Donnerstag, August 6, 2026
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Yazen: Wie eine schwedische Digital-Health-Plattform die Adipositas-Behandlung revolutioniert

Der schwedische Digital-Health-Pionier Yazen setzt neue Maßstäbe bei der langfristigen Behandlung von Adipositas, indem das Unternehmen evidenzbasierte Medizin mit digitaler Betreuung und interdisziplinären Verhaltensansätzen vereint

Können Sie Yazen kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?

Yazen ist ein digitaler Gesundheitsdienstleister aus Schweden, der sich auf die Behandlung von Übergewicht und Adipositas spezialisiert hat. Das Unternehmen wurde 2021 gegründet, um eine Versorgungslücke zu schließen: Obwohl Adipositas seit Jahren als chronische Erkrankung anerkannt ist, fehlt es vielen Betroffenen bis heute an leicht zugänglichen, langfristig wirksamen und medizinisch begleiteten Behandlungsangeboten. Die Gründer haben erkannt, dass klassische Diäten und kurzfristige Programme den komplexen Ursachen von Adipositas nicht gerecht werden. Deshalb entstand die Idee, moderne medizinische Therapien mit Verhaltensmedizin, digitaler Betreuung und interdisziplinärer Unterstützung in einem integrierten Behandlungskonzept zu verbinden.

Welche Vision verfolgen Sie mit Yazen, und wie möchten Sie die Behandlung von Übergewicht und Adipositas langfristig verändern?

Unsere Vision ist es, Europas führende Plattform für die Behandlung von Adipositas zu werden und für Menschen ein langfristiger Partner für nachhaltiges Gewichtsmanagement und Stoffwechselgesundheit zu sein. Darüber hinaus möchten wir dazu beitragen, das gesellschaftliche Verständnis von Adipositas grundlegend zu verändern: weg von Schuldzuweisungen und Stigmatisierung, hin zur Anerkennung als chronische Erkrankung, die eine langfristige medizinische Behandlung verdient.

An welche Zielgruppen richtet sich Yazen hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrem Behandlungskonzept erfüllen?

Yazen richtet sich an Menschen mit Übergewicht oder Adipositas, die eine nachhaltige, medizinisch betreute Behandlung suchen. Viele haben jahrelang gekämpft, bevor sie Hilfe in Anspruch genommen haben: 62 % haben lange Zeit versucht, ihr Gewicht selbst in den Griff zu bekommen, und 64 % hatten bereits drei oder mehr Diäten ausprobiert. Unsere Patienten kommen aus allen sozioökonomischen Schichten (35 % mit niedrigem Einkommen, 38 % mit mittlerem Einkommen), und bemerkenswerterweise sind 21,8 % Angehörige der Gesundheitswesens – darunter viele Krankenpflegerinnen und Pfleger –, was das Vertrauen unterstreicht, das Fachleute aus dem medizinischen Bereich in unseren Ansatz setzen. Unser Ziel ist es, ihren Bedürfnissen mit einer personalisierten Behandlung, kontinuierlicher Unterstützung und einem Programm gerecht zu werden, das sich in den Alltag integrieren lässt und gleichzeitig dauerhafte Ergebnisse liefert.

Yazen kombiniert digitale Betreuung mit einer medizinischen Therapie. Warum war Ihnen dieser ganzheitliche Ansatz von Anfang an wichtig?

Adipositas ist eine komplexe Erkrankung, die durch genetische, hormonelle, psychologische, soziale und lebensstilbedingte Faktoren beeinflusst wird. Deshalb reicht es nicht aus, ausschließlich Medikamente zu verschreiben oder lediglich Ernährungstipps zu geben. Unser Ansatz verbindet moderne Abnehmmedizin mit konsistenter ärztlicher Betreuung, Ernährungsberatung, psychologischer Unterstützung und Verhaltenstherapie. Wir betrachten nicht nur das Gewicht, sondern die gesamte Gesundheit und Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten.

Was macht Yazen aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Angeboten im Bereich der Gewichtsreduktion?

Der entscheidende Unterschied liegt in unserem langfristigen, medizinisch fundierten Ansatz. Unser Ziel ist nicht der schnelle Gewichtsverlust – obwohl viele Patienten bereits in den ersten Wochen spürbare Ergebnisse erzielen –, sondern die nachhaltige Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts und gesünderer Lebensgewohnheiten. Wir verbinden evidenzbasierte Medizin mit digitaler Unterstützung und einem interdisziplinären Betreuungsteam und stellen gleichzeitig sicher, dass jeder Patient während seines gesamten Behandlungsverlaufs eine enge, hochgradig personalisierte Betreuung erhält. Dieser Ansatz sorgt für eine hohe langfristige Therapietreue: 69,1 % der Yazen-Patienten bleiben nach 12 Monaten in der Behandlung und 56,9 % nach 24 Monaten, verglichen mit Verbleibquoten von nur 27–32 % nach 12 Monaten bei Standardversorgungsmodellen.

Unsere Patienten erzielen zudem einen klinisch bedeutsamen Gewichtsverlust bei vergleichsweise niedrigen Medikamentendosen. Nach 12 Monaten verlieren die Patienten mit Tirzepatid durchschnittlich 19,2 % ihres Körpergewichts und mit Semaglutid 16,0 %, wobei sie weniger als 50 % der in klinischen Studien verabreichten Höchstdosen einnehmen. Dies zeigt, dass die Kombination aus personalisierter medizinischer Versorgung, Unterstützung bei der Lebensumstellung und digitaler Nachsorge den Patienten helfen kann, mit effizientem Medikamenteneinsatz substanzielle und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

Sie arbeiten mit einem interdisziplinären Team aus Ärzten, Ernährungsberatern, Psychologen, Gesundheitscoaches und Physiotherapeuten. Welche Vorteile bietet diese enge Zusammenarbeit für die Patientinnen und Patienten?

