Eversports entwickelt digitale Lösungen für Sportanbieter und spricht im Interview über den Sportmarkt, die Digitalisierung der Branche und die Zukunft vernetzter Sportangebote in Europa
Wie entstand die Idee zu Eversports und welche Marktlücke haben Sie damals im europäischen Sportmarkt erkannt?
Als wir 2013 mit der Idee gestartet sind, „Booking.com für Sport“ zu launchen, wurde schnell klar, dass dafür die digitale Grundlage fehlte. Viele Sportanbieter, insbesondere Ballsportanlagen, verwalteten ihre Sportplätze noch mit Papier, Kreidetafeln oder Magnetboards. Bevor wir also einen Marktplatz aufbauen konnten, mussten wir zunächst eine Software entwickeln, die den Betrieb digitalisiert.
Dabei haben wir eine zweite wichtige Erkenntnis gewonnen: Betreiber suchen nicht einfach eine Software. Sie wünschen sich einen Partner, der Sie bei Ihren Herausforderungen unterstützt, Ihr Geschäft weiterentwickelt und Ihnen hilft, Ihre Community zu stärken. Genau diese Lücke zwischen effizientem Management und einer lebendigen Community wollten wir mit Eversports schließen.
Eversports vernetzt heute Tausende Sportstätten in Europa. Wann wurde Ihnen bewusst, welches Potenzial in der Digitalisierung dieses fragmentierten Marktes steckt?
Das Potenzial hat sich nicht in einem einzelnen Moment gezeigt, sondern mit jedem weiteren Markt, den wir erschlossen haben. Von Österreich, Schweiz und Deutschland über Frankreich, Spanien und Italien bis in viele weitere europäische Länder.
Uns wurde klar, dass jede neue Sportstätte und jede zusätzliche Sportart den Mehrwert für das gesamte Ökosystem erhöht. Digitalisierung bedeutet weit mehr als Online-Buchungen: Sie schafft die Infrastruktur, die Sportanbieter, Sportler:innen sowie Communities miteinander verbindet. Mit der Integration von MATCHi und Matchpoint ist daraus eine europaweit führende Plattform für Boutique-Fitness und Ballsport entstanden.
Welches konkrete Problem löst Eversports für Sportstätten und welche Vorteile ergeben sich daraus für Sportlerinnen und Sportler?
Für Sportanbieter reduzieren wir den administrativen Aufwand und schaffen Freiräume für das Wesentliche: ihre Leidenschaft und den Aufbau einer starken Community. Gleichzeitig unterstützen wir sie dabei, ihr Geschäft nachhaltig weiterzuentwickeln. Unsere Erfahrung zeigt: Betreiber suchen nicht nur eine Software, sondern einen Partner für die “ups and downs”.
Sportler:innen profitieren von einer einfachen Buchung, einer großen Auswahl an Angeboten und der Möglichkeit, neue Sportarten und Communities zu entdecken. Wenn Betreiber digital entlastet werden, können sie mehr Zeit und Energie in ein hochwertiges Sporterlebnis investieren und genau davon profitieren am Ende alle Beteiligten.
Der europäische Sportmarkt gilt als stark fragmentiert. Warum hat sich bislang keine einheitliche digitale Infrastruktur etabliert?
Dafür gibt es drei wesentliche Gründe. Erstens unterscheiden sich die europäischen Märkte stark, etwa hinsichtlich rechtlicher Rahmenbedingungen, Sprache und Sportkultur. Zweitens variieren die Anforderungen der Sportanbieter je nach Sportart erheblich: Die Prozesse eines Boutique-Studios unterscheiden sich grundlegend von denen einer Ballsportanlage. Drittens expandieren viele Sportanbieter heute über Landesgrenzen hinweg und benötigen Lösungen, die international funktionieren.
