Freitag, Juli 24, 2026
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Was steckt hinter Yoybo und dem neuen Ansatz für digitale Kundenbindung?

Yoybo entwickelt eine digitale Plattform für Kundenbindung, mit der Unternehmen Treueprogramme einfach verwalten und ihre Kunden langfristig an sich binden können

Können Sie Yoybo kurz vorstellen und erzählen, wer das Unternehmen gegründet hat?

Yoybo möchte das Sammeln-und-Einlösen-Punktesystem, das heute von fast allen großen Unternehmen genutzt wird, auch für kleine Unternehmen leichter zugänglich machen. Ziel ist es, Kunden dazu zu motivieren, nach jedem Einkauf wiederzukommen.

Das Startup wurde von Yücel Eroğlu gegründet und nach einer dreimonatigen Testphase am 1. Juni 2026 offiziell veröffentlicht.

Wie entstand die Idee, ein digitales Kundenbindungsprogramm zu entwickeln, das ohne App-Download funktioniert?

Wie Sie wissen, laden Endkunden die Apps großer Marken und Unternehmen mit vielen Filialen regelmäßig herunter. Bei kleineren Unternehmen und weniger häufig genutzten Anwendungen ist das jedoch meist nicht der Fall. Und selbst wenn Kunden solche Apps installieren, gehören sie oft zu den ersten Anwendungen, die gelöscht werden, sobald der Speicherplatz auf dem Smartphone knapp wird.

Deshalb haben wir gedacht, dass eine Plattform, die mit nur einem Klick und möglichst wenig Reibung erreichbar ist, für Kunden deutlich komfortabler sein könnte. Gleichzeitig können Kunden unsere browserbasierte Lösung dank der PWA-Technologie wie eine App nutzen. Sie können Yoybo als Verknüpfung auf ihrem Startbildschirm speichern und jederzeit darauf zugreifen, ohne zusätzlichen Speicherplatz durch eine klassische App zu verbrauchen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Yoybo, und wie möchten Sie die Kundenbindung für lokale Unternehmen langfristig verändern?

Yoybo positioniert sich – wie bereits unser Geschäftsmodell zeigt – nicht nur als klassisches SaaS-Tool, sondern als Wachstumspartner für kleine Unternehmen.

Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Kampagnen- und Integrationsmöglichkeiten innerhalb von Yoybo möchten wir die Plattform zu einem Werkzeug machen, mit dem kleine Unternehmen ihre Kampagnen erstellen, veröffentlichen und verwalten können.

Dafür müssen wir die Verhaltensweisen von Unternehmen und Kunden innerhalb von Yoybo genau beobachten und unsere Weiterentwicklungen an diesen Erkenntnissen ausrichten. Wie sich Yoybo langfristig entwickeln wird, hängt daher auch von den Erfahrungen und Erkenntnissen ab, die wir gemeinsam mit unseren Nutzern sammeln.

An welche Zielgruppen richtet sich Yoybo hauptsächlich, und welche Herausforderungen möchten Sie für diese Unternehmen lösen?

Yoybo kann von allen Unternehmen genutzt werden, die wiederkehrende Kundenbesuche haben. Dazu gehören insbesondere Restaurants, Cafés und Schönheitssalons, aber auch viele weitere Branchen.

Yoybo soll für diese Unternehmen ein Werkzeug zur Erstellung und Verwaltung von Kampagnen sein. Unternehmen können ihre Kunden auf Basis des Einkaufswertes belohnen und sie dazu motivieren, das Geschäft erneut zu besuchen, um ihre gesammelten Prämien einzulösen.

Unser Ziel ist es, Kundenbindungsprogramme, die für viele kleine Unternehmen bislang schwer zugänglich oder mit zu hohem Aufwand verbunden sind, einfacher und zugänglicher zu machen.

Viele kleine Unternehmen verzichten auf digitale Bonusprogramme, weil diese oft zu aufwendig sind. Wie begegnet Yoybo diesem Problem?

Ja, das stimmt. Deshalb haben wir bei Yoybo großen Wert darauf gelegt, den Aufwand sowohl für Unternehmen als auch für Kunden auf ein Minimum zu reduzieren.

Wir haben die gesamte Benutzeroberfläche mit dem Ziel entwickelt, das Sammeln und Vergeben von Punkten so schnell und einfach wie möglich zu machen. Dabei haben wir jeden Schritt aus Sicht der Unternehmen und der Kunden betrachtet, um unnötige Hürden zu vermeiden und eine möglichst angenehme Nutzererfahrung zu schaffen.

