Dienstag, Juli 7, 2026
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MALU: Wird anonymer Austausch zur neuen Form digitaler Unterstützung?

MALU ist eine anonyme Plattform für Austausch und Orientierung, die Menschen einen geschützten Raum bietet, um persönliche Gedanken zu teilen und Unterstützung zu finden

Können Sie MALU kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Plattform entstanden ist?

MALU ist ein Angebot von MALU Network und eine anonyme Online-Plattform für Austausch, Gedanken und Orientierung. Nutzerinnen und Nutzer können sich mit einem anonymen Benutzernamen registrieren, Beiträge schreiben, auf Inhalte reagieren, Kommentare verfassen und Feedback zur Plattform geben.

Die Idee zu MALU ist aus einer persönlichen Erfahrung entstanden. Ich habe selbst erlebt, wie schwer es sein kann, mit Gedanken, Ängsten oder innerer Belastung allein zu sein und keinen passenden Ort dafür zu haben.

Besonders 2019 und später während der Corona-Zeit 2020 wurde mir bewusst, wie viele Menschen mit sich selbst kämpfen, aber nicht wissen, wohin sie sich wenden oder wie sie offen darüber sprechen sollen.

Klassische soziale Netzwerke fühlen sich für solche Themen oft nicht passend an. Dort geht es häufig um Sichtbarkeit, Selbstdarstellung und schnelle Reaktionen.

MALU soll bewusst anders sein: ruhiger, geschützter und anonymer.

Sie haben MALU aus einer sehr persönlichen Erfahrung heraus entwickelt. Wann haben Sie gemerkt, dass aus dieser Erfahrung ein Startup entstehen könnte?

Am Anfang war MALU keine klassische Startup-Idee. Es war eher ein Gedanke aus einer Situation heraus, in der ich selbst gemerkt habe, dass mir so ein Ort gefehlt hätte.

Der Moment, in dem daraus mehr wurde, kam, als ich verstanden habe, dass dieses Problem nicht nur mich betrifft. Viele Menschen haben persönliche Belastungen, Ängste oder Gedanken, über die sie nicht offen sprechen möchten. Nicht, weil sie nichts zu sagen haben, sondern weil sie Angst vor Bewertung, Ablehnung oder Unverständnis haben.

Als ich gesehen habe, dass daraus ein größeres Bedürfnis entstehen kann, wurde aus dem Gedanken langsam ein Konzept. Ich wollte nicht nur über eine Lösung sprechen, sondern etwas bauen, das wirklich getestet und genutzt werden kann. Mit der Beta ist MALU jetzt der erste Schritt von der Idee zur echten Plattform geworden.

Welche Vision verfolgen Sie mit MALU, und wie möchten Sie Menschen langfristig unterstützen?

Meine Vision ist, dass MALU ein geschützter digitaler Ort wird, an dem Menschen mit ihren Gedanken nicht allein bleiben müssen.

Langfristig soll MALU Menschen niedrigschwellig abholen. Nicht erst dann, wenn alles komplett eskaliert, sondern früher: in dem Moment, in dem jemand merkt, dass er etwas loswerden möchte, sich austauschen will oder Orientierung sucht.

MALU soll keine Therapie ersetzen und auch kein Krisendienst sein. Die Plattform soll eher eine Brücke sein. Eine Brücke zwischen dem Gefühl, alleine mit etwas zu sein, und dem nächsten Schritt in Richtung Austausch, Unterstützung oder passender Hilfe.

Langfristig möchte ich Community, geschützten Austausch und Hilfsangebote miteinander verbinden.

An welche Zielgruppen richtet sich MALU hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit der Plattform erfüllen?

MALU richtet sich an Menschen, die Gedanken oder persönliche Themen teilen möchten, ohne direkt mit ihrem echten Namen aufzutreten.

Das können Menschen sein, die psychisch belastet sind, unter Ängsten leiden, sich einsam fühlen, viel mit sich selbst ausmachen oder einfach einen Ort suchen, an dem sie ehrlich schreiben können.

Gleichzeitig richtet sich MALU auch an Menschen, die anderen Mut machen, Erfahrungen teilen oder sich in einer respektvollen Community austauschen möchten.