Eine gemeinsame digitale Infrastruktur muss daher sowohl eine große Bandbreite an Sportarten und Märkten abdecken als auch die spezifischen Anforderungen einzelner Segmente erfüllen. Genau deshalb verfolgen wir den Ansatz, spezialisierte Lösungen auf einer gemeinsamen Plattform zusammenzuführen, anstatt mehrere voneinander getrennte Systeme weiterzuentwickeln.
Padel wächst derzeit rasant. Was macht diesen Sport aus Ihrer Sicht zu einem der spannendsten Wachstumsmärkte Europas?
Padel zählt derzeit zu den am schnellsten wachsenden Sportarten Europas. Die Kombination aus niedriger Einstiegshürde, hohem Spaßfaktor und einem starken sozialen Charakter macht den Sport für eine breite Zielgruppe attraktiv. Besonders in Deutschland, Frankreich und Spanien entstehen derzeit in hoher Geschwindigkeit neue Anlagen und Courts.
Auch für Betreiber eröffnet Padel großes Potenzial: Neue Standorte erreichen häufig rasch eine hohe Auslastung und profitieren von einer aktiven Community sowie einem attraktiven Turnier- und Eventgeschäft.
Für die Eversports Gruppe ist Padel ein zentraler Baustein der Ballsportstrategie. Während MATCHi seine Stärken im Racquet-Bereich einbringt, ergänzt Eversports diese Expertise mit seiner starken europäischen Präsenz und Reichweite. Padel zeigt exemplarisch, wie schnell sich ein wachsender Sport digitalisiert und wie groß der Bedarf an modernen Software- und Buchungslösungen bereits in einer frühen Marktphase ist.
Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell im Sportverhalten der Menschen und welche Trends werden die Branche in den kommenden Jahren prägen?
Ich sehe vor allem drei Entwicklungen. Erstens gewinnen spezialisierte Angebote weiter an Bedeutung. Sportarten und Formate wie Reformer Pilates, Padel oder Boutique-Fitness wachsen derzeit deutlich stärker als klassische Fitnessangebote.
Zweitens wird der soziale Aspekt immer wichtiger: Menschen suchen nicht nur Bewegung, sondern auch Gemeinschaft, Motivation und ein Zugehörigkeitsgefühl.
Drittens schreitet die Digitalisierung des Marktes weiter voran. Plattformen beeinflussen zunehmend die Sichtbarkeit von Anbietern und das Buchungsverhalten der Sportler:innen. Wer Buchung, Kommunikation und Community intelligent miteinander verbindet, schafft die Grundlage für langfristigen Erfolg.
Durch Eversports verfügen Sie über Einblicke in zahlreiche Sportarten und Märkte. Welche Erkenntnisse überraschen Sie dabei besonders?
Eine der interessantesten Erkenntnisse ist, dass der Großteil unserer Kundinnen und Kunden nur einen Standort betreibt. Viele verfolgen nicht das Ziel, möglichst schnell zu expandieren, sondern möchten vor allem eine erfolgreiche Sportstätte bzw. Studio aufbauen und eine starke Community schaffen. Deshalb geht es für sie nicht nur um Funktionen einer Software, sondern um einen verlässlichen Partner, der sie im Alltag unterstützt. Diese Erkenntnis hat unsere Markenstrategie maßgeblich geprägt und unseren Anspruch gestärkt, Sportanbieter langfristig in allen Phasen ihrer Entwicklung zu begleiten.
Die Fusion von Eversports und MATCHi wurde kürzlich bekanntgegeben. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie mit diesem Schritt?
Mit der Fusion verfolgen wir das Ziel, die führende digitale Plattform für Sport- und Wellnessanbieter in Europa zu schaffen. Dafür bringen wir starke Teams, komplementäre Technologien und tiefes Know-how zusammen.
MATCHi verfügt über eine führende Position im Ballsport, insbesondere im Racket-Bereich, während Eversports eine breite Präsenz im Boutique-Studio-Bereich aufgebaut hat. Gemeinsam können wir Sportanbieter in deutlich mehr Märkten und Sportarten unterstützen und gleichzeitig Innovationen schneller vorantreiben. Die Fusion stärkt damit unsere Position in einem stark fragmentierten europäischen Markt und schafft die Grundlage für weiteres nachhaltiges Wachstum.
