Lemonaid eröffnet mit einer Unternehmensbeteiligung über Aktien der Community die Möglichkeit, Teil eines nachhaltigen Unternehmens zu werden
Lemonaid ermöglicht der eigenen Community erstmals eine Unternehmensbeteiligung. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Weg zu wählen, anstatt auf klassische Investoren oder einen Börsengang zu setzen?
Wir sind ein Unternehmen, dass sich gegründet hat, um positiven Impact voranzutreiben. Und dies geht am besten mit „Gleichgesinnten“. An einer Börse können ungewollte Großinvestoren einsteigen, die unsere Mission verwässern könnten. Dem wollten wir unter keinen Umständen Raum geben. Die Plattformtechnologie zu nutzen, um Aktien direkt an die Community zu verkaufen, ist völlig neu. Damit sind wir die ersten. Und das Schöne: Jeder Investierende wird von uns vor Zulassung geprüft.
Sie sprechen bewusst von „Fairholder Value“ statt „Shareholder Value“. Was bedeutet dieses Konzept konkret, und wie soll es sich in der Praxis von klassischen Beteiligungsmodellen unterscheiden?
Es unterscheidet sich dadurch, dass wir bei uns immer die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet haben. Vom Kleinbauern einer Kooperative bis zum Club oder Bioladen. Für alle sollen Lemonaid und ChariTea etwas Positives bewirken. Dies öffnen wir nun für unsere Community. Über die direkte Beteiligung via Aktien.
Allerdings eben nicht an einem Konzern, sondern an einem Projekt, dass sich die Nachhaltigkeit und den sozialen Impact in die DNA geschrieben hat. So wird jede TeilhaberIn MitbesitzerIn unserer Reise. Es geht nicht um Profitmaximierung für Einzelne. Es geht um die Kreation eines Wertes für alle.
Lemonaid verbindet wirtschaftlichen Erfolg seit Jahren mit sozialem Engagement. Wie stellen Sie sicher, dass dieses Gleichgewicht auch mit einer wachsenden Zahl an Anteilseignerinnen und Anteilseignern erhalten bleibt?
Zum einen wird auch nach Öffnung die Mehrheit in Gründerhand bleiben. Ich selbst werde natürlich die bisherigen Interessen auch in meiner operativen Rolle weiter forcieren. Weiterhin ist Aileen Puhlmann, Vorständin des gemeinnützigen Lemonaid & ChariTea e.V. im Aufsichtsrat. Natürlich hat sie ein besonderes Auge auf die Geschehnisse. Auch die anderen Mitglieder wie Professor Markus Beckmann, der neben seiner Rolle bei uns zu Social Entrepreneurship forscht und lehrt, ist sicher ein guter Garant für unverwässerte Inhalte. Christoph Korritke und Jackson Irvine runden das Bild ab. Zusammengefasst ist der Grund somit mehrschichtig. Wir haben die Sinnhaftigkeit immer in den Vordergrund gestellt – und dies auch bei der neuen Struktur bis ins Detail berücksichtigt.
Mit der Aktienemission können Kundinnen und Kunden zu Miteigentümerinnen und Miteigentümern werden. Welche Chancen eröffnet dieses Modell für die Zukunft von Lemonaid?
Die Öffnung bringt uns in die Lage, mehr Optionen zu haben als bisher. Wir sind bisher zu 100 % in Gründerhand gewesen. Ohne einen einzigen Investor. Das ist super, weil wir so immer Kurs halten konnten. Natürlich beschränkt es gleichzeitig die finanziellen Möglichkeiten. Jeder ausgegebene Euro muss im selben Jahr wieder reinkommen. Durch die Öffnung haben wir nun leichteren Zugang zu finanziellen Mitteln. Und das hilft sehr. Es wird uns mutiger und noch progressiver im Handeln werden lassen.
Seit der Gründung ist Lemonaid international stark gewachsen und unterstützt gleichzeitig soziale Projekte in den Anbauländern. Welche nächsten Ziele verfolgen Sie mit dem frischen Kapital?
Die erste Million geht zunächst im Sinne unserer Mission direkt an den gemeinnützigen Lemonaid & ChariTea e.V.
Das ist für einige sicher verrückt, aber im Sinne unserer Idee. Danach fließen weitere Gelder in eine vorgezogene Kapitalerhöhung bzw. deren Rückzahlung. So haben wir operativ 6 Millionen Euro mehr liquide Mittel. Alles Weitere hängt natürlich dann auch stark davon ab, wie die gesamte Zeichnung laufen wird. Das weiß ja niemand. Obwohl: Das Interesse ist extrem hoch. Aufgrund der extrem hohen Nachfrage nach den Lemonaid Aktien ist die gesamte Webseite der GLS Crowd (initiiert von der GLS Bank) erstmalig seit Gründung des Zeichnungsportals schon Minuten nach Start zusammengebrochen. Jetzt funktioniert zum Glück wieder alles. Sicher zeigt es aber eine Tendenz der Aktion. Über die genannte Verwendung hinaus ist im BaFin-Prospekt alles aufgeführt. Am Ende fließen die Mittel dann in die freie Kapitalrücklage der Anbieterin und können flexibel eingesetzt werden.
Welche Botschaft möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die ebenfalls zeigen möchten, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Wirkung kein Widerspruch sein müssen?
Ich unterstreiche immer wieder, dass eine gewisse Naivität nichts Schlechtes ist. Sie öffnet den Blick für Neues und macht den Versuch möglich, etwas zu erreichen, das zuvor noch nicht angegangen wurde. Ich komme immer wieder an den Punkt, dass Experten mir sagen: „Das geht nicht.“ Weil sie es so gelernt haben. Wenn jemand aus sich heraus einen Need für das zu gründende Produkt sieht – im Idealfall aus Eigeninteresse – und es dieses Produkt nicht gibt, wird oft eine Marktnische entdeckt. Und dann heißt es: Mut haben und machen.
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Bild Gründer Paul Bethke. Fotocredits: Lemonaid
Wir bedanken uns bei Paul Bethke für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder























