spiceboys entwickelt Zimt-Einlegesohlen gegen Fußgeruch und verbindet dabei die natürliche Wirkung von Zimt mit einem urbanen Design für Sneaker-Fans.
Können Sie spiceboys kurz vorstellen und erzählen, wie aus einem persönlichen Problem die Idee zur Gründung entstanden ist?
spiceboys sind Zimt-Einlegesohlen im urbanen Streetwear-Look gegen müffelnde Sneaker, entwickelt von uns, den Brüdern Jan und Udo Schulte. Angefangen hat alles ganz unspektakulär und wie so oft in einer Küche: Wir haben uns mal wieder darüber ausgetauscht, wie uns das Thema Schweißfüße in der Jugend und zum Teil auch noch heute begleitet, und was wir für verrückte Dinge dagegen ausprobiert hatten. Jan hat erzählt, dass er es zuletzt mit Zimtsohlen versucht hat, und dass es tatsächlich funktioniert hat. Als er sie mir zeigte, war der erste Gedanke: Das Prinzip ist super, aber die sehen wirklich fürchterlich aus. Das muss doch besser gehen. Aus genau diesem Moment ist die Idee zu spiceboys entstanden.
Wer steht hinter spiceboys, und wie haben Sie als Brüder gemeinsam den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt gestaltet?
Hinter spiceboys stehen wir, die Brüder Jan und Udo Schulte, betrieben über unsere SchuSchu UG mit Sitz in Jesteburg bei Hamburg. Wir haben beide feste Jobs, Udo in der Medienbranche, Jan im sozialen Bereich, und spiceboys ist daneben entstanden, am Wochenende und in unserer Freizeit. Das Unternehmen haben wir schon im April 2024 gegründet, danach aber erst mal in Ruhe die Idee ausgearbeitet: welchen Produzenten wir wollen, wie das Material sein soll, wie wir als Marke überhaupt kommunizieren wollen. Anfang 2026 sind wir dann in eine intensivere Phase gegangen und haben in konzentrierten Wochenendsessions alles fertig gemacht. Finanziert haben wir das komplett selbst, aus eigenen Mitteln, im niedrigen fünfstelligen Bereich, ohne Investor, ohne Kredit.
Welche Vision verfolgen Sie mit spiceboys, und warum möchten Sie das Thema Fußgeruch aus der Tabuzone holen?
Unsere Vision ist, ein Alltagsproblem ohne Scham ansprechen zu können, locker, ehrlich und ohne erhobenen Zeigefinger. Besonders hart trifft das Thema oft in der Pubertät, gerade Jungs, in einer Phase, in der man sich ohnehin schon nicht in der eigenen Haut wohlfühlt und Orientierung sucht. Wir wollen genau dieser Zielgruppe zeigen, dass sie Teil einer viel größeren Schicksalsgemeinschaft ist, als man denkt, und dass man sich dafür nicht schämen muss. Das Thema bleibt dabei nicht auf die Jugend beschränkt: Auch im Erwachsenenalter kämpfen viele Menschen damit, und für die ist spiceboys genauso gemacht.
An welche Zielgruppen richten sich die Zimt-Einlegesohlen von spiceboys, und welche Probleme möchten Sie im Alltag Ihrer Kunden lösen?
Unsere Zielgruppe sind vor allem Sneaker-affine Menschen, die ihre Schuhe lieben, aber mit dem Thema Schweißfüße kämpfen, ganz besonders junge Leute in der Pubertät und Erwachsene, die das Problem bis heute begleitet. Das Problem, das wir lösen wollen, ist nicht nur der Geruch selbst, sondern das Gefühl, sich dafür schämen zu müssen und keine Lösung zu haben, die man auch gerne benutzt, weil sie gut aussieht.
Sie haben zahlreiche Hausmittel ausprobiert, bevor Sie Ihr eigenes Produkt entwickelt haben. Was hat Ihnen auf diesem Weg die wichtigsten Erkenntnisse geliefert?
Wir haben so ziemlich jeden Hack durchprobiert: Backpulver in den Socken und sonstige Natron-Tricks aus dem Netz oder auch ein Fußbad mit Essig. Hat alles irgendwie ein bisschen funktioniert, aber nie wirklich und nie langfristig. Die wichtigste Erkenntnis kam dann über die Zimtsohlen-Idee: Das Prinzip mit dem Zimt funktioniert, aber alles, was es auf dem Markt gab, sah aus wie aus dem Reformhaus. Genau da haben wir gemerkt, dass die Lösung nicht nur funktionieren, sondern auch gut aussehen muss, damit man sie wirklich gern benutzt.
Was macht spiceboys aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu klassischen Einlegesohlen oder anderen Lösungen gegen Fußgeruch?
