Mittwoch, September 2, 2026
StartWorkbase"Ein Führungsproblem, kein Generationenproblem": Zenjobs Gen-Z-Studie räumt mit dem Klischee auf

„Ein Führungsproblem, kein Generationenproblem“: Zenjobs Gen-Z-Studie räumt mit dem Klischee auf

58 % der Gen Z haben sich bei der Arbeit schon einmal ausgenutzt oder schlecht behandelt gefühlt, 30 % davon mehrfach

  • Ehrliche Kommunikation liegt in der Prioritätenliste vor Flexibilität, Jobsicherheit und Anerkennung
  • 88 % nutzen KI-Tools wöchentlich oder häufiger, gelernt haben den Umgang damit die meisten selbst

Homeoffice, Vier-Tage-Woche, Sinnhaftigkeit: Wer über Gen Z am Arbeitsplatz spricht, landet meistens bei denselben drei Stichworten. Die neue Gen-Z-Studie 2026 der Berliner Flex-Staffing-Plattform Zenjob zeichnet ein anderes Bild. Für die Erhebung wurden im April über 1200 aktive Zenjobber:innen aus allen Städten befragt, was ihnen am Arbeitsplatz wichtig ist, wie sie KI im Alltag nutzen und was sie mit Blick auf ihre Zukunft am meisten beunruhigt. Das Ergebnis ist unbequemer als der übliche Diskurs.

Gehalt vor Sinn, aber Ehrlichkeit dicht dahinter

Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen wettbewerbsfähiges Gehalt und Karrierechancen, wenig überraschend angesichts der Inflation und steigender Lebenshaltungskosten. Auf Platz drei folgt aber ehrliche Kommunikation, noch vor Work-Life-Balance (Platz 5) und deutlich vor Flexibilität und Remote-Arbeit (Platz 7). Sinnhaftigkeit landet auf Platz 9, Firmenevents sind das Schlusslicht.

Gen Z will also nicht in erster Linie flexibel arbeiten. Sie will fair bezahlt und wie ein Erwachsener behandelt werden.

Fast 6 von 10 fühlten sich schon ausgenutzt

Die unbequemste Zahl der Studie: 58 % der Befragten haben sich am Arbeitsplatz schon mindestens einmal ausgenutzt oder schlecht behandelt gefühlt, 30 % davon mehrfach. Gefragt nach der Art der Mistreatment, nennen 72 % fehlenden Respekt vom Management, deutlich vor Diskriminierung (34 %) und rein top-down organisierter Kommunikation (32 %).

Zenjob-CEO und Co-Founder Fritz Trott ordnet das ein: „Das ist ein Führungsproblem, kein Generationenproblem. Wer glaubt, diese Zahlen kämen daher, dass junge Menschen heute empfindlicher sind, hat nicht verstanden, was da eigentlich berichtet wird.“

Stress ist der Normalzustand

86 % der Befragten fühlen sich zumindest gelegentlich mental belastet, jede fünfte Person fast täglich. Entsprechend hoch ist der Anspruch an Arbeitgeber: 78 % sagen, dass psychische Gesundheitsunterstützung für sie wichtig ist. Wer das nur als Recruiting-Versprechen behandelt statt als echte Verpflichtung, wird den Unterschied merken, auch wenn er sich schwer beziffern lässt.

Gen Z kann KI, jetzt sind die Arbeitgeber dran

88 % der Befragten nutzen KI-Tools wöchentlich oder häufiger, vor allem zum Erklären komplexer Themen, zum Brainstorming und für Ideenfindung. 71 % fühlen sich für eine KI-geprägte Arbeitswelt bereit, allerdings vor allem, weil sie es sich selbst beigebracht haben. Universitäten und Arbeitgeber haben hier bislang kaum Führung übernommen.

Bei der Bewertung von KI zeigt sich ein pragmatischer Blick: 63 % sehen sie als Mischung aus Chance und wachsender Konkurrenz, nur 9 % als reine Bedrohung. Was sich die Befragten von Hochschulen und Arbeitgebern wünschen, ist deutlich konkreter als der übliche KI-Enthusiasmus: praxisnahe Workshops, klare Regeln, was erlaubt ist, und kostenlose Lizenzen für Premium-Tools.

Geld, nicht Weltpolitik, ist die größte Sorge

Was junge Menschen am meisten beunruhigt, wenn sie an ihre Zukunft denken, ist nicht in erster Linie KI oder globale Konflikte, sondern die eigene finanzielle Absicherung. 62 % nennen finanzielle Unsicherheit als größten Stressfaktor, deutlich vor anhaltenden Konflikten (42 %) und gesellschaftlicher Instabilität (40 %). Passend dazu geben 75 % an, ihre Einnahmen vor allem für Lebensmittel und Haushaltskosten auszugeben, 64 % für Miete und Studienkosten.

Nach dem Studium wollen 45 % in Deutschland bleiben. Wer auswandern will, nennt vor allem niedrigere Steuern, die politische Lage und eine bessere Work-Life-Balance als Gründe.

Was am Ende bleibt

„Diese Generation sucht keine Sonderbehandlung“, sagt Trott. „Sie sucht faire Bezahlung, echte Entwicklungsmöglichkeiten, respektvolle Führung und ehrliche Kommunikation. So war es eigentlich schon immer.“

Die vollständige Gen-Z-Studie 2026 geht unter anderem darauf ein, warum die klassische 5-Tage-Woche für viele junge Arbeitnehmer:innen ausgedient hat und welche Branchen sie trotz KI-Boom als besonders krisensicher einschätzen.

Quelle Bild und Text: Zenjob

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