Adipositas betrifft weit mehr als nur das Körpergewicht. Deshalb profitieren Patientinnen und Patienten davon, dass unterschiedliche Fachrichtungen eng zusammenarbeiten und gemeinsam individuelle Lösungen entwickeln. Während Ärztinnen und Ärzte die medizinische Therapie steuern, unterstützen Ernährungsberater bei alltagstauglichen Ernährungsstrategien, Psychologen bei emotionalen und verhaltensbezogenen Herausforderungen und Coaches bei Motivation und Bewegung. Dadurch entsteht eine Behandlung, die die gesamte Lebenssituation des Individuums berücksichtigt.

Viele Menschen kämpfen langfristig mit ihrem Gewicht. Wie unterstützt Yazen dabei, nachhaltige Veränderungen statt kurzfristiger Erfolge zu erreichen?

Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht durch kurzfristige Verbote oder radikale Diäten, sondern durch kontinuierliche Begleitung und realistische Ziele. Unsere Patientinnen und Patienten erhalten langfristige Unterstützung über die App, regelmäßige ärztliche Anpassungen der Therapie und individuelle Begleitung im Alltag. Wir messen Erfolg nicht nur in Kilogramm, sondern auch an verbesserten Blutwerten, höherer Mobilität, mehr Lebensqualität und einem geringeren Krankheitsrisiko.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der digitalen Betreuung von Menschen mit Übergewicht oder Adipositas?

Eine der größten Herausforderungen ist das anhaltende Stigma im Zusammenhang mit Adipositas. Viele Betroffene suchen überhaupt keine medizinische Hilfe auf, sei es aus Scham oder aufgrund negativer Erfahrungen in der Vergangenheit. Leider hält dieses Stigma oft auch nach Beginn der Behandlung an. In unserer im Januar 2026 durchgeführten europäischen Umfrage unter 1.351 Patienten gaben 46 % an, dass sie trotz ihrer Behandlung kein nachlassendes Stigma verspüren. Zudem erzählen 27 % anderen niemals, dass sie GLP-1/GIP-Medikamente einnehmen, während 39 % befürchten, beschuldigt zu werden, eine „Abkürzung“ zu nehmen, und 45 % sich Sorgen über Kritik machen, die durch negative Medienberichterstattung geschürt wird.

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass Adipositas nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale Erkrankung ist. Eine weitere Herausforderung besteht darin, trotz des digitalen Charakters der Versorgung eine enge persönliche Beziehung und Vertrauen zu den Patienten aufzubauen. Deshalb legen wir Wert auf regelmäßige Kommunikation, eine stark individualisierte Betreuung und darauf, die Kommunikation zwischen den Patienten und unseren klinischen Teams so zugänglich und persönlich wie möglich zu gestalten.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, Adipositas als chronische Erkrankung zu betrachten und entsprechend langfristig zu behandeln?

Das ist aus unserer Sicht entscheidend. Adipositas ist keine Frage mangelnder Disziplin oder Willenskraft, sondern eine komplexe chronische Erkrankung. Das ist übrigens keine Frage der Betrachtung, sondern Fakt. Bereits im Jahr 2000 wurde Adipositas von der Weltgesundheitsorganisation als chronische Krankheit eingestuft. In Deutschland gilt sie seit 2020 offiziell als solche. Wie bei Diabetes oder Bluthochdruck benötigen viele Betroffene eine langfristige Therapie und kontinuierliche medizinische Begleitung. Erst wenn Politik, Gesellschaft und Gesundheitswesen diese Realität anerkennen, können wir die Versorgung nachhaltig verbessern.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Wachstumsziele stehen bei Yazen aktuell im Fokus?

Yazen ist mittlerweile in acht europäischen Märkten aktiv und wächst kontinuierlich weiter. Aktuell liegt unser Fokus darauf, den Zugang zur Adipositastherapie weiter zu verbessern und unser Versorgungskonzept in weiteren Regionen verfügbar zu machen. Gleichzeitig investieren wir in die Weiterentwicklung unserer digitalen Plattform, in personalisierte Behandlungspfade und in die wissenschaftliche Evaluation unserer Therapieergebnisse.

Wie sehen Sie die Zukunft der digitalen Gesundheitsversorgung, und welche Rolle soll Yazen dabei künftig einnehmen?

Digitale Gesundheitsversorgung wird in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen, insbesondere bei chronischen Erkrankungen, die eine langfristige Betreuung erfordern. Wir sind überzeugt, dass die Zukunft in hybriden Modellen liegt, die digitale Technologien mit medizinischer Expertise verbinden. Yazen möchte dabei eine führende Rolle einnehmen und zeigen, wie moderne, patientenzentrierte Adipositastherapie in Europa aussehen kann.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen im Bereich Digital Health aufbauen möchten?

Erstens: Lösen Sie ein echtes Versorgungsproblem und stellen Sie die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten konsequent in den Mittelpunkt.

Zweitens: Arbeiten Sie von Anfang an interdisziplinär. Medizin, Technologie und Verhaltenswissenschaften müssen im Digital-Health-Bereich eng zusammenwirken.

Drittens: Denken Sie langfristig. Vertrauen im Gesundheitswesen entsteht nicht durch schnelles Wachstum, sondern durch klinische Qualität, messbare Ergebnisse und nachhaltige Versorgungskonzepte.

Bildcredits Yazen

Wir bedanken uns bei David Buchebner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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