Freitag, August 7, 2026
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Herausforderungen meistern: Lektionen vom Mount Everest für moderne Unternehmen

Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

Was bedeutet es Ihnen persönlich, beim Jubiläumsevent von BG prevent über das Thema „Herausforderungen meistern“ zu sprechen?

Ich freue mich sehr über die Einladung. Herausforderungen gehören zum Leben – sowohl im Beruf als auch im privaten Umfeld. Herausforderungen, Berge und Gipfelziele sind Chancen zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Sie zu meistern ist eine Teamleistung und deswegen freue ich mich besonders beim Jubiläumsevent dabei zu sein, denn das Team von BG prevent unterstützt Unternehmen seit 50 Jahren dabei Herausforderungen zu meistern – für gesunde, starke und resiliente Mitarbeitende.

BG prevent beschäftigt sich mit Gesundheit, Prävention und resilienten Arbeitswelten. Welche Verbindung sehen Sie zwischen Ihren Erfahrungen als Extrembergsteigerin und den Herausforderungen moderner Unternehmen?

Auf den ersten Blick scheinen die Welten weit voneinander entfernt zu sein. Doch die grundlegenden Fragen sind ganz ähnlich: Wie gehe ich mit Unsicherheit um? Wie treffe ich Entscheidungen unter Druck? Wie bleibe ich leistungsfähig, ohne meine Gesundheit zu gefährden? Auf einer Expedition wird sehr schnell deutlich, dass Erfolg nicht allein von Leistung abhängt. Entscheidend ist vielmehr, wie gut man mit seinen Ressourcen umgeht – körperlich, mental und als Team. Das gilt ebenso für Unternehmen und ihre Mitarbeitenden, frühzeitig Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben können.

Sie waren die erste deutsche Frau auf dem Mount Everest. Was war auf diesem Weg die größte mentale Herausforderung für Sie?

Die größte Herausforderung war nicht der Gipfeltag selbst, sondern der lange Weg dorthin. In den zwei Monaten am Berg gab es auch Zweifel, Rückschläge und Situationen, in denen das Ziel unerreichbar schien. Mental stark zu bleiben bedeutet für mich nicht, keine Angst zu haben oder nie zu zweifeln. Es bedeutet, die schwierigen Zeiten als Herausforderung anzunehmen mit der Bereitschaft dazuzulernen und Schritt für Schritt über mich selbst hinaus zuwachsen – mit einem starken Team an meiner Seite.

In Extremsituationen entscheiden oft Teamgeist und Vertrauen über Erfolg oder Scheitern. Welche Parallelen sehen Sie dabei zur heutigen Arbeitswelt?

Vertrauen ist die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit im Team. Auf einer Expedition bin ich darauf angewiesen, dass andere ihren Teil zum großen Ganzen beitragen – genauso wie sie sich auf mich verlassen müssen. Das gilt sicher auch in Unternehmen. Gerade, wenn es darum geht große Herausforderungen zu meistern, kann niemand allein erfolgreich sein. Berge und Gipfelziele werden erreicht, wenn Menschen offen kommunizieren, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen.

Welche Eigenschaften braucht ein starkes Team, um auch unter Druck gemeinsam erfolgreich zu bleiben?

Ich finde ein starkes Team braucht vor allem Diversität, unterschiedliche Stärken, Talente und Erfahrungen, die zusammenwirken. Unser Expeditionsleiter hatte ein sehr klares Credo für das Gelingen unseres Aufstiegs: sorgfältige Vorbereitung, strategische Planung, inspirierende Führung, starkes Bekenntnis zu Teamarbeit und lots of bloody hard work on the mountain ☺

Wie wichtig sind Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen in Situationen, in denen Menschen an ihre Grenzen stoßen?

Sie sind entscheidend. Wenn die Belastung steigt, wird Kommunikation oft schwieriger und gleichzeitig wichtiger. Missverständnisse können gravierende Folgen haben. Vertrauen ermöglicht es, Probleme offen anzusprechen, Hilfe anzunehmen und gemeinsam Lösungen zu finden. Gerade in Grenzsituationen ist niemand stark, weil er alles allein schafft.

Was können Führungskräfte aus Expeditionen in extremen Höhenlagen über Verantwortung und Entscheidungsfindung lernen?

Eine der wichtigsten Lektionen lautet: Nicht jede Entscheidung wird unter idealen Bedingungen getroffen. Oft fehlen Informationen, die Zeit ist knapp und die Konsequenzen weitreichend. Gute Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Risiken realistisch einzuschätzen und auch unbequeme Entscheidungen zu treffen. Manchmal besteht die größte Führungsstärke darin, ein Ziel aufzugeben, das Ego gehen zu lassen, um das Team oder auch das Unternehmen zu schützen.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Klarheit über das gemeinsame Ziel, Konzentration auf die nächste machbare Etappe und die Bereitschaft, flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Am Berg und auch im „richtigen“ Leben hilft es nicht, sich von der Größe einer Herausforderung überwältigen zu lassen. Der Aufstieg besteht aus vielen kleinen Schritten. Ich glaube die Bereitschaft stetig dazuzulernen und sich zu verändern ist vielleicht das Wichtigste.

Wie geht man mit Rückschlägen oder Momenten um, in denen das Ziel plötzlich unerreichbar erscheint?

Rückschläge gehören zu jeder Herausforderung. Entscheidend ist, sie nicht als persönliches Scheitern zu betrachten. Oft geben sie wertvolle Hinweise darauf, was angepasst oder neu gedacht werden muss. Und dann braucht man Mut, einen neuen Plan zu schmieden und weiter aufzustiegen.

Welche Rolle spielt mentale Stärke bei der Bewältigung großer Herausforderungen?

Mentale Stärke ist die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Sie entsteht nicht durch Härte, sondern durch Selbstvertrauen, Erfahrung und die Bereitschaft, mit Unsicherheit umzugehen. Wer akzeptiert, dass nicht alles kontrollierbar ist, gewinnt mehr innere Stabilität.

Sie haben weltweit extreme Expeditionen erlebt. Gab es einen Moment, der Ihre Sicht auf Teamarbeit nachhaltig verändert hat?

Ja. Besonders beeindruckt hat mich immer wieder die Erfahrung, wie eng individuelles und gemeinsames Gelingen miteinander verbunden sind. In den Bergen wird sehr deutlich, dass persönlicher Erfolg oft nur möglich ist, weil viele Menschen ihren Beitrag leisten. Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Zusammenarbeit nachhaltig geprägt.

Wie wichtig ist es, im Team unterschiedliche Stärken und Persönlichkeiten gezielt einzubinden?

Das ist ein großer Erfolgsfaktor. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen und Sichtweisen mit. Wenn diese Vielfalt wertgeschätzt wird, entstehen bessere Entscheidungen und kreativere Lösungen.

Welche Fehler beobachten Sie häufig, wenn Teams unter hoher Belastung arbeiten?

Oft wird Kommunikation reduziert, weil alle glauben, dafür keine Zeit zu haben. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Missverständnissen, Warnsignale werden nicht mehr geteilt und vielleicht auch ignoriert, Probleme zu spät angesprochen. Unter Druck ist Transparenz und offene Kommunikation noch viel wichtiger.

In Ihren Vorträgen sprechen Sie über Mut, Ausdauer und Resilienz. Warum sind diese Eigenschaften heute wichtiger denn je?

Unsere Welt verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Niemand kann alle Entwicklungen vorhersehen oder kontrollieren. Deshalb brauchen wir die Fähigkeit, mit Unsicherheit und Veränderungen umzugehen, aus Rückschlägen zu lernen und auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn der Weg nicht klar erkennbar ist. Genau dabei helfen Mut, Ausdauer und Resilienz.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz entsteht nicht allein durch individuelles Training. Sie wird auch durch die Kultur eines Teams bzw. einer Organisation geprägt. Unternehmen können viel bewirken, indem sie Vertrauen fördern, gesunde Rahmenbedingungen schaffen, Eigenverantwortung stärken und eine offene Fehlerkultur ermöglichen.

Welche Bedeutung haben Vertrauen und psychologische Sicherheit für leistungsfähige Teams?

Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Potenzial entfalten können. Wer keine Angst haben muss, Fragen zu stellen, Fehler anzusprechen oder eine andere Meinung zu vertreten, trägt aktiver zum gemeinsamen Erfolg bei. Psychologische Sicherheit fördert Lernen, Innovation und Zusammenarbeit.

Wie verändert sich Zusammenarbeit, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel wirklich verinnerlichen?

Es entsteht gemeinsame Energie und Orientierung. Unterschiedliche Interessen treten stärker in den Hintergrund, Entscheidungen können leichter getroffen werden. Ein gemeinsamer Berg, ein gemeinsames Ziel schafft Sinn und verbindet die Menschen über ihre individuellen Rollen im Team hinaus.