Yoybo setzt auf ein QR-Code-basiertes Treuesystem ohne Kunden-App. Was macht diesen Ansatz aus Ihrer Sicht besonders?

Um ehrlich zu sein, handelt es sich dabei um eine sehr einfache Technologie. Es wäre übertrieben, sie als etwas Besonderes zu bezeichnen. Für die Reduzierung von Hürden und Aufwand ist der QR-Code jedoch eine äußerst wertvolle Erfindung.

Wir haben uns die Frage gestellt, wie sich dieser Prozess mit möglichst wenig Reibung und Aufwand dokumentieren lässt. Nach unserer Einschätzung ist ein QR-Code dafür die praktischste und einfachste Lösung. Deshalb haben wir Yoybo auf diesem Ansatz aufgebaut.

Welche Vorteile bietet das Pay-for-Results-Modell für Unternehmen, die ihre Kundenbindung verbessern möchten?

Ganz einfach: Wir nehmen kleinen Unternehmen die Frage ab, ob sich ein Kundenbindungsprogramm überhaupt lohnt.

Viele Treueprogramme werden über feste Abonnements angeboten, die oft zwischen 30 und 200 Euro pro Monat kosten. Wenn ein kleines Unternehmen beispielsweise ein Paket für 30 Euro im Monat bucht, zahlt es innerhalb von sechs Monaten bereits 180 Euro – unabhängig davon, ob das Programm tatsächlich Ergebnisse liefert.

Bei Yoybo funktioniert das anders. Unternehmen zahlen lediglich 5 % der Punkte, die sie ihren Kunden gutschreiben. Zudem erfolgt die Abrechnung erst ab dem zweiten Besuch eines Kunden. Das bedeutet, dass Unternehmen nur für Kunden bezahlen, deren Loyalität bereits nachgewiesen wurde.

Dadurch fallen die Kosten zu Beginn meist deutlich geringer aus – oft nur etwa 5 bis 10 Euro pro Monat – und steigen erst mit der tatsächlichen Nutzung. Wir erwarten, dass viele Unternehmen nach sechs Monaten im Vergleich zu klassischen Abomodellen deutlich weniger bezahlen werden. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie ausschließlich für Kunden zahlen, die tatsächlich zurückgekommen sind.

Wenn ein Unternehmen keine Punkte mehr vergibt, entsteht auch keine Yoybo-Rechnung. Aus unserer Sicht ist Yoybo deshalb ein Produkt, dessen Nutzen sich direkt im Geschäftsmodell widerspiegelt.

Wie wichtig sind Themen wie Einfachheit, Datenschutz und Nutzerfreundlichkeit für die Entwicklung Ihrer Plattform?

Da ich bereits erläutert habe, wie wichtig Einfachheit und eine möglichst geringe Reibung für uns sind, möchte ich hier auf einen Aspekt eingehen, der uns sogar dazu gebracht hat, die gesamte Produktlogik neu zu denken: den Datenschutz.

Wir sind der Meinung, dass Datenschutz einer der wichtigsten Gründe ist, warum Kunden nicht an Treueprogrammen kleiner Unternehmen teilnehmen. Während viele Menschen ihre Daten problemlos mit großen Marken teilen, sind sie bei kleinen Unternehmen oft deutlich zurückhaltender und möchten ihre persönlichen Informationen nicht preisgeben.

Bei Yoybo scannen Kunden den QR-Code eines Unternehmens und öffnen die Plattform direkt im Browser. Sie können sich beispielsweise mit Google oder Apple anmelden, ohne ihre persönlichen Daten mit dem Unternehmen zu teilen. Das System erstellt dabei lediglich eine eindeutige Benutzer-ID. Unternehmen sehen ausschließlich diese ID und keine personenbezogenen Informationen.

Dadurch können Kunden Punkte sammeln und Belohnungen erhalten, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass ihre Daten weitergegeben werden oder sie unerwünschte Werbe-E-Mails erhalten. Wir glauben, dass diese Freiheit und Kontrolle über die eigenen Daten wichtiger ist, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, als möglichst viele persönliche Informationen zu sammeln.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Lösung, die sowohl für Unternehmen als auch für deren Kunden möglichst unkompliziert funktionieren soll?

Die größte Herausforderung besteht darin, eine Lösung zu entwickeln, die für zwei unterschiedliche Nutzergruppen gleichzeitig funktioniert: für Unternehmen und für deren Kunden.

Unternehmen wünschen sich möglichst einfache und schnelle Prozesse im Arbeitsalltag. Kunden hingegen erwarten eine unkomplizierte Nutzung, ohne zusätzliche Apps herunterladen oder persönliche Daten preisgeben zu müssen.

