Donnerstag, Juni 18, 2026
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Vintage.com: Verändert sich der Markt für gebrauchte Wertgegenstände?

Vintage.com bietet einen unkomplizierten Ankaufsservice für gebrauchte Wertgegenstände und setzt dabei auf den wachsenden Recommerce-Markt in Deutschland

Wie entstand die Idee hinter dem Ankaufsservice, der heute unter dem Namen Vintage.com auftritt?

In nahezu jedem Haushalt gibt es Schubladen, Keller oder Dachböden voller Gegenstände, die nicht mehr genutzt werden, aber durchaus einen Wert haben. Gleichzeitig verkaufen viele Menschen diese Dinge nie, weil der Aufwand zu groß erscheint. Die Idee hinter Vintage.com entstand aus genau dieser Beobachtung. Deshalb haben wir einen Service entwickelt, der den Prozess deutlich vereinfacht und es ermöglicht, mehrere Gegenstände in einer Sendung einzuschicken und gemeinsam bewerten zu lassen.

Warum haben Sie sich entschieden, Arcavindi in Deutschland künftig unter der europaweiten Marke Vintage.com zu führen?

Was einst als bequeme Lösung für britische Haushalte begann, nicht mehr benötigte Gegenstände zu verkaufen, hat sich mittlerweile zu einer globalen Marke entwickelt. Mit Vintage.com bündeln wir nun unsere europäischen Aktivitäten unter einer gemeinsamen Marke und schaffen so die Grundlage für weiteres Wachstum und die Expansion in neue Märkte.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem Namenswechsel und dem europaweiten Auftritt?

Wir möchten Vintage.com als starke globale Marke etablieren und unser Wachstum in bestehenden und neuen Märkten weiter vorantreiben. Wir stehen noch am Anfang einer größeren Entwicklung im Recommerce-Markt und sind überzeugt, dass Verbraucher zunehmend nach einfacheren Lösungen suchen werden und Bequemlichkeit dabei eine immer wichtigere Rolle spielen wird.

Deutschland gilt als wichtiger Wachstumsmarkt für Vintage.com. Welche Chancen sehen Sie hier besonders?

Deutschland ist für uns einer der spannendsten und wichtigsten Märkte und wir sehen großes Wachstumspotenzial. Seit dem Markteintritt Anfang letzten Jahres hat sich die Zahl unserer Kund bereits verneunfacht. Bis heute haben wir in Deutschland 30.000 Konsument betreut – und das mit hoher Kundenbindung. Knapp jede/r vierte Kund in Deutschland hat den Service bereits mehrfach genutzt.

Welche Veränderungen beobachten Sie aktuell im Verhalten von Verbraucher beim Verkauf gebrauchter Wertgegenstände?

Wir sehen immer stärker, dass sich die Frage „Wie viel bekomme ich dafür?“ verändert. Heute geht es immer häufiger um die Frage: „Lohnt sich der Aufwand überhaupt?“

Gerade bei gebrauchten Gegenständen ist es oft schwer einzuschätzen, welchen Wert sie tatsächlich haben und ob sich der Verkauf über klassische Wege lohnt. Inserate zu erstellen, Preise zu verhandeln und den Versand zu organisieren, kostet Zeit und Energie. Deshalb werden einfache und bequeme Verkaufsprozesse immer wichtiger. Viele Menschen möchten schnell und unkompliziert zu einem Ergebnis kommen, ohne sich intensiv mit dem Verkaufsprozess beschäftigen zu müssen.

Viele Menschen scheuen den Aufwand von Kleinanzeigen und privaten Verkaufsplattformen. Wie begegnet Vintage.com diesem Bedürfnis nach mehr Komfort?

Indem wir ihnen diesen Aufwand abnehmen. Die Verbraucher können mehrere Gegenstände in einem Paket einschicken. Der Service ist kostenlos, umfasst einen versicherten Versand und bietet ein Gesamtangebot für alle eingesendeten Artikel. Wird das Angebot nicht angenommen, werden die Gegenstände kostenlos zurückgesendet.

