Inhaltsverzeichnis
- Niemand bewertet dich, weil du gerade klamm bist
- Sprüche sind billig. Verantwortung ist teuer – und genau deshalb wertvoll.
- Investor-Connectoren: Markt der Storys – und dein Job als Profi
- Aufbruchsstimmung statt Opferhaltung
- Was heißt das ganz konkret für dich?
- Dein Startpunkt: heute, nicht „nach der nächsten Runde“
Wir reden viel über Risiken in der Investorensuche.
Wir reden viel über falsche Versprechen, langweilige Netzwerke. Reden üünfstellige Beträge, die einfach weg sind.
Ich weiß, wovon ich spreche – wir haben unser Lehrgeld selbst bezahlt.
Aber dieser Text hier ist kein Jammer-Artikel.
Das hier ist ein Weckruf.
Nicht für Opfer.
Für Gründer.
Niemand bewertet dich, weil du gerade klamm bist
Lass uns mit einem Missverständnis aufräumen:
Du bist als Founder nicht „schwach“, nur weil dein Runway knapp ist.
Du bist nicht „gescheitert“, weil du gerade um jeden Monat kämpfst.
Jeder, der selbst gegründet hat, kennt diese Phasen.
Konto am Limit, Zahlen eng, Kopf voll.
Niemand mit echter Unternehmer-Erfahrung bewertet dich dafür.
Was wirklich zählt, ist etwas anderes:
- Wie ehrlich bist du mit deiner Situation?
- Prüfst du, oder hoffst du?
- Triffst du Entscheidungen, oder wartest du ab?
Kapitalengpass ist kein Makel.
Kapitalengpass ist ein Moment, in dem sichtbar wird,
wie ernst du es mit Verantwortung meinst.
Sprüche sind billig. Verantwortung ist teuer – und genau deshalb wertvoll.
Die Szene ist voll mit Sprüchen:
„Believe in yourself.“
„Trust the process.“
„Fake it till you make it.“
Alles nett.
Aber keiner dieser Sätze zahlt deine Rechnungen. Keiner verlängert dir deinen Runway. Dein Start-up lebt nicht von Sprüchen. Es lebt von Entscheidungen.
Deine Idee braucht kein Poster.
Deine Idee braucht klare, teilweise unbequeme Schritte.
Dazu gehört auch:
zu sagen: „Stopp. Wir brechen diesen Deal ab.“
zu sagen: „Nein. Diese Konditionen sind nicht akzeptabel.“
zu sagen: „Wir zahlen euch nicht dafür, dass ihr uns Hoffnung verkauft.“
Investor-Connectoren: Markt der Storys – und dein Job als Profi
Der Markt für Investor-Connectoren ist gewachsen.
Da draußen sind viele unterwegs, die dir folgendes versprechen:
- „Wir haben ein riesiges Netzwerk.“
- „Wir bringen euch vor Top-Fonds.“
- „Wir machen Türen auf, an die ihr alleine nie rankommt.“
Kann alles stimmen.
Kann alles leer sein.
Der Punkt ist:
Das Problem ist nicht, dass es solche Anbieter gibt.
Das Problem ist, wenn du als Founder aufhörst, wie ein Profi zu prüfen.
Unternehmerisch handeln heißt:
- Kein Retainer ohne klar definierte Leistung.
- Keine Zusammenarbeit ohne nachvollziehbaren Track Record.
- Kein Vertrag ohne Exit-Szenario, das dich nicht fesselt.
Profis prüfen.
Amateure hoffen.
Mensch, der Unterschied ist doch keine IQ-Frage.
Der Unterschied ist: Disziplin + Mut + Klarheit.
Aufbruchsstimmung statt Opferhaltung
Was ich gerade spüre, wenn ich mit Gründerinnen und Gründern spreche:
Es gibt wieder eine echte Aufbruchsstimmung.
Nicht dieses künstliche Hochglanz-Gejubel,
sondern ehrliche Sätze wie:
„Wir sind am Limit und wir machen trotzdem weiter.“
„Wir haben einen Fehler gemacht und korrigieren ihn jetzt.“
„Wir haben auf die falschen Versprechen gesetzt und stellen unser Setup um.“
Das sind die Momente, in denen Unternehmen entstehen, die später „über Nacht erfolgreich“ aussehen.
Die Nörgler haben Zeit, alles zu kommentieren. Du nicht !!!
Du bist damit beschäftigt, Lösungen zu suchen.
Du bist damit beschäftigt, dein Modell zu schärfen.
Du bist damit beschäftigt, deine Investorensuche ernst zu nehmen –
nicht als Hoffnung, sondern als Strategie.
Was heißt das ganz konkret für dich?
Wenn du gründest, baust du kein Märchen.
Du baust ein Unternehmen.
Das bedeutet:
- Du sprichst offen über deine Zahlen – vor allem mit dir selbst.
- Du gehst nicht zu Investoren, um gerettet zu werden,
sondern um einen starken Partner zu finden. - Du gibst Verantwortung nicht ab, nur weil jemand „Netzwerk“ auf seine Website schreibt.
Stell dir eine simple Frage:
„Handele ich gerade wie jemand, der Kapital sucht oder wie jemand, der ein Unternehmen führt?“
Das ist ein Unterschied. Der eine hofft, dass jemand „Ja“ sagt. Der andere prüft, ob das „Ja“ überhaupt zu seinem Weg passt.
Dein Startpunkt: heute, nicht „nach der nächsten Runde“
Wenn du bis hier gelesen hast, dann bist du kein Tourist.
Dann bist du involviert.
Mach aus diesen Gedanken hier etwas Konkretes. Heute:
- Nimm dir deinen aktuell wichtigsten Investor- oder Connector-Deal vor.
- Schreib dir ehrlich auf:
- Welche Leistung ist konkret definiert?
- Welche Meilensteine sind messbar vereinbart?
- Welches Exit-Szenario hast du, wenn es nicht funktioniert?
- Wenn du bei einer dieser Fragen keine klare Antwort hast:
Stopp. Nachverhandeln. Prüfen. Oder beenden.
Nicht aus Drama. Aus Verantwortung.
Ja, es gibt eine dunkle Seite der Investorensuche.
Aber du musst dich nicht darin verlieren.
Du kannst dein eigenes Licht bauen, mit Klarheit, Verantwortung und dem Mut, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen.
Deine Vision ist zu groß, um sie an Storys zu verschenken.
Behandle sie wie das, was sie ist:
ein echtes Asset – kein schönes Märchen.
Bildcredits/Fotograf: Fotostudio Wetzikon Yannik Scrugli
Wir bedanken uns bei Clemens Ressel für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder























