrieben?
Vor allem der Kunde selbst. Wir haben sehr schnell gemerkt, dass Photovoltaik allein nur ein Teil der Lösung ist.
Der Kunde produziert Strom, möchte diesen aber möglichst sinnvoll selbst nutzen. Dann kommen Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox, Klimaanlage und das Energiemanagement dazu. Diese Komponenten funktionieren besonders gut, wenn sie nicht einzeln betrachtet, sondern miteinander verbunden werden. Unser Anspruch ist deshalb inzwischen, nicht einfach einzelne Produkte zu installieren, sondern eine komplette Energiezentrale für das Gebäude zu schaffen.
Dazu gehört für uns auch, technologisch frühzeitig neue Entwicklungen abzubilden. Wir verbauen beispielsweise bereits intelligente Messsysteme und arbeiten dafür mit einem Messstellenbetreiber zusammen. Dadurch können wir diese teilweise direkt im Zuge unserer Elektroinstallation mit umsetzen und reduzieren zusätzliche Wartezeiten.
Auch die Direktvermarktung von PV-Strom können wir unseren Kunden bereits heute technisch und softwareseitig anbieten. Unser Anspruch ist, Systeme so aufzubauen, dass sie auch auf zukünftige Änderungen vorbereitet sind.
Wärmepumpen machen inzwischen rund 60 bis 65 Prozent Ihres Geschäfts aus. Warum hat sich dieser Bereich so stark entwickelt?
Der Bedarf beim Heizungstausch ist enorm. Viele bestehende Heizungen kommen in ein Alter, in dem sich Eigentümer ohnehin mit einer Erneuerung beschäftigen müssen. Gleichzeitig hat sich die Wärmepumpentechnik in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt.
Wir haben früh entschieden, diesen Bereich nicht nur zusätzlich anzubieten, sondern eigene Kompetenzen und entsprechende Mitarbeiterstrukturen aufzubauen.
Dadurch können wir eine sehr hohe Nachfrage heute auch tatsächlich umsetzen. Gleichzeitig ergänzt sich die Wärmepumpe ideal mit Photovoltaik und Energiemanagement. Genau diese Kombination wird für viele Eigenheimbesitzer immer interessanter.
Welche Bedürfnisse haben Eigenheimbesitzer heute, wenn sie sich mit Wärmepumpe, Photovoltaik und moderner Energieversorgung beschäftigen?
Die Kunden wollen vor allem drei Dinge: Planbarkeit, Verständlichkeit und einen fairen Preis.
Photovoltaik, Wärmepumpe, Speicher und Energiemanagement wirken zunächst sehr komplex. Unser Job ist es, diese Komplexität herauszunehmen und dem Kunden verständlich zu zeigen, welche Lösung für sein Gebäude sinnvoll ist.
Gleichzeitig wünschen sich viele Kunden mehr Unabhängigkeit von zukünftigen Strom- und Energiekosten. Sie wollen aber kein System kaufen, das nach wenigen Jahren technisch überholt ist.
Deshalb achten wir darauf, Lösungen möglichst flexibel, erweiterbar und zukunftsfähig aufzubauen.
Energie Süddeutschland ist aus einem regionalen Installationsbetrieb heraus gewachsen. Was unterscheidet Ihren Ansatz von anderen Anbietern im Markt?
Wir versuchen nicht, uns ausschließlich über den niedrigsten Preis zu definieren. Entscheidend ist für uns der gesamte Prozess.
Wir beraten ausführlich, erklären komplexe Technik verständlich und haben unsere Montage- und Projektabläufe stark standardisiert. Dadurch können wir trotz hoher Qualitätsanforderungen vergleichsweise schnell umsetzen.
Ein sehr wichtiger Indikator dafür ist für mich die Weiterempfehlungsquote. Ein großer Teil unseres Erfolgs entsteht dadurch, dass zufriedene Kunden uns weiterempfehlen.
Gleichzeitig versuchen wir, technisch immer einen Schritt weiterzudenken, beispielsweise bei Energiemanagement, intelligenten Messsystemen oder Direktvermarktung.
Der Fachkräftemangel und begrenzte Installationskapazitäten waren Teil Ihrer eigenen Gründungsgeschichte. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung heute als Unternehmer?
