Mittwoch, April 15, 2026
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Schuhe, die einfach mitwachsen statt ersetzt zu werden?

Sizeless bringt mitwachsende Schuhe und Kinderschuhe auf den Markt, die sich flexibel anpassen lassen. Damit wird der Alltag für Familien einfacher und nachhaltiger gestaltet.

Wie ist Sizeless entstanden und wer steht hinter der Idee, mitwachsende Kinderschuhe zu entwickeln?

Sizeless ist 2022 aus einer Innovation Challenge der Sportmarke On entstanden. Alex und ich haben damals in Köln studiert und nach neuen Ansätzen im Kids-Bereich gesucht. An Familienplanung war im vierten Semester nicht zu denken, also hieß es: Raus auf die Straße, reden mit Familien. Heute sind wir zu dritt. Louis, ein Designer, den ich während meiner Zeit bei Adidas in Herzogenaurach kennengelernt habe, ist 2025 aus Schottland nach Köln gezogen und vervollständigt unser Team. Alex verantwortet Kommunikation und Business Development, Louis die Produktentwicklung und das Design, ich die Strategie und den operativen Aufbau.

Was war der Auslöser für die Gründung von Sizeless. Welches Problem beim Kinderschuhkauf wollten Sie damit lösen?

Das überwältigend eindeutige Feedback der Eltern. Auf den Kölner Weihnachtsmärkten haben wir damals so viele Familien wie möglich gefragt, was beim Shoppen für Kinder am meisten nervt. Die Antwort kam unerwartet einstimmig: Die Kids wachsen so schnell, insbesondere Schuhe müssen alle paar Monate neu gekauft werden. Das ist nicht nur zeit- und kostspielig, sondern auch online kaum lösbar, weil sich Kinderfüße ständig verändern und viele Modelle ohne Anprobe nicht passen. Daraus nahmen wir die Vision eines größenverstellbaren Kinderschuhs mit, der Eltern, Kinder und den Planeten entlastet.

Wie funktioniert das Konzept der größenverstellbaren Schuhe von Sizeless genau?

Wir kombinieren flexible und gleichzeitig robuste Materialien mit einem von uns entwickelten Verstellmechanismus. Der ist eine technische Neuheit und ermöglicht es Eltern, die Schuhgröße von außen präzise feinjustieren. Die Mechanik ist so in die Sohlenstruktur integriert, dass Kinderfüße niemals in direkten Kontakt damit kommen. Der Fuß bleibt geschützt und kann sich gesund entwickeln. Unsere Technologie ist bereits durch Patentanmeldungen und Gebrauchsmuster geschützt.

An welche Zielgruppe richtet sich Sizeless besonders. Welche Bedürfnisse von Familien möchten Sie damit erfüllen?

Wir richten uns an Familien mit Kindern zwischen 2 und 8 Jahren. Eltern, die es leid sind, alle paar Monate neue Schuhe kaufen zu müssen, und Wert auf Passform, Fußgesundheit und Qualität legen. Unser Schuh soll den Alltag vereinfachen und gleichzeitig nachhaltiger sein als der ständige Neukauf.

Viele Eltern müssen regelmäßig neue Schuhe kaufen, weil Kinderfüße schnell wachsen. Wie verändert Sizeless diesen Alltag?

Der Gang in den Schuhladen wird deutlich seltener nötig. Statt bei jedem Wachstumsschub neue Schuhe zu suchen, passen Eltern die Größe des Schuhs einfach an. Das spart Zeit, Geld und Nerven. Und weil weniger Schuhe im Müll landen, profitiert am Ende auch die Umwelt.

Was unterscheidet Sizeless von klassischen Kinderschuhmarken. Wo liegt Ihr besonderer Ansatz?

Klassische Marken produzieren feste, starre Größen, obwohl Kinderfüße sich kontinuierlich verändern und entwickeln. Wir denken den Kinderschuh grundlegend neu. Mit Sizeless passen sich endlich die Schuhe den Füßen an, und nicht andersherum. Unser Verstellmechanismus macht es möglich. Wir ermöglichen ein präzises, manuelles Einstellen der Schuhgröße und decken in einem Sizeless-Modell zwei Schuhgrößen ab.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung und Produktion eines Schuhs, der mehrere Größen abdecken kann?

Ein hoher Innovationsgrad trifft auf eine eher konservativ geprägte Branche. Beim ersten Besuch in Portugal wurde schnell klar: Für die meisten Hersteller müssen vor allem die Abnahmezahlen stimmen. Innovation und Startup-Spirit sind nett, zahlen aber nicht die Fachkräfte in den Fabriken. Die Idee klingt in der Theorie schön, in der Realität ist es ein Balanceakt zwischen technischer Umsetzbarkeit, Skalierbarkeit und Produktionskosten. Wir sind heute mit einem Fertigungsnetzwerk in Portugal gesegnet, das uns von der Gründerin von Wildling Shoes an die Hand gegeben wurde, und von der Vision genauso überzeugt ist wie wir. Ein riesiger Sprung nach vorne.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Eltern und Kindern, die Sizeless bereits nutzen?

Unsere Testfamilien bestätigen genau das, worauf wir hingearbeitet haben. Die Funktionalität überzeugt, Kinder lieben die Leichtigkeit beim Tragen. Wir hören oft Vergleiche wie „wie barfuß laufen“. Eine meiner Lieblingsanekdoten: Ein Kind sagte, der Schuh sei cool, weil er so klebt. Wir waren kurz panisch, ob das ein Produktionsfehler ist. Stellte sich heraus, er meinte den Grip der Sohle. Über unsere laufende Kickstarter-Kampagne konnten wir das Finanzierungsziel von 8.000 Euro bereits verdoppeln und gehen auf 200 vorbestellte Paar Schuhe zu. Das zeigt uns, dass die Nachfrage real ist.

Welche Vision verfolgt Sizeless für die Zukunft im Bereich nachhaltiger Kinderschuhe?

In fünf Jahren sollen keine herkömmlichen Größen mehr auf Schuhkartons stehen. Das ist unser Nordstern. Nach dem Launch unseres Sneakers im Sommer werden wir uns der Entwicklung eines wasserabweisenden Herbst- und Wintermodells widmen. Perspektivisch denken wir auch über Hausschuh- und Sportschuhmodelle nach. Sobald unser Patent final genehmigt ist, planen wir Technologielizenzen an weitere Hersteller zu vergeben. Jeder Schuh kann ein Sizeless-Schuh sein.

Welche nächsten Schritte plant Sizeless in der Produktentwicklung oder beim Ausbau des Unternehmens?

Der erste Sizeless-Sneaker launcht im Sommer 2026. Parallel schließen wir uns mit strategisch relevanten Business-Angels zusammen, um die Produktion zu skalieren. Tickets ab 30.000 Euro führen dazu, den Schalter in den Fabriken umzulegen. Daneben bauen wir unsere Eltern-Community weiter aus. Jeder kann über die Website beitreten und wird in Produkttests und Entwicklungsentscheidungen einbezogen. Nach dem Sommer-Launch geht es direkt in die Entwicklung der größeren Kollektion für 2027

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründern geben, die eine innovative Produktidee in einem traditionellen Markt umsetzen möchten?

Erstens: Sucht euch eure Weihnachtsmärkte. Geht raus, redet mit eurer Zielgruppe und versteht, was wirklich gebraucht wird. Wenn ihr an den Leuten vorbeientwickelt, merkt ihr es sofort, das Feedback kommt im B2C-Bereich großflächig und unmittelbar.

Zweitens: Baut euch ein Ökosystem aus Mentorinnen, Unterstützern, anderen Startups und strategischen Partnern auf. Sie können nicht jedes Feuer für euch löschen, aber sie helfen beim Löschen und beraten dazu, was leicht entzündlich ist. Startup ist Learning on the Job, die fehlende Sicherheit am Anfang muss man mit eigener Überzeugung und weiteren Überzeugten ausgleichen.

Drittens: Lasst euch von konservativen Branchen nicht einschüchtern. Innovation braucht Hartnäckigkeit und die richtigen Partner. Wir hätten unseren Schuh nie industriell produzierbar gemacht, wenn nicht erfahrene Leute aus der Branche an uns geglaubt und ihre Netzwerke geöffnet hätten.

Bildcredits/Fotograf: Paint the Town Studios in Düsseldorf

Wir bedanken uns bei Leander Peters für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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