Was bedeutet die Zusammenführung beider Plattformen konkret für Sportstätten, Betreiber und Sportlerinnen und Sportler in Europa?
Für Betreiber bedeutet es: Langfristig eine Plattform, bessere Produkttiefe, weniger Doppelarbeit und eine stärkere Gruppe hinter dem Produkt. Kurzfristig: klare Migrationspfade, kein Big-Bang ohne Vorbereitung. Für Sportler gibt es keine sichtbaren Einschränkungen, besonders in den Nordics, wo MATCHi eine starke Consumer-Marke ist. Wir ändern die Consumer-Marke erst, wenn das Produkterlebnis den Namenswechsel verdient. Das schützt Vertrauen.
Welche Rolle spielen Daten und digitale Prozesse dabei, Sportangebote effizienter und wirtschaftlich erfolgreicher zu machen?
Daten sind für Betreiber kein Selbstzweck. Sie beantworten: Welcher Kurs läuft? Wo verliere ich Mitglieder? Wann lohnt sich ein neuer Court? Für uns intern digitalisieren wir Prozesse, damit wir schneller lernen und skalieren können, gerade in der Integrationsphase. Wer nur Daten sammelt, verliert. Wer daraus wöchentliche Entscheidungen fällt, Auslastung, Kommunikation, Pricing, der gewinnt.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für Betreiber von Sportanlagen in den kommenden Jahren?
Ich sehe die Herausforderung beim intensiveren Wettbewerb und Preisdumping, Sichtbarkeit gegenüber Aggregatoren, steigende Erwartungen an digitale Erlebnisse bei gleichzeitig knapper Marge, und regulatorische Themen wie Scheinselbstständigkeit. Dazu kommt Erschöpfung. Viele Betreiber sind Passion-Business-Owner, nicht klassische Unternehmer. Die größte Herausforderung ist nicht Technologie allein, sondern Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit gleichzeitig zu halten.
Wenn Sie auf die nächsten fünf Jahre blicken: Wie wird sich der europäische Sportmarkt verändern und welche Rolle möchte Eversports dabei spielen?
Der Markt konsolidiert sich und es entstehen wenige starke Plattformen pro Sportart und Region, und nicht ein einziger Global Player. Mit Eversports entwickeln wir den europäischen Marktführer für Boutique-, Ball und Schlägersportarten: ein offenes Ökosystem, das Anbieter und ihre Community stärkt, statt sie zu Dienstleistern zu machen. Unsere Rolle im Ökosystem: Infrastruktur + Community + Partnerschaft.
Welche drei Ratschläge würden Sie Gründerinnen und Gründern geben, die in einem traditionellen Markt eine digitale Plattform etablieren möchten?
Der Markt ist emotional – das muss man ernst nehmen: Im Sport- und Wellness-Bereich kauft niemand einfach nur Software. Die Leute kaufen ein Stück Identität, ein Lebensgefühl. Deshalb reicht Product-Market-Fit allein nicht, die Botschaft muss genauso gut passen wie das Produkt selbst.
Breite ohne Tiefe ist trügerisch: Europa ist eben kein einheitlicher Markt. Statt auf schnelles, virales Wachstum zu setzen, gewinnt am Ende, wer lokal wirklich versteht, was gebraucht wird – bei Sprache, Regularien und im direkten Vertrieb vor Ort.
Wenn das Produkt kopierbar wird, zählt die Marke: Features kann jeder irgendwann nachbauen. Vertrauen, Community und das Versprechen, das eine Marke gibt, aber nicht. Genau deshalb ist unser Markenversprechen kein Nice-to-have, sondern strategisch entscheidend.
Bildrechte: Eversports
Wir bedanken uns bei Hanno Lippitsch für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.