Das ist tatsächlich eine unserer größten Herausforderungen. Deshalb konzentrieren wir uns sehr stark auf den Aufbau eigener Mitarbeiter und Teams.
Dabei geht es für mich nicht nur darum, Menschen einzustellen. Wir möchten Mitarbeiter entwickeln und ihnen langfristige Perspektiven geben.
Ein gutes Beispiel ist einer unserer Mitarbeiter, der 2022 aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Er ist studierter Elektroingenieur, musste hier zunächst aber in einem völlig anderen Bereich am Band arbeiten. Über einen Zufall haben wir uns kennengelernt.
Wir haben ihn dabei unterstützt, seine Qualifikation in Deutschland anerkennen zu lassen. Heute darf er hier seinen Ingenieurstitel führen, bildet sich weiter und hat sich bei uns vom Mitarbeiter zum Teamleiter entwickelt.
Genau solche Entwicklungen machen für mich einen wesentlichen Teil von Unternehmertum aus.
Was war beim Wachstum von Energie Süddeutschland schwieriger als ursprünglich erwartet?
Die größte Herausforderung besteht darin, dass Wachstum nicht einfach nur bedeutet, mehr Aufträge anzunehmen. Vertrieb, Projektleitung, Backoffice, Elektro und SHK müssen gleichzeitig mitwachsen.
Gerade qualifizierte Handwerker und Projektverantwortliche lassen sich nicht beliebig schnell aufbauen.
Deshalb investieren wir stark in Prozesse und Automatisierung. Auch KI spielt dabei intern inzwischen eine wichtige Rolle. Unser Ziel ist ausdrücklich nicht, für 100 Prozent mehr Umsatz auch 100 Prozent mehr Mitarbeiter zu benötigen.
Nach unserer heutigen Planung können wir ungefähr eine Verdopplung der Leistung mit rund 50 Prozent zusätzlichem Personal abbilden. Das funktioniert aber nur, wenn Prozesse konsequent standardisiert und digitalisiert werden.
Welche Vision verfolgen Sie für Energie Süddeutschland, und wie möchten Sie das Unternehmen in den kommenden Jahren weiterentwickeln?
Wir wollen regional verwurzelt bleiben und gleichzeitig deutlich wachsen.
Für das kommende Jahr haben wir uns vorgenommen, unseren Umsatz ungefähr zu verdoppeln. Dazu bauen wir unter anderem unseren Vertrieb und unsere Installationskapazitäten weiter aus.
Dabei wollen wir aber nicht einfach nur größer werden. Entscheidend ist, produktiver und strukturierter zu werden. Umsatz und Mitarbeiterzahl sollen deshalb bewusst nicht im gleichen Verhältnis wachsen.
In den kommenden Jahren sehe ich Energie Süddeutschland mit einer deutlich größeren Mannschaft und einem noch umfassenderen Angebot rund um die Energieversorgung von Gebäuden.
Technologisch wird sich dieser Bereich enorm verändern. Energiemanagement, intelligente Messsysteme, Direktvermarktung, Wärmepumpen, Speicher, Ladeinfrastruktur und wahrscheinlich weitere neue Geschäftsmodelle werden immer stärker miteinander verschmelzen.
Unser Anspruch ist, diese Entwicklung nicht nur mitzumachen, sondern möglichst früh umzusetzen.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem selbst erlebten Problem ein Unternehmen aufbauen möchten?
Erstens: Prüft, ob euer eigenes Problem tatsächlich auch das Problem vieler anderer Menschen ist. Ein persönliches Ärgernis allein ist noch kein Geschäftsmodell.
Zweitens: Beschäftigt euch intensiver mit dem Thema als alle anderen. Ich habe nicht einfach entschieden, eine Solarfirma zu gründen, sondern mich lange vorbereitet, recherchiert und weitergebildet.
Drittens: Fangt an und akzeptiert, dass nicht von Beginn an alles perfekt sein wird. Ein Unternehmen verändert sich permanent. Unser Unternehmen sieht heute völlig anders aus als bei der Gründung, weil wir immer wieder auf Kunden, Markt und Technik reagiert haben.
Bildcredits: Energie Süddeutschland
Wir bedanken uns bei Johannes Ostwald für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

