Jede zusätzliche Eingabe, jeder zusätzliche Klick und jeder weitere Schritt kann dazu führen, dass das System im Alltag nicht genutzt wird. Deshalb hinterfragen wir bei jeder neuen Funktion, ob sie wirklich einen Mehrwert bietet oder den Prozess unnötig komplizierter macht.

Jede Funktion, die wir hinzufügen, macht Yoybo gleichzeitig leistungsfähiger und auch etwas komplexer. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden.

Unser Ziel ist es, eine Lösung anzubieten, die genügend Funktionen bietet, um Unternehmen einen echten Mehrwert zu liefern, gleichzeitig aber so einfach bleibt, dass sie von Unternehmen und Kunden gerne genutzt wird.

Wie verändert sich das Kaufverhalten der Verbraucher, und welche Bedeutung gewinnen digitale Kundenbindungsprogramme dabei?

Aus unserer Sicht haben Verbraucher heute deutlich mehr Auswahlmöglichkeiten als noch vor einigen Jahren. Ein gutes Produkt oder ein guter Service allein reichen oft nicht mehr aus, um Kunden langfristig zu binden.

Kunden vergleichen Angebote schneller, entdecken neue Alternativen und wechseln häufiger zwischen verschiedenen Anbietern. Dadurch wird Kundenbindung für lokale Unternehmen immer wichtiger.

Digitale Kundenbindungsprogramme gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung, weil sie Unternehmen dabei helfen können, ihren Kunden einen konkreten Anreiz für einen erneuten Besuch zu geben. Gleichzeitig lassen sie sich deutlich einfacher verwalten und anpassen als klassische Stempelkarten oder papierbasierte Lösungen.

Wir glauben, dass Kundenbindung in Zukunft weniger von Gewohnheit und stärker von der Fähigkeit abhängen wird, Kunden einen zusätzlichen Mehrwert für ihren nächsten Besuch zu bieten.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Yoybo aktuell im Fokus?

Aktuell konzentrieren wir uns darauf, gemeinsam mit den ersten Unternehmen zu wachsen, die Yoybo aktiv nutzen. In dieser Phase ist es für uns besonders wichtig zu verstehen, wie Unternehmen die Plattform im Alltag einsetzen und welche Funktionen ihnen den größten Mehrwert bieten.

Der nächste Entwicklungsschritt besteht darin, Unternehmen mehr Möglichkeiten zu geben, unterschiedliche Kampagnen direkt über Yoybo zu erstellen und zu verwalten. Unser Ziel ist es, Yoybo schrittweise zu einem Kampagnenmanagement-Tool für kleine Unternehmen weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus planen wir die Entwicklung einfacher Unternehmenswerkzeuge, die mit Yoybo zusammenarbeiten, sowie die Integration mit POS-Systemen, um die Nutzung für Unternehmen noch einfacher und effizienter zu gestalten.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die traditionelle Geschäftsprozesse mit digitalen Lösungen vereinfachen möchten?

  1. Sprechen Sie mit Ihren Kunden, bevor Sie Funktionen entwickeln.

Viele Gründer verbringen Monate damit, Lösungen zu entwickeln, bevor sie mit potenziellen Kunden sprechen. Wir haben gelernt, dass echte Gespräche oft wertvoller sind als jede Annahme. Wer das Problem nicht vollständig versteht, wird auch keine passende Lösung entwickeln.

  1. Vereinfachen Sie konsequent.

Digitale Produkte scheitern oft nicht daran, dass ihnen Funktionen fehlen, sondern daran, dass sie zu kompliziert werden. Jede zusätzliche Funktion, jeder zusätzliche Klick und jeder zusätzliche Schritt sollte kritisch hinterfragt werden. Wenn ein Prozess einfacher gestaltet werden kann, sollte man diesen Weg wählen.

  1. Konzentrieren Sie sich auf den tatsächlichen Mehrwert.

Technologie allein löst kein Problem. Kunden interessieren sich nicht dafür, welche Technologie verwendet wird, sondern dafür, ob ihr Alltag einfacher wird. Deshalb sollte man sich weniger auf die Lösung und mehr auf das zugrunde liegende Problem konzentrieren.

Gerade bei der Digitalisierung traditioneller Prozesse ist es wichtig, nicht möglichst viel zu verändern, sondern die Dinge einfacher, schneller und zugänglicher zu machen.

Bildrechte: Privatarchiv von Yücel Eroğlu

Wir bedanken uns bei Yucel Eroglu für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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