Zu den am häufigsten eingesendeten Gegenständen deutscher Kund gehören Schmuck und Uhren. Der Anteil eingesendeter Uhren ist in Deutschland höher als in jedem anderen Markt von Vintage.com. Zu weiteren häufig eingeschickten Wertgegenständen gehören Gold und Silber, Münzen, Vintage-Elektronik, Kameras und Spielzeug.

Was unterscheidet Vintage.com von klassischen Online-Marktplätzen und anderen Anbietern im Recommerce-Bereich?

Marktplätze richten sich an Menschen, die den Verkauf selbst übernehmen möchten – wir adressieren Konsument, die genau diese Prozesse abgeben möchten und Bequemlichkeit und Zeitersparnis schätzen.

Welche Herausforderungen bringt der Ankauf von Antiquitäten, Sammlerstücken und Wertgegenständen in großem Maßstab mit sich?

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass jedes Stück einzigartig ist. Die Bewertung von Antiquitäten, Sammlerstücken und Wertgegenständen erfordert fundiertes Fach- und Marktwissen, das oft über viele Jahre hinweg aufgebaut wird. Deshalb stehen unsere gutachtenden Expert im Mittelpunkt unseres Geschäfts. Dank ihrer Erfahrung können wir eine enorme Bandbreite an Objekten zuverlässig identifizieren, bewerten und einordnen und unseren Kund faire und nachvollziehbare Angebote machen.

Wie entwickelt sich der europäische Recommerce-Markt aus Ihrer Sicht, und welche Rolle wird Vintage.com dabei künftig spielen?

Der Secondhandmarkt wächst seit Jahren. Was wir jetzt erleben, ist die nächste Entwicklungsstufe: Menschen möchten Dinge verkaufen, ohne selbst den Verkauf zu organisieren. Wir sind davon überzeugt, dass bequeme Wiederverkaufslösungen in den kommenden fünf Jahren zu den am schnellsten wachsenden Segmenten des europäischen Recommerce-Marktes gehören werden. Unser Ziel ist es, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und eine führende Rolle in diesem Bereich einzunehmen.

Welche Wachstumsschritte und Weiterentwicklungen stehen für Vintage.com in den kommenden Jahren im Fokus?

Unser Fokus liegt auf der weiteren Expansion, dem Ausbau unserer operativen Infrastruktur und der kontinuierlichen Verbesserung des Kundenerlebnisses. Darüber hinaus investieren wir in Technologie und Prozesse, um Wiederverkauf noch einfacher, transparenter und effizienter zu gestalten.

Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die ein Geschäftsmodell im Bereich Recommerce oder Kreislaufwirtschaft aufbauen möchten?

Erstens: Lösen Sie ein echtes Alltagsproblem Ihrer Zielgruppe. Der Anspruch, allein die Welt nachhaltiger machen zu wollen, reicht selten aus. Erfolgreiche Geschäftsmodelle im Recommerce verbinden ökologische Vorteile mit einem klaren Nutzen für Kund.

Zweitens: Bauen Sie zuerst einen funktionierenden Prozess und dann das Wachstum darauf auf. Gerade im Recommerce-Bereich treffen digitale Kundenerlebnisse auf sehr reale Abläufe wie Logistik, Bewertung, Lagerung und Kundenservice. Wachstum wird schnell zum Problem, wenn die operativen Prozesse nicht mithalten können.

Drittens: Hören Sie Ihren Kund aufmerksam zu. Viele der besten Ideen entstehen nicht im Konferenzraum, sondern in Gesprächen mit Menschen, die Ihnen ehrlich erzählen, was sie frustriert, was sie aufhält oder was ihnen im Alltag fehlt.

Titelbild: @ Vintage .com

Wir bedanken uns bei Tobias Hinteregger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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