Gab es auf Ihren Expeditionen Situationen, in denen Sie Entscheidungen treffen mussten, die alles verändert haben?

Die Entscheidung umzudrehen, den Gipfel aufzugeben ist wahrscheinlich die schwierigste am Berg, weil es eine Entscheidung ist, die alles verändert. Wir wissen, dass dieser Zeitpunkt jederzeit kommen kann, bei jeder Expedition, denn wir sind den äußeren Einflüssen und Gefahren am Berg stärker ausgeliefert als in einem kontrollierten Umfeld. Aber Erfolg am Berg besteht nicht darin, einen Gipfel zu erreichen, sondern so hoch wie möglich aufzusteigen und alle gesund nach Hause zu bringen. Ich glaube je besser man das vor einer Expedition verinnerlicht, desto leichter ist es am Berg mit der Veränderung umzugehen.

Was können Menschen aus dem Extremsport über den Umgang mit Angst und Unsicherheit lernen?

Angst ist kein Gegner, sondern ein wichtiges Barometer. Sie macht auf Risiken aufmerksam und hilft uns, achtsam zu bleiben. Es geht nicht darum, Angst zu vermeiden, sondern frühzeitig zu erkennen, wie sie entsteht und konstruktiv mit ihr umzugehen. Mut bedeutet nicht Angstlosigkeit, sondern Handeln trotz Unsicherheit. Je größer die Angst, desto größer muss die Achtsamkeit sein.

Welche Botschaft möchten Sie den Gästen des BG prevent Events mit Ihrem Vortrag besonders mitgeben?

Wir stehen alle vor großen Herausforderungen im Leben – Bergen, Gipfelzielen, die einem 8000 Meter hohen Berg ganz ähnlich sind und oft auf den ersten Blick auch unerreichbar scheinen. Dass das BG prevent Team immer den Mut findet aus der Landkarte noch weiter hinauszuwandern, aber vor allem, dass sie immer Menschen um sich haben, die in den schwierigen Zeiten an ihrer Seite kämpfen und mit denen sie noch viele Gipfelerfolge feiern können, das wünsche ich dem ganzen Team.

Viele Unternehmen erleben aktuell Zeiten großer Unsicherheit und Veränderung. Welche Strategien helfen aus Ihrer Sicht dabei, Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen?

Am Berg habe ich gelernt, dass Unsicherheit kein Ausnahmezustand ist, sondern die Normalität. Wer darauf wartet, dass alle Bedingungen perfekt sind, wird nie aufbrechen. Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht: Erstens braucht es ein klares Zielbild. Menschen können mit Unsicherheit umgehen, wenn sie wissen, wohin die Reise geht. Zweitens braucht es die Bereitschaft, Entscheidungen auch mit unvollständigen Informationen zu treffen. Drittens braucht es eine Kultur, in der Lernen wichtiger ist als Schuldzuweisungen. Auf Expeditionen ändern sich die Bedingungen ständig. Erfolgreich ist nicht das Team mit dem perfekten Plan, sondern das Team, das sich am schnellsten an neue Realitäten anpassen kann.

Was können Unternehmen tun, um Mitarbeitende langfristig resilienter und widerstandsfähiger zu machen?

Resilienz lässt sich nicht verordnen. Sie entsteht dort, wo Menschen Vertrauen erleben, Handlungsspielräume haben und sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen. Der wichtigste Ort auf großen Expeditionen ist immer das Basecamp – unser Kraftplatz – an dem wir uns von Rückschlägen erholen und neue Pläne schmieden können, ein Ort auch, wo wir uns sicher fühlen und Schwierigkeiten offen ansprechen können. Unternehmen können viel dazu beitragen, Mitarbeitende widerstandsfähiger zu machen, indem sie eine Kultur schaffen, in der Gesundheit, Lernen und gegenseitige Unterstützung möglich sind. Dazu gehören offene Kommunikation, Wertschätzung und die Möglichkeit, auch in anspruchsvollen Phasen ausreichend zu regenerieren. Menschen sind erstaunlich belastbar. Aber ihre Widerstandskraft wächst besonders dort, wo sie sich sicher fühlen, Verantwortung übernehmen können und wissen, dass sie Herausforderungen nicht allein bewältigen müssen.

Bildcredits Niko Schmid-Burgk

Wir bedanken uns bei Helga Hengge für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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