Das wichtigste Bedürfnis ist aus meiner Sicht Sicherheit. Viele Menschen möchten nicht sofort sichtbar sein. Sie möchten schreiben können, ohne sich erklären zu müssen, bevor sie überhaupt angefangen haben.

Genau diesen Raum soll MALU schaffen.

Viele Menschen sprechen über persönliche Belastungen nur ungern in klassischen sozialen Netzwerken. Welche Lücke möchten Sie mit MALU schließen?

Klassische soziale Netzwerke sind oft laut, schnell und sehr öffentlich. Viele Menschen haben dort das Gefühl, funktionieren oder sich gut darstellen zu müssen.

Für persönliche Belastungen, Ängste oder schwierige Gedanken ist das häufig kein geschützter Rahmen.

MALU soll diese Lücke schließen.

Es geht nicht darum, perfekte Bilder zu posten oder Reichweite aufzubauen. Es geht darum, Gedanken aussprechen zu können, Erfahrungen zu teilen und vielleicht von anderen Menschen eine Reaktion zu bekommen, die Mut macht oder Orientierung gibt.

Ich möchte mit MALU einen Ort schaffen, an dem Menschen nicht das Gefühl haben, sich verstellen zu müssen.

Die anonyme Nutzung ist ein zentraler Bestandteil Ihres Konzepts. Warum ist Anonymität für einen offenen und ehrlichen Austausch so wichtig?

Anonymität senkt die Hemmschwelle.

Viele Menschen würden über bestimmte Themen nicht schreiben, wenn direkt ihr echter Name, ihr Umfeld oder ihre öffentliche Identität daran hängt. Gerade bei sensiblen Themen kann Anonymität helfen, ehrlicher zu sein.

Mir ist dabei wichtig: Anonymität bedeutet bei MALU nicht, dass alles erlaubt ist. Es gibt klare Regeln und keinen Platz für Beleidigungen, Missbrauch oder das Bloßstellen anderer Menschen.

Anonymität soll nicht schützen, um anderen zu schaden. Sie soll Menschen schützen, die sich öffnen möchten.

MALU versteht sich ausdrücklich nicht als Therapie oder Krisendienst. Welche Rolle soll die Plattform stattdessen für ihre Nutzerinnen und Nutzer übernehmen?

MALU soll eine ergänzende Rolle übernehmen.

Die Plattform ersetzt keine Therapie, keine medizinische Beratung und keinen Krisendienst. Das ist mir sehr wichtig, weil solche Grenzen klar kommuniziert werden müssen.

MALU soll ein Ort für Austausch, Orientierung und gegenseitige Unterstützung sein. Man kann sich das wie eine Brücke vorstellen: Manche Menschen sehen, dass sie Hilfe oder Austausch brauchen, wissen aber nicht, wie sie den nächsten Schritt gehen sollen.

MALU soll diesen Weg etwas leichter machen. Es geht darum, niedrigschwellig anzufangen: einen Gedanken schreiben, eine Erfahrung teilen, eine Reaktion bekommen oder später passende Hilfsangebote finden.

Sie planen, künftig ein Verzeichnis mit Hilfsangeboten zu integrieren. Wie soll diese Funktion Menschen dabei helfen, schneller passende Unterstützung zu finden?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig die Suche nach passenden Hilfsangeboten sein kann. Man findet viele Einträge, aber oft ist unklar, ob eine Praxis noch aktiv ist, ob Plätze frei sind oder ob ein Angebot überhaupt passt.

Das geplante Hilfsangebote-Verzeichnis soll hier mehr Orientierung geben. Nutzerinnen und Nutzer sollen später nach Ort, Umkreis und Art des Angebots suchen können.

Ziel ist, Beratungsstellen, therapeutische Angebote, Kliniken und andere Anlaufstellen leichter auffindbar zu machen.

Wichtig ist: Die Hilfsangebote sollen für Nutzerinnen und Nutzer zugänglich sein, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. MALU soll ihnen helfen, schneller einen Überblick zu bekommen und nicht allein durch unzählige Suchergebnisse gehen zu müssen.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen beim Aufbau einer Plattform, auf der sensible Themen diskutiert werden und gleichzeitig ein geschützter, respektvoller Umgang gewährleistet sein muss?