Bei der Suche nach dem richtigen Produzenten haben wir uns sehr viele Muster schicken lassen, wahrscheinlich um die zwanzig Sohlen von verschiedenen Herstellern. Dabei haben wir echte Überraschungen erlebt: Manche Produkte, die sich Zimtsohle nannten, hatten gar keinen echten Zimt drin, sondern nur einen aufgesprühten Duft. Unsere Sohlen sind mit reinem Saigon-Zimt gefüllt, einer der wirkstoffreichsten und effektivsten Zimtsorten, wenn es um die natürliche Wirkung gegen Bakterien geht. Dazu kommt ein einfarbiges, atmungsaktives Mesh im urbanen Look statt Reformhaus-Optik. Diese Kombination aus echtem Wirkstoff und Design, das man gerne trägt, unterscheidet uns von den meisten anderen Anbietern.
Die Inspiration stammt aus einer Tradition in Vietnam. Wie haben Sie dieses Wissen in ein modernes Produkt mit Streetwear-Charakter übertragen?
Die Idee stammt aus Vietnam, wo Zimt traditionell gegen Fußgeruch genutzt wird, dort unter anderem auch in Form von Zimtsandalen. Wir haben dieses Prinzip genommen und eine Einlegesohle kreiert, die in jeden Sneaker passt, mit einem einfarbigen, atmungsaktiven Mesh im urbanen Look statt der klassischen, eher unauffälligen braun/beigen Optik. So wird aus einer jahrhundertealten Idee ein Produkt, das sich in die heutige Sneaker- und Streetwear-Kultur einschmiegt.
Warum war es Ihnen wichtig, Funktionalität und Design gleichermaßen in den Mittelpunkt zu stellen?
Für uns war klar: Eine Sohle sieht zwar keiner direkt, aber wer jung ist oder Wert auf seinen Style legt, will trotzdem ansprechendes Design. Funktionalität allein reicht nicht, wenn das Produkt niemand benutzen will, weil es unattraktiv aussieht. Deswegen haben wir von Anfang an beides gleich stark priorisiert: die Wirkung über echten, hochwertigen Zimt, und die Optik über ein Design, das zu Sneakern passt statt dagegen zu arbeiten.
Welche Herausforderungen mussten Sie bei der Entwicklung der Materialien und der passenden Produktion meistern?
Die größte Herausforderung lag in der Materialsuche: Bei den Mesh-Stoffen für die Oberfläche gab es riesige Qualitätsunterschiede, viele Anbieter sind rausgeflogen, weil die Qualität einfach nicht gestimmt hat. Uns war wichtig, dass die Oberfläche weich und angenehm ist und gut atmet. Dazu kamen die klassischen Herausforderungen unerfahrener Gründer: Zoll, Einfuhrbestimmungen, Haltbarkeitsfragen. Da haben wir uns Schritt für Schritt reingearbeitet, auch mit Unterstützung von KI-Tools, die uns geholfen haben, mit unserem vietnamesischen Hersteller klar zu kommunizieren.
Seit dem Sommer sind die spiceboys Zimt-Einlegesohlen erhältlich. Welche Rückmeldungen Ihrer Kunden haben Sie bisher besonders überrascht?
Ehrlich gesagt sind wir noch ganz am Anfang, aber überrascht hat uns schon jetzt, wie offen Leute reagieren, wenn man das Thema einfach ohne Umschweife anspricht. Viele sagen uns direkt: Kenn ich, gut dass es das jetzt so gibt.
Welche neuen Produkte oder Entwicklungen stehen bei spiceboys als Nächstes auf Ihrer Roadmap?
Ein Abo-Modell haben wir uns bereits angeschaut, das bietet sich bei einer Haltbarkeit von rund vier Monaten geradezu an, kommt aber bewusst nicht sofort, weil wir erst Feedback aus unserer Community einholen wollten. Für das kommende Jahr sind außerdem weitere Kampagnen und Content geplant, mit denen wir unser Kernthema weiter nach vorn treiben. Den stationären Handel haben wir auf dem Schirm, dort ist aber aktuell noch wenig Energie reingeflossen, das steht für Mitte bis Ende nächsten Jahres auf der Agenda. Ein paar weitere Ideen haben wir schon, die wollen wir aber noch nicht spoilern.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einem alltäglichen Problem eine eigenständige Marke aufbauen möchten?
Erstens: Lasst euch Zeit. Wir haben uns bewusst nicht unter Druck gesetzt, ohne Investoren im Nacken konnten wir Prototypen verwerfen und noch mal von vorn anfangen, das hätten wir mit Zeitdruck nicht so sauber hinbekommen.
Zweitens: Schaut genau hin, bevor ihr euch für einen Partner entscheidet. Wir haben um die zwanzig Muster verglichen und dabei auch Anbieter erlebt, die mit falschen Versprechen gearbeitet haben. Wer beim ersten Angebot stoppt, zahlt später drauf.
Drittens: Bleibt ehrlich, auch wenn es unbequem ist. Wir sagen lieber weniger, aber das, was wir sagen, können wir auch belegen. Das gilt für Wirkversprechen genauso wie für alles andere, was ihr über euer Produkt behauptet.
Bildcredits © spiceboys
Wir bedanken uns bei Jan und Udo Schulte für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