Die größte Herausforderung ist die Balance zwischen Offenheit und Schutz.

MALU soll ein Ort sein, an dem Menschen ehrlich schreiben können. Gleichzeitig braucht es klare Grenzen, Moderation und Regeln, damit daraus kein unsicherer Raum wird.

Gerade bei sensiblen Themen ist es wichtig, Missbrauch, Beleidigungen oder verletzende Inhalte ernst zu nehmen. Deshalb braucht MALU klare Nutzungsbedingungen, Meldefunktionen, Moderation und eine Haltung, die sagt: Austausch ja, aber nicht auf Kosten anderer.

Eine weitere Herausforderung ist Vertrauen. Nutzerinnen und Nutzer müssen verstehen, dass MALU anonym gedacht ist, aber trotzdem verantwortungsvoll geführt wird. Diese Mischung aus Anonymität, Sicherheit und Community ist anspruchsvoll, aber genau darin liegt auch der besondere Wert der Plattform.

MALU befindet sich derzeit in der Beta und wurde ohne großes Team oder Investoren entwickelt. Welche Erkenntnisse haben Sie aus den ersten Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer bereits gewonnen?

Die Beta ist noch sehr frisch, aber die ersten Rückmeldungen zeigen bereits, wie wichtig ein klarer und einfacher Zugang ist.

Viele Nutzerinnen und Nutzer müssen sofort verstehen, was MALU ist, wo sie schreiben können und wie sie Feedback geben können. Deshalb sind Übersichtlichkeit, mobile Nutzung und eine ruhige Gestaltung besonders wichtig.

Ich habe auch gemerkt, dass kleine Details eine große Wirkung haben. Zum Beispiel, ob Profile gut aussehen, ob News und Updates sichtbar sind oder ob Nutzerinnen und Nutzer direkt erkennen, dass es neue Inhalte gibt.

Die wichtigste Erkenntnis bisher ist: MALU darf nicht nur technisch funktionieren. Es muss sich auch sicher, verständlich und menschlich anfühlen.

Welche nächsten Entwicklungsschritte und Funktionen stehen für MALU aktuell im Fokus?

Aktuell liegt der Fokus darauf, die Beta stabiler, übersichtlicher und nutzerfreundlicher zu machen.

Zu den nächsten Schritten gehören vor allem: die mobile Darstellung weiter verbessern, Benutzerprofile ausbauen, News und Updates interaktiver machen, Feedback auswerten und die Plattform technisch weiter stabilisieren.

Ein großes Ziel der Beta ist es, die ersten 50 bis 100 registrierten Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen, die MALU testen, Beiträge schreiben und ehrliches Feedback geben.

Danach soll das Hilfsangebote-Verzeichnis weiter vorbereitet werden. Dafür möchte ich perspektivisch auch mit Fachpersonen, Beratungsstellen, therapeutischen Angeboten und Kliniken ins Gespräch kommen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ein Unternehmen mit gesellschaftlichem Mehrwert aufbauen möchten?

Erstens: Warte nicht darauf, dass alles perfekt ist. Wenn eine Idee aus einer echten Erfahrung kommt, ist sie oft am Anfang noch roh. Wichtig ist, daraus einen ersten funktionierenden Schritt zu machen.

Zweitens: Höre früh auf echtes Feedback. Gerade bei gesellschaftlichen oder sensiblen Themen darf man nicht nur aus der eigenen Perspektive entwickeln. Man muss verstehen, was andere Menschen wirklich brauchen.

Drittens: Bleib ehrlich mit deiner Motivation. Wenn man aus einer persönlichen Erfahrung gründet, steckt viel Herzblut darin. Das kann Kraft geben, aber es kann auch herausfordernd sein. Deshalb ist es wichtig, die eigene Vision ernst zu nehmen, aber trotzdem offen für Kritik, Anpassung und Weiterentwicklung zu bleiben.

Für mich ist MALU genau das: kein fertiges Endprodukt, sondern ein Anfang. Eine Plattform, die mit echtem Feedback wachsen soll.

Bild: Mario Klauderoti, Gründer von MALU Network Bildrechte: privat / Mario Klauderoti

Wir bedanken uns bei Mario Klauderoti für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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